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Die Familie von Mering, ihre Verwandtschaft, ihre Herkunft und Gegenwart - dies sind die Themen dieser Seiten.

Der Verbindungspunkt in beide Richtungen sind dabei
Eberhard von Mering und Ruth, geborene Liebert:
Ausgehend von diesen finden Sie hier durch Familiengeschichten einen lebendigen Blick auf die Historie der Familie von Mering im Umfeld lokaler und globaler Geschichte.

Ein Anruf aus Polleben! Dies Dorf in der Nähe der Lutherstadt Eisleben steht ganz am Anfang meiner Forschungen zur Familiengeschichte. Von 1730 bis 1830 haben Vorfahren von uns dort gelebt, danach nicht mehr.

In Polleben habe ich gelernt, Kirchenbücher zu lesen, habe mich an die alte Schrift, an die rituelle Ausdrucksweise gewöhnt. Wie nachher noch in vielen anderen Orten habe ich mit dem Problem der knappen Zeit gekämpft, meiner eigenen Zeit, weil ich im Dorf nicht übernachten konnte, der Zeit von Pastoren und Kirchenältesten, die auch noch was anders zu tun hatten, als mir beim Lesen und Abschreiben zuzusehen.

Aus Polleben stammen meine ältesten Geschichten. Sie sind unter der Liebscher-Saga zu finden, sie sind in Heften des Hallischen EKKEHARD gedruckt.

Ein Anruf aus Polleben also! Polleben wird im nächsten Jahr 850 Jahre alt. Das Dorf wird feiern. Und es möchte sich eines bedeutenden Sohnes erfreuen. Herr Alsleben aus alter Pollebener Familie hat herausgefunden, dass Johann Gottlob Heise im "Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller" von Johann Georg Meusel erwähnt ist. Dies Lexikon ist 1805 erschienen. "Heise ist doch ein Verwandter von Ihnen! Wissen Sie etwas über ihn?" fragt er.

Leider nein. Mein Prinzip ist es, nur direkte Vorfahren zu erforschen. Johann Gottlob Heise ist zwar der Sohn von Vorfahren von mir, nämlich des Cantors Johann Bartholomäus Heise und seiner Frau Susanna Elisabeth Wagner, aber nicht er, sondern seine sehr viel jüngere Schwester Susanna Elisabeth ist meine Vorfahrin. Insofern weiß ich nichts von ihm als seinen Taufeintrag im evangelischen Kirchenbuch von Polleben. Er ist am 21. Januar 1733 geboren und am 25. Januar getauft worden.

Aber wozu gibt es das Internet? Der CERL Thesaurus, "Das Tor zum gedruckten europäischen Kulturerbe" führt tatsächlich Johann Gottlob Heise auf. http://thesaurus.cerl.org/record/cnp01227774 ist der Link. Das Geburtsdatum wird angegeben, auch das Sterbedatum: 16.01.1799. Unter allgemeinen Anmerkungen heißt es: geb. zu Polleben in der Grafschaft Mansfeld; kurfürstlich Sächs. Hofmedikus; Physikus des Oberamts Dresden, der Ämter Moritzburg, Radeberg, Dippoldiswalde und Grüllenburg. Tätigkeit. 1757 Resp. in Halle, aus Polleben (Mansfeld); Arzt

Werke: Dissertatio Inauguralis De Insectorum Noxio Effectu in Corpus Humanum, 1757.

Das ist doch schon etwas! Die Lebensdaten und den Bereich seiner Tätigkeiten hat CERL aus Meusels Lexikon übernommen, dabei aber die interessante Tatsache weggelassen, dass Heise auch "des kurfürstlichen Sanitätskollegiums Beysitzer" war. Dies Sanitätskollegium in Dresden wurde, wie ich auf der Seite des Hauptstaatsarchivs Dresden finde, 1765 beschlossen und 1768 gegründet. Es ist eine der ältesten Einrichtungen staatlicher Gesundheitsfürsorge. Johann Gottlob Heise aus Polleben hat also durchaus Karriere gemacht.

