Die Liebert-Saga

Die Liebert-Saga ist die Geschichte der Herkunft meines Urgroßvaters Otto Liebert. Sie führt nach Großpolen, nach Kobylin bei Lissa oder, wie es heute heißt, Leszno. Der erste Liebert heißt Michael und ist Einwohner in Jutroschin. Als er zum ersten Mal erwähnt wird, 1731 bei der Hochzeit seines Sohnes Martin, eines Windmüllers in Kobylin, ist er schon verstorben. Michael Liebert war deutschstämmig und evangelisch-lutherisch. Er gehört in einen Personenkreis, der seit der Gegenreformation nach dem Dreißigjährigen Krieg von Schlesien ins Königreich Polen ausgewichen ist.

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Der Revolutionär

Daniel Benjamin Liebert aus Kobylin/Provinz Posen

1848 hatte im Jahr 1998 Jubiläum: das 150ste! Auf der Suche nach ihren demokratischen Wurzeln haben die Deutschen auch dieses Jubiläum nicht verschmäht. Und offenbar sind zumindest im Badischen Raum sehr schöne örtliche Ausstellungen und Einzelforschungen entstanden. Viele neue Bücher gibt es. Die Zeitschrift "Damals" hat dem Jahr 1848 ein "Spezial" mit interessanten Aspekten der 48er gewidmet, worin vielerlei Literatur ausgebreitet wird. Doch fällt mir auf: Die meisten Illustrationen und Einzelgeschichten stammen aus dem Westen Deutschlands, vor allem natürlich aus Frankfurt am Main, mit der Paulskirche als symbolischem Mittelpunkt.

Aus Preußen hört man wenig, noch weniger aus Schlesien. Nur ein einziges Bild ist betitelt: "Sturm auf das Backhaus am Breslauer Heumarkt, Gemälde von Philipp Hoyoll, 1848" und zeigt eine unbewaffnete Volksmenge aus jungen Leuten, Frauen, Kindern und Greisen, auf die ein Pikett Soldaten feuert. Um aber über die damalige Provinz Posen etwas zu erfahren, also noch weiter nach Osten zu gehen, muß man schon Spezialliteratur suchen.

Und das ist dann wirklich Spezialliteratur: in zwei Sprachen und von zwei sehr verschiedenen Gesichtspunkten aus. Herr Dr. Peter Wörster ärgert sich: sogar die Bibliographie zur Provinz Posen steht in seinem Herder-Institut in Marburg in zwei weit auseinander liegenden Regalen. Ich tröste ihn: in Metz im Departement-Archiv zu Lothringen ist das auch so. "Aber das soll nicht sein!" sagt er mit unterdrückter Leidenschaftlichkeit.

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Windmüller in Kobylin

Unsere Vorfahren im heutigen Polen

(Siehe dazu die "Liebert-Stammliste" unter "Abstammung")


Mein Großvater mütterlicherseits gilt als Schlesier. Er hieß mit vollem Namen Paul Otto Alfred Liebert und wurde am 22. August 1869 in Guhrau (heute Góra) in Niederschlesien geboren. Guhrau war die Heimat seiner Mutter Emma Saur. Sein Vater Otto Liebert war erst als junger Eisenwarenkaufmann aus Lissa dahin gekommen, hatte geheiratet und mit Hilfe der Mitgift seiner Frau ein schönes Eisenwarengeschäft gegründet. Das Kind Paul kannte seine Guhrauer Großmutter gut. Fasziniert zitiert noch der alte Mann diese Mutter seiner Mutter, nämlich Amalie Saur, geb. Matthie, die von mehreren Generationen Windmüllern namens Saur in Guhrau zu erzählen wußte:"Wie die Guhrauer Müller ihre Mehlsäcke mit Wagen in tagelanger Fahrt nach Berlin brachten und dabei auch bis zum König, dem alten Fritzen, gelegentlich vorstießen mit ihren Wünschen, und dann im Wagen ihre Geldsäcke nach Hause brachten. - Bei einer solchen Fahrt ist auch mein Urgroßvater beim König mit Erfolg vorstellig geworden zur Änderung seines Namens Sauer, deren es in Guhrau mehrere gab, in Saur - wohl aus seinem Müllerstolze heraus!

