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	<title>von Mering - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Generationen&amp;diff=71</id>
		<title>Generationen</title>
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		<updated>2026-09-22T17:01:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Nach Generationen strukturiert.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Ausgangsgeneration ===&lt;br /&gt;
Die Vorfahren auf dieser Website sind die Vorfahren von Christa Lippold, geb. von Mering und ihren Brüdern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unsere Vorfahren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Generation I: Unsere Eltern]]&lt;br /&gt;
* [[Generation II: Unsere Großeltern]]&lt;br /&gt;
* [[Generation III: Unsere Urgroßeltern]]&lt;br /&gt;
* [[Generation IV: Unsere Ur-Urgroßeltern]]&lt;br /&gt;
* [[Generation V: Unsere Urur-Urgroßeltern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Generation VI]]&lt;br /&gt;
* [[Generation VII]]&lt;br /&gt;
* [[Generation VIII]]&lt;br /&gt;
* [[Generation IX]]&lt;br /&gt;
* [[Generation X]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Generation_III:_Unsere_Urgro%C3%9Feltern&amp;diff=70</id>
		<title>Generation III: Unsere Urgroßeltern</title>
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		<updated>2026-09-22T16:56:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Generation II: Unsere Großeltern]] ⇐ [[Generationen]] ⇒ [[Generation IV: Unsere Ur-Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Merkwürdigerweise hätten zwei Paare unserer Urgroßeltern sich beim Nachmittagsspaziergang in den Straßen von Berlin-Wilmersdorf zwischen 1915 und 1920 durchaus begegnen können. Wahrscheinlich hätten die einen, der Generalleutnant Hermann Behn und seine Frau Martha, die andern, den Eisenbahn-Hauptkassenrendanten Heinrich Eberhardt mit seiner Frau Johanna, nicht standesgemäß gefunden. Aber beide Paare wohnten in geräumigen Mietwohnungen, die Behns in der Nassauischen Str. 5 und die Eberhardts in der Weimarischen Str. 20. Ihre Gewohnheiten waren bürgerlich und beiden war im Krieg ein geliebter Sohn gefallen. Beide hatten insgesamt mit dem Kaiserreich viel Geld verloren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behns fühlten sich als Berliner, sie hatten seit der Pensionierung von Hermann im April 1906 immer dort gelebt. Sie waren Preußen durch und durch. Doch war Martha in Königsberg und Hermann in Trier geboren. Die Eberhardts hingegen zog es von Berlin zurück an den Rhein, wo sie ihre ersten Ehejahre verbracht hatten, wo die meisten ihrer Kinder lebten: unsere Großmutter von Mering mit Mann Carl, Tante Else Eberhardt, Tante Hanna Wentzel mit Mann Otto und Tante Hede Eberhardt. Dass Tante Trude mit ihrem Mann Otto Schumann in Berlin lebte, zählte anscheinend nicht so viel. Sohn Otto Eberhardt lebte mit seiner Frau Clara in Detmold – das zählte erst recht nicht. Dass die Urgroßeltern Eberhardt so rheinisch fühlten, ist eigentlich erstaunlich. Denn beide stammten aus Mitteldeutschland, Heinrich aus Arnstadt in Thüringen, Johanna aus Oberröblingen am See im Mansfelder Land. Aber soweit ich weiß, fühlten sich beide als Kölner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die andern beiden Urgroßelternpaare hatten keinerlei Verbindung zu diesen beiden. Auch waren sie bis auf die Urgroßmutter Philippine von Mering in den Jahren 1915 bis 1920 nicht mehr am Leben. Urgroßvater Peter von Mering, Figurist, der sich Fabrikant nannte, weil er Stuckornamente vorfertigte und nach Katalog verkaufte, war 1901 in Köln-Ehrenfeld verstorben. Philippine lebte seither als Witwe bei ihrer verheirateten Tochter Grete, seit 1911 bei ihrem Sohn Carl, unserm Großvater väterlicherseits.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Urgroßvater Otto Liebert war schon 1897 verstorben, in Guhrau, einer kleinen Stadt in Niederschlesien, in der er sich 1868 so glücklich verheiratet hatte. Er war als mittelloser junger Kaufmann aus Lissa/Posen an die reiche und tüchtige Emma Saur, eine Müllerstochter in Guhrau, geraten. Als sie ihm 1880 starb, war er tief verzweifelt. Aber er konnte drei Jahre später noch einmal Glück erleben. Julie Sonntag, ebenfalls tüchtig und wohlhabend, heiratete den Witwer mit seinen drei lebenden Kindern und gebar ihm noch drei weitere. Diese Stiefmutter unseres Großvaters bildete noch lange den geliebten Mittelpunkt der Familie Liebert in Schlesien. Unsere Mutter und unsere Tante zogen diese Stiefgroßmutter bei weitem ihrer echten Großmutter Behn in Berlin vor. Unser Vater wiederum schätzte seine wohlhabende und praktische Großmutter Eberhardt, die Pfarrerstochter, mehr als die leidende und verarmte Großmutter von Mering, Tochter eines Glasers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unserer Eltern Großeltern sind bis auf den Fabrikanten von Mering zeitweilig recht wohlhabende Leute gewesen. Den Behns, den Eberhardts und den Lieberts hatten die Gründerjahre genutzt, den Behns sogar in gewisser Hinsicht der Erste Weltkrieg. Hermann Behn war im Krieg als Inspekteur „wieder verwendet“ worden und wurde 1917 nicht mehr nur als Generalmajor, sondern als Generalleutnant pensioniert. Heinrich Eberhardt starb 1928 in Köln, Hermann Behn 1932 in Berlin. Martha Behn folgte ihrem Mann 1937, Johanna Eberhardt lebte noch bis 1944. Die Großmütter Behn und Eberhard, die Stiefgroßmutter Liebert erfuhren noch, dass unsere Eltern Ruth und Eberhard sich liebten. Philippine von Mering hingegen war schon 1926 gestorben. Die Großmütter Eberhardt und Liebert nahmen an der Liebe ihrer Enkel sogar innigen Anteil. Unsere Mutter erzählt, dass Eberhard und sie, wenn sie als Braut in Köln zu Besuch war, jedes Mal im Zugweg 12 zu einem schönen Essen eingeladen wurden und oft anschließend zwei Theaterkarten erhielten. Und auf ihrer immer wieder erzählten Verlobungsreise nach Schlesien waren sie zwar zu Gast bei Ruths reicher Tante Meta, aber auch bei Julie Liebert hochwillkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urgroßmutter väterlicherseits Johanna Eberhardt, geborene Liebscher, habe sogar ich noch gesehen, als ich 1942 vierjährig zusammen mit meinem Vater meine Großeltern in Köln besuchte. Sie machte als Hochbetagte keinen  besonderen Eindruck auf das Kind. Im Gegenteil, dass sie den Samt bezogenen Schemel, den ich als Sitzplatz schätzte, unter ihre Füße geschoben bekam, erregte mein Missfallen. Um sie kennen zu lernen, war ich noch zu klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss der Großeltern Eberhardt auf die beiden Enkel Clara und Eberhard von Mering war größer als der Einfluss der von Merings. Die Herzen der Enkeltöchter Ruth und Ursula Liebert neigten zu den Lieberts in Schlesien mehr als zu den Behns in Berlin. Das ist wichtig. Es wird nicht nur um die Weitergabe von Genen gekämpft, wie wir wissen: auch die Weitergabe der Einstellung zum Leben liegt dem Menschen am Herzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach meinen Urgroßeltern benenne ich die Familienstämme. Deshalb sind es acht: die Merings, die Allendorfs, die Eberhardts, die Liebschers, die Lieberts, die Saurs, die Behns, die Ehlerts. Die ersten vier, die Vorfahren meines Vaters, finden sich von Lothringen bis Sachsen, die zweiten vier, die Vorfahren meiner Mutter, sind zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert östlich der Oder zu Hause: Leszno/Polen, Kobylin/Polen, Guhrau/Schlesien, Bromberg/Westpreußen, Torun/Polen, Rastenburg/Ostpreußen, Königsberg/Ostpreußen. Das ist ein großer Unterschied für die Erforschung. Die Archive zur Genealogie meines Vaters liegen bis auf Metz und Bouchporn auf heute deutschem Gebiet und sind zugänglich, in deutscher Sprache erschlossen. Heimatvereine und Genealogen unterhalten deutschsprachige Zeitschriften, in denen ich publizieren kann. Die Archive zur Genealogie meiner Mutter liegen im heutigen Polen, sie werden jetzt allmählich für mich zugänglich. Aber die Regionalforscher, die sie erschließen, schreiben polnisch. Meine auf Deutsch erzählten Geschichten können in der Region nicht veröffentlicht werden. Für sie hauptsächlich muss ich eine Internetseite eröffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[[Unsere Großeltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Ur-Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Unsere_Urgro%C3%9Feltern&amp;diff=69</id>
		<title>Unsere Urgroßeltern</title>
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		<updated>2026-09-22T16:55:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Jens verschob die Seite Unsere Urgroßeltern nach Generation III: Unsere Urgroßeltern&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Generation III: Unsere Urgroßeltern]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Generation III: Unsere Urgroßeltern</title>
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		<updated>2026-09-22T16:55:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Jens verschob die Seite Unsere Urgroßeltern nach Generation III: Unsere Urgroßeltern&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Unsere Großeltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Ur-Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Merkwürdigerweise hätten zwei Paare unserer Urgroßeltern sich beim Nachmittagsspaziergang in den Straßen von Berlin-Wilmersdorf zwischen 1915 und 1920 durchaus begegnen können. Wahrscheinlich hätten die einen, der Generalleutnant Hermann Behn und seine Frau Martha, die andern, den Eisenbahn-Hauptkassenrendanten Heinrich Eberhardt mit seiner Frau Johanna, nicht standesgemäß gefunden. Aber beide Paare wohnten in geräumigen Mietwohnungen, die Behns in der Nassauischen Str. 5 und die Eberhardts in der Weimarischen Str. 20. Ihre Gewohnheiten waren bürgerlich und beiden war im Krieg ein geliebter Sohn gefallen. Beide hatten insgesamt mit dem Kaiserreich viel Geld verloren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behns fühlten sich als Berliner, sie hatten seit der Pensionierung von Hermann im April 1906 immer dort gelebt. Sie waren Preußen durch und durch. Doch war Martha in Königsberg und Hermann in Trier geboren. Die Eberhardts hingegen zog es von Berlin zurück an den Rhein, wo sie ihre ersten Ehejahre verbracht hatten, wo die meisten ihrer Kinder lebten: unsere Großmutter von Mering mit Mann Carl, Tante Else Eberhardt, Tante Hanna Wentzel mit Mann Otto und Tante Hede Eberhardt. Dass Tante Trude mit ihrem Mann Otto Schumann in Berlin lebte, zählte anscheinend nicht so viel. Sohn Otto Eberhardt lebte mit seiner Frau Clara in Detmold – das zählte erst recht nicht. Dass die Urgroßeltern Eberhardt so rheinisch fühlten, ist eigentlich erstaunlich. Denn beide stammten aus Mitteldeutschland, Heinrich aus Arnstadt in Thüringen, Johanna aus Oberröblingen am See im Mansfelder Land. Aber soweit ich weiß, fühlten sich beide als Kölner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die andern beiden Urgroßelternpaare hatten keinerlei Verbindung zu diesen beiden. Auch waren sie bis auf die Urgroßmutter Philippine von Mering in den Jahren 1915 bis 1920 nicht mehr am Leben. Urgroßvater Peter von Mering, Figurist, der sich Fabrikant nannte, weil er Stuckornamente vorfertigte und nach Katalog verkaufte, war 1901 in Köln-Ehrenfeld verstorben. Philippine lebte seither als Witwe bei ihrer verheirateten Tochter Grete, seit 1911 bei ihrem Sohn Carl, unserm Großvater väterlicherseits.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Urgroßvater Otto Liebert war schon 1897 verstorben, in Guhrau, einer kleinen Stadt in Niederschlesien, in der er sich 1868 so glücklich verheiratet hatte. Er war als mittelloser junger Kaufmann aus Lissa/Posen an die reiche und tüchtige Emma Saur, eine Müllerstochter in Guhrau, geraten. Als sie ihm 1880 starb, war er tief verzweifelt. Aber er konnte drei Jahre später noch einmal Glück erleben. Julie Sonntag, ebenfalls tüchtig und wohlhabend, heiratete den Witwer mit seinen drei lebenden Kindern und gebar ihm noch drei weitere. Diese Stiefmutter unseres Großvaters bildete noch lange den geliebten Mittelpunkt der Familie Liebert in Schlesien. Unsere Mutter und unsere Tante zogen diese Stiefgroßmutter bei weitem ihrer echten Großmutter Behn in Berlin vor. Unser Vater wiederum schätzte seine wohlhabende und praktische Großmutter Eberhardt, die Pfarrerstochter, mehr als die leidende und verarmte Großmutter von Mering, Tochter eines Glasers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unserer Eltern Großeltern sind bis auf den Fabrikanten von Mering zeitweilig recht wohlhabende Leute gewesen. Den Behns, den Eberhardts und den Lieberts hatten die Gründerjahre genutzt, den Behns sogar in gewisser Hinsicht der Erste Weltkrieg. Hermann Behn war im Krieg als Inspekteur „wieder verwendet“ worden und wurde 1917 nicht mehr nur als Generalmajor, sondern als Generalleutnant pensioniert. Heinrich Eberhardt starb 1928 in Köln, Hermann Behn 1932 in Berlin. Martha Behn folgte ihrem Mann 1937, Johanna Eberhardt lebte noch bis 1944. Die Großmütter Behn und Eberhard, die Stiefgroßmutter Liebert erfuhren noch, dass unsere Eltern Ruth und Eberhard sich liebten. Philippine von Mering hingegen war schon 1926 gestorben. Die Großmütter Eberhardt und Liebert nahmen an der Liebe ihrer Enkel sogar innigen Anteil. Unsere Mutter erzählt, dass Eberhard und sie, wenn sie als Braut in Köln zu Besuch war, jedes Mal im Zugweg 12 zu einem schönen Essen eingeladen wurden und oft anschließend zwei Theaterkarten erhielten. Und auf ihrer immer wieder erzählten Verlobungsreise nach Schlesien waren sie zwar zu Gast bei Ruths reicher Tante Meta, aber auch bei Julie Liebert hochwillkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urgroßmutter väterlicherseits Johanna Eberhardt, geborene Liebscher, habe sogar ich noch gesehen, als ich 1942 vierjährig zusammen mit meinem Vater meine Großeltern in Köln besuchte. Sie machte als Hochbetagte keinen  besonderen Eindruck auf das Kind. Im Gegenteil, dass sie den Samt bezogenen Schemel, den ich als Sitzplatz schätzte, unter ihre Füße geschoben bekam, erregte mein Missfallen. Um sie kennen zu lernen, war ich noch zu klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss der Großeltern Eberhardt auf die beiden Enkel Clara und Eberhard von Mering war größer als der Einfluss der von Merings. Die Herzen der Enkeltöchter Ruth und Ursula Liebert neigten zu den Lieberts in Schlesien mehr als zu den Behns in Berlin. Das ist wichtig. Es wird nicht nur um die Weitergabe von Genen gekämpft, wie wir wissen: auch die Weitergabe der Einstellung zum Leben liegt dem Menschen am Herzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach meinen Urgroßeltern benenne ich die Familienstämme. Deshalb sind es acht: die Merings, die Allendorfs, die Eberhardts, die Liebschers, die Lieberts, die Saurs, die Behns, die Ehlerts. Die ersten vier, die Vorfahren meines Vaters, finden sich von Lothringen bis Sachsen, die zweiten vier, die Vorfahren meiner Mutter, sind zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert östlich der Oder zu Hause: Leszno/Polen, Kobylin/Polen, Guhrau/Schlesien, Bromberg/Westpreußen, Torun/Polen, Rastenburg/Ostpreußen, Königsberg/Ostpreußen. Das ist ein großer Unterschied für die Erforschung. Die Archive zur Genealogie meines Vaters liegen bis auf Metz und Bouchporn auf heute deutschem Gebiet und sind zugänglich, in deutscher Sprache erschlossen. Heimatvereine und Genealogen unterhalten deutschsprachige Zeitschriften, in denen ich publizieren kann. Die Archive zur Genealogie meiner Mutter liegen im heutigen Polen, sie werden jetzt allmählich für mich zugänglich. Aber die Regionalforscher, die sie erschließen, schreiben polnisch. Meine auf Deutsch erzählten Geschichten können in der Region nicht veröffentlicht werden. Für sie hauptsächlich muss ich eine Internetseite eröffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[[Unsere Großeltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Ur-Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Generation_II:_Unsere_Gro%C3%9Feltern&amp;diff=67</id>
		<title>Generation II: Unsere Großeltern</title>
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		<updated>2026-09-22T16:54:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Generation I: Unsere Eltern]] ⇐ [[Generationen]] ⇒ [[Unsere Urgroßeltern|Generation III: Unsere Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als 1907 sowohl unsere Großeltern Liebert in Berlin als auch unsere Großeltern von Mering in Köln heirateten, wurden diese Hochzeiten beide nach bürgerlicher Manier würdig begangen. Ich nehme an, dass die Berliner Hochzeit etwas eleganter war – Offizierskreise; dafür war die Kölner Hochzeit lustiger – Künstlerfreunde. Verbürgt ist, dass unsere Großväter beide in ihre Frauen verliebt waren. Von Paul Liebert erzählte es Edith selbst, aber auch ihre Töchter waren davon überzeugt. Von Carl von Mering sind zum Teil übermütige, zum Teil sentimentale Liebesgedichte erhalten. Die Großmütter verhielten sich zögerlicher. Edith Behn machte als alte Frau kein Hehl daraus, dass es sich von ihrer Seite um eine Vernunftehe gehandelt hatte, auch wenn sie Achtung und Wohlwollen für ihren fünfzehn Jahre älteren Mann empfand. Großmutter Clara hatte sowieso immer große Mühe sich zu freuen, sich zu öffnen, sie war vermutlich depressiv veranlagt. Sie verstand sich besser darauf, sich nach Carl zu sehnen, wenn er nicht da war, als freudig seine Liebe zu erwidern. Trotzdem hielten beide Ehen, bis ein natürlicher Tod sie schied. Sie überstanden den Ersten Weltkrieg, die Inflation, die Armut, verschiedene schwere Krankheiten und die Wechseljahre der Frauen. 1944 starb Carl von Mering in Köln an Arteriosklerose, 1948 Paul Liebert in Marburg am Schlag. Aber vorher noch wurden wir drei Kinder von Mering, ihre gemeinsamen Enkel, geboren. Zumindest an unsere Großmütter können wir uns gut erinnern. Clara von Mering starb am 6. 11. 1961 in Köln-Rodenkirchen, Edith Liebert am 21. 12. 1972 in Oldenburg (Oldb).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern Liebert lernten sich Anfang 1906 in einem Treppenhaus in Metz kennen. Edith Behn, hoch gewachsen und vollbusig, hatte gerade die Wohnung ihrer Eltern verlassen, um einzukaufen. Sie ging die Treppe hinunter. Paul Liebert, mit der Figur eines Jockeys, Hauptmann des Ingenieur- und Pionierkorps, ging die Treppe hinauf, um seinen Antrittsbesuch bei Ediths Vater zu machen, der Oberst, Kommandeur der Pioniere des XVI. Armeekorps und Pauls Chef war. Das Mädchen und der Mann begegneten sich nur kurz. Aber Paul drehte sich im Hinaufsteigen nach ihr um. Er war achtunddreißig Jahre alt und ledig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edith war im Januar vierundzwanzig Jahre alt geworden. Sie hatte gerade beschlossen, keinen weiteren Winter mehr zu „tanzen“, sondern Krankenschwester zu werden, ganz gegen den Willen ihrer Mutter. Das regelmäßige Tanzen während der Wintersaison war der einzig erlaubte Weg junger Mädchen der Garnison, sich angemessen zu verheiraten. Edith war nun fünf Winter lang erfolglos gewesen. Und sie glaubte zu wissen warum. Ihre Eltern hatten schon zweimal unter Aufbietung ihres gesamten Kredits die Spielschulden von Ediths Bruder Felix bezahlt. Die jungen Offiziere, ihre Tanzpartner, kannten ihn und wussten das. Sie wussten auch, dass Edith nur eine bescheidene Aussteuer zu erwarten hatte, und sie mussten befürchten, bei der nächsten Schuldentilgung für Felix Behn mitzuhaften, falls sie sein Schwager würden. Das aber konnten sie sich nicht leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul Liebert erfuhr wohl auch bald, was es mit der Tochter des Kommandeurs auf sich hatte. Aber erstens war er nicht mehr jung wie ihre Tanzpartner, sondern schon Hauptmann, und zweitens besaß er Vermögen. Er wagte es, um ihre Hand anzuhalten. Am 13. 3. 1906 verlobten sie sich. Bis zu ihrer Heirat am 14. März 1907 erhielt Edith am 13. jeden Monats ein liebevoll ausgewähltes kostbares Geschenk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern von Mering lernten sich im evangelischen Kirchenchor von Ehrenfeld bei Köln kennen. Beide wohnten in der Nähe der neu erbauten Kirche. Die kleine Diasporagemeinde pflegte die Geselligkeit. Carl von Mering und seine Brüder, Clara Eberhardt und ihre Schwestern trafen sich in dem Gasthaussaal, der als Gemeindehaus diente. Die evangelische Gemeinde im katholischen Ehrenfeld war ebenso eine geschlossene Gesellschaft wie die preußische Garnison im französischsprachigen Metz. Man wusste alles über einander und man war besorgt, dass die Jugend möglichst im bekannten Rahmen heiratete. So hatten wohl die Eltern Eberhardt grundsätzlich nichts dagegen, dass ihre Älteste, Clara, sich mit dem jungen Bildhauer Carl von Mering 1903 verlobte. Aber Carl musste noch vier Jahre auf die Heirat warten, ich nehme an, weil er erst Geld zusammensparen sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern Liebert und von Mering lernten sich erst durch unsere Eltern gegenseitig kennen. Unser Vater, der als hungriger Student in Marburg seine Schwiegermutter gleich gut leiden konnte und seinen Schwiegervater allmählich schätzen lernte, erzählte während der Semesterferien seinen Eltern in Rodenkirchen von dem Oberstleutnant Liebert in Marburg und dessen Familie, das heißt, er erzählte von Ruth, immer wieder von Ruth, ihrer kleinen Schwester Ursula und den guten Eltern der beiden. Welchen Augenblick er dazu wählte, wie er es anfing, weiß ich nicht. Später hat er einmal in einem Brief an unsere Großmutter mütterlicherseits geklagt, er habe nie wirklich offen seiner Mutter gegenüber sein dürfen. Dass es erst recht schwierig war, dem Großvater Carl von Mering als Sohn von einer großen Liebe zu sprechen, darf man annehmen. Carl war Rheinländer und zum Spott stets aufgelegt, auch soll ihm sein Sohn als weichlich gegolten haben. Trotzdem fand unser Vater den Mut, vielleicht bei einem Besuch seiner Großmutter Eberhardt und seiner ledigen Tante Else, die beide den Jungen sehr liebten und ihm beistanden. Denn als der Theologiestudent Eberhard an die Universität Bonn gewechselt hatte, kam es zum Besuch der Familie Liebert aus der Schäferbuche 11 in Marburg/Lahn bei der Familie von Mering in der Bismarckstraße 3 in Rodenkirchen/Rhein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Besuch darf man sich recht förmlich vorstellen. Der Oberstleutnant wollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als habe er es nötig, seine Tochter zu verheiraten. Die sollte ja Studienrätin werden und für sich selbst aufkommen. Und der Bildhauer vermied alles, was etwa als ein Interesse seinerseits an der Verbindung der beiden jungen Leute hätte gedeutet werden können. Aber die natürliche Wohlerzogenheit und Gewandtheit unsrer Großmutter Edith, die Munterkeit unsrer Mutter sowie der Charme der „kleinen Ulli“ machten doch einen erfreulichen Eindruck auf den begeisterungsfähigen Künstler Carl und Großmutter Clara, immer leidend und schüchtern, ließ es sich gefallen, dass Ruth ihr als „Mutter ihres geliebten Eberhard“ schmeichelte. Außerdem war Clara grundsätzlich eine zufriedene, wenn auch immer seufzende Gastgeberin, weil sie nur ungern selbst das Haus verließ. Ob unsere schwierige Tante Clara, Vatis einzige Schwester, bei diesem nur kurzen Besuch überhaupt im Hause war, weiß ich nicht. Vielleicht war sie damals in ihrer Ausbildung zur Kinderschwester. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedenfalls war diese erste Begegnung ihrer Eltern ein „Erfolg“ für Ruth und Eberhard. Sie trachteten danach, derlei zu wiederholen, schon um einander wieder zu sehen. Aber ich meine, es blieb bei diesem einmaligen Treffen unsrer Großeltern Mering und Liebert in Rodenkirchen während der ganzen sieben Jahre, die unsere Eltern „aufeinander warteten“. Nie kamen die Merings nach Marburg. Erstens fehlte es an Geld und zweitens konnte Clara wegen ihrer „Ohnmachten“ nicht reisen. Und die Lieberts kamen nicht ein zweites Mal durch Köln. Aber es gab einen freundlich-höflichen Briefwechsel der Familien zu den Festen. Der Bildhauer hatte Respekt vor dem Offizier, der Offizier bewunderte den Künstler in seinem Atelier am eigenen Haus. Dass Carl von Mering schon 1931 in die NSDAP eingetreten war, hatte er Paul Liebert gegenüber vielleicht gar nicht erwähnt. Ruth wusste es, weil sie wusste, wie sehr es „ihren Eberhard“ wurmte, zu welchen Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn es Anlass gab. Aber sie wird es ihrem Vater vielleicht nicht erzählt haben. Die Zeit, als sie sich gegen die monarchistische Haltung ihres Vaters lautstark empört hatte, war schon vorbei. Jetzt musste sie froh sein, dass er nur traditionell konservativ war, antidemokratisch und standesbewusst. Gerade das bewahrte ihn davor, zu den ihr verhassten Nazis überzulaufen. Sie arbeitete zielstrebig auf ihre Hochzeit mit Eberhard hin, unterstützt von ihrer Mutter, die ihr eine Liebesheirat gönnte. Darüber kam es sogar ein einziges Mal zu einem schweren Zerwürfnis zwischen unsern Großeltern Liebert. Edith, die sich sonst geschickt in die Eigenheiten ihres Mannes fand, drohte mit Scheidung, falls Paul die Heirat der jungen Leute hintertreiben sollte. Das wirkte. Ruth bekam Weihnachten 1933 die Erlaubnis, sich mit dem Vikar Eberhard von Mering zu verloben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Großeltern von Mering sind nur einmal im Pfarrhaus in Heusweiler/Saar zu Besuch gewesen, die Großeltern Liebert kamen jedes Jahr zur Beerenernte. So nahm der Großvater Liebert als alter Soldat 1944 die Nachricht vom Tod unseres Vaters entgegen. Der Bürgermeister von Heusweiler soll sehr froh gewesen sein, dass er es nicht selbst unserer Mutter beibringen musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Großmutter von Mering besuchten wir in Köln, so oft es unsere Finanzen zuließen. Die Großmutter Liebert lebte bei uns im Hause in Goldenstedt und hat uns helfen aufziehen. Besonders ich bewahre ihr ein zärtliches Andenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[[Unsere Eltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Unsere_Gro%C3%9Feltern&amp;diff=66</id>
		<title>Unsere Großeltern</title>
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		<updated>2026-09-22T16:53:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Jens verschob die Seite Unsere Großeltern nach Generation II: Unsere Großeltern&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Generation II: Unsere Großeltern]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Generation II: Unsere Großeltern</title>
