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Die Familie von Mering, ihre Verwandtschaft, ihre Herkunft und Gegenwart - dies sind die Themen dieser Seiten.

Der Verbindungspunkt in beide Richtungen sind dabei
Eberhard von Mering und Ruth, geborene Liebert:
Ausgehend von diesen finden Sie hier durch Familiengeschichten einen lebendigen Blick auf die Historie der Familie von Mering im Umfeld lokaler und globaler Geschichte.

Zuerst veröffentlicht in: EKKEHARD, Familien- und regionalgeschichtliche Forschungen, Hallische Familienforscher "EKKEHARD" e.V., Neue Folge 24 (2017), Heft 4

 „Manchmal muss man eine Ausnahme machen. Eigentlich forsche ich nur über direkte Vorfahren. Aber meinen Hallischen Freunden vom EKKEHARD zuliebe will ich im Jahr des Stadtjubiläums 2006 eine Hallenser Geschichte erzählen. Da ich über meinen einzigen Vorfahren in Halle, den Sanduhrmacher Johann Christoph Wagner, noch nichts herausbringen konnte, wähle ich den Medizinprofessor Joseph von Mering. Immerhin ist er mit mir verwandt – ich bin eine geborene von Mering. Vor allem aber gehört er nach Halle: siebzehn Jahre, von 1891 bis 1908, hat er in Halle gewirkt.“

So schrieb ich im Jahr 2006, als Halle sein Stadtjubiläum feierte. 2007, im 2. Heft des Jahres, wurde mein Text im EKKEHARD gedruckt. Ich wusste, dass er gut war – denn ich hatte fleißig geforscht. Aber erst 2016 erfuhr ich, dass er das Beste sei, was über den Professor von Mering in Halle geschrieben wurde. Und dass Dr. Viktor Jörgens meinen Text nutzen wollte, um in englischer Sprache auf der Webside Diapedia, der Webside der Europäischen Diabetesforschung, Josef von Mering international bekannt zu machen.

Und das war noch nicht alles. Im April 2016 erhielt ich eine Einladung in das Deutsche Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. Denn dort hatte man beschlossen, eine Von-Mering-Medaille in Gold prägen zu lassen. Am 25. April 2016 ehrte man zum 1. Mal einen verdienten Diabetesforscher der Jetztzeit, Herrn Professor Dr. Hans-Ulrich Häring aus Tübingen mit dieser Medaille – und man lud mich ein zu dieser Feierstunde mit Festvortrag und dem anschließenden Essen in kleinem Kreis.

Niemand konnte erstaunter sein als ich. Unter lauter Medizinern, von denen sich alle aus langen Jahren gemeinsamer Forschung gut kennen, ich, die Genealogin! Bei weitem die älteste unter den Gästen und ohne wissenschaftlichen Titel. Was bedeutete das? Ich versuchte, Augen und Ohren offen zu halten und den Abend zu genießen.

Nun bin ich schon zum zweiten Mal in Düsseldorf gewesen. Auch zur 2. Verleihung der Von-Mering-Medaille an Prof. Dr. Hans Georg Joost lud Professor Dr. Michael Roden, der Direktor des Deutschen Diabetes-Zentrums, mich ein. Meine Rolle ist eigenartig. Mir scheint, ich verkörpere die Geschichte.

Forschung ist eine Erscheinung der Zeit. Sie entsteht aus kleinen Anlässen, sie sammelt Daten, sie verbindet Menschen mit dem gleichen Interesse, sie erleidet Rückschläge, sie setzt neu an, sie kämpft mit den Gegebenheiten des Ortes, der Politik, der Ökonomie. Sie verändert sich mit den Jahren. Sie erringt erste Erfolge. Sie steigert sich. Und sie stellt fest, dass sie immer noch nicht am Ziel ist.

Die Diabetologen empfinden die Notwendigkeit, inne zu halten, sich ihres Status zu versichern, Erfolge zu feiern. Sie empfinden das Verstreichen der Zeit – sie fühlen Geschichte.

Wir Genealogen wurden ja von den Historikern oft schief angesehen. Inzwischen wissen sie auch, das Prosopographie nichts Verächtliches ist. Am Leben des einzelnen lässt sich Geschichte studieren. Der Professor von Mering in Halle hatte schon in Straßburg entdeckt, dass die Bauchspeicheldrüse den Körper vor Diabetes bewahrt. Das Insulin konnte er nicht isolieren. Und er hatte entdeckt, dass Phlorizin in der Niere hilft, den Zucker auszuscheiden statt ihn wieder in den Blutkreislauf zurück zu geben. Aber auch diese Erkenntnis konnte er noch nicht in der Therapie nutzen.

Forschung braucht Zeit, viele kleine Schritte. Das Deutsche Diabetes-Zentrum versucht zu fördern, zu bündeln, zusammen zu fassen. Es will ermutigen, indem es Leistung ehrt. Es ehrt den Professor Josef von Mering, indem es heutigen Diabetologen seine Medaille verleiht. Die Zuckerkrankheit ist immer noch nicht heilbar.

Auch die Medizinische Fakultät Halle trägt ihrem Sinn für Geschichte Rechnung. Schon zum 2. Mal hat 2017 das „Hallenser Josef-von-Mering-Symposium“ stattgefunden, unter dem Titel: „Diabetes aktuell“. Oberarzt Dr. Rainer Pliquett von der Medizinischen Klinik ehrt den ehemaligen Direktor dieser Klinik. Natürlich geht es um die heutige Diabetesforschung, die dem Phlorizin besondere Aufmerksamkeit schenkt. Aber Dr. Viktor Jörgens hielt auch eine Präsentation über Leben und Werk von Josef von Mering.

Ob die Alten Herren und Damen der Verbindung Gothia davon gehört haben? Renovieren sie das Haus des Professors von Mering, in dem jetzt ihre Studierenden wohnen, gerade deswegen? Schön wäre das! Dr. Viktor Jörgens schwebt vor, dass man eine Gedenktafel am Hause anbringen könnte. Die Gothia kaufte das Haus 1930 von den Erben von Mering, weil deren Lebensmittelpunkte nicht in Halle lagen.

Wir Familienforscher freuen uns, wenn wir dazu beitragen können, dass man historisch denkt. Es geht dabei nicht um Träumerei, sondern um Mut. Die Zukunft ist ebenso eine Erscheinung der Zeit wie die Vergangenheit. Und die Gegenwart wird schon bald Geschichte sein.

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