Zuerst veröffentlicht in: Aratora, Zeitschrift des Vereins für Heimatkunde, Geschichte und Schutz von Artern e.V., Bd. 15 (2005), S. 136:

Ein zünftiger Rechtsstreit aus dem 18. Jahrhundert:

Wie der Arterner Bäcker Johann Gottfried Meyer (15. 11. 1740 – 11. 3. 1799) um seine Existenz kämpfte

Brauchen wir noch den Meisterbrief in der Europäischen Union? Die andern europäischen Staaten kennen ihn gar nicht. Von uns Deutschen wird gefordert, unsere Einstellung zum Handwerksrecht zu überdenken. Leicht könnte es scheinen, als werde damit eine 700jährige Tradition zum ersten Mal und dazu noch vom Ausland her in Frage gestellt. Aber so ist es natürlich nicht. Fragen an die Praxis des Meisterrechts hat es immer gegeben. Im Stadtarchiv Artern sucht Frau Loeschmann für mich eine Akte aus dem Jahr 1766[1] heraus. Die heißt: Das von Johann Gottfried Meyern bey der Weißbecker-Innung allhier ohne Beobachtung des MuthJahres gesuchte Meister-Recht betreffend.  Die Akte beschreibt einen Konflikt zwischen einem jungen Mann, meinem Vorfahren Johann Gottfried Meyer, und der Bäcker-Innung von Artern. Johann Gottfried Meyer hatte Mut.

Zuerst veröffentlicht in: ARATORA 13, 2003, Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Schutz Arterns, hrsg. von Klaus und Andreas Schmölling, S. 43 - 51

Wie weit bin ich von dem Mädchen entfernt, das im Jahr 1786 in Artern das Licht der Welt erblickt! So ein Haus wie das Weißbäckerhaus Meyer gibt es ja gar nicht mehr, auch wenn ich den Duft von frischen Kuchen und von gedörrtem Obst noch kenne und mich erinnere, wie er alle Räume eines Hauses durchziehen kann. Es ist dieser Duft, der die niedrige Stube im Haus in der Altstadt von Artern seit 20 Jahren imprägniert hat, die Stube, in der die Bäckersfrau Maria Eleonora Meyer, geb. Zeise, gerade entbindet. Alle Balken, alle Stoffe riechen nach Milchsemmeln und Pfannkuchen, und gerade jetzt im September erwärmt das Haus der Hauch der getrockneten Birnenschnitze, denn es ist ein Weißbäckerhaus.

Die Eberhardts stammen aus dem Thüringer Wald. Natürlich sind sie evangelisch-lutherisch. Die erste Eheschließung, die ich nachweisen kann, hat 1692 in Großbreitenbach stattgefunden. Da heiratet ein Fenstermacher Eberhardt die Tochter eines Fenstermachers Eberhardt – das wird wohl seine Kusine gewesen sein. Das Handwerk der Fenstermacher umfasste "im Osten" das, was im Westen Deutschlands zwei Gewerke, die Tischler und die Glaser, leisteten. Die Fenstermacher fertigten nicht nur den Holzrahmen, sondern setzten auch das Glas ein. Glas wurde im Thüringer Wald schon seit dem Mittelalter hergestellt.

Zuerst veröffentlicht in: EKKEHARD, Familien- und regionalgeschichtliche Forschungen, Hallische Familienforscher "EKKEHARD" e. V. , Neue Folge 9 (2002), Heft 3, S. 80

1736 ist Wolffgang Nicol Eberhardt in Breitenbach oder - wie es zum Unterschied zu anderen Breitenbachs im Thüringer Wald genannt wird - Großbreitenbach geboren. Er ist der dritte Sohn seiner Eltern, die 1730 auch in Großbreitenbach geheiratet haben, und wird in seiner Heiratsurkunde "jüngster Sohn" genannt, was bedeuten würde, dass die Kinder nach ihm entweder alle weiblichen Geschlechts waren oder zumindest spätere Söhne nicht überlebt haben. Das weiß ich nicht, weil ich viel zu wenig Zeit für das ergiebige Kirchenbuch hatte.

Goethe auf der Jagd im Thüringer Wald

Veröffentlicht in: Familie und Geschichte, Hefte für Familiengeschichtsforschung im sächsisch-thüringischen Raum, Bd. VIII, 24. Jg., Heft 3, Juli-Sept. 2015, Verlag Degener u. Co.

Wolffgang Nicol und Johann Wolfgang

Am 3. September 1776 herrscht am Kahlert die helle Aufregung: ein ungewohntes Gewimmel von Menschen, Pferden, Hunden. Wo der Rennsteig sich mit der Straße von Großbreitenbach nach Gießübel kreuzt, auf der Höhe des Thüringer Waldes, findet eine Deutsche Jagd1 statt. Das weiß ich, weil mein Vorfahr Wolffgang Nicol Eberhardt davon berichtet. Was mir erst später klar wurde: Johann Wolfgang von Goethe war auch dabei.

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