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		<updated>2026-09-22T16:53:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Jens verschob die Seite Unsere Großeltern nach Generation II: Unsere Großeltern&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Unsere Eltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als 1907 sowohl unsere Großeltern Liebert in Berlin als auch unsere Großeltern von Mering in Köln heirateten, wurden diese Hochzeiten beide nach bürgerlicher Manier würdig begangen. Ich nehme an, dass die Berliner Hochzeit etwas eleganter war – Offizierskreise; dafür war die Kölner Hochzeit lustiger – Künstlerfreunde. Verbürgt ist, dass unsere Großväter beide in ihre Frauen verliebt waren. Von Paul Liebert erzählte es Edith selbst, aber auch ihre Töchter waren davon überzeugt. Von Carl von Mering sind zum Teil übermütige, zum Teil sentimentale Liebesgedichte erhalten. Die Großmütter verhielten sich zögerlicher. Edith Behn machte als alte Frau kein Hehl daraus, dass es sich von ihrer Seite um eine Vernunftehe gehandelt hatte, auch wenn sie Achtung und Wohlwollen für ihren fünfzehn Jahre älteren Mann empfand. Großmutter Clara hatte sowieso immer große Mühe sich zu freuen, sich zu öffnen, sie war vermutlich depressiv veranlagt. Sie verstand sich besser darauf, sich nach Carl zu sehnen, wenn er nicht da war, als freudig seine Liebe zu erwidern. Trotzdem hielten beide Ehen, bis ein natürlicher Tod sie schied. Sie überstanden den Ersten Weltkrieg, die Inflation, die Armut, verschiedene schwere Krankheiten und die Wechseljahre der Frauen. 1944 starb Carl von Mering in Köln an Arteriosklerose, 1948 Paul Liebert in Marburg am Schlag. Aber vorher noch wurden wir drei Kinder von Mering, ihre gemeinsamen Enkel, geboren. Zumindest an unsere Großmütter können wir uns gut erinnern. Clara von Mering starb am 6. 11. 1961 in Köln-Rodenkirchen, Edith Liebert am 21. 12. 1972 in Oldenburg (Oldb).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern Liebert lernten sich Anfang 1906 in einem Treppenhaus in Metz kennen. Edith Behn, hoch gewachsen und vollbusig, hatte gerade die Wohnung ihrer Eltern verlassen, um einzukaufen. Sie ging die Treppe hinunter. Paul Liebert, mit der Figur eines Jockeys, Hauptmann des Ingenieur- und Pionierkorps, ging die Treppe hinauf, um seinen Antrittsbesuch bei Ediths Vater zu machen, der Oberst, Kommandeur der Pioniere des XVI. Armeekorps und Pauls Chef war. Das Mädchen und der Mann begegneten sich nur kurz. Aber Paul drehte sich im Hinaufsteigen nach ihr um. Er war achtunddreißig Jahre alt und ledig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edith war im Januar vierundzwanzig Jahre alt geworden. Sie hatte gerade beschlossen, keinen weiteren Winter mehr zu „tanzen“, sondern Krankenschwester zu werden, ganz gegen den Willen ihrer Mutter. Das regelmäßige Tanzen während der Wintersaison war der einzig erlaubte Weg junger Mädchen der Garnison, sich angemessen zu verheiraten. Edith war nun fünf Winter lang erfolglos gewesen. Und sie glaubte zu wissen warum. Ihre Eltern hatten schon zweimal unter Aufbietung ihres gesamten Kredits die Spielschulden von Ediths Bruder Felix bezahlt. Die jungen Offiziere, ihre Tanzpartner, kannten ihn und wussten das. Sie wussten auch, dass Edith nur eine bescheidene Aussteuer zu erwarten hatte, und sie mussten befürchten, bei der nächsten Schuldentilgung für Felix Behn mitzuhaften, falls sie sein Schwager würden. Das aber konnten sie sich nicht leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul Liebert erfuhr wohl auch bald, was es mit der Tochter des Kommandeurs auf sich hatte. Aber erstens war er nicht mehr jung wie ihre Tanzpartner, sondern schon Hauptmann, und zweitens besaß er Vermögen. Er wagte es, um ihre Hand anzuhalten. Am 13. 3. 1906 verlobten sie sich. Bis zu ihrer Heirat am 14. März 1907 erhielt Edith am 13. jeden Monats ein liebevoll ausgewähltes kostbares Geschenk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern von Mering lernten sich im evangelischen Kirchenchor von Ehrenfeld bei Köln kennen. Beide wohnten in der Nähe der neu erbauten Kirche. Die kleine Diasporagemeinde pflegte die Geselligkeit. Carl von Mering und seine Brüder, Clara Eberhardt und ihre Schwestern trafen sich in dem Gasthaussaal, der als Gemeindehaus diente. Die evangelische Gemeinde im katholischen Ehrenfeld war ebenso eine geschlossene Gesellschaft wie die preußische Garnison im französischsprachigen Metz. Man wusste alles über einander und man war besorgt, dass die Jugend möglichst im bekannten Rahmen heiratete. So hatten wohl die Eltern Eberhardt grundsätzlich nichts dagegen, dass ihre Älteste, Clara, sich mit dem jungen Bildhauer Carl von Mering 1903 verlobte. Aber Carl musste noch vier Jahre auf die Heirat warten, ich nehme an, weil er erst Geld zusammensparen sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern Liebert und von Mering lernten sich erst durch unsere Eltern gegenseitig kennen. Unser Vater, der als hungriger Student in Marburg seine Schwiegermutter gleich gut leiden konnte und seinen Schwiegervater allmählich schätzen lernte, erzählte während der Semesterferien seinen Eltern in Rodenkirchen von dem Oberstleutnant Liebert in Marburg und dessen Familie, das heißt, er erzählte von Ruth, immer wieder von Ruth, ihrer kleinen Schwester Ursula und den guten Eltern der beiden. Welchen Augenblick er dazu wählte, wie er es anfing, weiß ich nicht. Später hat er einmal in einem Brief an unsere Großmutter mütterlicherseits geklagt, er habe nie wirklich offen seiner Mutter gegenüber sein dürfen. Dass es erst recht schwierig war, dem Großvater Carl von Mering als Sohn von einer großen Liebe zu sprechen, darf man annehmen. Carl war Rheinländer und zum Spott stets aufgelegt, auch soll ihm sein Sohn als weichlich gegolten haben. Trotzdem fand unser Vater den Mut, vielleicht bei einem Besuch seiner Großmutter Eberhardt und seiner ledigen Tante Else, die beide den Jungen sehr liebten und ihm beistanden. Denn als der Theologiestudent Eberhard an die Universität Bonn gewechselt hatte, kam es zum Besuch der Familie Liebert aus der Schäferbuche 11 in Marburg/Lahn bei der Familie von Mering in der Bismarckstraße 3 in Rodenkirchen/Rhein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Besuch darf man sich recht förmlich vorstellen. Der Oberstleutnant wollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als habe er es nötig, seine Tochter zu verheiraten. Die sollte ja Studienrätin werden und für sich selbst aufkommen. Und der Bildhauer vermied alles, was etwa als ein Interesse seinerseits an der Verbindung der beiden jungen Leute hätte gedeutet werden können. Aber die natürliche Wohlerzogenheit und Gewandtheit unsrer Großmutter Edith, die Munterkeit unsrer Mutter sowie der Charme der „kleinen Ulli“ machten doch einen erfreulichen Eindruck auf den begeisterungsfähigen Künstler Carl und Großmutter Clara, immer leidend und schüchtern, ließ es sich gefallen, dass Ruth ihr als „Mutter ihres geliebten Eberhard“ schmeichelte. Außerdem war Clara grundsätzlich eine zufriedene, wenn auch immer seufzende Gastgeberin, weil sie nur ungern selbst das Haus verließ. Ob unsere schwierige Tante Clara, Vatis einzige Schwester, bei diesem nur kurzen Besuch überhaupt im Hause war, weiß ich nicht. Vielleicht war sie damals in ihrer Ausbildung zur Kinderschwester. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedenfalls war diese erste Begegnung ihrer Eltern ein „Erfolg“ für Ruth und Eberhard. Sie trachteten danach, derlei zu wiederholen, schon um einander wieder zu sehen. Aber ich meine, es blieb bei diesem einmaligen Treffen unsrer Großeltern Mering und Liebert in Rodenkirchen während der ganzen sieben Jahre, die unsere Eltern „aufeinander warteten“. Nie kamen die Merings nach Marburg. Erstens fehlte es an Geld und zweitens konnte Clara wegen ihrer „Ohnmachten“ nicht reisen. Und die Lieberts kamen nicht ein zweites Mal durch Köln. Aber es gab einen freundlich-höflichen Briefwechsel der Familien zu den Festen. Der Bildhauer hatte Respekt vor dem Offizier, der Offizier bewunderte den Künstler in seinem Atelier am eigenen Haus. Dass Carl von Mering schon 1931 in die NSDAP eingetreten war, hatte er Paul Liebert gegenüber vielleicht gar nicht erwähnt. Ruth wusste es, weil sie wusste, wie sehr es „ihren Eberhard“ wurmte, zu welchen Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn es Anlass gab. Aber sie wird es ihrem Vater vielleicht nicht erzählt haben. Die Zeit, als sie sich gegen die monarchistische Haltung ihres Vaters lautstark empört hatte, war schon vorbei. Jetzt musste sie froh sein, dass er nur traditionell konservativ war, antidemokratisch und standesbewusst. Gerade das bewahrte ihn davor, zu den ihr verhassten Nazis überzulaufen. Sie arbeitete zielstrebig auf ihre Hochzeit mit Eberhard hin, unterstützt von ihrer Mutter, die ihr eine Liebesheirat gönnte. Darüber kam es sogar ein einziges Mal zu einem schweren Zerwürfnis zwischen unsern Großeltern Liebert. Edith, die sich sonst geschickt in die Eigenheiten ihres Mannes fand, drohte mit Scheidung, falls Paul die Heirat der jungen Leute hintertreiben sollte. Das wirkte. Ruth bekam Weihnachten 1933 die Erlaubnis, sich mit dem Vikar Eberhard von Mering zu verloben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Großeltern von Mering sind nur einmal im Pfarrhaus in Heusweiler/Saar zu Besuch gewesen, die Großeltern Liebert kamen jedes Jahr zur Beerenernte. So nahm der Großvater Liebert als alter Soldat 1944 die Nachricht vom Tod unseres Vaters entgegen. Der Bürgermeister von Heusweiler soll sehr froh gewesen sein, dass er es nicht selbst unserer Mutter beibringen musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Großmutter von Mering besuchten wir in Köln, so oft es unsere Finanzen zuließen. Die Großmutter Liebert lebte bei uns im Hause in Goldenstedt und hat uns helfen aufziehen. Besonders ich bewahre ihr ein zärtliches Andenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[[Unsere Eltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Generationen&amp;diff=64</id>
		<title>Generationen</title>
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		<updated>2026-09-22T16:52:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Ausgangsgeneration ===&lt;br /&gt;
Die Vorfahren auf dieser Website sind die Vorfahren von Christa Lippold, geb. von Mering und ihren Brüdern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unsere Vorfahren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Generation I: Unsere Eltern]]&lt;br /&gt;
* [[Unsere Großeltern]]&lt;br /&gt;
* [[Unsere Urgroßeltern]]&lt;br /&gt;
* [[Unsere Ur-Urgroßeltern]]&lt;br /&gt;
* [[Unsere Urur-Urgroßeltern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Christas 8xUr-Mütter]]&lt;br /&gt;
* [[Christas 9xUr-Mütter]]&lt;br /&gt;
* [[Christas 10xUr-Mütter]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Generation_I:_Unsere_Eltern&amp;diff=63</id>
		<title>Generation I: Unsere Eltern</title>
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		<updated>2026-09-22T16:48:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Seite umbenannt, Links angepasst&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Generationen]] ⇒ [[Generation II: Unsere Großeltern]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Raupe war es. An einem Sommertag im Jahr des Herrn 1930 entdeckten ein Kölner Theologiestudent und eine schlesische Philologiestudentin im Garten des Griechisch-Dozenten Dr. Wysk an der Schwanenallee in Marburg eine Raupe. Die Wirkung war nachhaltig. Unser zukünftiger Vater Eberhard von Mering, mit seinen einundzwanzig Jahren an Naivität fast noch ein Kind, erheiterte sich, in für ihn zunächst unbegreiflicher Weise, daran, wie das „Fräulein Liebert“, das er, wie doch schon oft, im Garten getroffen hatte, sich vor der harmlosen Raupe grauste, die bei ihm nichts weiter als das Interesse des Hobby-Biologen auslöste. Damals, erzählte er ihr später, habe er sie zum ersten Mal entzückend gefunden. Unsere Mutter hat das Grausen vor Raupen in Zukunft als ihren Schlüssel zum Liebesglück sorgfältig gepflegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eberhard von Mering war nach Marburg gekommen, weil er sich entschlossen hatte, Pfarrer zu werden. Seinen Traum vom Landwirtsberuf hatte er wegen fehlender Güter aufgeben müssen. Eine Dorfpfarre erschien ihm als möglicher Ersatz. In der damals berühmten theologischen Fakultät bei Bultmann und von Soden wollte er Theologie studieren. Dabei spielte auch eine Rolle, dass Dr. Wysk, sein Kölner Griechischlehrer, als Dozent nach Marburg gezogen war und ihm bei der Vermittlung des Wohnstipendiums im Duisberg-Haus behilflich sein konnte. Eberhard war sehr arm. Sein Vater, Carl von Mering, ein Bildhauer, hatte in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fast kein Einkommen. Großmutter und Tante trugen die Studienkosten des jungen Mannes, das übrige musste Eberhard sich durch Nachhilfestunden in Latein und Griechisch verdienen. So war er in den Garten des Dr. Wysk gelangt, dessen Söhne wegen des Schulwechsels von Köln nach Marburg Hilfe brauchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruth Liebert war in den Garten des Dr. Wysk gekommen, weil sie Lehrerin für Evangelische Religion werden wollte und ihr dazu das Graecum fehlte. Sie nahm bei dem jungen Dozenten Privatstunden. Nach Marburg war sie umgezogen, weil ihr Vater nach dem harten Winter 1928/29 aus Schlesien wegstrebte, obwohl er doch von beiden Eltern her echter Schlesier war. Aber Paul Liebert hatte als junger Offizier in Straßburg und Metz das milde Klima des Westens schätzen gelernt. Dazu kam auch ein ökonomischer Gesichtspunkt – ja, der war vielleicht doch die Hauptsache. Marburg galt als billig. Paul Liebert war seit 1920 Oberstleutnant a. D. und hatte zur Ernährung von Frau und zwei Töchtern nur eine schmale Pension. Seine ältere energische Tochter sollte sich zur Studienrätin bilden und später die zarte jüngere ernähren, die zur Haushaltsführung erzogen wurde. Eine Heirat der Töchter war im Plan des Vaters nicht vorgesehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Eltern verliebten sich ineinander, ohne Vorbereitung, ohne Aussichten. Sie waren fast gleichaltrig. Sie waren gute gehorsame Kinder, fromme Studenten der Theologie. Sie lebten sieben Jahre enthaltsam, meistens getrennt, bis sie am 17. August 1937 endlich heiraten konnten. Mein Vater soll gesagt haben, er hätte nicht gedacht, dass Sex so schön sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lange Wartezeit machten Briefe erträglich. Vom Herbst 1931 bis zum Januar 1937 schrieb jeder von ihnen zweimal die Woche: Am Mittwoch einen Brief, am Samstag eine Karte. Eine Ausnahme bildeten nur die kurzen Zeiten gegenseitiger Besuche. Die Briefe belegen die Sehnsucht, das Auf und Ab der Gefühle, die Bedingungen ihrer beider Ausbildung, die Beziehungen zu anderen Menschen und das Erwachsenwerden der Liebenden. Sie sind für uns ein erstaunliches Dokument. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruth Liebert legte, nachdem sie Ende 1933 ihre Verlobung bei ihrem Vater durchgesetzt hatte, im März 1934 ein Realschulexamen als Externe vor dem Schulamt in Kassel ab. Damit ersparte sie ihren Eltern weitere Ausbildungskosten, die in einer Ehe doch umsonst sein würden. Von 1934 bis 1935 blieb sie zu Hause. Von März 1935 bis zum September 1936 verdingte sie sich als Hauslehrerin in einer Pfarrersfamilie bei Nordhausen, weil sie den Eid auf den „Führer“ Hitler aus Gewissensgründen ablehnte. Gleichzeitig wollte sie sich dadurch auf ihren Beruf als Pfarrfrau vorbereiten. Ungeduldig wartete sie darauf, dass Eberhard sein Zweites Examen bestand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kölner gehörte Eberhard der Rheinischen Kirche an. Deshalb verbrachte er die letzten Semester in Bonn. Im März 1933 machte er in Koblenz sein Erstes Theologisches Examen. Die Vikarszeit von 1933 bis 1936 verbrachte er im  Westerwald. Dort fand er über die Gemeinschaftschristen zur Bekennenden Kirche. Auf Grund seiner theologischen Überzeugungen musste er den Ausbilder wechseln. Sein Zweites Examen legte er vor dem „Bruderrat“, dem Leitungsorgan der Bekennenden Kirche in Barmen ab. Beide Verlobten fragten sich bangend, ob Eberhard unter diesen Umständen je eine Pfarrstelle erhalten würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Rückkehr des Saarlandes zum Deutschen Reich hatte die Rheinische Kirche neuen Bedarf an Pfarrstellen. Zuerst waren die beiden Verlobten enttäuscht, dass Eberhard nach Saarbrücken in eine überregionale Stadttpfarrei der BK, das sogenannte „Büro Bleek“, versetzt wurde. Aber Ruth konnte bald nachkommen. Im November 1936 machte sie eine Zusatzausbildung bei der Frauenhilfe der Bekennenden Kirche in Essen. Von Januar 1937 bis zum Juli dieses Jahres wurde sie in Saarbrücken als Kursleiterin bei der Frauenhilfe eingestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juni 1937 wählte der tapfere Kirchenvorstand der Bekennenden Dorfgemeinde Heusweiler/Saar Eberhard von Mering zum Pfarrer. Zwar versagte die Rheinische Kirchenleitung ihre Zustimmung zur Wahl und sperrte das Pfarrhaus, aber die Gemeinde fand eine Mietwohnung im „Maurerhäuschen“. Unsere Eltern konnten heiraten, und wir drei Kinder konnten nach und nach geboren werden, das jüngste sogar im wieder eroberten Pfarrhaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zweiten Weltkrieg wurde unser Vater eingezogen, einmal 1940, wonach er noch einmal freigestellt wurde, dann 1943 im April. Er fiel am 21. August 1944 bei Tartu, damals Dorpat genannt, in Estland. Die Ausbildung unserer Mutter erwies sich nun als keineswegs überflüssig. Bei der Suche nach einer Anstellung half ihr der Mann ihrer Schwester Ursula, der als Friese Pfarrer im Südoldenburger Land war. 1946 fing sie als Grundschullehrerin in Varenesch bei Goldenstedt an zu unterrichten. Als berufstätige Hausfrau hat sie uns aufgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[[Vorfahrenstämme]] ⇐ ⇒ [[Unsere Großeltern]]&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Unsere_Eltern&amp;diff=62</id>
		<title>Unsere Eltern</title>
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		<updated>2026-09-22T16:46:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Jens verschob die Seite Unsere Eltern nach Generation I: Unsere Eltern: Neustrukturierung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Generation I: Unsere Eltern]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
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		<title>Generation I: Unsere Eltern</title>
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		<updated>2026-09-22T16:46:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Jens verschob die Seite Unsere Eltern nach Generation I: Unsere Eltern: Neustrukturierung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Vorfahrenstämme]] ⇐ ⇒ [[Unsere Großeltern]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Raupe war es. An einem Sommertag im Jahr des Herrn 1930 entdeckten ein Kölner Theologiestudent und eine schlesische Philologiestudentin im Garten des Griechisch-Dozenten Dr. Wysk an der Schwanenallee in Marburg eine Raupe. Die Wirkung war nachhaltig. Unser zukünftiger Vater Eberhard von Mering, mit seinen einundzwanzig Jahren an Naivität fast noch ein Kind, erheiterte sich, in für ihn zunächst unbegreiflicher Weise, daran, wie das „Fräulein Liebert“, das er, wie doch schon oft, im Garten getroffen hatte, sich vor der harmlosen Raupe grauste, die bei ihm nichts weiter als das Interesse des Hobby-Biologen auslöste. Damals, erzählte er ihr später, habe er sie zum ersten Mal entzückend gefunden. Unsere Mutter hat das Grausen vor Raupen in Zukunft als ihren Schlüssel zum Liebesglück sorgfältig gepflegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eberhard von Mering war nach Marburg gekommen, weil er sich entschlossen hatte, Pfarrer zu werden. Seinen Traum vom Landwirtsberuf hatte er wegen fehlender Güter aufgeben müssen. Eine Dorfpfarre erschien ihm als möglicher Ersatz. In der damals berühmten theologischen Fakultät bei Bultmann und von Soden wollte er Theologie studieren. Dabei spielte auch eine Rolle, dass Dr. Wysk, sein Kölner Griechischlehrer, als Dozent nach Marburg gezogen war und ihm bei der Vermittlung des Wohnstipendiums im Duisberg-Haus behilflich sein konnte. Eberhard war sehr arm. Sein Vater, Carl von Mering, ein Bildhauer, hatte in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fast kein Einkommen. Großmutter und Tante trugen die Studienkosten des jungen Mannes, das übrige musste Eberhard sich durch Nachhilfestunden in Latein und Griechisch verdienen. So war er in den Garten des Dr. Wysk gelangt, dessen Söhne wegen des Schulwechsels von Köln nach Marburg Hilfe brauchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruth Liebert war in den Garten des Dr. Wysk gekommen, weil sie Lehrerin für Evangelische Religion werden wollte und ihr dazu das Graecum fehlte. Sie nahm bei dem jungen Dozenten Privatstunden. Nach Marburg war sie umgezogen, weil ihr Vater nach dem harten Winter 1928/29 aus Schlesien wegstrebte, obwohl er doch von beiden Eltern her echter Schlesier war. Aber Paul Liebert hatte als junger Offizier in Straßburg und Metz das milde Klima des Westens schätzen gelernt. Dazu kam auch ein ökonomischer Gesichtspunkt – ja, der war vielleicht doch die Hauptsache. Marburg galt als billig. Paul Liebert war seit 1920 Oberstleutnant a. D. und hatte zur Ernährung von Frau und zwei Töchtern nur eine schmale Pension. Seine ältere energische Tochter sollte sich zur Studienrätin bilden und später die zarte jüngere ernähren, die zur Haushaltsführung erzogen wurde. Eine Heirat der Töchter war im Plan des Vaters nicht vorgesehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Eltern verliebten sich ineinander, ohne Vorbereitung, ohne Aussichten. Sie waren fast gleichaltrig. Sie waren gute gehorsame Kinder, fromme Studenten der Theologie. Sie lebten sieben Jahre enthaltsam, meistens getrennt, bis sie am 17. August 1937 endlich heiraten konnten. Mein Vater soll gesagt haben, er hätte nicht gedacht, dass Sex so schön sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lange Wartezeit machten Briefe erträglich. Vom Herbst 1931 bis zum Januar 1937 schrieb jeder von ihnen zweimal die Woche: Am Mittwoch einen Brief, am Samstag eine Karte. Eine Ausnahme bildeten nur die kurzen Zeiten gegenseitiger Besuche. Die Briefe belegen die Sehnsucht, das Auf und Ab der Gefühle, die Bedingungen ihrer beider Ausbildung, die Beziehungen zu anderen Menschen und das Erwachsenwerden der Liebenden. Sie sind für uns ein erstaunliches Dokument. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruth Liebert legte, nachdem sie Ende 1933 ihre Verlobung bei ihrem Vater durchgesetzt hatte, im März 1934 ein Realschulexamen als Externe vor dem Schulamt in Kassel ab. Damit ersparte sie ihren Eltern weitere Ausbildungskosten, die in einer Ehe doch umsonst sein würden. Von 1934 bis 1935 blieb sie zu Hause. Von März 1935 bis zum September 1936 verdingte sie sich als Hauslehrerin in einer Pfarrersfamilie bei Nordhausen, weil sie den Eid auf den „Führer“ Hitler aus Gewissensgründen ablehnte. Gleichzeitig wollte sie sich dadurch auf ihren Beruf als Pfarrfrau vorbereiten. Ungeduldig wartete sie darauf, dass Eberhard sein Zweites Examen bestand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kölner gehörte Eberhard der Rheinischen Kirche an. Deshalb verbrachte er die letzten Semester in Bonn. Im März 1933 machte er in Koblenz sein Erstes Theologisches Examen. Die Vikarszeit von 1933 bis 1936 verbrachte er im  Westerwald. Dort fand er über die Gemeinschaftschristen zur Bekennenden Kirche. Auf Grund seiner theologischen Überzeugungen musste er den Ausbilder wechseln. Sein Zweites Examen legte er vor dem „Bruderrat“, dem Leitungsorgan der Bekennenden Kirche in Barmen ab. Beide Verlobten fragten sich bangend, ob Eberhard unter diesen Umständen je eine Pfarrstelle erhalten würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Rückkehr des Saarlandes zum Deutschen Reich hatte die Rheinische Kirche neuen Bedarf an Pfarrstellen. Zuerst waren die beiden Verlobten enttäuscht, dass Eberhard nach Saarbrücken in eine überregionale Stadttpfarrei der BK, das sogenannte „Büro Bleek“, versetzt wurde. Aber Ruth konnte bald nachkommen. Im November 1936 machte sie eine Zusatzausbildung bei der Frauenhilfe der Bekennenden Kirche in Essen. Von Januar 1937 bis zum Juli dieses Jahres wurde sie in Saarbrücken als Kursleiterin bei der Frauenhilfe eingestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juni 1937 wählte der tapfere Kirchenvorstand der Bekennenden Dorfgemeinde Heusweiler/Saar Eberhard von Mering zum Pfarrer. Zwar versagte die Rheinische Kirchenleitung ihre Zustimmung zur Wahl und sperrte das Pfarrhaus, aber die Gemeinde fand eine Mietwohnung im „Maurerhäuschen“. Unsere Eltern konnten heiraten, und wir drei Kinder konnten nach und nach geboren werden, das jüngste sogar im wieder eroberten Pfarrhaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zweiten Weltkrieg wurde unser Vater eingezogen, einmal 1940, wonach er noch einmal freigestellt wurde, dann 1943 im April. Er fiel am 21. August 1944 bei Tartu, damals Dorpat genannt, in Estland. Die Ausbildung unserer Mutter erwies sich nun als keineswegs überflüssig. Bei der Suche nach einer Anstellung half ihr der Mann ihrer Schwester Ursula, der als Friese Pfarrer im Südoldenburger Land war. 1946 fing sie als Grundschullehrerin in Varenesch bei Goldenstedt an zu unterrichten. Als berufstätige Hausfrau hat sie uns aufgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[[Vorfahrenstämme]] ⇐ ⇒ [[Unsere Großeltern]]&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Sagas_und_Biografien&amp;diff=60</id>
		<title>Sagas und Biografien</title>
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		<updated>2026-09-22T16:41:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: /* Die Mering-Saga */ in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Wie ordne ich meine Familiengeschichte? ===&lt;br /&gt;
Eine vergnügliche Sache ist das Forschen nach den Vorfahren. Manchmal merke ich, dass ich weiter gar nichts will: wissen, wer sie waren, wo sie lebten und ihr Lebensgefühl nachempfinden, als wären sie ein Stück von mir.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber manchmal möchte ich über meine Entdeckungen reden. Ich möchte sogar über meine Funde schreiben. Denn Schreiben ist neben Forschen mein zweites großes Vergnügen. Und schon habe ich ein Problem: Wie ordne ich meine Familiengeschichte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Einzelbiographien habe ich angefangen. Die sind verhältnismäßig selbstordnend: von der Geburt bis zum Tod geht ein Leben. Nun ist nur noch zu entscheiden, wie weit die Eltern, wie weit die Kinder mit hineingehören. Das übrige ist Sache des Stils. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile häufen sich die Biographien an. Nun stellt sich heraus, dass sie nicht aneinander passen. Nur selten kann ich über eine Generationenfolge vom Urgroßvater bis zum Urenkel schreiben. Entweder fehlt es an Daten. Oder es wechselt der Gesichtspunkt und damit der Stil. Meine Leser fragen: Wie hängen die Geschichten zusammen? Wann entsteht das Buch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es verfängt wohl nicht, zu erklären, dass ich nie ein Buch schreiben wollte. Dass ich die Familiengeschichte als ein Puzzle ansehe, dessen sehr unterschiedliche Teile ich manchmal  zusammenlege, dann wieder durcheinander werfe, dass höchstens eine Mappe entstehen kann oder eine Homepage. Beide Medien haben den Vorteil, dass man die einzelnen Kapitel nach Lust und Laune auswechseln und miteinander mischen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurzum, ich habe mich nun doch entschlossen, eine Art Gliederung aufzustellen. Sie soll nicht verbindlich sein, aber denjenigen, die Ordnung brauchen, das Gefühl von Ordnung geben. Als Ordnungskriterien habe ich meine acht Urgroßelternstämme erwählt. Sie sind hinreichend voneinander verschieden und trotzdem als meine Vorfahren einer Generation und so ziemlich einer historischen Epoche hinreichend homogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Familiengeschichte ordnet sich also in acht Stämme. Jeder Stamm besteht aus den Vorfahren eines Urgroßvaters oder einer Urgroßmutter. Die vier Urgroßelternpaare haben in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt. Sie lebten alle im Deutschen Reich. Hier sind sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mütterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Martha Laura Ida Ehlert, geb. 9.5.1854 in Königsberg, ev., gest. 7.3.1937 in Berlin&lt;br /&gt;