Dass Heise "D. der Arzneykunde" war, weiß schon Meusel. Der Thesaurus CERL nennt den Titel seiner Doktorarbeit von 1757: "Über die schädliche Einwirkung der Insekten auf den menschlichen Körper."  Möchten Sie wissen, was darin steht? Wenn Sie gut Latein können, können Sie es selbst lesen. Die Staatsbibliothek Berlin hat unter dem Projekt "Vd18 Medizin" die Arbeit von Heise digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht. Diesen Hinweis verdanke ich Dr. Walter Müller von der Universitätsbibliothek Halle.

Dr. Müller schickte mir auch zwei weitere alte Lexika-Auszüge. August Weiz, "Das gelehrte Sachsen" von 1780 enthält die Nachricht, dass Heise in Halle studierte und dass er Vater von drei Söhnen war. Außerdem aber finde ich hier schon das Werk erwähnt, dass wohl vor allem zu seiner Aufnahme in die Gelehrtenlexika des 18. und 19. Jahrhunderts führte: Die Übersetzung von Johann Astrucs Abhandlung über die venerischen Krankheiten aus dem Französischen ins Deutsche, Frankfurt und Leipzig 1764.

Weiz 1780, Hamberger/Meusel 1797 und Meusel 1805 halten die Übersetzung dieses medizinischen Buches für eine wichtige Leistung. Der moderne Thesaurus verschweigt sie, vielleicht, weil Heise nicht der Autor, sondern nur der Übersetzer war. Für seine Zeit aber sind Astrucs Diagnose und Therapie der Geschlechtskrankheiten offenbar bahnbrechend gewesen und der Übersetzer ins Deutsche hat in seiner Funktion als Mitglied der kurfürstlichen Gesundheitsbehörde für die Verbreitung dieser Kenntnisse unter den sächsischen Ärzten gesorgt.

Das Buch ist im Augenblick nur in einem Kopenhagener Antiquariat zu finden. Ob es in medizinischen Bibliotheken vorhanden ist, habe ich noch nicht geprüft.

Aber Heises Übersetzung von Johann Astrucs Buch befindet sich bis heute im Nachlass von Thomas Mann. Der Dichter hat das Buch sorgfältig gelesen, mit dem Bleistift in der Hand. Woher ich das weiß? Aus einem Aufsatz von Thomas Rütten "Zu Thomas Manns medizinischem Bildungsgang im Spiegel seines Spätwerks". Der Aufsatz befindet sich in dem Sammelband der Davoser Literaturtage von 1998 "Vom Zauberberg zum Dr. Faustus", herausgegeben von Thomas Sprecher, Frankfurt/M. 2000. Und ist im Internet zu finden.

Da heißt es: "Vor allem die zahlreichen, über den ganzen Druck verteilten Anstreichungen in Johann Astrucs 'Abhandlung aller Venuskrankheiten' in der 718 Seiten starken Übersetzung von Johann Gottlob Heise beweisen es. Diesem Werk entnahm der Dichter, wie aus den Anstreichungen bzw. Unterstreichungen zu folgern ist, außer der Frühgeschichte der Syphilis im Sinne der erwähnten Amerikanistentheorie und abgesehen von verschiedenen Begriffen wie z.B. Venusgift folgende für den 'Faustus' belangreiche Elemente: eine Art 'Who is who' der Syphiliskranken im Renaissancehumanismus, die astromedizinischen Theorien über die Entstehung der Syphilis, die Neigung der Krankheit, einen bereits bestehenden Krankheitsherd, z.B. habituelle Kopfschmerzen, zu verstärken und schließlich die iatrotheologischen Implikationen der Syphiliskrankheit, d.h. ihre Auffassung als Strafe Gottes."

Rütten zitiert in den Fußnoten zu seinem Aufsatz öfter Johann Gottlob Heise. Ich möchte davon nur ein paar Sätze aus der "Vorrede des Übersetzers" an den Schluss meines Textes setzen. Heise schreibt auf Seite 24: "Was? Mitleiden ist es so dich bewogen, diese Arbeit zu übernehmen? dieses Buch gemeinnützlicher zu machen? Das Mitleiden gegen unreine, gegen venerische, gegen französigte, gegen solche Personen, die durch eigenes Verschulden in dergleichen Krankheiten gerathen; Die sich an ihrem Schöpfer versündigt haben...."

Ich denke, Polleben kann schon stolz sein auf Johann Gottlob Heise.

 

 

 

 

 

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