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Familien-Erinnerungen Oberstlt. a d Liebert

Dies ist meine Abschrift eines kleinen Heftes, das mein Großvater Paul Liebert auf Bitten seiner Töchter  in den Jahren 1940/2 geschrieben hat. Es trägt als Anfangsbemerkung: "aufgestellt in den letzten Jahren, abgeschlossen Oktober 1942"

Familien-Erinnerungen väterlicherseits

Die Vorfahren der Urgroßeltern Nitsche u. Cytowski sind mit dem Theologen Comenius 1628 aus Böhmen nach Lissa (in Polen) eingewandert. - Die Großmutter meiner Lissaer Großmutter war eine geb. Nitsche, etwa 1790 geboren. Als Waise wurde sie bei einem Apotheker erzogen und heiratete 1812 den Stadtgut- u. Bäckereibesitzer Cytowski. Der Trauring bestand aus einem breiten Goldreif mit einem Lebensbaum darauf, den ihre Urenkelin Clara Reich, verw. Walsen, geb. Kresser erbte, nun im Besitz ihres Sohnes Erich Walsen (Bankbeamter in Berlin). - Aus dieser Ehe entstammten 5 Kinder, 2 Söhne, 3 Töchter. Die älteste Tochter ist meine Großmutter (väterlicherseits), geb. 1817, 11. 9. , Charlotte, die 2. Tochter heiratete den Brauereibesitzer Anders in Lissa, die 3. den Mühlenbesitzer Grade in Lissa. Die beiden Söhne übernahmen das väterliche Erbe. - Meine Großmutter Charlotte heiratete den Sohn des Mühlenbesitzers Karl Christian Liebert in Kobylin in Posen 1837.

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Familien-Erinnerungen

Dies ist ein Originaltext von Meta Spohn, geb. Liebert, (geb. 23.05.1884 in Guhrau/Schlesien, gest. 09.02.1942 in Friedland/Schlesien, Halbschwester unseres Großvaters Paul Liebert aus der zweiten Ehe seines Vaters Otto Liebert)

Die Vorfahren der Urgroßeltern Nitsche und Cytowski sind mit dem Theologen Comenius 1628 aus Böhmen nach Lissa in Posen eingewandert. - Die Mutter unserer Lissaer Großmutter Liebert war eine Nitsche, etwa 1790 geboren. Als Waise wurde sie bei einem Apotheker erzogen und heiratete 1812 einen Bäcker Cytowski. Der Trauring bestand aus einem breiten Goldreif mit einem Lebensbaum darauf, den ihre Urenkelin Clara erbte, nun im Besitz deren Sohnes Erich Walsen, Berlin. - Aus dieser Ehe Cytowski waren 5 Kinder, 2 Jungens und 3 Mädels, wovon die Großmama Liebert die Älteste war. Die 2. Schwester war an den Brauereibesitzer Anders verheiratet, die dritte an den Müllermeister Grade. Die Söhne Adolph und Berthold waren beide Bäckermeister. Einer übernahm die väterliche Bäckerei.

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Mein Großvater Paul Liebert

(geb. am 22. August 1869 in Guhrau/Bezirk Breslau, heute Gorá/Polen, gest. am 1. Mai 1948 in Marburg/Lahn)

Meine Mutter ist eine geborene Liebert. Ihren Vater, den pensionierten Oberstleutnant Paul Liebert, habe ich noch gekannt. Dass ich ihn gut gekannt hätte, kann ich nicht sagen, obwohl ich ihn oft gesehen habe von klein auf. Er hat, so vermute ich, an seinen Enkelkindern wenig Freude empfunden - dazu war er vielleicht schon zu alt oder Krieg und Nachkrieg verschatteten unser Zusammensein. Jedenfalls habe ich ihn mehr gefürchtet als geliebt.

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Edith Liebert, geb. Behn

Meine Großmutter mütterlicherseits war ein Mensch, den viele andere Menschen gern hatten. Und eigentlich immer wussten sie nicht, warum.

Edith war nicht schön, aber keineswegs hässlich. Seit ihrer Pubertät war sie übergewichtig, dazu relativ groß. Vielleicht kann ich behaupten, sie war von imponierender Gestalt. Im Krieg und Nachkrieg war sie natürlich dünn wie alle Leute, das stand ihr nicht besonders. 

Sie war Rheumatikerin, hatte oft Schmerzen, vor allem in den Händen und Füßen. Sie verhehlte das nicht, aber sie ging auch niemandem damit auf die Nerven. Sie hatte Contenance und einen goldenen Humor. 

Meine Großmutter konnte gut erzählen, das schätzte ich besonders. Mit wenigen Strichen charakterisierte sie Personen. Das war manchmal scharf, aber nie boshaft. 

Sie stammte noch aus dem Kaiserreich. Sie hatte als erwachsene Frau den 1. Weltkrieg erlebt! Sie verkörperte für mich die Geschichte.