# Hermann Gustav Behn, ev., geb. 12.7.1852 in Trier, gest. 21.5.1932  in Berlin&lt;br /&gt;
# Emma Saur, geb. 9.12.1850 in Guhrau/Bezirk Breslau, ev., gest. 29.10.1880 in Guhrau&lt;br /&gt;
# Otto Liebert, geb. 25.3.1839 in Lissa/Provinz Posen, ev-ref., gest. 2.1.1897 in Guhrau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Väterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Johanna  Klara Liebscher, geb. am 30.7.1856 in Kobershain, Kreis Torgau, ev., gest. am 1.5.1944 in Köln&lt;br /&gt;
# August Theodor Heinrich Eberhardt, geb. am 2.7.1855 in Arnstadt, ev., gest. am 20.1.1928 in Köln.&lt;br /&gt;
# Friederike Philippine Allendorf, geb. am 9.5.1852 in Koblenz, ev., gest. am  2.12.1926 in Köln-Rodenkirchen&lt;br /&gt;
# Peter Joseph Mering, (Adelspatent 29.5.1893) geb. am 8.1.1843 in Herongen, kath., gest. 10.2.1901 in Köln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familien-Sagas ===&lt;br /&gt;
Demgemäß ordne ich meine Biografien in diese 8 Familien-Sagas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Die Ehlert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Behn-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Saur-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebscher-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Eberhardt-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Allendorf-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Mering-Saga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Stämme sehr verschieden sind, ist ja nur gut. Dadurch bekommt meine Abstammung Farbe. Dass sie sich aber so unterschiedlich stark erforschen lassen, ist sehr bedauerlich. Die einzelnen Sagas können nicht gleich lang sein.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Die_Mering-Saga&amp;diff=59</id>
		<title>Die Mering-Saga</title>
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		<updated>2026-09-22T16:41:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Mering-Saga in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Die Allendorf-Saga]] ⇐ [[Sagas und Biografien]] ⇒ [[Die Ehlert-Saga]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So gut wie andere Familien sind die Merings allemale. Es ist der Name meines namengebenden Urgroßvaters Peter von Mering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der früheste Mering, mit dem wir verwandt sind, stammte aus Coesfeld. Es gibt bis heute einen Hof Mehring bei Flamersheim im Kreis Coesfeld, der seit dem 12. Jahrhundert ein Meierhof des Klosters St. Mauritius in Münster war. In Coesfeld ist im 15. und 16. Jahrhundert der Familienname Merinck unter den Bürgern sehr häufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hynrich Merinck aus Coesfeld erwarb 1553 in Köln das Bürgerrecht. Natürlich war er Katholik  als Bürger einer katholischen Stadt. Nach seinem Testament von 1579 war er zuerst mit Catharina Lindlar verheiratet, der Witwe von Herman Mueträtzer oder Muetroyde. Herman Muetroyde war Kaufmann in Köln gewesen, Hynrich Merinck vermutlich sein Prokurist oder Kompagnon. Catharina war älter als Hynrich. Sie hatte schon vier halberwachsene Kinder, die Hynrich aufziehen half. Erst als Catharina starb, konnte Hynrich eine junge Frau, Christina von Monheim, heiraten, mit der er mindestens vier eigene Kinder erzielte. 1579, als er, schwer krank, sein Testament schrieb, waren diese Kinder noch klein. Hynrich aber besaß ein großes Vermögen und wollte vor Zeugen klar stellen, dass er seine Stiefkinder schon abgefunden hatte und dass sein jetziger Wohlstand allein seinen leiblichen Kindern zugute kommen sollte. Christina sollte seine Testamentsverwalterin und die Erzieherin der Kinder sein. Nach den Kölner Genealogen wurde Hynrich wieder gesund und lebte noch bis 1587. Dann starb er und kurz darauf auch Christina.  Die Waisen Merinck wurden von Vormündern großgezogen, unser nächster Vorfahr hieß wieder Hynrich und wurde wieder Kaufmann in Köln, zuerst imViertel St. Martin, dann bei St. Columba. Seine 13 Kinder von zwei Ehefrauen sind zwischen 1600 und 1631 in Köln getauft. Ein Sohn, 1620 geboren, ist der erste Domherr der Familie, Henrich Mering. Sein jüngerer Bruder, unser nächster Vorfahr, wurde Arzt, Professor für Medizin an der Kölner Universität zwischen 1662 und 1687. Dieses Professors Sohn aus erster Ehe, geboren 1667, ist der zweite Domherr der Familie, Heinrich von Mering. Ein Sohn aus zweiter Ehe, geboren 1685, ist unser nächster Vorfahr.  Er heißt Johann Friedrich von Mering, ist zuerst Hauptmann im kaiserlichen Heer, dann kurkölnischer Rheinzöllner in Andernach. Johann Friedrich hatte von seiner Frau Maria Gertrude Rübsam drei Söhne. Der älteste und der jüngste verheirateten sich in Andernach. Der älteste ist der Vorfahr der von Merings in Amerika geworden, der Stamm des jüngsten starb aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mittlere, geboren 1733, unser Vorfahr Franz Caspar von Mering, wurde wie sein Vater kaiserlicher Soldat. Er kämpfte als Offizier der Kaiserin Elisabeth 1761 bei Torgau gegen Friedrich den Großen. Aber Franz Caspar hatte kein Glück. Vielleicht wurde er schwer verletzt und kränkelte dann, vielleicht war er nicht tüchtig. Er brachte es nur bis zum Oberleutnant, erhielt früh seinen Abschied. Und er heiratete offenbar unterhalb des Rahmens seiner Brüder. Die Verbindung zu ihnen scheint abgerissen. Er starb schon 1779 in Mainz. Sein Sohn, unser Vorfahr Franz Joseph Caspar, wurde schon mit fünfzehn Jahren Vollwaise und war offenbar ohne Vermögen. Für ein armes adliges Kind waren die Zeiten schlecht. Mainz gehörte seit 1797 zur revolutionären Republik Frankreich. Vermutlich floh Franz Joseph Caspar und wurde so jung wie möglich Soldat, angeblich bei den preußischen Husaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leben verlief abenteuerlich. 1799 ist er in der Pfalz und heiratet vor dem republikanischen Zivilbeamten in Kirchheimbolanden eine Pächterstochter lutherischer Konfession, Anna Maria Ziemer.  Franz Joseph Caspar ist der „Bürger Mering“. Das ist die erste standesamtlich geschlossene Ehe in unserer Familie und von den frommen Verwandten nie als solche anerkannt. Mit Anna Maria betreibt Franz Joseph Caspar eine Kneipe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Geburt des ersten Kindes zieht das Paar nach Dänemark, wo es sechs weitere Kinder in der katholischen Kirche der Österreichischen Gesandtschaft taufen lässt. 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, müssen alle Ausländer sofort Dänemark verlassen. Die Merings kehren zurück nach Mainz. Das Land am Rhein steht unter bayrischer Verwaltung. Arbeitslosigkeit und Hunger herrschen. 1815 findet der arme Familienvater Arbeit  als „Chaussee-Bereiter“, als berittener Verkehrspolizist. 100 Franken im Monat sind nicht viel, aber es kommen noch „Denunziantenprämien“ dazu, wenn er viele Fuhrleute anzeigt. Er wird an die Landstraße von Speyer nach Oggersheim versetzt und zieht mit seiner Familie nach Speyer um. Seine Frau erwartet das 8. Kind. Franz Joseph Caspar ist sehr eifrig als Kontrolleur der Fuhrleute, er erhält hohe Prämien, er macht sich unbeliebt. Er wird reingelegt oder wird einmal schwach: er lässt sich bestechen. Seine Frau stirbt „vor Gram“, wie er selbst schreibt, seine Kinder kommen ins Armenhaus in Frankenthal. Er sitzt seit August 1816 im Gefängnis in Speyer. Im März 1817 findet in Zweibrücken vor dem Appellationsgerichtshof sein Verfahren statt. Er wird zu 200 Franken Strafe und einer Stunde Pranger verurteilt. Am Pranger hat er jedoch nicht gestanden. Er erreicht eine Begnadigung, vielleicht mit Hilfe seines Vetters, des ehemaligen Hofgerichtspräsidenten von Köln, Fritz von Mering. Von da an verliert sich unseres Vorfahren Spur. Seine Kinder geben in ihren Urkunden an, dass sie nicht wissen, wo ihr Vater sich aufhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste Sohn dieses Mannes, Franz Joseph Mering, tritt aus dem Armenhaus ins preußische Heer ein. Er wird Hoboist im 29. Infanterie-Regiment, das in Saarlouis stationiert ist. Dort lernt er eine arme Näherin lothringischer Abstammung kennen, Catherine Henry. Ihr Vater war napoleonischer Offizier. Auch er ist verschollen. Die beiden heiraten 1828, ziehen 1831 mit dem Regiment nach Koblenz, 1842 bekommt Franz Joseph als Abfindung die Stelle eines Grenzaufsehers in Herongen an der neuen Zollgrenze zu den Niederlanden. 1843 wird dort unser Urgroßvater Peter geboren. Catharina stirbt 1855 in Herongen, bevor endlich 1856 Franz Joseph als Steuer-Aufseher nach Koblenz zurückkehren kann. Peter macht dort eine Maurerlehre, bevor er sich zum Stuckateur qualifiziert. Weil seine Frau, die evangelische Glaserstochter Philippine Allendorf darauf besteht, werden seine Kinder alle evangelisch erzogen. Und weil er sich 1893 das Adelspatent vom Königlichen Heroldsamt in Berlin bestätigen lässt, sind wir die einzigen evangelischen von Merings aus diesem Stamm!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Sagas_und_Biografien&amp;diff=58</id>
		<title>Sagas und Biografien</title>
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		<updated>2026-09-22T16:39:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: /* Die Allendorf-Saga */ in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Wie ordne ich meine Familiengeschichte? ===&lt;br /&gt;
Eine vergnügliche Sache ist das Forschen nach den Vorfahren. Manchmal merke ich, dass ich weiter gar nichts will: wissen, wer sie waren, wo sie lebten und ihr Lebensgefühl nachempfinden, als wären sie ein Stück von mir.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber manchmal möchte ich über meine Entdeckungen reden. Ich möchte sogar über meine Funde schreiben. Denn Schreiben ist neben Forschen mein zweites großes Vergnügen. Und schon habe ich ein Problem: Wie ordne ich meine Familiengeschichte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Einzelbiographien habe ich angefangen. Die sind verhältnismäßig selbstordnend: von der Geburt bis zum Tod geht ein Leben. Nun ist nur noch zu entscheiden, wie weit die Eltern, wie weit die Kinder mit hineingehören. Das übrige ist Sache des Stils. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile häufen sich die Biographien an. Nun stellt sich heraus, dass sie nicht aneinander passen. Nur selten kann ich über eine Generationenfolge vom Urgroßvater bis zum Urenkel schreiben. Entweder fehlt es an Daten. Oder es wechselt der Gesichtspunkt und damit der Stil. Meine Leser fragen: Wie hängen die Geschichten zusammen? Wann entsteht das Buch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es verfängt wohl nicht, zu erklären, dass ich nie ein Buch schreiben wollte. Dass ich die Familiengeschichte als ein Puzzle ansehe, dessen sehr unterschiedliche Teile ich manchmal  zusammenlege, dann wieder durcheinander werfe, dass höchstens eine Mappe entstehen kann oder eine Homepage. Beide Medien haben den Vorteil, dass man die einzelnen Kapitel nach Lust und Laune auswechseln und miteinander mischen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurzum, ich habe mich nun doch entschlossen, eine Art Gliederung aufzustellen. Sie soll nicht verbindlich sein, aber denjenigen, die Ordnung brauchen, das Gefühl von Ordnung geben. Als Ordnungskriterien habe ich meine acht Urgroßelternstämme erwählt. Sie sind hinreichend voneinander verschieden und trotzdem als meine Vorfahren einer Generation und so ziemlich einer historischen Epoche hinreichend homogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Familiengeschichte ordnet sich also in acht Stämme. Jeder Stamm besteht aus den Vorfahren eines Urgroßvaters oder einer Urgroßmutter. Die vier Urgroßelternpaare haben in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt. Sie lebten alle im Deutschen Reich. Hier sind sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mütterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Martha Laura Ida Ehlert, geb. 9.5.1854 in Königsberg, ev., gest. 7.3.1937 in Berlin&lt;br /&gt;
# Hermann Gustav Behn, ev., geb. 12.7.1852 in Trier, gest. 21.5.1932  in Berlin&lt;br /&gt;
# Emma Saur, geb. 9.12.1850 in Guhrau/Bezirk Breslau, ev., gest. 29.10.1880 in Guhrau&lt;br /&gt;
# Otto Liebert, geb. 25.3.1839 in Lissa/Provinz Posen, ev-ref., gest. 2.1.1897 in Guhrau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Väterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Johanna  Klara Liebscher, geb. am 30.7.1856 in Kobershain, Kreis Torgau, ev., gest. am 1.5.1944 in Köln&lt;br /&gt;
# August Theodor Heinrich Eberhardt, geb. am 2.7.1855 in Arnstadt, ev., gest. am 20.1.1928 in Köln.&lt;br /&gt;
# Friederike Philippine Allendorf, geb. am 9.5.1852 in Koblenz, ev., gest. am  2.12.1926 in Köln-Rodenkirchen&lt;br /&gt;
# Peter Joseph Mering, (Adelspatent 29.5.1893) geb. am 8.1.1843 in Herongen, kath., gest. 10.2.1901 in Köln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familien-Sagas ===&lt;br /&gt;
Demgemäß ordne ich meine Biografien in diese 8 Familien-Sagas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Die Ehlert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Behn-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Saur-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebscher-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Eberhardt-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Allendorf-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Mering-Saga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Stämme sehr verschieden sind, ist ja nur gut. Dadurch bekommt meine Abstammung Farbe. Dass sie sich aber so unterschiedlich stark erforschen lassen, ist sehr bedauerlich. Die einzelnen Sagas können nicht gleich lang sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Mering-Saga ===&lt;br /&gt;
So gut wie andere Familien sind die Merings allemale. Es ist der Name meines namengebenden Urgroßvaters Peter von Mering. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der früheste Mering, mit dem wir verwandt sind, stammte aus Coesfeld. Es gibt bis heute einen Hof Mehring bei Flamersheim im Kreis Coesfeld, der seit dem 12. Jahrhundert ein Meierhof des Klosters St. Mauritius in Münster war. In Coesfeld ist im 15. und 16. Jahrhundert der Familienname Merinck unter den Bürgern sehr häufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hynrich Merinck aus Coesfeld erwarb 1553 in Köln das Bürgerrecht. Natürlich war er Katholik  als Bürger einer katholischen Stadt. Nach seinem Testament von 1579 war er zuerst mit Catharina Lindlar verheiratet, der Witwe von Herman Mueträtzer oder Muetroyde. Herman Muetroyde war Kaufmann in Köln gewesen, Hynrich Merinck vermutlich sein Prokurist oder Kompagnon. Catharina war älter als Hynrich. Sie hatte schon vier halberwachsene Kinder, die Hynrich aufziehen half. Erst als Catharina starb, konnte Hynrich eine junge Frau, Christina von Monheim, heiraten, mit der er mindestens vier eigene Kinder erzielte. 1579, als er, schwer krank, sein Testament schrieb, waren diese Kinder noch klein. Hynrich aber besaß ein großes Vermögen und wollte vor Zeugen klar stellen, dass er seine Stiefkinder schon abgefunden hatte und dass sein jetziger Wohlstand allein seinen leiblichen Kindern zugute kommen sollte. Christina sollte seine Testamentsverwalterin und die Erzieherin der Kinder sein. Nach den Kölner Genealogen wurde Hynrich wieder gesund und lebte noch bis 1587. Dann starb er und kurz darauf auch Christina.  Die Waisen Merinck wurden von Vormündern großgezogen, unser nächster Vorfahr hieß wieder Hynrich und wurde wieder Kaufmann in Köln, zuerst imViertel St. Martin, dann bei St. Columba. Seine 13 Kinder von zwei Ehefrauen sind zwischen 1600 und 1631 in Köln getauft. Ein Sohn, 1620 geboren, ist der erste Domherr der Familie, Henrich Mering. Sein jüngerer Bruder, unser nächster Vorfahr, wurde Arzt, Professor für Medizin an der Kölner Universität zwischen 1662 und 1687. Dieses Professors Sohn aus erster Ehe, geboren 1667, ist der zweite Domherr der Familie, Heinrich von Mering. Ein Sohn aus zweiter Ehe, geboren 1685, ist unser nächster Vorfahr.  Er heißt Johann Friedrich von Mering, ist zuerst Hauptmann im kaiserlichen Heer, dann kurkölnischer Rheinzöllner in Andernach. Johann Friedrich hatte von seiner Frau Maria Gertrude Rübsam drei Söhne. Der älteste und der jüngste verheirateten sich in Andernach. Der älteste ist der Vorfahr der von Merings in Amerika geworden, der Stamm des jüngsten starb aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mittlere, geboren 1733, unser Vorfahr Franz Caspar von Mering, wurde wie sein Vater kaiserlicher Soldat. Er kämpfte als Offizier der Kaiserin Elisabeth 1761 bei Torgau gegen Friedrich den Großen. Aber Franz Caspar hatte kein Glück. Vielleicht wurde er schwer verletzt und kränkelte dann, vielleicht war er nicht tüchtig. Er brachte es nur bis zum Oberleutnant, erhielt früh seinen Abschied. Und er heiratete offenbar unterhalb des Rahmens seiner Brüder. Die Verbindung zu ihnen scheint abgerissen. Er starb schon 1779 in Mainz. Sein Sohn, unser Vorfahr Franz Joseph Caspar, wurde schon mit fünfzehn Jahren Vollwaise und war offenbar ohne Vermögen. Für ein armes adliges Kind waren die Zeiten schlecht. Mainz gehörte seit 1797 zur revolutionären Republik Frankreich. Vermutlich floh Franz Joseph Caspar und wurde so jung wie möglich Soldat, angeblich bei den preußischen Husaren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leben verlief abenteuerlich. 1799 ist er in der Pfalz und heiratet vor dem republikanischen Zivilbeamten in Kirchheimbolanden eine Pächterstochter lutherischer Konfession, Anna Maria Ziemer.  Franz Joseph Caspar ist der „Bürger Mering“. Das ist die erste standesamtlich geschlossene Ehe in unserer Familie und von den frommen Verwandten nie als solche anerkannt. Mit Anna Maria betreibt Franz Joseph Caspar eine Kneipe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Geburt des ersten Kindes zieht das Paar nach Dänemark, wo es sechs weitere Kinder in der katholischen Kirche der Österreichischen Gesandtschaft taufen lässt. 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, müssen alle Ausländer sofort Dänemark verlassen. Die Merings kehren zurück nach Mainz. Das Land am Rhein steht unter bayrischer Verwaltung. Arbeitslosigkeit und Hunger herrschen. 1815 findet der arme Familienvater Arbeit  als „Chaussee-Bereiter“, als berittener Verkehrspolizist. 100 Franken im Monat sind nicht viel, aber es kommen noch „Denunziantenprämien“ dazu, wenn er viele Fuhrleute anzeigt. Er wird an die Landstraße von Speyer nach Oggersheim versetzt und zieht mit seiner Familie nach Speyer um. Seine Frau erwartet das 8. Kind. Franz Joseph Caspar ist sehr eifrig als Kontrolleur der Fuhrleute, er erhält hohe Prämien, er macht sich unbeliebt. Er wird reingelegt oder wird einmal schwach: er lässt sich bestechen. Seine Frau stirbt „vor Gram“, wie er selbst schreibt, seine Kinder kommen ins Armenhaus in Frankenthal. Er sitzt seit August 1816 im Gefängnis in Speyer. Im März 1817 findet in Zweibrücken vor dem Appellationsgerichtshof sein Verfahren statt. Er wird zu 200 Franken Strafe und einer Stunde Pranger verurteilt. Am Pranger hat er jedoch nicht gestanden. Er erreicht eine Begnadigung, vielleicht mit Hilfe seines Vetters, des ehemaligen Hofgerichtspräsidenten von Köln, Fritz von Mering. Von da an verliert sich unseres Vorfahren Spur. Seine Kinder geben in ihren Urkunden an, dass sie nicht wissen, wo ihr Vater sich aufhält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste Sohn dieses Mannes, Franz Joseph Mering, tritt aus dem Armenhaus ins preußische Heer ein. Er wird Hoboist im 29. Infanterie-Regiment, das in Saarlouis stationiert ist. Dort lernt er eine arme Näherin lothringischer Abstammung kennen, Catherine Henry. Ihr Vater war napoleonischer Offizier. Auch er ist verschollen. Die beiden heiraten 1828, ziehen 1831 mit dem Regiment nach Koblenz, 1842 bekommt Franz Joseph als Abfindung die Stelle eines Grenzaufsehers in Herongen an der neuen Zollgrenze zu den Niederlanden. 1843 wird dort unser Urgroßvater Peter geboren. Catharina stirbt 1855 in Herongen, bevor endlich 1856 Franz Joseph als Steuer-Aufseher nach Koblenz zurückkehren kann. Peter macht dort eine Maurerlehre, bevor er sich zum Stuckateur qualifiziert. Weil seine Frau, die evangelische Glaserstochter Philippine Allendorf darauf besteht, werden seine Kinder alle evangelisch erzogen. Und weil er sich 1893 das Adelspatent vom Königlichen Heroldsamt in Berlin bestätigen lässt, sind wir die einzigen evangelischen von Merings aus diesem Stamm!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Die_Allendorf-Saga&amp;diff=57</id>
		<title>Die Allendorf-Saga</title>
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		<updated>2026-09-22T16:39:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Allendorf-Saga in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Die Eberhardt-Saga]] ⇐ [[Sagas und Biografien]] ⇒ [[Die Mering-Saga]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allendorf–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Friederike Philippine von Mering, geb. Allendorf. Ihr Vater Karl Allendorf war zwischen 1840 und 1873 Glaser in Koblenz. Er stammte aus einer Handwerkerfamilie in Artern am Kyffhäuser. Ihre Mutter hieß Philippine Zimmermann und stammte aus einer evangelischen Handwerkerfamilie in Bacharach am Rhein. Sowohl Artern als auch Bacharach und Koblenz waren 1815 preußisch geworden. Die beiden waren also Bürger Preußens, aber ziemlich sicher hat Karl sich mehr als Sachse und Philippine sich mehr als Rheinländerin gefühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allendorfs in Artern waren hauptsächlich Glaser-, Bäcker- und Gerbermeister. Die Glaser hießen außer Allendorf überwiegend Jahn, die Meyers waren eine Bäckerfamilie, die Zeises oder Zieses sowie die Gänsehals waren Gerber. Die Allendorfs stammten eigentlich aus Apolda. Der Spitzenahn mit dem Namen Allendorf ist Andreas Allendorf, Glaser um 1747 in Apolda, gestorben vor 1779, doch können auch der Gerber Adolph Gänsehals, der Bäcker Johann Jacob Meyer und die Anspänner Anton Leucht und Johann Christoph Ziese um 1747 als Spitzenahnen benannt werden. Das Kirchenbuch von Artern ist noch nicht ausgeschöpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handwerkermeister in Bacharach waren hauptsächlich Schlosser. Da die evangelische Diaspora eng war, kamen die Schwiegersöhne der Schlosser als wandernde Gesellen aus Hessen und Franken an den Rhein und in die Familie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn mit dem Namen Zimmermanns ist Tobias Zimmermann aus Rathsweiler, der aber kein Schlosser, sondern um 1780 ein Bäcker war in Zweibrücken. Doch der absolute Spitzenahn unter Philippines Vorfahren ist Philipp Kümpel, Bürger und Schiffsmann in Kaub, gestorben vor 1747. Er ist nicht nur im Kirchenbuch, sondern auch in den Rechnungen des Zolldirektors von Andernach Johann Friedrich von Mering bezeugt. Wie mehrmals in meiner Familiengeschichte sind sich also – diesmal am Rheinzoll in Andernach – zwei Vorfahren schon einmal begegnet, bis endlich auf großen Umwegen ihre Nachfahren ein Ehepaar wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philippine Allendorfs Handwerkervorfahren machen nach den Kirchenbucheinträgen einen sehr soliden Eindruck. Ich denke, diesen Eindruck hat auch sie selbst auf Peter von Mering gemacht. Peter hatte Grund, sich nach Solidität und Verlässlichkeit zu sehnen. Die Wirbel, die sein abenteuernder Großvater verursacht hatte, waren noch im Familien-Gedächtnis. Dass Philippine darauf bestand, in der evangelischen Konfession ihrer Eltern getraut zu werden und ihre Kinder zu erziehen, erschien ihm vielleicht als Bestätigung ihrer Verlässlichkeit. So willigte er ein. Dank Philippine Allendorfs Ernst und Konsequenz sind wir die einzigen evangelischen von Merings, die es gibt.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Sagas_und_Biografien&amp;diff=56</id>
		<title>Sagas und Biografien</title>
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		<updated>2026-09-22T16:37:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: /* Die Eberhardt-Saga */ in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Wie ordne ich meine Familiengeschichte? ===&lt;br /&gt;
Eine vergnügliche Sache ist das Forschen nach den Vorfahren. Manchmal merke ich, dass ich weiter gar nichts will: wissen, wer sie waren, wo sie lebten und ihr Lebensgefühl nachempfinden, als wären sie ein Stück von mir.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber manchmal möchte ich über meine Entdeckungen reden. Ich möchte sogar über meine Funde schreiben. Denn Schreiben ist neben Forschen mein zweites großes Vergnügen. Und schon habe ich ein Problem: Wie ordne ich meine Familiengeschichte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Einzelbiographien habe ich angefangen. Die sind verhältnismäßig selbstordnend: von der Geburt bis zum Tod geht ein Leben. Nun ist nur noch zu entscheiden, wie weit die Eltern, wie weit die Kinder mit hineingehören. Das übrige ist Sache des Stils. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile häufen sich die Biographien an. Nun stellt sich heraus, dass sie nicht aneinander passen. Nur selten kann ich über eine Generationenfolge vom Urgroßvater bis zum Urenkel schreiben. Entweder fehlt es an Daten. Oder es wechselt der Gesichtspunkt und damit der Stil. Meine Leser fragen: Wie hängen die Geschichten zusammen? Wann entsteht das Buch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es verfängt wohl nicht, zu erklären, dass ich nie ein Buch schreiben wollte. Dass ich die Familiengeschichte als ein Puzzle ansehe, dessen sehr unterschiedliche Teile ich manchmal  zusammenlege, dann wieder durcheinander werfe, dass höchstens eine Mappe entstehen kann oder eine Homepage. Beide Medien haben den Vorteil, dass man die einzelnen Kapitel nach Lust und Laune auswechseln und miteinander mischen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurzum, ich habe mich nun doch entschlossen, eine Art Gliederung aufzustellen. Sie soll nicht verbindlich sein, aber denjenigen, die Ordnung brauchen, das Gefühl von Ordnung geben. Als Ordnungskriterien habe ich meine acht Urgroßelternstämme erwählt. Sie sind hinreichend voneinander verschieden und trotzdem als meine Vorfahren einer Generation und so ziemlich einer historischen Epoche hinreichend homogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Familiengeschichte ordnet sich also in acht Stämme. Jeder Stamm besteht aus den Vorfahren eines Urgroßvaters oder einer Urgroßmutter. Die vier Urgroßelternpaare haben in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt. Sie lebten alle im Deutschen Reich. Hier sind sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mütterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Martha Laura Ida Ehlert, geb. 9.5.1854 in Königsberg, ev., gest. 7.3.1937 in Berlin&lt;br /&gt;
