In Bonn, räumlich angeschlossen an das Stadtarchiv, thematisch vernetzt mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn, befindet sich das Rheinische Archiv für Künstlernachlässe. Der Leiter ist Daniel Schütz, M.A.

Herrn Schütz kenne ich schon aus seinen Studentenjahren. Etwa 1996, als ich gerade anfing, den dokumentarischen Nachlass meines Großvaters Carl von Mering zu ordnen, ist er irgendwo über dritte auf mich aufmerksam geworden. Ich erinnere mich, dass er mich nach politischen Dokumenten fragte: ob im Nachlass meines Großvaters sich ein Schriftwechsel mit der NSDAP oder der Reichskammer der bildenden Künste befinde. Das musste ich verneinen. Und ich verstand, dass aus den meisten Künstlernachlässen aus dem Dritten Reich die Hinweise auf politische Kontakte entfernt worden sind.

Seither hat Herr Schütz Verbindung gehalten. Er plante wohl schon damals das Archiv, das 2007 als Stiftung entstand. Seit ich älter wurde, mahnte er mich in regelmäßigen Abständen, den Nachlass Carl von Merings nicht den Erben zu überlassen, da er dann leicht vertreut werde, sondern ihn dem Rheinischen Archiv für Künstlernachlässe anzuvertrauen.

Das habe ich nun getan – vielmehr, ich bin noch dabei. Denn Herr Schütz macht mich darauf aufmerksam, was alles noch ergänzend dazu gehört – so z.B. die Hinweise auf Carls Freundschaft zu dem Maler Rudi Hammer.

Ich habe mir reichlich Zeit gelassen: alle handschriftlichen Texte meines Großvaters transkribiert und gespeichert, eine eigene kurze Biographie und einen tabellarischen Stammbaum verfasst, viele seiner Werkfotos eingescant. Zum Wikipedia-Artikel von Dr. Kierdorf habe ich die Daten geliefert. Ich möchte gern weiterhin in der Lage sein, Auskunft zu geben über meinen Großvater.

Aber ich vertraue, dass die vergänglichen Zeugnisse seines Lebens in einem Archiv besser aufgehoben sind als in meinen alten Ordnern. Und ich würde mich sehr freuen, wenn sie genutzt werden und meines Großvaters schwieriges Leben von jungen Wissenschaftlern in den Rahmen der rheinischen Kunstgeschichte gestellt wird. Jeder von der Familie hat nach Anmeldung freien Zugang zum Nachlass von Carl von Mering.  

Die wenigen Kunstwerke von seiner Hand, die den Bombenkrieg überdauert haben, kann ich sowieso nicht erhalten. Viele von ihnen verwittern.