# Hermann Gustav Behn, ev., geb. 12.7.1852 in Trier, gest. 21.5.1932  in Berlin&lt;br /&gt;
# Emma Saur, geb. 9.12.1850 in Guhrau/Bezirk Breslau, ev., gest. 29.10.1880 in Guhrau&lt;br /&gt;
# Otto Liebert, geb. 25.3.1839 in Lissa/Provinz Posen, ev-ref., gest. 2.1.1897 in Guhrau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Väterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Johanna  Klara Liebscher, geb. am 30.7.1856 in Kobershain, Kreis Torgau, ev., gest. am 1.5.1944 in Köln&lt;br /&gt;
# August Theodor Heinrich Eberhardt, geb. am 2.7.1855 in Arnstadt, ev., gest. am 20.1.1928 in Köln.&lt;br /&gt;
# Friederike Philippine Allendorf, geb. am 9.5.1852 in Koblenz, ev., gest. am  2.12.1926 in Köln-Rodenkirchen&lt;br /&gt;
# Peter Joseph Mering, (Adelspatent 29.5.1893) geb. am 8.1.1843 in Herongen, kath., gest. 10.2.1901 in Köln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familien-Sagas ===&lt;br /&gt;
Demgemäß ordne ich meine Biografien in diese 8 Familien-Sagas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Die Ehlert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Behn-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Saur-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebscher-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Eberhardt-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Allendorf-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Mering-Saga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Stämme sehr verschieden sind, ist ja nur gut. Dadurch bekommt meine Abstammung Farbe. Dass sie sich aber so unterschiedlich stark erforschen lassen, ist sehr bedauerlich. Die einzelnen Sagas können nicht gleich lang sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Allendorf-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Allendorf–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Friederike Philippine von Mering, geb. Allendorf. Ihr Vater Karl Allendorf war zwischen 1840 und 1873 Glaser in Koblenz. Er stammte aus einer Handwerkerfamilie in Artern am Kyffhäuser. Ihre Mutter hieß Philippine Zimmermann und stammte aus einer evangelischen Handwerkerfamilie in Bacharach am Rhein. Sowohl Artern als auch Bacharach und Koblenz waren 1815 preußisch geworden. Die beiden waren also Bürger Preußens, aber ziemlich sicher hat Karl sich mehr als Sachse und Philippine sich mehr als Rheinländerin gefühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allendorfs in Artern waren hauptsächlich Glaser-, Bäcker- und Gerbermeister. Die Glaser hießen außer Allendorf überwiegend Jahn, die Meyers waren eine Bäckerfamilie, die Zeises oder Zieses sowie die Gänsehals waren Gerber. Die Allendorfs stammten eigentlich aus Apolda. Der Spitzenahn mit dem Namen Allendorf ist Andreas Allendorf, Glaser um 1747 in Apolda, gestorben vor 1779, doch können auch der Gerber Adolph Gänsehals, der Bäcker Johann Jacob Meyer und die Anspänner Anton Leucht und Johann Christoph Ziese um 1747 als Spitzenahnen benannt werden. Das Kirchenbuch von Artern ist noch nicht ausgeschöpft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handwerkermeister in Bacharach waren hauptsächlich Schlosser. Da die evangelische Diaspora eng war, kamen die Schwiegersöhne der Schlosser als wandernde Gesellen aus Hessen und Franken an den Rhein und in die Familie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn mit dem Namen Zimmermanns ist Tobias Zimmermann aus Rathsweiler, der aber kein Schlosser, sondern um 1780 ein Bäcker war in Zweibrücken. Doch der absolute Spitzenahn unter Philippines Vorfahren ist Philipp Kümpel, Bürger und Schiffsmann in Kaub, gestorben vor 1747. Er ist nicht nur im Kirchenbuch, sondern auch in den Rechnungen des Zolldirektors von Andernach Johann Friedrich von Mering bezeugt. Wie mehrmals in meiner Familiengeschichte sind sich also – diesmal am Rheinzoll in Andernach – zwei Vorfahren schon einmal begegnet, bis endlich auf großen Umwegen ihre Nachfahren ein Ehepaar wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philippine Allendorfs Handwerkervorfahren machen nach den Kirchenbucheinträgen einen sehr soliden Eindruck. Ich denke, diesen Eindruck hat auch sie selbst auf Peter von Mering gemacht. Peter hatte Grund, sich nach Solidität und Verlässlichkeit zu sehnen. Die Wirbel, die sein abenteuernder Großvater verursacht hatte, waren noch im Familien-Gedächtnis. Dass Philippine darauf bestand, in der evangelischen Konfession ihrer Eltern getraut zu werden und ihre Kinder zu erziehen, erschien ihm vielleicht als Bestätigung ihrer Verlässlichkeit. So willigte er ein. Dank Philippine Allendorfs Ernst und Konsequenz sind wir die einzigen evangelischen von Merings, die es gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Mering-Saga ===&lt;br /&gt;
So gut wie andere Familien sind die Merings allemale. Es ist der Name meines namengebenden Urgroßvaters Peter von Mering. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der früheste Mering, mit dem wir verwandt sind, stammte aus Coesfeld. Es gibt bis heute einen Hof Mehring bei Flamersheim im Kreis Coesfeld, der seit dem 12. Jahrhundert ein Meierhof des Klosters St. Mauritius in Münster war. In Coesfeld ist im 15. und 16. Jahrhundert der Familienname Merinck unter den Bürgern sehr häufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hynrich Merinck aus Coesfeld erwarb 1553 in Köln das Bürgerrecht. Natürlich war er Katholik  als Bürger einer katholischen Stadt. Nach seinem Testament von 1579 war er zuerst mit Catharina Lindlar verheiratet, der Witwe von Herman Mueträtzer oder Muetroyde. Herman Muetroyde war Kaufmann in Köln gewesen, Hynrich Merinck vermutlich sein Prokurist oder Kompagnon. Catharina war älter als Hynrich. Sie hatte schon vier halberwachsene Kinder, die Hynrich aufziehen half. Erst als Catharina starb, konnte Hynrich eine junge Frau, Christina von Monheim, heiraten, mit der er mindestens vier eigene Kinder erzielte. 1579, als er, schwer krank, sein Testament schrieb, waren diese Kinder noch klein. Hynrich aber besaß ein großes Vermögen und wollte vor Zeugen klar stellen, dass er seine Stiefkinder schon abgefunden hatte und dass sein jetziger Wohlstand allein seinen leiblichen Kindern zugute kommen sollte. Christina sollte seine Testamentsverwalterin und die Erzieherin der Kinder sein. Nach den Kölner Genealogen wurde Hynrich wieder gesund und lebte noch bis 1587. Dann starb er und kurz darauf auch Christina.  Die Waisen Merinck wurden von Vormündern großgezogen, unser nächster Vorfahr hieß wieder Hynrich und wurde wieder Kaufmann in Köln, zuerst imViertel St. Martin, dann bei St. Columba. Seine 13 Kinder von zwei Ehefrauen sind zwischen 1600 und 1631 in Köln getauft. Ein Sohn, 1620 geboren, ist der erste Domherr der Familie, Henrich Mering. Sein jüngerer Bruder, unser nächster Vorfahr, wurde Arzt, Professor für Medizin an der Kölner Universität zwischen 1662 und 1687. Dieses Professors Sohn aus erster Ehe, geboren 1667, ist der zweite Domherr der Familie, Heinrich von Mering. Ein Sohn aus zweiter Ehe, geboren 1685, ist unser nächster Vorfahr.  Er heißt Johann Friedrich von Mering, ist zuerst Hauptmann im kaiserlichen Heer, dann kurkölnischer Rheinzöllner in Andernach. Johann Friedrich hatte von seiner Frau Maria Gertrude Rübsam drei Söhne. Der älteste und der jüngste verheirateten sich in Andernach. Der älteste ist der Vorfahr der von Merings in Amerika geworden, der Stamm des jüngsten starb aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mittlere, geboren 1733, unser Vorfahr Franz Caspar von Mering, wurde wie sein Vater kaiserlicher Soldat. Er kämpfte als Offizier der Kaiserin Elisabeth 1761 bei Torgau gegen Friedrich den Großen. Aber Franz Caspar hatte kein Glück. Vielleicht wurde er schwer verletzt und kränkelte dann, vielleicht war er nicht tüchtig. Er brachte es nur bis zum Oberleutnant, erhielt früh seinen Abschied. Und er heiratete offenbar unterhalb des Rahmens seiner Brüder. Die Verbindung zu ihnen scheint abgerissen. Er starb schon 1779 in Mainz. Sein Sohn, unser Vorfahr Franz Joseph Caspar, wurde schon mit fünfzehn Jahren Vollwaise und war offenbar ohne Vermögen. Für ein armes adliges Kind waren die Zeiten schlecht. Mainz gehörte seit 1797 zur revolutionären Republik Frankreich. Vermutlich floh Franz Joseph Caspar und wurde so jung wie möglich Soldat, angeblich bei den preußischen Husaren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leben verlief abenteuerlich. 1799 ist er in der Pfalz und heiratet vor dem republikanischen Zivilbeamten in Kirchheimbolanden eine Pächterstochter lutherischer Konfession, Anna Maria Ziemer.  Franz Joseph Caspar ist der „Bürger Mering“. Das ist die erste standesamtlich geschlossene Ehe in unserer Familie und von den frommen Verwandten nie als solche anerkannt. Mit Anna Maria betreibt Franz Joseph Caspar eine Kneipe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Geburt des ersten Kindes zieht das Paar nach Dänemark, wo es sechs weitere Kinder in der katholischen Kirche der Österreichischen Gesandtschaft taufen lässt. 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, müssen alle Ausländer sofort Dänemark verlassen. Die Merings kehren zurück nach Mainz. Das Land am Rhein steht unter bayrischer Verwaltung. Arbeitslosigkeit und Hunger herrschen. 1815 findet der arme Familienvater Arbeit  als „Chaussee-Bereiter“, als berittener Verkehrspolizist. 100 Franken im Monat sind nicht viel, aber es kommen noch „Denunziantenprämien“ dazu, wenn er viele Fuhrleute anzeigt. Er wird an die Landstraße von Speyer nach Oggersheim versetzt und zieht mit seiner Familie nach Speyer um. Seine Frau erwartet das 8. Kind. Franz Joseph Caspar ist sehr eifrig als Kontrolleur der Fuhrleute, er erhält hohe Prämien, er macht sich unbeliebt. Er wird reingelegt oder wird einmal schwach: er lässt sich bestechen. Seine Frau stirbt „vor Gram“, wie er selbst schreibt, seine Kinder kommen ins Armenhaus in Frankenthal. Er sitzt seit August 1816 im Gefängnis in Speyer. Im März 1817 findet in Zweibrücken vor dem Appellationsgerichtshof sein Verfahren statt. Er wird zu 200 Franken Strafe und einer Stunde Pranger verurteilt. Am Pranger hat er jedoch nicht gestanden. Er erreicht eine Begnadigung, vielleicht mit Hilfe seines Vetters, des ehemaligen Hofgerichtspräsidenten von Köln, Fritz von Mering. Von da an verliert sich unseres Vorfahren Spur. Seine Kinder geben in ihren Urkunden an, dass sie nicht wissen, wo ihr Vater sich aufhält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste Sohn dieses Mannes, Franz Joseph Mering, tritt aus dem Armenhaus ins preußische Heer ein. Er wird Hoboist im 29. Infanterie-Regiment, das in Saarlouis stationiert ist. Dort lernt er eine arme Näherin lothringischer Abstammung kennen, Catherine Henry. Ihr Vater war napoleonischer Offizier. Auch er ist verschollen. Die beiden heiraten 1828, ziehen 1831 mit dem Regiment nach Koblenz, 1842 bekommt Franz Joseph als Abfindung die Stelle eines Grenzaufsehers in Herongen an der neuen Zollgrenze zu den Niederlanden. 1843 wird dort unser Urgroßvater Peter geboren. Catharina stirbt 1855 in Herongen, bevor endlich 1856 Franz Joseph als Steuer-Aufseher nach Koblenz zurückkehren kann. Peter macht dort eine Maurerlehre, bevor er sich zum Stuckateur qualifiziert. Weil seine Frau, die evangelische Glaserstochter Philippine Allendorf darauf besteht, werden seine Kinder alle evangelisch erzogen. Und weil er sich 1893 das Adelspatent vom Königlichen Heroldsamt in Berlin bestätigen lässt, sind wir die einzigen evangelischen von Merings aus diesem Stamm!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Die_Eberhardt-Saga&amp;diff=55</id>
		<title>Die Eberhardt-Saga</title>
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		<updated>2026-09-22T16:37:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Eberhardt-Saga in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Die Liebscher-Saga]] ⇐ [[Sagas und Biografien]] ⇒ [[Die Allendorf Saga]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eberhardts stammen aus dem Thüringer Wald. Natürlich sind sie evangelisch-lutherisch. Die erste Eheschließung, die ich nachweisen kann, hat 1692 in Großbreitenbach stattgefunden. Da heiratet ein Fenstermacher Eberhardt die Tochter eines Fenstermachers Eberhardt – das wird wohl seine Kusine gewesen sein. Das Handwerk der Fenstermacher umfasste „im Osten“ das, was im Westen Deutschlands zwei Gewerke, die Tischler und die Glaser, leisteten. Die Fenstermacher fertigten nicht nur den Holzrahmen, sondern setzten auch das Glas ein. Glas wurde im Thüringer Wald schon seit dem Mittelalter hergestellt. Und Holz gab es reichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Vorfahr Wolffgang Nicol Eberhardt, 1736 in die große Sippe Eberhardt hineingeboren, will etwas Besonderes sein, er ist „der Kunst ergeben“. So wird er weder Fenstermacher noch Handelsmann wie seine Verwandten, sondern zu guter Letzt Lehrer in Altenfeld. Reich wird er nicht, stirbt auch früh, so dass sein Sohn Nicol Wolffgang Eberhardt, unser nächster Vorfahr, keine Ausbildung bekommt. Er wird Handarbeiter, später Kastenknecht, d. h. Küster in Arnstadt etwa um 1800. Auch dessen Sohn Johann Adam Heinrich bleibt in diesem Amt: Gartenarbeiter und Kastenknecht um 1830. Arnstadt ist damals eine wachsende Stadt. Auch die Familie Weisheit, Nachkommen von Kleinbauern und Fuhrleuten im Thüringer Wald, kommt nach Arnstadt. Sie hat einen weit zurückreichenden Stammbaum von Fuhrleuten mit Namen Weisheit in Struth bei Schmalkalden. In Struth heißt heute noch jeder dritte Weisheit, erzählte mir eine freundliche Einwohnerin. Aber der Johann Otto Weisheit, der nach Arnstadt kommt, ist Brandweinbrenner. Er hat die Ehe geschlossen mit Magdalene Bücking, der Nachkommin eines schwarzburgischen gelernten Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Lehrers Urenkel, Ernst August Christian Eberhardt, kann sich wieder eine Lehrzeit leisten: er wird Zeugschmiedemeister in Arnstadt. Seinen Kindern bringt es kein Glück: der junge Meister stirbt 1857 mit 25 Jahren „an Krämpfen“, die Mutter Johanna Friederike Weisheit muss als Waschfrau Sohn und Tochter aufziehen. Unseres Urgroßvaters Heinrich Eberhardt Kindheit ist ebenso von Armut geprägt wie die von unserm Urgroßvater Peter Mering. Aber während Peter ein Handwerk lernt, geht Heinrich zur Eisenbahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der unermesslichen Menge an Literatur über die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland gibt es fast nichts über die Ausbildung der Menschen, die bei der Bahn eingestellt wurden – mit Ausnahme der Lokomotivführer. Unser Urgroßvater aber war kein Lokomotivführer, er hatte eine Art Buchhalterstelle bei der Bahn. Rechnen und schreiben muss er gut gekonnt haben. Das Rechnungswesen der stetig sich entwickelnden Reichsbahn wurde von Hand registriert. In riesigen Büros saßen die Beamten. Heinrich kam schnell voran. Mit 25 Jahren konnte er die Pastorentochter Johanna Liebscher aus Oberröblingen am See heiraten und mit ihr nach Deutz ziehen. So kamen die Eberhardts an den Rhein. Natürlich suchten sie eine evangelische Kirche und fanden sie in der neu aufstrebenden Stadt Ehrenfeld. Clara Eberhardt, die älteste Tochter von Johanna und Heinrich, lernte im Kirchenchor den jungen Bildhauer Carl von Mering kennen. So wurde Clara unsere Großmutter von Mering.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Sagas_und_Biografien&amp;diff=54</id>
		<title>Sagas und Biografien</title>
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		<updated>2026-09-22T16:35:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: /* Die Liebscher-Saga */ in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Wie ordne ich meine Familiengeschichte? ===&lt;br /&gt;
Eine vergnügliche Sache ist das Forschen nach den Vorfahren. Manchmal merke ich, dass ich weiter gar nichts will: wissen, wer sie waren, wo sie lebten und ihr Lebensgefühl nachempfinden, als wären sie ein Stück von mir.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber manchmal möchte ich über meine Entdeckungen reden. Ich möchte sogar über meine Funde schreiben. Denn Schreiben ist neben Forschen mein zweites großes Vergnügen. Und schon habe ich ein Problem: Wie ordne ich meine Familiengeschichte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Einzelbiographien habe ich angefangen. Die sind verhältnismäßig selbstordnend: von der Geburt bis zum Tod geht ein Leben. Nun ist nur noch zu entscheiden, wie weit die Eltern, wie weit die Kinder mit hineingehören. Das übrige ist Sache des Stils. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile häufen sich die Biographien an. Nun stellt sich heraus, dass sie nicht aneinander passen. Nur selten kann ich über eine Generationenfolge vom Urgroßvater bis zum Urenkel schreiben. Entweder fehlt es an Daten. Oder es wechselt der Gesichtspunkt und damit der Stil. Meine Leser fragen: Wie hängen die Geschichten zusammen? Wann entsteht das Buch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es verfängt wohl nicht, zu erklären, dass ich nie ein Buch schreiben wollte. Dass ich die Familiengeschichte als ein Puzzle ansehe, dessen sehr unterschiedliche Teile ich manchmal  zusammenlege, dann wieder durcheinander werfe, dass höchstens eine Mappe entstehen kann oder eine Homepage. Beide Medien haben den Vorteil, dass man die einzelnen Kapitel nach Lust und Laune auswechseln und miteinander mischen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurzum, ich habe mich nun doch entschlossen, eine Art Gliederung aufzustellen. Sie soll nicht verbindlich sein, aber denjenigen, die Ordnung brauchen, das Gefühl von Ordnung geben. Als Ordnungskriterien habe ich meine acht Urgroßelternstämme erwählt. Sie sind hinreichend voneinander verschieden und trotzdem als meine Vorfahren einer Generation und so ziemlich einer historischen Epoche hinreichend homogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Familiengeschichte ordnet sich also in acht Stämme. Jeder Stamm besteht aus den Vorfahren eines Urgroßvaters oder einer Urgroßmutter. Die vier Urgroßelternpaare haben in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt. Sie lebten alle im Deutschen Reich. Hier sind sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mütterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Martha Laura Ida Ehlert, geb. 9.5.1854 in Königsberg, ev., gest. 7.3.1937 in Berlin&lt;br /&gt;
# Hermann Gustav Behn, ev., geb. 12.7.1852 in Trier, gest. 21.5.1932  in Berlin&lt;br /&gt;
# Emma Saur, geb. 9.12.1850 in Guhrau/Bezirk Breslau, ev., gest. 29.10.1880 in Guhrau&lt;br /&gt;
# Otto Liebert, geb. 25.3.1839 in Lissa/Provinz Posen, ev-ref., gest. 2.1.1897 in Guhrau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Väterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Johanna  Klara Liebscher, geb. am 30.7.1856 in Kobershain, Kreis Torgau, ev., gest. am 1.5.1944 in Köln&lt;br /&gt;
# August Theodor Heinrich Eberhardt, geb. am 2.7.1855 in Arnstadt, ev., gest. am 20.1.1928 in Köln.&lt;br /&gt;
# Friederike Philippine Allendorf, geb. am 9.5.1852 in Koblenz, ev., gest. am  2.12.1926 in Köln-Rodenkirchen&lt;br /&gt;
# Peter Joseph Mering, (Adelspatent 29.5.1893) geb. am 8.1.1843 in Herongen, kath., gest. 10.2.1901 in Köln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familien-Sagas ===&lt;br /&gt;
Demgemäß ordne ich meine Biografien in diese 8 Familien-Sagas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Die Ehlert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Behn-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Saur-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebscher-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Eberhardt-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Allendorf-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Mering-Saga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Stämme sehr verschieden sind, ist ja nur gut. Dadurch bekommt meine Abstammung Farbe. Dass sie sich aber so unterschiedlich stark erforschen lassen, ist sehr bedauerlich. Die einzelnen Sagas können nicht gleich lang sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Eberhardt-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Eberhardts stammen aus dem Thüringer Wald. Natürlich sind sie evangelisch-lutherisch. Die erste Eheschließung, die ich nachweisen kann, hat 1692 in Großbreitenbach stattgefunden. Da heiratet ein Fenstermacher Eberhardt die Tochter eines Fenstermachers Eberhardt – das wird wohl seine Kusine gewesen sein. Das Handwerk der Fenstermacher umfasste „im Osten“ das, was im Westen Deutschlands zwei Gewerke, die Tischler und die Glaser, leisteten. Die Fenstermacher fertigten nicht nur den Holzrahmen, sondern setzten auch das Glas ein. Glas wurde im Thüringer Wald schon seit dem Mittelalter hergestellt. Und Holz gab es reichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Vorfahr Wolffgang Nicol Eberhardt, 1736 in die große Sippe Eberhardt hineingeboren, will etwas Besonderes sein, er ist „der Kunst ergeben“. So wird er weder Fenstermacher noch Handelsmann wie seine Verwandten, sondern zu guter Letzt Lehrer in Altenfeld. Reich wird er nicht, stirbt auch früh, so dass sein Sohn Nicol Wolffgang Eberhardt, unser nächster Vorfahr, keine Ausbildung bekommt. Er wird Handarbeiter, später Kastenknecht, d. h. Küster in Arnstadt etwa um 1800. Auch dessen Sohn Johann Adam Heinrich bleibt in diesem Amt: Gartenarbeiter und Kastenknecht um 1830. Arnstadt ist damals eine wachsende Stadt. Auch die Familie Weisheit, Nachkommen von Kleinbauern und Fuhrleuten im Thüringer Wald, kommt nach Arnstadt. Sie hat einen weit zurückreichenden Stammbaum von Fuhrleuten mit Namen Weisheit in Struth bei Schmalkalden. In Struth heißt heute noch jeder dritte Weisheit, erzählte mir eine freundliche Einwohnerin. Aber der Johann Otto Weisheit, der nach Arnstadt kommt, ist Brandweinbrenner. Er hat die Ehe geschlossen mit Magdalene Bücking, der Nachkommin eines schwarzburgischen gelernten Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Lehrers Urenkel, Ernst August Christian Eberhardt, kann sich wieder eine Lehrzeit leisten: er wird Zeugschmiedemeister in Arnstadt. Seinen Kindern bringt es kein Glück: der junge Meister stirbt 1857 mit 25 Jahren „an Krämpfen“, die Mutter Johanna Friederike Weisheit muss als Waschfrau Sohn und Tochter aufziehen. Unseres Urgroßvaters Heinrich Eberhardt Kindheit ist ebenso von Armut geprägt wie die von unserm Urgroßvater Peter Mering. Aber während Peter ein Handwerk lernt, geht Heinrich zur Eisenbahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der unermesslichen Menge an Literatur über die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland gibt es fast nichts über die Ausbildung der Menschen, die bei der Bahn eingestellt wurden – mit Ausnahme der Lokomotivführer. Unser Urgroßvater aber war kein Lokomotivführer, er hatte eine Art Buchhalterstelle bei der Bahn. Rechnen und schreiben muss er gut gekonnt haben. Das Rechnungswesen der stetig sich entwickelnden Reichsbahn wurde von Hand registriert. In riesigen Büros saßen die Beamten. Heinrich kam schnell voran. Mit 25 Jahren konnte er die Pastorentochter Johanna Liebscher aus Oberröblingen am See heiraten und mit ihr nach Deutz ziehen. So kamen die Eberhardts an den Rhein. Natürlich suchten sie eine evangelische Kirche und fanden sie in der neu aufstrebenden Stadt Ehrenfeld. Clara Eberhardt, die älteste Tochter von Johanna und Heinrich, lernte im Kirchenchor den jungen Bildhauer Carl von Mering kennen. So wurde Clara unsere Großmutter von Mering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Allendorf-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Allendorf–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Friederike Philippine von Mering, geb. Allendorf. Ihr Vater Karl Allendorf war zwischen 1840 und 1873 Glaser in Koblenz. Er stammte aus einer Handwerkerfamilie in Artern am Kyffhäuser. Ihre Mutter hieß Philippine Zimmermann und stammte aus einer evangelischen Handwerkerfamilie in Bacharach am Rhein. Sowohl Artern als auch Bacharach und Koblenz waren 1815 preußisch geworden. Die beiden waren also Bürger Preußens, aber ziemlich sicher hat Karl sich mehr als Sachse und Philippine sich mehr als Rheinländerin gefühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allendorfs in Artern waren hauptsächlich Glaser-, Bäcker- und Gerbermeister. Die Glaser hießen außer Allendorf überwiegend Jahn, die Meyers waren eine Bäckerfamilie, die Zeises oder Zieses sowie die Gänsehals waren Gerber. Die Allendorfs stammten eigentlich aus Apolda. Der Spitzenahn mit dem Namen Allendorf ist Andreas Allendorf, Glaser um 1747 in Apolda, gestorben vor 1779, doch können auch der Gerber Adolph Gänsehals, der Bäcker Johann Jacob Meyer und die Anspänner Anton Leucht und Johann Christoph Ziese um 1747 als Spitzenahnen benannt werden. Das Kirchenbuch von Artern ist noch nicht ausgeschöpft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handwerkermeister in Bacharach waren hauptsächlich Schlosser. Da die evangelische Diaspora eng war, kamen die Schwiegersöhne der Schlosser als wandernde Gesellen aus Hessen und Franken an den Rhein und in die Familie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn mit dem Namen Zimmermanns ist Tobias Zimmermann aus Rathsweiler, der aber kein Schlosser, sondern um 1780 ein Bäcker war in Zweibrücken. Doch der absolute Spitzenahn unter Philippines Vorfahren ist Philipp Kümpel, Bürger und Schiffsmann in Kaub, gestorben vor 1747. Er ist nicht nur im Kirchenbuch, sondern auch in den Rechnungen des Zolldirektors von Andernach Johann Friedrich von Mering bezeugt. Wie mehrmals in meiner Familiengeschichte sind sich also – diesmal am Rheinzoll in Andernach – zwei Vorfahren schon einmal begegnet, bis endlich auf großen Umwegen ihre Nachfahren ein Ehepaar wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philippine Allendorfs Handwerkervorfahren machen nach den Kirchenbucheinträgen einen sehr soliden Eindruck. Ich denke, diesen Eindruck hat auch sie selbst auf Peter von Mering gemacht. Peter hatte Grund, sich nach Solidität und Verlässlichkeit zu sehnen. Die Wirbel, die sein abenteuernder Großvater verursacht hatte, waren noch im Familien-Gedächtnis. Dass Philippine darauf bestand, in der evangelischen Konfession ihrer Eltern getraut zu werden und ihre Kinder zu erziehen, erschien ihm vielleicht als Bestätigung ihrer Verlässlichkeit. So willigte er ein. Dank Philippine Allendorfs Ernst und Konsequenz sind wir die einzigen evangelischen von Merings, die es gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Mering-Saga ===&lt;br /&gt;
So gut wie andere Familien sind die Merings allemale. Es ist der Name meines namengebenden Urgroßvaters Peter von Mering. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der früheste Mering, mit dem wir verwandt sind, stammte aus Coesfeld. Es gibt bis heute einen Hof Mehring bei Flamersheim im Kreis Coesfeld, der seit dem 12. Jahrhundert ein Meierhof des Klosters St. Mauritius in Münster war. In Coesfeld ist im 15. und 16. Jahrhundert der Familienname Merinck unter den Bürgern sehr häufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hynrich Merinck aus Coesfeld erwarb 1553 in Köln das Bürgerrecht. Natürlich war er Katholik  als Bürger einer katholischen Stadt. Nach seinem Testament von 1579 war er zuerst mit Catharina Lindlar verheiratet, der Witwe von Herman Mueträtzer oder Muetroyde. Herman Muetroyde war Kaufmann in Köln gewesen, Hynrich Merinck vermutlich sein Prokurist oder Kompagnon. Catharina war älter als Hynrich. Sie hatte schon vier halberwachsene Kinder, die Hynrich aufziehen half. Erst als Catharina starb, konnte Hynrich eine junge Frau, Christina von Monheim, heiraten, mit der er mindestens vier eigene Kinder erzielte. 1579, als er, schwer krank, sein Testament schrieb, waren diese Kinder noch klein. Hynrich aber besaß ein großes Vermögen und wollte vor Zeugen klar stellen, dass er seine Stiefkinder schon abgefunden hatte und dass sein jetziger Wohlstand allein seinen leiblichen Kindern zugute kommen sollte. Christina sollte seine Testamentsverwalterin und die Erzieherin der Kinder sein. Nach den Kölner Genealogen wurde Hynrich wieder gesund und lebte noch bis 1587. Dann starb er und kurz darauf auch Christina.  Die Waisen Merinck wurden von Vormündern großgezogen, unser nächster Vorfahr hieß wieder Hynrich und wurde wieder Kaufmann in Köln, zuerst imViertel St. Martin, dann bei St. Columba. Seine 13 Kinder von zwei Ehefrauen sind zwischen 1600 und 1631 in Köln getauft. Ein Sohn, 1620 geboren, ist der erste Domherr der Familie, Henrich Mering. Sein jüngerer Bruder, unser nächster Vorfahr, wurde Arzt, Professor für Medizin an der Kölner Universität zwischen 1662 und 1687. Dieses Professors Sohn aus erster Ehe, geboren 1667, ist der zweite Domherr der Familie, Heinrich von Mering. Ein Sohn aus zweiter Ehe, geboren 1685, ist unser nächster Vorfahr.  Er heißt Johann Friedrich von Mering, ist zuerst Hauptmann im kaiserlichen Heer, dann kurkölnischer Rheinzöllner in Andernach. Johann Friedrich hatte von seiner Frau Maria Gertrude Rübsam drei Söhne. Der älteste und der jüngste verheirateten sich in Andernach. Der älteste ist der Vorfahr der von Merings in Amerika geworden, der Stamm des jüngsten starb aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mittlere, geboren 1733, unser Vorfahr Franz Caspar von Mering, wurde wie sein Vater kaiserlicher Soldat. Er kämpfte als Offizier der Kaiserin Elisabeth 1761 bei Torgau gegen Friedrich den Großen. Aber Franz Caspar hatte kein Glück. Vielleicht wurde er schwer verletzt und kränkelte dann, vielleicht war er nicht tüchtig. Er brachte es nur bis zum Oberleutnant, erhielt früh seinen Abschied. Und er heiratete offenbar unterhalb des Rahmens seiner Brüder. Die Verbindung zu ihnen scheint abgerissen. Er starb schon 1779 in Mainz. Sein Sohn, unser Vorfahr Franz Joseph Caspar, wurde schon mit fünfzehn Jahren Vollwaise und war offenbar ohne Vermögen. Für ein armes adliges Kind waren die Zeiten schlecht. Mainz gehörte seit 1797 zur revolutionären Republik Frankreich. Vermutlich floh Franz Joseph Caspar und wurde so jung wie möglich Soldat, angeblich bei den preußischen Husaren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leben verlief abenteuerlich. 1799 ist er in der Pfalz und heiratet vor dem republikanischen Zivilbeamten in Kirchheimbolanden eine Pächterstochter lutherischer Konfession, Anna Maria Ziemer.  Franz Joseph Caspar ist der „Bürger Mering“. Das ist die erste standesamtlich geschlossene Ehe in unserer Familie und von den frommen Verwandten nie als solche anerkannt. Mit Anna Maria betreibt Franz Joseph Caspar eine Kneipe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Geburt des ersten Kindes zieht das Paar nach Dänemark, wo es sechs weitere Kinder in der katholischen Kirche der Österreichischen Gesandtschaft taufen lässt. 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, müssen alle Ausländer sofort Dänemark verlassen. Die Merings kehren zurück nach Mainz. Das Land am Rhein steht unter bayrischer Verwaltung. Arbeitslosigkeit und Hunger herrschen. 1815 findet der arme Familienvater Arbeit  als „Chaussee-Bereiter“, als berittener Verkehrspolizist. 100 Franken im Monat sind nicht viel, aber es kommen noch „Denunziantenprämien“ dazu, wenn er viele Fuhrleute anzeigt. Er wird an die Landstraße von Speyer nach Oggersheim versetzt und zieht mit seiner Familie nach Speyer um. Seine Frau erwartet das 8. Kind. Franz Joseph Caspar ist sehr eifrig als Kontrolleur der Fuhrleute, er erhält hohe Prämien, er macht sich unbeliebt. Er wird reingelegt oder wird einmal schwach: er lässt sich bestechen. Seine Frau stirbt „vor Gram“, wie er selbst schreibt, seine Kinder kommen ins Armenhaus in Frankenthal. Er sitzt seit August 1816 im Gefängnis in Speyer. Im März 1817 findet in Zweibrücken vor dem Appellationsgerichtshof sein Verfahren statt. Er wird zu 200 Franken Strafe und einer Stunde Pranger verurteilt. Am Pranger hat er jedoch nicht gestanden. Er erreicht eine Begnadigung, vielleicht mit Hilfe seines Vetters, des ehemaligen Hofgerichtspräsidenten von Köln, Fritz von Mering. Von da an verliert sich unseres Vorfahren Spur. Seine Kinder geben in ihren Urkunden an, dass sie nicht wissen, wo ihr Vater sich aufhält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste Sohn dieses Mannes, Franz Joseph Mering, tritt aus dem Armenhaus ins preußische Heer ein. Er wird Hoboist im 29. Infanterie-Regiment, das in Saarlouis stationiert ist. Dort lernt er eine arme Näherin lothringischer Abstammung kennen, Catherine Henry. Ihr Vater war napoleonischer Offizier. Auch er ist verschollen. Die beiden heiraten 1828, ziehen 1831 mit dem Regiment nach Koblenz, 1842 bekommt Franz Joseph als Abfindung die Stelle eines Grenzaufsehers in Herongen an der neuen Zollgrenze zu den Niederlanden. 1843 wird dort unser Urgroßvater Peter geboren. Catharina stirbt 1855 in Herongen, bevor endlich 1856 Franz Joseph als Steuer-Aufseher nach Koblenz zurückkehren kann. Peter macht dort eine Maurerlehre, bevor er sich zum Stuckateur qualifiziert. Weil seine Frau, die evangelische Glaserstochter Philippine Allendorf darauf besteht, werden seine Kinder alle evangelisch erzogen. Und weil er sich 1893 das Adelspatent vom Königlichen Heroldsamt in Berlin bestätigen lässt, sind wir die einzigen evangelischen von Merings aus diesem Stamm!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Die Liebscher-Saga</title>
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		<updated>2026-09-22T16:34:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Liebscher-Saga in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Die Liebert-Saga]] ⇐ [[Sagas und Biografien]] ⇒ [[Die Eberhardt-Saga]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Liebscher-Sage ist die Geschichte des Akademiker-Stamms unter meinen Vorfahren – oder bescheidener ausgedrückt: des Lehrer- und Pfarrerstamms. Doch gibt es unter den Verwandten dieser Lehrer und Pfarrer auch Ärzte und Verwaltungsjuristen. Damit hebt sich die Familie Liebscher von sechs der andern Urgroßeltern-Stämme ab: von den Windmüllern Liebert und Saur, von den Kaufleuten und Angestellten Eberhardt und Ehlert und von den Handwerkerstämmen Allendorf und Behn. Ein Arzt kommt bei den Behns im 19. Jahrhundert vor. Die von Merings weisen in unserer Vorfahrenlinie vor unserem Vater nur drei Universitätsabsolventen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich bleibt auch beim Liebscher-Stamm die Grundlage das Handwerk. Der erste nachweisliche Vorfahr mit diesem Namen ist Sattler aus Hermsdorf/Erzgebirge, Sohn des Joel Liebscher. Er heiratet in Dippoldiswalde bei Dresden die Tochter seines Meisters namens Bercht und zieht mit ihr nach Geising am Erzgebirge. Dort hat er Arbeit genug, denn der Bergbau braucht Schurzleder, Eimer und Riemen. Er bekommt viele Kinder. Seine erste Frau Anna Elisabeth stirbt, er heiratet ein zweites Mal. Die Frau heißt Maria Schelle. Sie gehört wohl zu der Familie in Geising, aus der der Thomaskantor Johann Schelle&amp;lt;ref&amp;gt;Schelle, Johann, get. 6. 9. 1648 Geising (Erzgebirge), gest. 10. 3. 1701 Leipzig; deutscher Komponist und Kantor&amp;lt;/ref&amp;gt;  hervorgeht. Dadurch liegt nahe, dass ein Liebschersohn Kantor und Lehrer werden will. Er wird unser Vorfahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat er die erste Hürde zum Bildungssektor genommen, obwohl auch der Schuldienerberuf damals ein Handwerk ist. Die Frauen der Lehrer Liebscher sind überwiegend Lehrerstöchter. Die zweite Hürde nimmt Benjamin Liebscher 1787, als er eine Pfarrerstochter heiratet und später selber Pfarrer wird. Erst Pfarrer brauchten eine Universitätsbildung. Damit gewinnt unser Stamm über die Mutterlinie der Pfarrerstochter Ramdohr Anschluss an Familien, die schon seit mehreren Generationen Universitätsausbildung genossen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechzehn Pfarrer gehören damit zu den Vorfahren unseres Vaters. Und sehr oft ist über die Pfarrerstöchter die nächste Generation zum Beruf gekommen. Neben dem Streben nach Bildung fällt am Liebscherstamm eine ausgesprochene Neigung zu Ehe und Familie auf. Die Liebschers bejahten im Glauben die Lebensordnung. Sie hatten oft zahlreiche und gesunde Kinder. Auch Langlebigkeit gibt es häufig in diesem Stamm. Weil sie zu den Honoratioren gehörten, als Pfarrer sogar selbst Einfluss auf das Kirchenbuch nehmen konnten, lassen sich die Liebschers gut erforschen. Das liegt natürlich auch an der idealen Quellenlage in Mitteldeutschland. Sehr viele Kirchenbücher sind erhalten, Stadt- und Kirchenarchive sind zugänglich und sie reichen im Land der Reformation weit zurück. Als Folge davon ist die Liste der Familiennamen am längsten von allen meinen Stämmen. Und manche dieser Namen sind schon von anderen Genealogen erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitzenahnen meiner Urgroßmutter Johanna Liebscher sind&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hans Francke, Schuster in Leipzig um 1530, geboren in Nürnberg um 1510&lt;br /&gt;
* Johann Schütz, (ca. 1519 – 1581), Pfarrer in Großottersleben und Riestedt&lt;br /&gt;
* Johannes Krause, Hofprediger beim Grafen Hans von Mansfeld in Rothenburg a.d. Saale, gest. 1558&lt;br /&gt;
* Magister Thomas Kuntzsch, Rektor in Eilenburg um 1560&lt;br /&gt;
* Magister Johannes Stam, Pfarrer an St. Annen in der Neustadt Eisleben um 1570&lt;br /&gt;
* Matthes Reichelt, Windenmacher im Prüll von Leipzig um 1575&lt;br /&gt;
* Georg Eichhorn, Hochgräflich-Mansfeldischer Rentmeister um 1590   &lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Sagas_und_Biografien&amp;diff=52</id>
		<title>Sagas und Biografien</title>
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		<updated>2026-09-22T16:32:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: /* Die Liebert-Saga */ in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Wie ordne ich meine Familiengeschichte? ===&lt;br /&gt;
Eine vergnügliche Sache ist das Forschen nach den Vorfahren. Manchmal merke ich, dass ich weiter gar nichts will: wissen, wer sie waren, wo sie lebten und ihr Lebensgefühl nachempfinden, als wären sie ein Stück von mir.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber manchmal möchte ich über meine Entdeckungen reden. Ich möchte sogar über meine Funde schreiben. Denn Schreiben ist neben Forschen mein zweites großes Vergnügen. Und schon habe ich ein Problem: Wie ordne ich meine Familiengeschichte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Einzelbiographien habe ich angefangen. Die sind verhältnismäßig selbstordnend: von der Geburt bis zum Tod geht ein Leben. Nun ist nur noch zu entscheiden, wie weit die Eltern, wie weit die Kinder mit hineingehören. Das übrige ist Sache des Stils. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile häufen sich die Biographien an. Nun stellt sich heraus, dass sie nicht aneinander passen. Nur selten kann ich über eine Generationenfolge vom Urgroßvater bis zum Urenkel schreiben. Entweder fehlt es an Daten. Oder es wechselt der Gesichtspunkt und damit der Stil. Meine Leser fragen: Wie hängen die Geschichten zusammen? Wann entsteht das Buch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es verfängt wohl nicht, zu erklären, dass ich nie ein Buch schreiben wollte. Dass ich die Familiengeschichte als ein Puzzle ansehe, dessen sehr unterschiedliche Teile ich manchmal  zusammenlege, dann wieder durcheinander werfe, dass höchstens eine Mappe entstehen kann oder eine Homepage. Beide Medien haben den Vorteil, dass man die einzelnen Kapitel nach Lust und Laune auswechseln und miteinander mischen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurzum, ich habe mich nun doch entschlossen, eine Art Gliederung aufzustellen. Sie soll nicht verbindlich sein, aber denjenigen, die Ordnung brauchen, das Gefühl von Ordnung geben. Als Ordnungskriterien habe ich meine acht Urgroßelternstämme erwählt. Sie sind hinreichend voneinander verschieden und trotzdem als meine Vorfahren einer Generation und so ziemlich einer historischen Epoche hinreichend homogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Familiengeschichte ordnet sich also in acht Stämme. Jeder Stamm besteht aus den Vorfahren eines Urgroßvaters oder einer Urgroßmutter. Die vier Urgroßelternpaare haben in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt. Sie lebten alle im Deutschen Reich. Hier sind sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mütterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Martha Laura Ida Ehlert, geb. 9.5.1854 in Königsberg, ev., gest. 7.3.1937 in Berlin&lt;br /&gt;
# Hermann Gustav Behn, ev., geb. 12.7.1852 in Trier, gest. 21.5.1932  in Berlin&lt;br /&gt;
# Emma Saur, geb. 9.12.1850 in Guhrau/Bezirk Breslau, ev., gest. 29.10.1880 in Guhrau&lt;br /&gt;
# Otto Liebert, geb. 25.3.1839 in Lissa/Provinz Posen, ev-ref., gest. 2.1.1897 in Guhrau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Väterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Johanna  Klara Liebscher, geb. am 30.7.1856 in Kobershain, Kreis Torgau, ev., gest. am 1.5.1944 in Köln&lt;br /&gt;
# August Theodor Heinrich Eberhardt, geb. am 2.7.1855 in Arnstadt, ev., gest. am 20.1.1928 in Köln.&lt;br /&gt;
# Friederike Philippine Allendorf, geb. am 9.5.1852 in Koblenz, ev., gest. am  2.12.1926 in Köln-Rodenkirchen&lt;br /&gt;
# Peter Joseph Mering, (Adelspatent 29.5.1893) geb. am 8.1.1843 in Herongen, kath., gest. 10.2.1901 in Köln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familien-Sagas ===&lt;br /&gt;
Demgemäß ordne ich meine Biografien in diese 8 Familien-Sagas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Die Ehlert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Behn-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Saur-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebscher-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Eberhardt-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Allendorf-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Mering-Saga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Stämme sehr verschieden sind, ist ja nur gut. Dadurch bekommt meine Abstammung Farbe. Dass sie sich aber so unterschiedlich stark erforschen lassen, ist sehr bedauerlich. Die einzelnen Sagas können nicht gleich lang sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Liebscher-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Liebscher-Sage ist die Geschichte des Akademiker-Stamms unter meinen Vorfahren – oder bescheidener ausgedrückt: des Lehrer- und Pfarrerstamms. Doch gibt es unter den Verwandten dieser Lehrer und Pfarrer auch Ärzte und Verwaltungsjuristen. Damit hebt sich die Familie Liebscher von sechs der andern Urgroßeltern-Stämme ab: von den Windmüllern Liebert und Saur, von den Kaufleuten und Angestellten Eberhardt und Ehlert und von den Handwerkerstämmen Allendorf und Behn. Ein Arzt kommt bei den Behns im 19. Jahrhundert vor. Die von Merings weisen in unserer Vorfahrenlinie vor unserem Vater nur drei Universitätsabsolventen auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich bleibt auch beim Liebscher-Stamm die Grundlage das Handwerk. Der erste nachweisliche Vorfahr mit diesem Namen ist Sattler aus Hermsdorf/Erzgebirge, Sohn des Joel Liebscher. Er heiratet in Dippoldiswalde bei Dresden die Tochter seines Meisters namens Bercht und zieht mit ihr nach Geising am Erzgebirge. Dort hat er Arbeit genug, denn der Bergbau braucht Schurzleder, Eimer und Riemen. Er bekommt viele Kinder. Seine erste Frau Anna Elisabeth stirbt, er heiratet ein zweites Mal. Die Frau heißt Maria Schelle. Sie gehört wohl zu der Familie in Geising, aus der der Thomaskantor Johann Schelle&amp;lt;ref&amp;gt;Schelle, Johann, get. 6. 9. 1648 Geising (Erzgebirge), gest. 10. 3. 1701 Leipzig; deutscher Komponist und Kantor&amp;lt;/ref&amp;gt;  hervorgeht. Dadurch liegt nahe, dass ein Liebschersohn Kantor und Lehrer werden will. Er wird unser Vorfahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat er die erste Hürde zum Bildungssektor genommen, obwohl auch der Schuldienerberuf damals ein Handwerk ist. Die Frauen der Lehrer Liebscher sind überwiegend Lehrerstöchter. Die zweite Hürde nimmt Benjamin Liebscher 1787, als er eine Pfarrerstochter heiratet und später selber Pfarrer wird. Erst Pfarrer brauchten eine Universitätsbildung. Damit gewinnt unser Stamm über die Mutterlinie der Pfarrerstochter Ramdohr Anschluss an Familien, die schon seit mehreren Generationen Universitätsausbildung genossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechzehn Pfarrer gehören damit zu den Vorfahren unseres Vaters. Und sehr oft ist über die Pfarrerstöchter die nächste Generation zum Beruf gekommen. Neben dem Streben nach Bildung fällt am Liebscherstamm eine ausgesprochene Neigung zu Ehe und Familie auf. Die Liebschers bejahten im Glauben die Lebensordnung. Sie hatten oft zahlreiche und gesunde Kinder. Auch Langlebigkeit gibt es häufig in diesem Stamm. Weil sie zu den Honoratioren gehörten, als Pfarrer sogar selbst Einfluss auf das Kirchenbuch nehmen konnten, lassen sich die Liebschers gut erforschen. Das liegt natürlich auch an der idealen Quellenlage in Mitteldeutschland. Sehr viele Kirchenbücher sind erhalten, Stadt- und Kirchenarchive sind zugänglich und sie reichen im Land der Reformation weit zurück. Als Folge davon ist die Liste der Familiennamen am längsten von allen meinen Stämmen. Und manche dieser Namen sind schon von anderen Genealogen erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitzenahnen meiner Urgroßmutter Johanna Liebscher sind &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hans Francke, Schuster in Leipzig um 1530, geboren in Nürnberg um 1510&lt;br /&gt;
* Johann Schütz, (ca. 1519 – 1581), Pfarrer in Großottersleben und Riestedt&lt;br /&gt;
* Johannes Krause, Hofprediger beim Grafen Hans von Mansfeld in Rothenburg a.d. Saale, gest. 1558&lt;br /&gt;
* Magister Thomas Kuntzsch, Rektor in Eilenburg um 1560&lt;br /&gt;
* Magister Johannes Stam, Pfarrer an St. Annen in der Neustadt Eisleben um 1570&lt;br /&gt;
* Matthes Reichelt, Windenmacher im Prüll von Leipzig um 1575&lt;br /&gt;
* Georg Eichhorn, Hochgräflich-Mansfeldischer Rentmeister um 1590    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Eberhardt-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Eberhardts stammen aus dem Thüringer Wald. Natürlich sind sie evangelisch-lutherisch. Die erste Eheschließung, die ich nachweisen kann, hat 1692 in Großbreitenbach stattgefunden. Da heiratet ein Fenstermacher Eberhardt die Tochter eines Fenstermachers Eberhardt – das wird wohl seine Kusine gewesen sein. Das Handwerk der Fenstermacher umfasste „im Osten“ das, was im Westen Deutschlands zwei Gewerke, die Tischler und die Glaser, leisteten. Die Fenstermacher fertigten nicht nur den Holzrahmen, sondern setzten auch das Glas ein. Glas wurde im Thüringer Wald schon seit dem Mittelalter hergestellt. Und Holz gab es reichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Vorfahr Wolffgang Nicol Eberhardt, 1736 in die große Sippe Eberhardt hineingeboren, will etwas Besonderes sein, er ist „der Kunst ergeben“. So wird er weder Fenstermacher noch Handelsmann wie seine Verwandten, sondern zu guter Letzt Lehrer in Altenfeld. Reich wird er nicht, stirbt auch früh, so dass sein Sohn Nicol Wolffgang Eberhardt, unser nächster Vorfahr, keine Ausbildung bekommt. Er wird Handarbeiter, später Kastenknecht, d. h. Küster in Arnstadt etwa um 1800. Auch dessen Sohn Johann Adam Heinrich bleibt in diesem Amt: Gartenarbeiter und Kastenknecht um 1830. Arnstadt ist damals eine wachsende Stadt. Auch die Familie Weisheit, Nachkommen von Kleinbauern und Fuhrleuten im Thüringer Wald, kommt nach Arnstadt. Sie hat einen weit zurückreichenden Stammbaum von Fuhrleuten mit Namen Weisheit in Struth bei Schmalkalden. In Struth heißt heute noch jeder dritte Weisheit, erzählte mir eine freundliche Einwohnerin. Aber der Johann Otto Weisheit, der nach Arnstadt kommt, ist Brandweinbrenner. Er hat die Ehe geschlossen mit Magdalene Bücking, der Nachkommin eines schwarzburgischen gelernten Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Lehrers Urenkel, Ernst August Christian Eberhardt, kann sich wieder eine Lehrzeit leisten: er wird Zeugschmiedemeister in Arnstadt. Seinen Kindern bringt es kein Glück: der junge Meister stirbt 1857 mit 25 Jahren „an Krämpfen“, die Mutter Johanna Friederike Weisheit muss als Waschfrau Sohn und Tochter aufziehen. Unseres Urgroßvaters Heinrich Eberhardt Kindheit ist ebenso von Armut geprägt wie die von unserm Urgroßvater Peter Mering. Aber während Peter ein Handwerk lernt, geht Heinrich zur Eisenbahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der unermesslichen Menge an Literatur über die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland gibt es fast nichts über die Ausbildung der Menschen, die bei der Bahn eingestellt wurden – mit Ausnahme der Lokomotivführer. Unser Urgroßvater aber war kein Lokomotivführer, er hatte eine Art Buchhalterstelle bei der Bahn. Rechnen und schreiben muss er gut gekonnt haben. Das Rechnungswesen der stetig sich entwickelnden Reichsbahn wurde von Hand registriert. In riesigen Büros saßen die Beamten. Heinrich kam schnell voran. Mit 25 Jahren konnte er die Pastorentochter Johanna Liebscher aus Oberröblingen am See heiraten und mit ihr nach Deutz ziehen. So kamen die Eberhardts an den Rhein. Natürlich suchten sie eine evangelische Kirche und fanden sie in der neu aufstrebenden Stadt Ehrenfeld. Clara Eberhardt, die älteste Tochter von Johanna und Heinrich, lernte im Kirchenchor den jungen Bildhauer Carl von Mering kennen. So wurde Clara unsere Großmutter von Mering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Allendorf-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Allendorf–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Friederike Philippine von Mering, geb. Allendorf. Ihr Vater Karl Allendorf war zwischen 1840 und 1873 Glaser in Koblenz. Er stammte aus einer Handwerkerfamilie in Artern am Kyffhäuser. Ihre Mutter hieß Philippine Zimmermann und stammte aus einer evangelischen Handwerkerfamilie in Bacharach am Rhein. Sowohl Artern als auch Bacharach und Koblenz waren 1815 preußisch geworden. Die beiden waren also Bürger Preußens, aber ziemlich sicher hat Karl sich mehr als Sachse und Philippine sich mehr als Rheinländerin gefühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allendorfs in Artern waren hauptsächlich Glaser-, Bäcker- und Gerbermeister. Die Glaser hießen außer Allendorf überwiegend Jahn, die Meyers waren eine Bäckerfamilie, die Zeises oder Zieses sowie die Gänsehals waren Gerber. Die Allendorfs stammten eigentlich aus Apolda. Der Spitzenahn mit dem Namen Allendorf ist Andreas Allendorf, Glaser um 1747 in Apolda, gestorben vor 1779, doch können auch der Gerber Adolph Gänsehals, der Bäcker Johann Jacob Meyer und die Anspänner Anton Leucht und Johann Christoph Ziese um 1747 als Spitzenahnen benannt werden. Das Kirchenbuch von Artern ist noch nicht ausgeschöpft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handwerkermeister in Bacharach waren hauptsächlich Schlosser. Da die evangelische Diaspora eng war, kamen die Schwiegersöhne der Schlosser als wandernde Gesellen aus Hessen und Franken an den Rhein und in die Familie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn mit dem Namen Zimmermanns ist Tobias Zimmermann aus Rathsweiler, der aber kein Schlosser, sondern um 1780 ein Bäcker war in Zweibrücken. Doch der absolute Spitzenahn unter Philippines Vorfahren ist Philipp Kümpel, Bürger und Schiffsmann in Kaub, gestorben vor 1747. Er ist nicht nur im Kirchenbuch, sondern auch in den Rechnungen des Zolldirektors von Andernach Johann Friedrich von Mering bezeugt. Wie mehrmals in meiner Familiengeschichte sind sich also – diesmal am Rheinzoll in Andernach – zwei Vorfahren schon einmal begegnet, bis endlich auf großen Umwegen ihre Nachfahren ein Ehepaar wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philippine Allendorfs Handwerkervorfahren machen nach den Kirchenbucheinträgen einen sehr soliden Eindruck. Ich denke, diesen Eindruck hat auch sie selbst auf Peter von Mering gemacht. Peter hatte Grund, sich nach Solidität und Verlässlichkeit zu sehnen. Die Wirbel, die sein abenteuernder Großvater verursacht hatte, waren noch im Familien-Gedächtnis. Dass Philippine darauf bestand, in der evangelischen Konfession ihrer Eltern getraut zu werden und ihre Kinder zu erziehen, erschien ihm vielleicht als Bestätigung ihrer Verlässlichkeit. So willigte er ein. Dank Philippine Allendorfs Ernst und Konsequenz sind wir die einzigen evangelischen von Merings, die es gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Mering-Saga ===&lt;br /&gt;
So gut wie andere Familien sind die Merings allemale. Es ist der Name meines namengebenden Urgroßvaters Peter von Mering. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der früheste Mering, mit dem wir verwandt sind, stammte aus Coesfeld. Es gibt bis heute einen Hof Mehring bei Flamersheim im Kreis Coesfeld, der seit dem 12. Jahrhundert ein Meierhof des Klosters St. Mauritius in Münster war. In Coesfeld ist im 15. und 16. Jahrhundert der Familienname Merinck unter den Bürgern sehr häufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hynrich Merinck aus Coesfeld erwarb 1553 in Köln das Bürgerrecht. Natürlich war er Katholik  als Bürger einer katholischen Stadt. Nach seinem Testament von 1579 war er zuerst mit Catharina Lindlar verheiratet, der Witwe von Herman Mueträtzer oder Muetroyde. Herman Muetroyde war Kaufmann in Köln gewesen, Hynrich Merinck vermutlich sein Prokurist oder Kompagnon. Catharina war älter als Hynrich. Sie hatte schon vier halberwachsene Kinder, die Hynrich aufziehen half. Erst als Catharina starb, konnte Hynrich eine junge Frau, Christina von Monheim, heiraten, mit der er mindestens vier eigene Kinder erzielte. 1579, als er, schwer krank, sein Testament schrieb, waren diese Kinder noch klein. Hynrich aber besaß ein großes Vermögen und wollte vor Zeugen klar stellen, dass er seine Stiefkinder schon abgefunden hatte und dass sein jetziger Wohlstand allein seinen leiblichen Kindern zugute kommen sollte. Christina sollte seine Testamentsverwalterin und die Erzieherin der Kinder sein. Nach den Kölner Genealogen wurde Hynrich wieder gesund und lebte noch bis 1587. Dann starb er und kurz darauf auch Christina.  Die Waisen Merinck wurden von Vormündern großgezogen, unser nächster Vorfahr hieß wieder Hynrich und wurde wieder Kaufmann in Köln, zuerst imViertel St. Martin, dann bei St. Columba. Seine 13 Kinder von zwei Ehefrauen sind zwischen 1600 und 1631 in Köln getauft. Ein Sohn, 1620 geboren, ist der erste Domherr der Familie, Henrich Mering. Sein jüngerer Bruder, unser nächster Vorfahr, wurde Arzt, Professor für Medizin an der Kölner Universität zwischen 1662 und 1687. Dieses Professors Sohn aus erster Ehe, geboren 1667, ist der zweite Domherr der Familie, Heinrich von Mering. Ein Sohn aus zweiter Ehe, geboren 1685, ist unser nächster Vorfahr.  Er heißt Johann Friedrich von Mering, ist zuerst Hauptmann im kaiserlichen Heer, dann kurkölnischer Rheinzöllner in Andernach. Johann Friedrich hatte von seiner Frau Maria Gertrude Rübsam drei Söhne. Der älteste und der jüngste verheirateten sich in Andernach. Der älteste ist der Vorfahr der von Merings in Amerika geworden, der Stamm des jüngsten starb aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mittlere, geboren 1733, unser Vorfahr Franz Caspar von Mering, wurde wie sein Vater kaiserlicher Soldat. Er kämpfte als Offizier der Kaiserin Elisabeth 1761 bei Torgau gegen Friedrich den Großen. Aber Franz Caspar hatte kein Glück. Vielleicht wurde er schwer verletzt und kränkelte dann, vielleicht war er nicht tüchtig. Er brachte es nur bis zum Oberleutnant, erhielt früh seinen Abschied. Und er heiratete offenbar unterhalb des Rahmens seiner Brüder. Die Verbindung zu ihnen scheint abgerissen. Er starb schon 1779 in Mainz. Sein Sohn, unser Vorfahr Franz Joseph Caspar, wurde schon mit fünfzehn Jahren Vollwaise und war offenbar ohne Vermögen. Für ein armes adliges Kind waren die Zeiten schlecht. Mainz gehörte seit 1797 zur revolutionären Republik Frankreich. Vermutlich floh Franz Joseph Caspar und wurde so jung wie möglich Soldat, angeblich bei den preußischen Husaren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leben verlief abenteuerlich. 1799 ist er in der Pfalz und heiratet vor dem republikanischen Zivilbeamten in Kirchheimbolanden eine Pächterstochter lutherischer Konfession, Anna Maria Ziemer.  Franz Joseph Caspar ist der „Bürger Mering“. Das ist die erste standesamtlich geschlossene Ehe in unserer Familie und von den frommen Verwandten nie als solche anerkannt. Mit Anna Maria betreibt Franz Joseph Caspar eine Kneipe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Geburt des ersten Kindes zieht das Paar nach Dänemark, wo es sechs weitere Kinder in der katholischen Kirche der Österreichischen Gesandtschaft taufen lässt. 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, müssen alle Ausländer sofort Dänemark verlassen. Die Merings kehren zurück nach Mainz. Das Land am Rhein steht unter bayrischer Verwaltung. Arbeitslosigkeit und Hunger herrschen. 1815 findet der arme Familienvater Arbeit  als „Chaussee-Bereiter“, als berittener Verkehrspolizist. 100 Franken im Monat sind nicht viel, aber es kommen noch „Denunziantenprämien“ dazu, wenn er viele Fuhrleute anzeigt. Er wird an die Landstraße von Speyer nach Oggersheim versetzt und zieht mit seiner Familie nach Speyer um. Seine Frau erwartet das 8. Kind. Franz Joseph Caspar ist sehr eifrig als Kontrolleur der Fuhrleute, er erhält hohe Prämien, er macht sich unbeliebt. Er wird reingelegt oder wird einmal schwach: er lässt sich bestechen. Seine Frau stirbt „vor Gram“, wie er selbst schreibt, seine Kinder kommen ins Armenhaus in Frankenthal. Er sitzt seit August 1816 im Gefängnis in Speyer. Im März 1817 findet in Zweibrücken vor dem Appellationsgerichtshof sein Verfahren statt. Er wird zu 200 Franken Strafe und einer Stunde Pranger verurteilt. Am Pranger hat er jedoch nicht gestanden. Er erreicht eine Begnadigung, vielleicht mit Hilfe seines Vetters, des ehemaligen Hofgerichtspräsidenten von Köln, Fritz von Mering. Von da an verliert sich unseres Vorfahren Spur. Seine Kinder geben in ihren Urkunden an, dass sie nicht wissen, wo ihr Vater sich aufhält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste Sohn dieses Mannes, Franz Joseph Mering, tritt aus dem Armenhaus ins preußische Heer ein. Er wird Hoboist im 29. Infanterie-Regiment, das in Saarlouis stationiert ist. Dort lernt er eine arme Näherin lothringischer Abstammung kennen, Catherine Henry. Ihr Vater war napoleonischer Offizier. Auch er ist verschollen. Die beiden heiraten 1828, ziehen 1831 mit dem Regiment nach Koblenz, 1842 bekommt Franz Joseph als Abfindung die Stelle eines Grenzaufsehers in Herongen an der neuen Zollgrenze zu den Niederlanden. 1843 wird dort unser Urgroßvater Peter geboren. Catharina stirbt 1855 in Herongen, bevor endlich 1856 Franz Joseph als Steuer-Aufseher nach Koblenz zurückkehren kann. Peter macht dort eine Maurerlehre, bevor er sich zum Stuckateur qualifiziert. Weil seine Frau, die evangelische Glaserstochter Philippine Allendorf darauf besteht, werden seine Kinder alle evangelisch erzogen. Und weil er sich 1893 das Adelspatent vom Königlichen Heroldsamt in Berlin bestätigen lässt, sind wir die einzigen evangelischen von Merings aus diesem Stamm!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Die Liebert-Saga</title>
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		<updated>2026-09-22T16:31:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Liebert-Saga in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Die Saur-Saga]] ⇐ [[Sagas und Biografien]] ⇒&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Liebert-Saga ist die Geschichte der Herkunft meines Urgroßvaters Otto Liebert. Sie führt nach Großpolen, nach Kobylin bei Lissa oder, wie es heute heißt, Leszno. Der erste Liebertvorfahre heißt Michael und ist Einwohner in Jutroschin. Als er zum ersten Mal erwähnt wird, 1731 bei der Hochzeit seines Sohnes Martin, eines Windmüllers in Kobylin, ist er schon verstorben. Michael Liebert war deutschstämmig und evangelisch-lutherisch. Er gehört in einen Personenkreis, der seit der Gegenreformation nach dem Dreißigjährigen Krieg von Schlesien ins Königreich Polen ausgewichen war. Dieses Großpolen hatte die gleiche Landschaft und das gleiche Klima wie Schlesien. Die Adeligen waren seit der Reformationszeit evangelisch und hatten immer schon Glaubensflüchtlinge bei sich aufgenommen: das Land war geräumig und die Einwanderer sollten es entwickeln helfen. Windmüller wurden gebraucht. Die Lieberts waren oder wurden Windmüller. Sie lebten als Bürger und Handwerker im winzigen Kobylin, zwischen polnischen Adelsgütern und polnischen Bauerndörfern. Sie lebten in diesen Städten zusammen mit Juden, die den Handel übernahmen, und mit polnischen katholischen Handarbeitern und Ackerbürgern. Sicher sprachen die Lieberts auch polnisch, aber in Rathaus, Zunftstube und Kirche wurde Deutsch gesprochen und geschrieben. Deshalb war auch die Schule deutsch. Die Lehrer und Pastoren kamen aus Deutschland und die Gesellen gingen nach Deutschland auf Wanderschaft. Es war ein ehrgeizig angestrengtes, sehr vielseitiges Leben. Drei Generationen Liebert sind Windmüller auf der Stadtmühle in Kobylin, in der vierten werden beide Söhne, Carl Christian und Daniel Benjamin Bäcker.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum die Stadtmühle der Familie Liebert abhanden kam, steht nicht im Kirchenbuch. Die napoleonischen Kriege mögen dabei eine Rolle gespielt haben, aber auch der frühe Tod der Mutter, der erst 23jährigen Christiana Charlotta, geb. Kammer. Der Vater heiratet schnell ein zweites Mal – aber das neugeborene vierte Kind von Charlotta stirbt trotzdem. Die zweite Frau, Susanna, geb. Pflegel, stammt wie Charlotta aus einer Müllerdynastie in Kobylin. Doch auch von ihren Kindern ist später keines Müller auf der Stadtmühle. 1822 stirbt Christian Carl, der letzte Windmüller der Familie Liebert. Der älteste Sohn ist erst 17 Jahre alt. Er kann die Mühle nicht übernehmen. Er und auch sein Bruder, mein Vorfahr Daniel Benjamin, machen eine Bäckerlehre, vielleicht, durch Patenschaften vermittelt, im nahen Lissa. Auf jeden Fall leben und arbeiten beide später dort. In Lissa verheiraten sie sich und ziehen Kinder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daniel Benjamin, lutherisch erzogen, geht 1836 die Ehe ein mit Charlotte Zytowski, einer Nachkommin der Böhmischen Brüder. Die Verbindung ist vielleicht von Anfang an spannungsreich, sie scheint eine sehr energische Frau gewesen zu sein und ihm fehlt vielleicht das freie Leben auf der Windmühle. Dazu kommt der Konfessionsgegensatz und der Schwiegervater Samuel Zytowski, der eine wichtige Rolle in Stadt und Kirchengemeinde innehat. Die Entscheidung bringt das Jahr 1848. Daniel Benjamin Liebert fühlt mit den aufständischen Polen, als Deutscher, als Handwerksmeister und Bürger setzt er auf die Revolution. Das bringt ihn in Gegensatz zu dem streng konservativen und propreußischen Bürgertum in Lissa. Er wird zum Außenseiter. Ob er sich auch strafbar macht, weiß ich nicht. 1854 zieht er die Konsequenz, verlässt seine Frau und seine fünf Kinder und wandert über den Hafen Bremen nach Amerika aus, ohne seine Schulden zu bezahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Urgroßvater Otto Liebert, Daniel Benjamins ältester Sohn, hat also Erfahrung mit Armut. Aber die Mutter gibt sich nicht geschlagen. Nach der Familien-Saga hilft ihr ein Jude mit einem ersten Kredit für die Bäckerei. Otto und seine Brüder besuchen das Gymnasium in Lissa und lernen dann in Marienberg den Eisenhandel. In Guhrau, nicht weit von Lissa, lässt sich Otto mit einem eigenen Geschäft nieder, wozu ihm ein Bruder seiner Mutter das Kapital leiht. Die reiche und tüchtige Müllerstochter Emma Saur wird Ottos Frau und führt selbständig das Geschäft weiter, als Otto 1870/71 im Krieg ist. Emma stirbt 30-jährig, wohl von der vielen Arbeit und fünf Schwangerschaften erschöpft. Otto bricht fast zusammen, sein Bruder muss das Geschäft für ihn leiten. Eine zweite Ehe wird vermittelt und Julie Sonntag aus Patschkau macht Mann und Kinder wieder glücklich: nie wollte unser Großvater Paul dulden, dass man „die böse Stiefmutter“ im Märchen sagte, so dankbar war er ihr. Sein Vater Otto hatte inzwischen die Molkerei in Guhrau übernommen. Er war ein vermögender Mann und konnte seinen ältesten Sohn nach Breslau auf das berühmte Elisabeth-Gymnasium schicken. Anscheinend sah er es gern, dass Paul 1887 die Militärlaufbahn einschlug. So wurde unser schlesischer Großvater, der Windmüllernachkomme, preußischer Offizier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war es meistens im Frieden. Er diente in vielen Garnisonen: in Straßburg, in Metz, in Berlin, in Posen. Er heiratete spät, angeblich, weil er glaubte, er werde nicht alt werden. Mit neununddreißig Jahren entschloss er sich doch noch: die Tochter seines Chefs hatte es ihm angetan. Edith Behn war vierundzwanzig Jahre alt. Die Hochzeit fand am 14. März 1907 in Berlin statt. 1910 wurde unsere Mutter Ruth in Sablon bei Metz geboren. Wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn ihr Vater bis zu ihrer Großjährigkeit im Dienst aufgestiegen wäre, kann man nicht wissen. Es kam der Erste Weltkrieg, die Niederlage, das Ende des Kaiserreichs. Paul Liebert wurde als Mann von  49 Jahren pensioniert. Seine Ansichten wurden erschüttert. Er beschloss, seine älteste Tochter studieren zu lassen und ihr ein eigen bestimmtes Leben zu ermöglichen. Er suchte eine kleine und nicht teure Universitätsstadt. Seine Wahl fiel auf Marburg an der Lahn. Aus ganz ähnlichen Gründen hatte diese Universität ein junger Theologe aus Köln erwählt. Im Sommer 1929 lernten sich Ruth Liebert und Eberhard von Mering beim Lektor für Griechisch Dr. Wysk kennen. Es war nachhaltig. Am 17. August 1937 heirateten die beiden und wurden unsere Eltern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Stammes Liebert ist Michael Liebert, Einwohner in Jutroschin, Vater eines Sohnes Martin um 1700 (1699) und gestorben dort vor 1731. Dieser Sohn Martin ist der erste Windmüller Liebert in Kobylin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Mütterstamms Zitowski ist jünger: der Bildhauer Franz Zittowske in Lissa ist 1777 schon verstorben, als sein einziger Sohn Martin Gottlieb Zytowsky, ebenfalls Bildhauer, sich verheiratet.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Sagas_und_Biografien&amp;diff=50</id>
		<title>Sagas und Biografien</title>
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		<updated>2026-09-22T16:30:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Die Behn-Saga und Saur-Saga in eigene Seiten ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Wie ordne ich meine Familiengeschichte? ===&lt;br /&gt;
Eine vergnügliche Sache ist das Forschen nach den Vorfahren. Manchmal merke ich, dass ich weiter gar nichts will: wissen, wer sie waren, wo sie lebten und ihr Lebensgefühl nachempfinden, als wären sie ein Stück von mir.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber manchmal möchte ich über meine Entdeckungen reden. Ich möchte sogar über meine Funde schreiben. Denn Schreiben ist neben Forschen mein zweites großes Vergnügen. Und schon habe ich ein Problem: Wie ordne ich meine Familiengeschichte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Einzelbiographien habe ich angefangen. Die sind verhältnismäßig selbstordnend: von der Geburt bis zum Tod geht ein Leben. Nun ist nur noch zu entscheiden, wie weit die Eltern, wie weit die Kinder mit hineingehören. Das übrige ist Sache des Stils. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile häufen sich die Biographien an. Nun stellt sich heraus, dass sie nicht aneinander passen. Nur selten kann ich über eine Generationenfolge vom Urgroßvater bis zum Urenkel schreiben. Entweder fehlt es an Daten. Oder es wechselt der Gesichtspunkt und damit der Stil. Meine Leser fragen: Wie hängen die Geschichten zusammen? Wann entsteht das Buch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es verfängt wohl nicht, zu erklären, dass ich nie ein Buch schreiben wollte. Dass ich die Familiengeschichte als ein Puzzle ansehe, dessen sehr unterschiedliche Teile ich manchmal  zusammenlege, dann wieder durcheinander werfe, dass höchstens eine Mappe entstehen kann oder eine Homepage. Beide Medien haben den Vorteil, dass man die einzelnen Kapitel nach Lust und Laune auswechseln und miteinander mischen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurzum, ich habe mich nun doch entschlossen, eine Art Gliederung aufzustellen. Sie soll nicht verbindlich sein, aber denjenigen, die Ordnung brauchen, das Gefühl von Ordnung geben. Als Ordnungskriterien habe ich meine acht Urgroßelternstämme erwählt. Sie sind hinreichend voneinander verschieden und trotzdem als meine Vorfahren einer Generation und so ziemlich einer historischen Epoche hinreichend homogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Familiengeschichte ordnet sich also in acht Stämme. Jeder Stamm besteht aus den Vorfahren eines Urgroßvaters oder einer Urgroßmutter. Die vier Urgroßelternpaare haben in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt. Sie lebten alle im Deutschen Reich. Hier sind sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mütterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Martha Laura Ida Ehlert, geb. 9.5.1854 in Königsberg, ev., gest. 7.3.1937 in Berlin&lt;br /&gt;
# Hermann Gustav Behn, ev., geb. 12.7.1852 in Trier, gest. 21.5.1932  in Berlin&lt;br /&gt;
# Emma Saur, geb. 9.12.1850 in Guhrau/Bezirk Breslau, ev., gest. 29.10.1880 in Guhrau&lt;br /&gt;
# Otto Liebert, geb. 25.3.1839 in Lissa/Provinz Posen, ev-ref., gest. 2.1.1897 in Guhrau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Väterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Johanna  Klara Liebscher, geb. am 30.7.1856 in Kobershain, Kreis Torgau, ev., gest. am 1.5.1944 in Köln&lt;br /&gt;
# August Theodor Heinrich Eberhardt, geb. am 2.7.1855 in Arnstadt, ev., gest. am 20.1.1928 in Köln.&lt;br /&gt;
# Friederike Philippine Allendorf, geb. am 9.5.1852 in Koblenz, ev., gest. am  2.12.1926 in Köln-Rodenkirchen&lt;br /&gt;
# Peter Joseph Mering, (Adelspatent 29.5.1893) geb. am 8.1.1843 in Herongen, kath., gest. 10.2.1901 in Köln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familien-Sagas ===&lt;br /&gt;
Demgemäß ordne ich meine Biografien in diese 8 Familien-Sagas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Die Ehlert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Behn-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Saur-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebscher-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Eberhardt-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Allendorf-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Mering-Saga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Stämme sehr verschieden sind, ist ja nur gut. Dadurch bekommt meine Abstammung Farbe. Dass sie sich aber so unterschiedlich stark erforschen lassen, ist sehr bedauerlich. Die einzelnen Sagas können nicht gleich lang sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Liebert-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Liebert-Saga ist die Geschichte der Herkunft meines Urgroßvaters Otto Liebert. Sie führt nach Großpolen, nach Kobylin bei Lissa oder, wie es heute heißt, Leszno. Der erste Liebertvorfahre heißt Michael und ist Einwohner in Jutroschin. Als er zum ersten Mal erwähnt wird, 1731 bei der Hochzeit seines Sohnes Martin, eines Windmüllers in Kobylin, ist er schon verstorben. Michael Liebert war deutschstämmig und evangelisch-lutherisch. Er gehört in einen Personenkreis, der seit der Gegenreformation nach dem Dreißigjährigen Krieg von Schlesien ins Königreich Polen ausgewichen war. Dieses Großpolen hatte die gleiche Landschaft und das gleiche Klima wie Schlesien. Die Adeligen waren seit der Reformationszeit evangelisch und hatten immer schon Glaubensflüchtlinge bei sich aufgenommen: das Land war geräumig und die Einwanderer sollten es entwickeln helfen. Windmüller wurden gebraucht. Die Lieberts waren oder wurden Windmüller. Sie lebten als Bürger und Handwerker im winzigen Kobylin, zwischen polnischen Adelsgütern und polnischen Bauerndörfern. Sie lebten in diesen Städten zusammen mit Juden, die den Handel übernahmen, und mit polnischen katholischen Handarbeitern und Ackerbürgern. Sicher sprachen die Lieberts auch polnisch, aber in Rathaus, Zunftstube und Kirche wurde Deutsch gesprochen und geschrieben. Deshalb war auch die Schule deutsch. Die Lehrer und Pastoren kamen aus Deutschland und die Gesellen gingen nach Deutschland auf Wanderschaft. Es war ein ehrgeizig angestrengtes, sehr vielseitiges Leben. Drei Generationen Liebert sind Windmüller auf der Stadtmühle in Kobylin, in der vierten werden beide Söhne, Carl Christian und Daniel Benjamin Bäcker.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum die Stadtmühle der Familie Liebert abhanden kam, steht nicht im Kirchenbuch. Die napoleonischen Kriege mögen dabei eine Rolle gespielt haben, aber auch der frühe Tod der Mutter, der erst 23jährigen Christiana Charlotta, geb. Kammer. Der Vater heiratet schnell ein zweites Mal – aber das neugeborene vierte Kind von Charlotta stirbt trotzdem. Die zweite Frau, Susanna, geb. Pflegel, stammt wie Charlotta aus einer Müllerdynastie in Kobylin. Doch auch von ihren Kindern ist später keines Müller auf der Stadtmühle. 1822 stirbt Christian Carl, der letzte Windmüller der Familie Liebert. Der älteste Sohn ist erst 17 Jahre alt. Er kann die Mühle nicht übernehmen. Er und auch sein Bruder, mein Vorfahr Daniel Benjamin, machen eine Bäckerlehre, vielleicht, durch Patenschaften vermittelt, im nahen Lissa. Auf jeden Fall leben und arbeiten beide später dort. In Lissa verheiraten sie sich und ziehen Kinder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daniel Benjamin, lutherisch erzogen, geht 1836 die Ehe ein mit Charlotte Zytowski, einer Nachkommin der Böhmischen Brüder. Die Verbindung ist vielleicht von Anfang an spannungsreich, sie scheint eine sehr energische Frau gewesen zu sein und ihm fehlt vielleicht das freie Leben auf der Windmühle. Dazu kommt der Konfessionsgegensatz und der Schwiegervater Samuel Zytowski, der eine wichtige Rolle in Stadt und Kirchengemeinde innehat. Die Entscheidung bringt das Jahr 1848. Daniel Benjamin Liebert fühlt mit den aufständischen Polen, als Deutscher, als Handwerksmeister und Bürger setzt er auf die Revolution. Das bringt ihn in Gegensatz zu dem streng konservativen und propreußischen Bürgertum in Lissa. Er wird zum Außenseiter. Ob er sich auch strafbar macht, weiß ich nicht. 1854 zieht er die Konsequenz, verlässt seine Frau und seine fünf Kinder und wandert über den Hafen Bremen nach Amerika aus, ohne seine Schulden zu bezahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Urgroßvater Otto Liebert, Daniel Benjamins ältester Sohn, hat also Erfahrung mit Armut. Aber die Mutter gibt sich nicht geschlagen. Nach der Familien-Saga hilft ihr ein Jude mit einem ersten Kredit für die Bäckerei. Otto und seine Brüder besuchen das Gymnasium in Lissa und lernen dann in Marienberg den Eisenhandel. In Guhrau, nicht weit von Lissa, lässt sich Otto mit einem eigenen Geschäft nieder, wozu ihm ein Bruder seiner Mutter das Kapital leiht. Die reiche und tüchtige Müllerstochter Emma Saur wird Ottos Frau und führt selbständig das Geschäft weiter, als Otto 1870/71 im Krieg ist. Emma stirbt 30-jährig, wohl von der vielen Arbeit und fünf Schwangerschaften erschöpft. Otto bricht fast zusammen, sein Bruder muss das Geschäft für ihn leiten. Eine zweite Ehe wird vermittelt und Julie Sonntag aus Patschkau macht Mann und Kinder wieder glücklich: nie wollte unser Großvater Paul dulden, dass man „die böse Stiefmutter“ im Märchen sagte, so dankbar war er ihr. Sein Vater Otto hatte inzwischen die Molkerei in Guhrau übernommen. Er war ein vermögender Mann und konnte seinen ältesten Sohn nach Breslau auf das berühmte Elisabeth-Gymnasium schicken. Anscheinend sah er es gern, dass Paul 1887 die Militärlaufbahn einschlug. So wurde unser schlesischer Großvater, der Windmüllernachkomme, preußischer Offizier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war es meistens im Frieden. Er diente in vielen Garnisonen: in Straßburg, in Metz, in Berlin, in Posen. Er heiratete spät, angeblich, weil er glaubte, er werde nicht alt werden. Mit neununddreißig Jahren entschloss er sich doch noch: die Tochter seines Chefs hatte es ihm angetan. Edith Behn war vierundzwanzig Jahre alt. Die Hochzeit fand am 14. März 1907 in Berlin statt. 1910 wurde unsere Mutter Ruth in Sablon bei Metz geboren. Wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn ihr Vater bis zu ihrer Großjährigkeit im Dienst aufgestiegen wäre, kann man nicht wissen. Es kam der Erste Weltkrieg, die Niederlage, das Ende des Kaiserreichs. Paul Liebert wurde als Mann von  49 Jahren pensioniert. Seine Ansichten wurden erschüttert. Er beschloss, seine älteste Tochter studieren zu lassen und ihr ein eigen bestimmtes Leben zu ermöglichen. Er suchte eine kleine und nicht teure Universitätsstadt. Seine Wahl fiel auf Marburg an der Lahn. Aus ganz ähnlichen Gründen hatte diese Universität ein junger Theologe aus Köln erwählt. Im Sommer 1929 lernten sich Ruth Liebert und Eberhard von Mering beim Lektor für Griechisch Dr. Wysk kennen. Es war nachhaltig. Am 17. August 1937 heirateten die beiden und wurden unsere Eltern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Stammes Liebert ist Michael Liebert, Einwohner in Jutroschin, Vater eines Sohnes Martin um 1700 (1699) und gestorben dort vor 1731. Dieser Sohn Martin ist der erste Windmüller Liebert in Kobylin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Mütterstamms Zitowski ist jünger: der Bildhauer Franz Zittowske in Lissa ist 1777 schon verstorben, als sein einziger Sohn Martin Gottlieb Zytowsky, ebenfalls Bildhauer, sich verheiratet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Liebscher-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Liebscher-Sage ist die Geschichte des Akademiker-Stamms unter meinen Vorfahren – oder bescheidener ausgedrückt: des Lehrer- und Pfarrerstamms. Doch gibt es unter den Verwandten dieser Lehrer und Pfarrer auch Ärzte und Verwaltungsjuristen. Damit hebt sich die Familie Liebscher von sechs der andern Urgroßeltern-Stämme ab: von den Windmüllern Liebert und Saur, von den Kaufleuten und Angestellten Eberhardt und Ehlert und von den Handwerkerstämmen Allendorf und Behn. Ein Arzt kommt bei den Behns im 19. Jahrhundert vor. Die von Merings weisen in unserer Vorfahrenlinie vor unserem Vater nur drei Universitätsabsolventen auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich bleibt auch beim Liebscher-Stamm die Grundlage das Handwerk. Der erste nachweisliche Vorfahr mit diesem Namen ist Sattler aus Hermsdorf/Erzgebirge, Sohn des Joel Liebscher. Er heiratet in Dippoldiswalde bei Dresden die Tochter seines Meisters namens Bercht und zieht mit ihr nach Geising am Erzgebirge. Dort hat er Arbeit genug, denn der Bergbau braucht Schurzleder, Eimer und Riemen. Er bekommt viele Kinder. Seine erste Frau Anna Elisabeth stirbt, er heiratet ein zweites Mal. Die Frau heißt Maria Schelle. Sie gehört wohl zu der Familie in Geising, aus der der Thomaskantor Johann Schelle&amp;lt;ref&amp;gt;Schelle, Johann, get. 6. 9. 1648 Geising (Erzgebirge), gest. 10. 3. 1701 Leipzig; deutscher Komponist und Kantor&amp;lt;/ref&amp;gt;  hervorgeht. Dadurch liegt nahe, dass ein Liebschersohn Kantor und Lehrer werden will. Er wird unser Vorfahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat er die erste Hürde zum Bildungssektor genommen, obwohl auch der Schuldienerberuf damals ein Handwerk ist. Die Frauen der Lehrer Liebscher sind überwiegend Lehrerstöchter. Die zweite Hürde nimmt Benjamin Liebscher 1787, als er eine Pfarrerstochter heiratet und später selber Pfarrer wird. Erst Pfarrer brauchten eine Universitätsbildung. Damit gewinnt unser Stamm über die Mutterlinie der Pfarrerstochter Ramdohr Anschluss an Familien, die schon seit mehreren Generationen Universitätsausbildung genossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechzehn Pfarrer gehören damit zu den Vorfahren unseres Vaters. Und sehr oft ist über die Pfarrerstöchter die nächste Generation zum Beruf gekommen. Neben dem Streben nach Bildung fällt am Liebscherstamm eine ausgesprochene Neigung zu Ehe und Familie auf. Die Liebschers bejahten im Glauben die Lebensordnung. Sie hatten oft zahlreiche und gesunde Kinder. Auch Langlebigkeit gibt es häufig in diesem Stamm. Weil sie zu den Honoratioren gehörten, als Pfarrer sogar selbst Einfluss auf das Kirchenbuch nehmen konnten, lassen sich die Liebschers gut erforschen. Das liegt natürlich auch an der idealen Quellenlage in Mitteldeutschland. Sehr viele Kirchenbücher sind erhalten, Stadt- und Kirchenarchive sind zugänglich und sie reichen im Land der Reformation weit zurück. Als Folge davon ist die Liste der Familiennamen am längsten von allen meinen Stämmen. Und manche dieser Namen sind schon von anderen Genealogen erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitzenahnen meiner Urgroßmutter Johanna Liebscher sind &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hans Francke, Schuster in Leipzig um 1530, geboren in Nürnberg um 1510&lt;br /&gt;
* Johann Schütz, (ca. 1519 – 1581), Pfarrer in Großottersleben und Riestedt&lt;br /&gt;
* Johannes Krause, Hofprediger beim Grafen Hans von Mansfeld in Rothenburg a.d. Saale, gest. 1558&lt;br /&gt;
* Magister Thomas Kuntzsch, Rektor in Eilenburg um 1560&lt;br /&gt;
* Magister Johannes Stam, Pfarrer an St. Annen in der Neustadt Eisleben um 1570&lt;br /&gt;
* Matthes Reichelt, Windenmacher im Prüll von Leipzig um 1575&lt;br /&gt;
* Georg Eichhorn, Hochgräflich-Mansfeldischer Rentmeister um 1590    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Eberhardt-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Eberhardts stammen aus dem Thüringer Wald. Natürlich sind sie evangelisch-lutherisch. Die erste Eheschließung, die ich nachweisen kann, hat 1692 in Großbreitenbach stattgefunden. Da heiratet ein Fenstermacher Eberhardt die Tochter eines Fenstermachers Eberhardt – das wird wohl seine Kusine gewesen sein. Das Handwerk der Fenstermacher umfasste „im Osten“ das, was im Westen Deutschlands zwei Gewerke, die Tischler und die Glaser, leisteten. Die Fenstermacher fertigten nicht nur den Holzrahmen, sondern setzten auch das Glas ein. Glas wurde im Thüringer Wald schon seit dem Mittelalter hergestellt. Und Holz gab es reichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Vorfahr Wolffgang Nicol Eberhardt, 1736 in die große Sippe Eberhardt hineingeboren, will etwas Besonderes sein, er ist „der Kunst ergeben“. So wird er weder Fenstermacher noch Handelsmann wie seine Verwandten, sondern zu guter Letzt Lehrer in Altenfeld. Reich wird er nicht, stirbt auch früh, so dass sein Sohn Nicol Wolffgang Eberhardt, unser nächster Vorfahr, keine Ausbildung bekommt. Er wird Handarbeiter, später Kastenknecht, d. h. Küster in Arnstadt etwa um 1800. Auch dessen Sohn Johann Adam Heinrich bleibt in diesem Amt: Gartenarbeiter und Kastenknecht um 1830. Arnstadt ist damals eine wachsende Stadt. Auch die Familie Weisheit, Nachkommen von Kleinbauern und Fuhrleuten im Thüringer Wald, kommt nach Arnstadt. Sie hat einen weit zurückreichenden Stammbaum von Fuhrleuten mit Namen Weisheit in Struth bei Schmalkalden. In Struth heißt heute noch jeder dritte Weisheit, erzählte mir eine freundliche Einwohnerin. Aber der Johann Otto Weisheit, der nach Arnstadt kommt, ist Brandweinbrenner. Er hat die Ehe geschlossen mit Magdalene Bücking, der Nachkommin eines schwarzburgischen gelernten Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Lehrers Urenkel, Ernst August Christian Eberhardt, kann sich wieder eine Lehrzeit leisten: er wird Zeugschmiedemeister in Arnstadt. Seinen Kindern bringt es kein Glück: der junge Meister stirbt 1857 mit 25 Jahren „an Krämpfen“, die Mutter Johanna Friederike Weisheit muss als Waschfrau Sohn und Tochter aufziehen. Unseres Urgroßvaters Heinrich Eberhardt Kindheit ist ebenso von Armut geprägt wie die von unserm Urgroßvater Peter Mering. Aber während Peter ein Handwerk lernt, geht Heinrich zur Eisenbahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der unermesslichen Menge an Literatur über die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland gibt es fast nichts über die Ausbildung der Menschen, die bei der Bahn eingestellt wurden – mit Ausnahme der Lokomotivführer. Unser Urgroßvater aber war kein Lokomotivführer, er hatte eine Art Buchhalterstelle bei der Bahn. Rechnen und schreiben muss er gut gekonnt haben. Das Rechnungswesen der stetig sich entwickelnden Reichsbahn wurde von Hand registriert. In riesigen Büros saßen die Beamten. Heinrich kam schnell voran. Mit 25 Jahren konnte er die Pastorentochter Johanna Liebscher aus Oberröblingen am See heiraten und mit ihr nach Deutz ziehen. So kamen die Eberhardts an den Rhein. Natürlich suchten sie eine evangelische Kirche und fanden sie in der neu aufstrebenden Stadt Ehrenfeld. Clara Eberhardt, die älteste Tochter von Johanna und Heinrich, lernte im Kirchenchor den jungen Bildhauer Carl von Mering kennen. So wurde Clara unsere Großmutter von Mering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Allendorf-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Allendorf–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Friederike Philippine von Mering, geb. Allendorf. Ihr Vater Karl Allendorf war zwischen 1840 und 1873 Glaser in Koblenz. Er stammte aus einer Handwerkerfamilie in Artern am Kyffhäuser. Ihre Mutter hieß Philippine Zimmermann und stammte aus einer evangelischen Handwerkerfamilie in Bacharach am Rhein. Sowohl Artern als auch Bacharach und Koblenz waren 1815 preußisch geworden. Die beiden waren also Bürger Preußens, aber ziemlich sicher hat Karl sich mehr als Sachse und Philippine sich mehr als Rheinländerin gefühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allendorfs in Artern waren hauptsächlich Glaser-, Bäcker- und Gerbermeister. Die Glaser hießen außer Allendorf überwiegend Jahn, die Meyers waren eine Bäckerfamilie, die Zeises oder Zieses sowie die Gänsehals waren Gerber. Die Allendorfs stammten eigentlich aus Apolda. Der Spitzenahn mit dem Namen Allendorf ist Andreas Allendorf, Glaser um 1747 in Apolda, gestorben vor 1779, doch können auch der Gerber Adolph Gänsehals, der Bäcker Johann Jacob Meyer und die Anspänner Anton Leucht und Johann Christoph Ziese um 1747 als Spitzenahnen benannt werden. Das Kirchenbuch von Artern ist noch nicht ausgeschöpft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handwerkermeister in Bacharach waren hauptsächlich Schlosser. Da die evangelische Diaspora eng war, kamen die Schwiegersöhne der Schlosser als wandernde Gesellen aus Hessen und Franken an den Rhein und in die Familie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn mit dem Namen Zimmermanns ist Tobias Zimmermann aus Rathsweiler, der aber kein Schlosser, sondern um 1780 ein Bäcker war in Zweibrücken. Doch der absolute Spitzenahn unter Philippines Vorfahren ist Philipp Kümpel, Bürger und Schiffsmann in Kaub, gestorben vor 1747. Er ist nicht nur im Kirchenbuch, sondern auch in den Rechnungen des Zolldirektors von Andernach Johann Friedrich von Mering bezeugt. Wie mehrmals in meiner Familiengeschichte sind sich also – diesmal am Rheinzoll in Andernach – zwei Vorfahren schon einmal begegnet, bis endlich auf großen Umwegen ihre Nachfahren ein Ehepaar wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philippine Allendorfs Handwerkervorfahren machen nach den Kirchenbucheinträgen einen sehr soliden Eindruck. Ich denke, diesen Eindruck hat auch sie selbst auf Peter von Mering gemacht. Peter hatte Grund, sich nach Solidität und Verlässlichkeit zu sehnen. Die Wirbel, die sein abenteuernder Großvater verursacht hatte, waren noch im Familien-Gedächtnis. Dass Philippine darauf bestand, in der evangelischen Konfession ihrer Eltern getraut zu werden und ihre Kinder zu erziehen, erschien ihm vielleicht als Bestätigung ihrer Verlässlichkeit. So willigte er ein. Dank Philippine Allendorfs Ernst und Konsequenz sind wir die einzigen evangelischen von Merings, die es gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Mering-Saga ===&lt;br /&gt;
So gut wie andere Familien sind die Merings allemale. Es ist der Name meines namengebenden Urgroßvaters Peter von Mering. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der früheste Mering, mit dem wir verwandt sind, stammte aus Coesfeld. Es gibt bis heute einen Hof Mehring bei Flamersheim im Kreis Coesfeld, der seit dem 12. Jahrhundert ein Meierhof des Klosters St. Mauritius in Münster war. In Coesfeld ist im 15. und 16. Jahrhundert der Familienname Merinck unter den Bürgern sehr häufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hynrich Merinck aus Coesfeld erwarb 1553 in Köln das Bürgerrecht. Natürlich war er Katholik  als Bürger einer katholischen Stadt. Nach seinem Testament von 1579 war er zuerst mit Catharina Lindlar verheiratet, der Witwe von Herman Mueträtzer oder Muetroyde. Herman Muetroyde war Kaufmann in Köln gewesen, Hynrich Merinck vermutlich sein Prokurist oder Kompagnon. Catharina war älter als Hynrich. Sie hatte schon vier halberwachsene Kinder, die Hynrich aufziehen half. Erst als Catharina starb, konnte Hynrich eine junge Frau, Christina von Monheim, heiraten, mit der er mindestens vier eigene Kinder erzielte. 1579, als er, schwer krank, sein Testament schrieb, waren diese Kinder noch klein. Hynrich aber besaß ein großes Vermögen und wollte vor Zeugen klar stellen, dass er seine Stiefkinder schon abgefunden hatte und dass sein jetziger Wohlstand allein seinen leiblichen Kindern zugute kommen sollte. Christina sollte seine Testamentsverwalterin und die Erzieherin der Kinder sein. Nach den Kölner Genealogen wurde Hynrich wieder gesund und lebte noch bis 1587. Dann starb er und kurz darauf auch Christina.  Die Waisen Merinck wurden von Vormündern großgezogen, unser nächster Vorfahr hieß wieder Hynrich und wurde wieder Kaufmann in Köln, zuerst imViertel St. Martin, dann bei St. Columba. Seine 13 Kinder von zwei Ehefrauen sind zwischen 1600 und 1631 in Köln getauft. Ein Sohn, 1620 geboren, ist der erste Domherr der Familie, Henrich Mering. Sein jüngerer Bruder, unser nächster Vorfahr, wurde Arzt, Professor für Medizin an der Kölner Universität zwischen 1662 und 1687. Dieses Professors Sohn aus erster Ehe, geboren 1667, ist der zweite Domherr der Familie, Heinrich von Mering. Ein Sohn aus zweiter Ehe, geboren 1685, ist unser nächster Vorfahr.  Er heißt Johann Friedrich von Mering, ist zuerst Hauptmann im kaiserlichen Heer, dann kurkölnischer Rheinzöllner in Andernach. Johann Friedrich hatte von seiner Frau Maria Gertrude Rübsam drei Söhne. Der älteste und der jüngste verheirateten sich in Andernach. Der älteste ist der Vorfahr der von Merings in Amerika geworden, der Stamm des jüngsten starb aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mittlere, geboren 1733, unser Vorfahr Franz Caspar von Mering, wurde wie sein Vater kaiserlicher Soldat. Er kämpfte als Offizier der Kaiserin Elisabeth 1761 bei Torgau gegen Friedrich den Großen. Aber Franz Caspar hatte kein Glück. Vielleicht wurde er schwer verletzt und kränkelte dann, vielleicht war er nicht tüchtig. Er brachte es nur bis zum Oberleutnant, erhielt früh seinen Abschied. Und er heiratete offenbar unterhalb des Rahmens seiner Brüder. Die Verbindung zu ihnen scheint abgerissen. Er starb schon 1779 in Mainz. Sein Sohn, unser Vorfahr Franz Joseph Caspar, wurde schon mit fünfzehn Jahren Vollwaise und war offenbar ohne Vermögen. Für ein armes adliges Kind waren die Zeiten schlecht. Mainz gehörte seit 1797 zur revolutionären Republik Frankreich. Vermutlich floh Franz Joseph Caspar und wurde so jung wie möglich Soldat, angeblich bei den preußischen Husaren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leben verlief abenteuerlich. 1799 ist er in der Pfalz und heiratet vor dem republikanischen Zivilbeamten in Kirchheimbolanden eine Pächterstochter lutherischer Konfession, Anna Maria Ziemer.  Franz Joseph Caspar ist der „Bürger Mering“. Das ist die erste standesamtlich geschlossene Ehe in unserer Familie und von den frommen Verwandten nie als solche anerkannt. Mit Anna Maria betreibt Franz Joseph Caspar eine Kneipe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Geburt des ersten Kindes zieht das Paar nach Dänemark, wo es sechs weitere Kinder in der katholischen Kirche der Österreichischen Gesandtschaft taufen lässt. 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, müssen alle Ausländer sofort Dänemark verlassen. Die Merings kehren zurück nach Mainz. Das Land am Rhein steht unter bayrischer Verwaltung. Arbeitslosigkeit und Hunger herrschen. 1815 findet der arme Familienvater Arbeit  als „Chaussee-Bereiter“, als berittener Verkehrspolizist. 100 Franken im Monat sind nicht viel, aber es kommen noch „Denunziantenprämien“ dazu, wenn er viele Fuhrleute anzeigt. Er wird an die Landstraße von Speyer nach Oggersheim versetzt und zieht mit seiner Familie nach Speyer um. Seine Frau erwartet das 8. Kind. Franz Joseph Caspar ist sehr eifrig als Kontrolleur der Fuhrleute, er erhält hohe Prämien, er macht sich unbeliebt. Er wird reingelegt oder wird einmal schwach: er lässt sich bestechen. Seine Frau stirbt „vor Gram“, wie er selbst schreibt, seine Kinder kommen ins Armenhaus in Frankenthal. Er sitzt seit August 1816 im Gefängnis in Speyer. Im März 1817 findet in Zweibrücken vor dem Appellationsgerichtshof sein Verfahren statt. Er wird zu 200 Franken Strafe und einer Stunde Pranger verurteilt. Am Pranger hat er jedoch nicht gestanden. Er erreicht eine Begnadigung, vielleicht mit Hilfe seines Vetters, des ehemaligen Hofgerichtspräsidenten von Köln, Fritz von Mering. Von da an verliert sich unseres Vorfahren Spur. Seine Kinder geben in ihren Urkunden an, dass sie nicht wissen, wo ihr Vater sich aufhält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste Sohn dieses Mannes, Franz Joseph Mering, tritt aus dem Armenhaus ins preußische Heer ein. Er wird Hoboist im 29. Infanterie-Regiment, das in Saarlouis stationiert ist. Dort lernt er eine arme Näherin lothringischer Abstammung kennen, Catherine Henry. Ihr Vater war napoleonischer Offizier. Auch er ist verschollen. Die beiden heiraten 1828, ziehen 1831 mit dem Regiment nach Koblenz, 1842 bekommt Franz Joseph als Abfindung die Stelle eines Grenzaufsehers in Herongen an der neuen Zollgrenze zu den Niederlanden. 1843 wird dort unser Urgroßvater Peter geboren. Catharina stirbt 1855 in Herongen, bevor endlich 1856 Franz Joseph als Steuer-Aufseher nach Koblenz zurückkehren kann. Peter macht dort eine Maurerlehre, bevor er sich zum Stuckateur qualifiziert. Weil seine Frau, die evangelische Glaserstochter Philippine Allendorf darauf besteht, werden seine Kinder alle evangelisch erzogen. Und weil er sich 1893 das Adelspatent vom Königlichen Heroldsamt in Berlin bestätigen lässt, sind wir die einzigen evangelischen von Merings aus diesem Stamm!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Die Behn-Saga</title>
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		<updated>2026-09-22T16:29:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Die Ehlert-Saga]] ⇐ [[Sagas und Biografien]] ⇒&#039;&#039; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behns seien „Inselfriesen“ gewesen, die in Ostpreußen angesiedelt wurden. Vom Klang des Namens her ist das möglich. In Lübeck gibt es eine Kaufmannsfamilie Behn. Die Saga der Behns ist besonders versponnen, meine Großmutter Edith Behn hat an ihr gestrickt und die hatte, wie meine Mutter zu sagen pflegte, „eine blühende Phantasie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behns fühlten sich laut meiner Großmutter als Ostpreußen, aber ihr eigener Vater war in Trier geboren und der Großvater in Bromberg. Der von Felix Behn aufgefundene Urgroßvater Kasimir Behn soll am 29. 6. 1758 in Preußisch Friedland Maria Elisabeth Barthel geheiratet haben. Weiter ist über ihn nichts bekannt. Das dazu gehörige Kirchenbuch habe ich noch nicht gefunden, ein Beruf ist nicht angegeben. Ein Sohn aus dieser Ehe, Johann Gottfried Behn, hat um 1797 die Thornerin Anna Sophia Hirschberger geheiratet. Dies Paar ist in Bromberg gut bezeugt. Johann Gottfried war seit 1798 Stadtchirurg in Bromberg, er könnte vorher Feldscher gewesen sein. Sein erster Sohn starb als Kind, aber zwei weitere Söhne wurden erwachsen. Der ältere, Hermann Julius, studierte Medizin und wurde Nachfolger des Vaters, ja sogar Medizinalrat, der jüngere, 1807 geboren, ist unser Vorfahr. Er hieß Adolph Gustav Behn, ging zum Militär und wurde auch dort Arzt, sogar Königlich Preußischer Generalarzt. Er war in verschiedenen Garnisonen tätig: 1845 in Aachen, 1848 in Köln, 1852 in Trier, 1857 in Mainz, später in Posen. So kam es, dass unser Urgroßvater Hermann Behn 1852 in Trier geboren wurde. Sein Vater hatte ein Nervenleiden, vielleicht auch eine schwere Sucht, er starb 1866 in einer privaten Nervenheilanstalt in Brehna bei Halle/Saale. Bald darauf starb auch seine Frau in Potsdam. Die älteste Tochter des Generalarztes, die schöne Anna Behn, kümmerte sich um die Brüder, besonders den jüngsten, der beim Tod der Mutter erst ein Jahr alt war. Anna war mit dem Astronomen Hermann Romberg verheiratet und lebte später mit ihm in St. Petersburg. Das Leben dieses Ehepaares ist ein eigener Roman. Im ersten Weltkrieg sollen die beiden Söhne und die beiden Schwiegersöhne der schönen Anna an vier verschiedenen Fronten gekämpft haben; einer auf deutscher Seite, einer auf russischer, einer im finnischen Heer und einer im französischen. Anna und ihr Mann sind aber nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin gestorben. Meine Mutter hat wenigstens ihre Großtante Anna noch gekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unserer Mutter Großvater, Hermann Behn, war ein sehr erfolgreicher Pionier-Offizier – er hatte das Glück, ein Offizier im Frieden zu sein und mit dieser Rolle gut zu Recht zu kommen. Er baute wohl meistens an den Fortifikationen des Deutschen Reiches: in Königsberg, Stettin und Thorn, in Köln und Deutz, in Glogau, Neiße und zuletzt in Metz. Es war ihm nicht langweilig, er war gesellig, anscheinend freundschaftsfähig. Das machte ihn beliebt. So kam er nach seiner Pensionierung 1906 als Generalmajor an den „Invalidendank“, eine Organisation zur Unterstützung von alten Soldaten. Bei seiner Reaktivierung im 1. Weltkrieg wurde er ein letztes Mal befördert. Als Generalleutnant schied er schließlich aus, durfte sich Exzellenz nennen lassen. Was er von diesem einzigen Krieg, den er erlebte, gehalten hat, weiß ich nicht. Aber seine Tochter, meine Großmutter Edith Behn, hat immer geglaubt, ihr Vater, ganz wie übrigens auch ihr Mann Paul Liebert, habe stets seine Pflicht getan. Dass und nur das war es, was man von einem Soldaten erwarten durfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Großonkel Felix Behn, der einzige Bruder meiner Großmutter, starb als Offizier im ersten Weltkrieg durch eine Fliegerbombe. Er war ein Familienforscher wie ich, allerdings hauptsächlich mit einem praktischen Ziel: er wäre so gerne adlig gewesen und hoffte immer nachweisen zu können, dass die Behns eigentlich „von Boehns“ sind. Er hatte sich sogar schon einen Siegelring mit dem Wappen der von Boehns machen lassen, den ich noch habe. Die abenteuerliche Behn-Saga, die bei seinen unsystematischen Nachforschungen entstand, hat die von Boehns sehr erbost . Mir nützt sie nichts. Hoffentlich ist wenigstens der Spitzenahn Kasimir Behn echt! Dann wäre das Heiratsdatum  29. 6. 1758 in Preußisch Friedland das älteste Datum der Behnfamilie. Es bedeutet, dass die Behns schon im späteren Westpreußen waren, bevor es 1793 preußisch wurde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von mir durch das Kirchenbuch und das Zunftbuch erforschter Spitzenahn ist der 1685 in der Neustadt von Thorn/Torun  mit einer Anna Wachschlager verheiratete Hans Deutzschmann, ein Rotgerbermeister. Ein anderer Spitzenahn ist Peter Wentzel, der Kupferhammerschmied in Leibitz (Lubicz), Bürger von Thorn seit 1670. Er heiratet 1685 Maria Strewig, eine Fleischerstochter aus Thorn. Die Frauenfamilien Wachschlager (Waxschlager) und Strewig (Streibig) sind schon am Ende des Mittelalters (15. Jht.) in Thorn ansässig gewesen. Aus diesen alten Familien stammt Anna Sophia Hirschberger, die Frau des Kreiswundarztes Behn in Bromberg. Dieser Mutterstamm der Behns in Thorn ist ein echter Handwerkerstamm. Hammer- und Kupferschmiede sowie Rotgerber geben ihm sein Gepräge und das Zunftbuch der Rotgerber in der Thorner Neustadt, die  „Rothgerber Meisterquartale 1626 bis 1855“, gibt der Familiengeschichte spannende Kontur. Doch der Vater von Anna Sophia Hirschberger ist ein Kupferschmied aus Pirna! Und hat dort eine Handwerkerdynastie von Schmieden, Gürtlern und Nadlern hinter sich. Es lässt sich sagen, dass die Frauenstämme der Behnfamilie interessanter sind als die eigentlichen Behns. Aber das liegt vielleicht nur daran, dass wir von den Behns nichts wissen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Die_Saur-Saga&amp;diff=48</id>
		<title>Die Saur-Saga</title>
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		<updated>2026-09-22T16:17:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Die Behn-Saga]] ⇐ [[Sagas und Biografien]] ⇒&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Saur-Saga ist die kürzeste und traurigste unter unseren acht Familien-Sagen. Sie heißt so nach Emma Saur, der Mutter unseres Großvaters mütterlicherseits. Wenn es schon traurig genug ist, dass diese tüchtige Frau jung starb, vermutlich in einer Erschöpfungsdepression, die mit einem chronischen Lungenleiden einherging, so ist es darüber hinaus betrüblich, dass wir ihrer Abstammung nicht mehr nachforschen können. Wir wissen nur, was mein Großvater Paul Liebert über diese seine leibliche Mutter überlieferte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Liebert, geb. Saur, Haus- und Geschäftsfrau, geboren am 9.12.1850 in Guhrau, Bezirk Breslau, evangelischer Konfession, gestorben am 29.10.1880 in Guhrau (nach einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt, lungenkrank). Sie hatte am 23.10.1868 ebenfalls in Guhrau Otto Liebert geheiratet, einen Eisenwarenkaufmann, der später Molkereibesitzer in Guhrau war. Emmas Vater Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, war bei ihrer Hochzeit schon verstorben und hatte ihr eine große Erbschaft hinterlassen. Ihre Mutter Amalie Saur, geb. Matthie, geboren am 24.3.1825 in Guhrau, ebenfalls evangelisch, gestorben am 6.1.1886 in Guhrau, hat unser Großvater noch gut gekannt. 1847 sollen Gustav Saur und Amalie Matthie in Guhrau geheiratet haben. Emma hatte noch drei Geschwister, eine ihrer Schwestern heiratete den Bruder ihres Mannes. Dieses Geschwisterpaar Karl und Klara Liebert kümmerte sich nach Emmas frühem Tod um das Geschäft des ganz gebrochenen Witwers. Das überliefert eine Halbschwester unseres Großvaters, die berühmte Tante Meta aus der zweiten Ehe des Otto Liebert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese zweite Ehe Ottos, die nach Krankheit, Tod, Depression und wohl auch Streit wieder Sonne ins Leben der Familie Liebert brachte, diese zweite Ehe mit Julie Sonntag, hat vielleicht die Überlieferung der Saur-Saga ein bisschen verdrängt. Doch reichen auch die andern Familienerzählungen im allgemeinen nicht weiter als bis zu den Großeltern unsrer Großeltern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, der Hauptgrund für die Kürze der Saur-Saga ist die Zerstörung der kleinen Stadt Guhrau am Ende des zweiten Weltkrieges und die Vernichtung der Kirchenbücher und Standesamtsakten. Angeblich wurden die Kirchenbücher vor der Vertreibung der Deutschen in einer Truhe im Keller der evangelischen Kirche versteckt. Aber diese Kirche ließen die neuen polnischen und katholischen Bewohner Góras, wie es nun hieß, verfallen. Zu guter Letzt musste sie abgerissen werden. Der Keller ist verschüttet. Heute ist an der Stelle der Kirche ein leerer Platz mitten in der winzigen Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann ich nach den Vorfahren der Saurs und den dazugehörigen Mutterstämmen nicht suchen. Der Spitzenahn für diesen Stamm ist daher Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, geboren vermutlich um 1820, gestorben schon 1866, vor Emmas Heirat mit meinem Urgroßvater. Das ist eine ungewöhnlich kurze Stammlinie. Nachtragen kann man nur, dass nach der Überlieferung die Vorfahren von Gustav Saur bis zurück zu den Zeiten des alten Fritz stolze reiche Windmüller in Guhrau gewesen sein sollen. Das hat unseres Großvaters Paul Großmutter, die Amalie Saur, geb. Matthie, ihm erzählt.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Die_Saur-Saga&amp;diff=47</id>
		<title>Die Saur-Saga</title>
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		<updated>2026-09-22T16:16:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Saur-Saga in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Die Behn-Saga]] ⇐ [[Sagas und Biographien]] ⇒&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Saur-Saga ist die kürzeste und traurigste unter unseren acht Familien-Sagen. Sie heißt so nach Emma Saur, der Mutter unseres Großvaters mütterlicherseits. Wenn es schon traurig genug ist, dass diese tüchtige Frau jung starb, vermutlich in einer Erschöpfungsdepression, die mit einem chronischen Lungenleiden einherging, so ist es darüber hinaus betrüblich, dass wir ihrer Abstammung nicht mehr nachforschen können. Wir wissen nur, was mein Großvater Paul Liebert über diese seine leibliche Mutter überlieferte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Liebert, geb. Saur, Haus- und Geschäftsfrau, geboren am 9.12.1850 in Guhrau, Bezirk Breslau, evangelischer Konfession, gestorben am 29.10.1880 in Guhrau (nach einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt, lungenkrank). Sie hatte am 23.10.1868 ebenfalls in Guhrau Otto Liebert geheiratet, einen Eisenwarenkaufmann, der später Molkereibesitzer in Guhrau war. Emmas Vater Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, war bei ihrer Hochzeit schon verstorben und hatte ihr eine große Erbschaft hinterlassen. Ihre Mutter Amalie Saur, geb. Matthie, geboren am 24.3.1825 in Guhrau, ebenfalls evangelisch, gestorben am 6.1.1886 in Guhrau, hat unser Großvater noch gut gekannt. 1847 sollen Gustav Saur und Amalie Matthie in Guhrau geheiratet haben. Emma hatte noch drei Geschwister, eine ihrer Schwestern heiratete den Bruder ihres Mannes. Dieses Geschwisterpaar Karl und Klara Liebert kümmerte sich nach Emmas frühem Tod um das Geschäft des ganz gebrochenen Witwers. Das überliefert eine Halbschwester unseres Großvaters, die berühmte Tante Meta aus der zweiten Ehe des Otto Liebert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese zweite Ehe Ottos, die nach Krankheit, Tod, Depression und wohl auch Streit wieder Sonne ins Leben der Familie Liebert brachte, diese zweite Ehe mit Julie Sonntag, hat vielleicht die Überlieferung der Saur-Saga ein bisschen verdrängt. Doch reichen auch die andern Familienerzählungen im allgemeinen nicht weiter als bis zu den Großeltern unsrer Großeltern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, der Hauptgrund für die Kürze der Saur-Saga ist die Zerstörung der kleinen Stadt Guhrau am Ende des zweiten Weltkrieges und die Vernichtung der Kirchenbücher und Standesamtsakten. Angeblich wurden die Kirchenbücher vor der Vertreibung der Deutschen in einer Truhe im Keller der evangelischen Kirche versteckt. Aber diese Kirche ließen die neuen polnischen und katholischen Bewohner Góras, wie es nun hieß, verfallen. Zu guter Letzt musste sie abgerissen werden. Der Keller ist verschüttet. Heute ist an der Stelle der Kirche ein leerer Platz mitten in der winzigen Stadt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann ich nach den Vorfahren der Saurs und den dazugehörigen Mutterstämmen nicht suchen. Der Spitzenahn für diesen Stamm ist daher Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, geboren vermutlich um 1820, gestorben schon 1866, vor Emmas Heirat mit meinem Urgroßvater. Das ist eine ungewöhnlich kurze Stammlinie. Nachtragen kann man nur, dass nach der Überlieferung die Vorfahren von Gustav Saur bis zurück zu den Zeiten des alten Fritz stolze reiche Windmüller in Guhrau gewesen sein sollen. Das hat unseres Großvaters Paul Großmutter, die Amalie Saur, geb. Matthie, ihm erzählt.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Die Behn-Saga</title>
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		<updated>2026-09-22T16:14:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Behn Saga in eigene Seite ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Die Ehlert-Saga]] ⇐ [[Sagas und Biografien]] ⇒ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behns seien „Inselfriesen“ gewesen, die in Ostpreußen angesiedelt wurden. Vom Klang des Namens her ist das möglich. In Lübeck gibt es eine Kaufmannsfamilie Behn. Die Saga der Behns ist besonders versponnen, meine Großmutter Edith Behn hat an ihr gestrickt und die hatte, wie meine Mutter zu sagen pflegte, „eine blühende Phantasie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behns fühlten sich laut meiner Großmutter als Ostpreußen, aber ihr eigener Vater war in Trier geboren und der Großvater in Bromberg. Der von Felix Behn aufgefundene Urgroßvater Kasimir Behn soll am 29. 6. 1758 in Preußisch Friedland Maria Elisabeth Barthel geheiratet haben. Weiter ist über ihn nichts bekannt. Das dazu gehörige Kirchenbuch habe ich noch nicht gefunden, ein Beruf ist nicht angegeben. Ein Sohn aus dieser Ehe, Johann Gottfried Behn, hat um 1797 die Thornerin Anna Sophia Hirschberger geheiratet. Dies Paar ist in Bromberg gut bezeugt. Johann Gottfried war seit 1798 Stadtchirurg in Bromberg, er könnte vorher Feldscher gewesen sein. Sein erster Sohn starb als Kind, aber zwei weitere Söhne wurden erwachsen. Der ältere, Hermann Julius, studierte Medizin und wurde Nachfolger des Vaters, ja sogar Medizinalrat, der jüngere, 1807 geboren, ist unser Vorfahr. Er hieß Adolph Gustav Behn, ging zum Militär und wurde auch dort Arzt, sogar Königlich Preußischer Generalarzt. Er war in verschiedenen Garnisonen tätig: 1845 in Aachen, 1848 in Köln, 1852 in Trier, 1857 in Mainz, später in Posen. So kam es, dass unser Urgroßvater Hermann Behn 1852 in Trier geboren wurde. Sein Vater hatte ein Nervenleiden, vielleicht auch eine schwere Sucht, er starb 1866 in einer privaten Nervenheilanstalt in Brehna bei Halle/Saale. Bald darauf starb auch seine Frau in Potsdam. Die älteste Tochter des Generalarztes, die schöne Anna Behn, kümmerte sich um die Brüder, besonders den jüngsten, der beim Tod der Mutter erst ein Jahr alt war. Anna war mit dem Astronomen Hermann Romberg verheiratet und lebte später mit ihm in St. Petersburg. Das Leben dieses Ehepaares ist ein eigener Roman. Im ersten Weltkrieg sollen die beiden Söhne und die beiden Schwiegersöhne der schönen Anna an vier verschiedenen Fronten gekämpft haben; einer auf deutscher Seite, einer auf russischer, einer im finnischen Heer und einer im französischen. Anna und ihr Mann sind aber nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin gestorben. Meine Mutter hat wenigstens ihre Großtante Anna noch gekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unserer Mutter Großvater, Hermann Behn, war ein sehr erfolgreicher Pionier-Offizier – er hatte das Glück, ein Offizier im Frieden zu sein und mit dieser Rolle gut zu Recht zu kommen. Er baute wohl meistens an den Fortifikationen des Deutschen Reiches: in Königsberg, Stettin und Thorn, in Köln und Deutz, in Glogau, Neiße und zuletzt in Metz. Es war ihm nicht langweilig, er war gesellig, anscheinend freundschaftsfähig. Das machte ihn beliebt. So kam er nach seiner Pensionierung 1906 als Generalmajor an den „Invalidendank“, eine Organisation zur Unterstützung von alten Soldaten. Bei seiner Reaktivierung im 1. Weltkrieg wurde er ein letztes Mal befördert. Als Generalleutnant schied er schließlich aus, durfte sich Exzellenz nennen lassen. Was er von diesem einzigen Krieg, den er erlebte, gehalten hat, weiß ich nicht. Aber seine Tochter, meine Großmutter Edith Behn, hat immer geglaubt, ihr Vater, ganz wie übrigens auch ihr Mann Paul Liebert, habe stets seine Pflicht getan. Dass und nur das war es, was man von einem Soldaten erwarten durfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Großonkel Felix Behn, der einzige Bruder meiner Großmutter, starb als Offizier im ersten Weltkrieg durch eine Fliegerbombe. Er war ein Familienforscher wie ich, allerdings hauptsächlich mit einem praktischen Ziel: er wäre so gerne adlig gewesen und hoffte immer nachweisen zu können, dass die Behns eigentlich „von Boehns“ sind. Er hatte sich sogar schon einen Siegelring mit dem Wappen der von Boehns machen lassen, den ich noch habe. Die abenteuerliche Behn-Saga, die bei seinen unsystematischen Nachforschungen entstand, hat die von Boehns sehr erbost . Mir nützt sie nichts. Hoffentlich ist wenigstens der Spitzenahn Kasimir Behn echt! Dann wäre das Heiratsdatum  29. 6. 1758 in Preußisch Friedland das älteste Datum der Behnfamilie. Es bedeutet, dass die Behns schon im späteren Westpreußen waren, bevor es 1793 preußisch wurde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von mir durch das Kirchenbuch und das Zunftbuch erforschter Spitzenahn ist der 1685 in der Neustadt von Thorn/Torun  mit einer Anna Wachschlager verheiratete Hans Deutzschmann, ein Rotgerbermeister. Ein anderer Spitzenahn ist Peter Wentzel, der Kupferhammerschmied in Leibitz (Lubicz), Bürger von Thorn seit 1670. Er heiratet 1685 Maria Strewig, eine Fleischerstochter aus Thorn. Die Frauenfamilien Wachschlager (Waxschlager) und Strewig (Streibig) sind schon am Ende des Mittelalters (15. Jht.) in Thorn ansässig gewesen. Aus diesen alten Familien stammt Anna Sophia Hirschberger, die Frau des Kreiswundarztes Behn in Bromberg. Dieser Mutterstamm der Behns in Thorn ist ein echter Handwerkerstamm. Hammer- und Kupferschmiede sowie Rotgerber geben ihm sein Gepräge und das Zunftbuch der Rotgerber in der Thorner Neustadt, die  „Rothgerber Meisterquartale 1626 bis 1855“, gibt der Familiengeschichte spannende Kontur. Doch der Vater von Anna Sophia Hirschberger ist ein Kupferschmied aus Pirna! Und hat dort eine Handwerkerdynastie von Schmieden, Gürtlern und Nadlern hinter sich. Es lässt sich sagen, dass die Frauenstämme der Behnfamilie interessanter sind als die eigentlichen Behns. Aber das liegt vielleicht nur daran, dass wir von den Behns nichts wissen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Hauptseite</title>
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		<updated>2026-09-22T16:12:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Alte Links entfernt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{SEITENTITEL:Einstieg}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lieber Leser! ===&lt;br /&gt;
Bedenke, dass du dich freiwillig daran begibst, in dieser Mappe der Familie von Mering zu blättern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Theorem Nr. 1 des chilenischen Neurophysiologen Humberto Maturana, so wie es  der Kyber­netiker Heinz von Foerster zitiert, lautet: &amp;quot;Alles Gesagte wird &#039;&#039;von&#039;&#039; einem Beobachter gesagt.&amp;quot; Das heißt im Falle dieser vor dir liegenden Mappe: Alles, was du hier liest, ist von mir, Christa von Mering, verheiratete Lippold, gesammelt, geordnet und kommentiert worden. Du begegnest auch in den alten, getreu zitierten Quellen immer nur mir: meinem Spürsinn, meiner Auswahl, meinem Humor und meinem Drang nach Wirklichkeit. Vor allem andern aber be­gegnest du meiner Lust zu lesen und zu schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Texte sind nicht unbedingt für dich verfasst. Diese Texte sind nicht alle für dich verfaßt. Diese Texte sind überhaupt nicht für dich verfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz von Foersters Folgesatz Nr. 1 zu Humberto Maturanas Theorem Nr. 1 heißt: &amp;quot;Alles Gesagte wird zu einem Beobachter gesagt.&amp;quot; Vielleicht bist du dieser Beobachter? Oder du bist es nicht. Schreiben heißt im Unterschied zum Reden, dass man den, zu dem alles gesagt wird, sich erfin­det. Deshalb bin auch der zweite Beobachter vielleicht nur ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Mappe ist kein Buch. Die Anordnung der Texte, der Urkunden, der Zitate ist zwar nicht zufäl­lig, aber beliebig. Mir beliebte sie. Du kannst sie anders ordnen. Es ist wie ein Patience-Spiel. Die Karten sind gemischt. Jede Karte hat ihren Wert. Keine Karte hat einen festen Platz. Du bestimmst die Regeln, wann das Spiel gewonnen ist. Oder du schiebst die Karten zusammen und entscheidest, dass das Spiel verloren ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du kannst es auch als Suchbild betrachten. Oder als Puzzle. Auf keinen Fall wirst du hier an die Hand genommen. Niemals wird dir der Weg gezeigt. Missverständnisse gehören dazu. Undeutliches ist Absicht. Und dass es nicht aufgeht, ist der Familiengeschichte immanent. So ist es ja auch in Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wohin? ==&lt;br /&gt;
Familiengeschichte ist nicht eindimensional. Diese Mappe bietet dir den Zugang über zwei Dimensionen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Du kannst die [[Generationen]] vor mir erkunden oder&lt;br /&gt;
# du kannst den [[Sagas und Biografien]] der Vorfahren folgen, oder&lt;br /&gt;
# du kannst meinen [[Gedanken]] zur Ahnenforschung und Erstellung der Stammbäume, Sagas und Biografien folgen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Sagas_und_Biografien&amp;diff=44</id>
		<title>Sagas und Biografien</title>
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		<updated>2026-09-22T16:10:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Wie ordne ich meine Familiengeschichte? ===&lt;br /&gt;
Eine vergnügliche Sache ist das Forschen nach den Vorfahren. Manchmal merke ich, dass ich weiter gar nichts will: wissen, wer sie waren, wo sie lebten und ihr Lebensgefühl nachempfinden, als wären sie ein Stück von mir.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber manchmal möchte ich über meine Entdeckungen reden. Ich möchte sogar über meine Funde schreiben. Denn Schreiben ist neben Forschen mein zweites großes Vergnügen. Und schon habe ich ein Problem: Wie ordne ich meine Familiengeschichte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Einzelbiographien habe ich angefangen. Die sind verhältnismäßig selbstordnend: von der Geburt bis zum Tod geht ein Leben. Nun ist nur noch zu entscheiden, wie weit die Eltern, wie weit die Kinder mit hineingehören. Das übrige ist Sache des Stils. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile häufen sich die Biographien an. Nun stellt sich heraus, dass sie nicht aneinander passen. Nur selten kann ich über eine Generationenfolge vom Urgroßvater bis zum Urenkel schreiben. Entweder fehlt es an Daten. Oder es wechselt der Gesichtspunkt und damit der Stil. Meine Leser fragen: Wie hängen die Geschichten zusammen? Wann entsteht das Buch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es verfängt wohl nicht, zu erklären, dass ich nie ein Buch schreiben wollte. Dass ich die Familiengeschichte als ein Puzzle ansehe, dessen sehr unterschiedliche Teile ich manchmal  zusammenlege, dann wieder durcheinander werfe, dass höchstens eine Mappe entstehen kann oder eine Homepage. Beide Medien haben den Vorteil, dass man die einzelnen Kapitel nach Lust und Laune auswechseln und miteinander mischen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurzum, ich habe mich nun doch entschlossen, eine Art Gliederung aufzustellen. Sie soll nicht verbindlich sein, aber denjenigen, die Ordnung brauchen, das Gefühl von Ordnung geben. Als Ordnungskriterien habe ich meine acht Urgroßelternstämme erwählt. Sie sind hinreichend voneinander verschieden und trotzdem als meine Vorfahren einer Generation und so ziemlich einer historischen Epoche hinreichend homogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Familiengeschichte ordnet sich also in acht Stämme. Jeder Stamm besteht aus den Vorfahren eines Urgroßvaters oder einer Urgroßmutter. Die vier Urgroßelternpaare haben in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt. Sie lebten alle im Deutschen Reich. Hier sind sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mütterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Martha Laura Ida Ehlert, geb. 9.5.1854 in Königsberg, ev., gest. 7.3.1937 in Berlin&lt;br /&gt;
# Hermann Gustav Behn, ev., geb. 12.7.1852 in Trier, gest. 21.5.1932  in Berlin&lt;br /&gt;
# Emma Saur, geb. 9.12.1850 in Guhrau/Bezirk Breslau, ev., gest. 29.10.1880 in Guhrau&lt;br /&gt;
# Otto Liebert, geb. 25.3.1839 in Lissa/Provinz Posen, ev-ref., gest. 2.1.1897 in Guhrau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Väterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Johanna  Klara Liebscher, geb. am 30.7.1856 in Kobershain, Kreis Torgau, ev., gest. am 1.5.1944 in Köln&lt;br /&gt;
# August Theodor Heinrich Eberhardt, geb. am 2.7.1855 in Arnstadt, ev., gest. am 20.1.1928 in Köln.&lt;br /&gt;
# Friederike Philippine Allendorf, geb. am 9.5.1852 in Koblenz, ev., gest. am  2.12.1926 in Köln-Rodenkirchen&lt;br /&gt;
# Peter Joseph Mering, (Adelspatent 29.5.1893) geb. am 8.1.1843 in Herongen, kath., gest. 10.2.1901 in Köln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familien-Sagas ===&lt;br /&gt;
Demgemäß ordne ich meine Biografien in diese 8 Familien-Sagas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Die Ehlert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Behn-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Saur-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebscher-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Eberhardt-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Allendorf-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Mering-Saga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Stämme sehr verschieden sind, ist ja nur gut. Dadurch bekommt meine Abstammung Farbe. Dass sie sich aber so unterschiedlich stark erforschen lassen, ist sehr bedauerlich. Die einzelnen Sagas können nicht gleich lang sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Behn-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Behns seien „Inselfriesen“ gewesen, die in Ostpreußen angesiedelt wurden. Vom Klang des Namens her ist das möglich. In Lübeck gibt es eine Kaufmannsfamilie Behn. Die Saga der Behns ist besonders versponnen, meine Großmutter Edith Behn hat an ihr gestrickt und die hatte, wie meine Mutter zu sagen pflegte, „eine blühende Phantasie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behns fühlten sich laut meiner Großmutter als Ostpreußen, aber ihr eigener Vater war in Trier geboren und der Großvater in Bromberg. Der von Felix Behn aufgefundene Urgroßvater Kasimir Behn soll am 29. 6. 1758 in Preußisch Friedland Maria Elisabeth Barthel geheiratet haben. Weiter ist über ihn nichts bekannt. Das dazu gehörige Kirchenbuch habe ich noch nicht gefunden, ein Beruf ist nicht angegeben. Ein Sohn aus dieser Ehe, Johann Gottfried Behn, hat um 1797 die Thornerin Anna Sophia Hirschberger geheiratet. Dies Paar ist in Bromberg gut bezeugt. Johann Gottfried war seit 1798 Stadtchirurg in Bromberg, er könnte vorher Feldscher gewesen sein. Sein erster Sohn starb als Kind, aber zwei weitere Söhne wurden erwachsen. Der ältere, Hermann Julius, studierte Medizin und wurde Nachfolger des Vaters, ja sogar Medizinalrat, der jüngere, 1807 geboren, ist unser Vorfahr. Er hieß Adolph Gustav Behn, ging zum Militär und wurde auch dort Arzt, sogar Königlich Preußischer Generalarzt. Er war in verschiedenen Garnisonen tätig: 1845 in Aachen, 1848 in Köln, 1852 in Trier, 1857 in Mainz, später in Posen. So kam es, dass unser Urgroßvater Hermann Behn 1852 in Trier geboren wurde. Sein Vater hatte ein Nervenleiden, vielleicht auch eine schwere Sucht, er starb 1866 in einer privaten Nervenheilanstalt in Brehna bei Halle/Saale. Bald darauf starb auch seine Frau in Potsdam. Die älteste Tochter des Generalarztes, die schöne Anna Behn, kümmerte sich um die Brüder, besonders den jüngsten, der beim Tod der Mutter erst ein Jahr alt war. Anna war mit dem Astronomen Hermann Romberg verheiratet und lebte später mit ihm in St. Petersburg. Das Leben dieses Ehepaares ist ein eigener Roman. Im ersten Weltkrieg sollen die beiden Söhne und die beiden Schwiegersöhne der schönen Anna an vier verschiedenen Fronten gekämpft haben; einer auf deutscher Seite, einer auf russischer, einer im finnischen Heer und einer im französischen. Anna und ihr Mann sind aber nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin gestorben. Meine Mutter hat wenigstens ihre Großtante Anna noch gekannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unserer Mutter Großvater, Hermann Behn, war ein sehr erfolgreicher Pionier-Offizier – er hatte das Glück, ein Offizier im Frieden zu sein und mit dieser Rolle gut zu Recht zu kommen. Er baute wohl meistens an den Fortifikationen des Deutschen Reiches: in Königsberg, Stettin und Thorn, in Köln und Deutz, in Glogau, Neiße und zuletzt in Metz. Es war ihm nicht langweilig, er war gesellig, anscheinend freundschaftsfähig. Das machte ihn beliebt. So kam er nach seiner Pensionierung 1906 als Generalmajor an den „Invalidendank“, eine Organisation zur Unterstützung von alten Soldaten. Bei seiner Reaktivierung im 1. Weltkrieg wurde er ein letztes Mal befördert. Als Generalleutnant schied er schließlich aus, durfte sich Exzellenz nennen lassen. Was er von diesem einzigen Krieg, den er erlebte, gehalten hat, weiß ich nicht. Aber seine Tochter, meine Großmutter Edith Behn, hat immer geglaubt, ihr Vater, ganz wie übrigens auch ihr Mann Paul Liebert, habe stets seine Pflicht getan. Dass und nur das war es, was man von einem Soldaten erwarten durfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Großonkel Felix Behn, der einzige Bruder meiner Großmutter, starb als Offizier im ersten Weltkrieg durch eine Fliegerbombe. Er war ein Familienforscher wie ich, allerdings hauptsächlich mit einem praktischen Ziel: er wäre so gerne adlig gewesen und hoffte immer nachweisen zu können, dass die Behns eigentlich „von Boehns“ sind. Er hatte sich sogar schon einen Siegelring mit dem Wappen der von Boehns machen lassen, den ich noch habe. Die abenteuerliche Behn-Saga, die bei seinen unsystematischen Nachforschungen entstand, hat die von Boehns sehr erbost . Mir nützt sie nichts. Hoffentlich ist wenigstens der Spitzenahn Kasimir Behn echt! Dann wäre das Heiratsdatum  29. 6. 1758 in Preußisch Friedland das älteste Datum der Behnfamilie. Es bedeutet, dass die Behns schon im späteren Westpreußen waren, bevor es 1793 preußisch wurde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von mir durch das Kirchenbuch und das Zunftbuch erforschter Spitzenahn ist der 1685 in der Neustadt von Thorn/Torun  mit einer Anna Wachschlager verheiratete Hans Deutzschmann, ein Rotgerbermeister. Ein anderer Spitzenahn ist Peter Wentzel, der Kupferhammerschmied in Leibitz (Lubicz), Bürger von Thorn seit 1670. Er heiratet 1685 Maria Strewig, eine Fleischerstochter aus Thorn. Die Frauenfamilien Wachschlager (Waxschlager) und Strewig (Streibig) sind schon am Ende des Mittelalters (15. Jht.) in Thorn ansässig gewesen. Aus diesen alten Familien stammt Anna Sophia Hirschberger, die Frau des Kreiswundarztes Behn in Bromberg. Dieser Mutterstamm der Behns in Thorn ist ein echter Handwerkerstamm. Hammer- und Kupferschmiede sowie Rotgerber geben ihm sein Gepräge und das Zunftbuch der Rotgerber in der Thorner Neustadt, die  „Rothgerber Meisterquartale 1626 bis 1855“, gibt der Familiengeschichte spannende Kontur. Doch der Vater von Anna Sophia Hirschberger ist ein Kupferschmied aus Pirna! Und hat dort eine Handwerkerdynastie von Schmieden, Gürtlern und Nadlern hinter sich. Es lässt sich sagen, dass die Frauenstämme der Behnfamilie interessanter sind als die eigentlichen Behns. Aber das liegt vielleicht nur daran, dass wir von den Behns nichts wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Saur-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Saur-Saga ist die kürzeste und traurigste unter unseren acht Familien-Sagen. Sie heißt so nach Emma Saur, der Mutter unseres Großvaters mütterlicherseits. Wenn es schon traurig genug ist, dass diese tüchtige Frau jung starb, vermutlich in einer Erschöpfungsdepression, die mit einem chronischen Lungenleiden einherging, so ist es darüber hinaus betrüblich, dass wir ihrer Abstammung nicht mehr nachforschen können. Wir wissen nur, was mein Großvater Paul Liebert über diese seine leibliche Mutter überlieferte: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Liebert, geb. Saur, Haus- und Geschäftsfrau, geboren am 9.12.1850 in Guhrau, Bezirk Breslau, evangelischer Konfession, gestorben am 29.10.1880 in Guhrau (nach einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt, lungenkrank). Sie hatte am 23.10.1868 ebenfalls in Guhrau Otto Liebert geheiratet, einen Eisenwarenkaufmann, der später Molkereibesitzer in Guhrau war. Emmas Vater Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, war bei ihrer Hochzeit schon verstorben und hatte ihr eine große Erbschaft hinterlassen. Ihre Mutter Amalie Saur, geb. Matthie, geboren am 24.3.1825 in Guhrau, ebenfalls evangelisch, gestorben am 6.1.1886 in Guhrau, hat unser Großvater noch gut gekannt. 1847 sollen Gustav Saur und Amalie Matthie in Guhrau geheiratet haben. Emma hatte noch drei Geschwister, eine ihrer Schwestern heiratete den Bruder ihres Mannes. Dieses Geschwisterpaar Karl und Klara Liebert kümmerte sich nach Emmas frühem Tod um das Geschäft des ganz gebrochenen Witwers. Das überliefert eine Halbschwester unseres Großvaters, die berühmte Tante Meta aus der zweiten Ehe des Otto Liebert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese zweite Ehe Ottos, die nach Krankheit, Tod, Depression und wohl auch Streit wieder Sonne ins Leben der Familie Liebert brachte, diese zweite Ehe mit Julie Sonntag, hat vielleicht die Überlieferung der Saur-Saga ein bisschen verdrängt. Doch reichen auch die andern Familienerzählungen im allgemeinen nicht weiter als bis zu den Großeltern unsrer Großeltern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, der Hauptgrund für die Kürze der Saur-Saga ist die Zerstörung der kleinen Stadt Guhrau am Ende des zweiten Weltkrieges und die Vernichtung der Kirchenbücher und Standesamtsakten. Angeblich wurden die Kirchenbücher vor der Vertreibung der Deutschen in einer Truhe im Keller der evangelischen Kirche versteckt. Aber diese Kirche ließen die neuen polnischen und katholischen Bewohner Góras, wie es nun hieß, verfallen. Zu guter Letzt musste sie abgerissen werden. Der Keller ist verschüttet. Heute ist an der Stelle der Kirche ein leerer Platz mitten in der winzigen Stadt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann ich nach den Vorfahren der Saurs und den dazugehörigen Mutterstämmen nicht suchen. Der Spitzenahn für diesen Stamm ist daher Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, geboren vermutlich um 1820, gestorben schon 1866, vor Emmas Heirat mit meinem Urgroßvater. Das ist eine ungewöhnlich kurze Stammlinie. Nachtragen kann man nur, dass nach der Überlieferung die Vorfahren von Gustav Saur bis zurück zu den Zeiten des alten Fritz stolze reiche Windmüller in Guhrau gewesen sein sollen. Das hat unseres Großvaters Paul Großmutter, die Amalie Saur, geb. Matthie, ihm erzählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Liebert-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Liebert-Saga ist die Geschichte der Herkunft meines Urgroßvaters Otto Liebert. Sie führt nach Großpolen, nach Kobylin bei Lissa oder, wie es heute heißt, Leszno. Der erste Liebertvorfahre heißt Michael und ist Einwohner in Jutroschin. Als er zum ersten Mal erwähnt wird, 1731 bei der Hochzeit seines Sohnes Martin, eines Windmüllers in Kobylin, ist er schon verstorben. Michael Liebert war deutschstämmig und evangelisch-lutherisch. Er gehört in einen Personenkreis, der seit der Gegenreformation nach dem Dreißigjährigen Krieg von Schlesien ins Königreich Polen ausgewichen war. Dieses Großpolen hatte die gleiche Landschaft und das gleiche Klima wie Schlesien. Die Adeligen waren seit der Reformationszeit evangelisch und hatten immer schon Glaubensflüchtlinge bei sich aufgenommen: das Land war geräumig und die Einwanderer sollten es entwickeln helfen. Windmüller wurden gebraucht. Die Lieberts waren oder wurden Windmüller. Sie lebten als Bürger und Handwerker im winzigen Kobylin, zwischen polnischen Adelsgütern und polnischen Bauerndörfern. Sie lebten in diesen Städten zusammen mit Juden, die den Handel übernahmen, und mit polnischen katholischen Handarbeitern und Ackerbürgern. Sicher sprachen die Lieberts auch polnisch, aber in Rathaus, Zunftstube und Kirche wurde Deutsch gesprochen und geschrieben. Deshalb war auch die Schule deutsch. Die Lehrer und Pastoren kamen aus Deutschland und die Gesellen gingen nach Deutschland auf Wanderschaft. Es war ein ehrgeizig angestrengtes, sehr vielseitiges Leben. Drei Generationen Liebert sind Windmüller auf der Stadtmühle in Kobylin, in der vierten werden beide Söhne, Carl Christian und Daniel Benjamin Bäcker.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum die Stadtmühle der Familie Liebert abhanden kam, steht nicht im Kirchenbuch. Die napoleonischen Kriege mögen dabei eine Rolle gespielt haben, aber auch der frühe Tod der Mutter, der erst 23jährigen Christiana Charlotta, geb. Kammer. Der Vater heiratet schnell ein zweites Mal – aber das neugeborene vierte Kind von Charlotta stirbt trotzdem. Die zweite Frau, Susanna, geb. Pflegel, stammt wie Charlotta aus einer Müllerdynastie in Kobylin. Doch auch von ihren Kindern ist später keines Müller auf der Stadtmühle. 1822 stirbt Christian Carl, der letzte Windmüller der Familie Liebert. Der älteste Sohn ist erst 17 Jahre alt. Er kann die Mühle nicht übernehmen. Er und auch sein Bruder, mein Vorfahr Daniel Benjamin, machen eine Bäckerlehre, vielleicht, durch Patenschaften vermittelt, im nahen Lissa. Auf jeden Fall leben und arbeiten beide später dort. In Lissa verheiraten sie sich und ziehen Kinder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daniel Benjamin, lutherisch erzogen, geht 1836 die Ehe ein mit Charlotte Zytowski, einer Nachkommin der Böhmischen Brüder. Die Verbindung ist vielleicht von Anfang an spannungsreich, sie scheint eine sehr energische Frau gewesen zu sein und ihm fehlt vielleicht das freie Leben auf der Windmühle. Dazu kommt der Konfessionsgegensatz und der Schwiegervater Samuel Zytowski, der eine wichtige Rolle in Stadt und Kirchengemeinde innehat. Die Entscheidung bringt das Jahr 1848. Daniel Benjamin Liebert fühlt mit den aufständischen Polen, als Deutscher, als Handwerksmeister und Bürger setzt er auf die Revolution. Das bringt ihn in Gegensatz zu dem streng konservativen und propreußischen Bürgertum in Lissa. Er wird zum Außenseiter. Ob er sich auch strafbar macht, weiß ich nicht. 1854 zieht er die Konsequenz, verlässt seine Frau und seine fünf Kinder und wandert über den Hafen Bremen nach Amerika aus, ohne seine Schulden zu bezahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Urgroßvater Otto Liebert, Daniel Benjamins ältester Sohn, hat also Erfahrung mit Armut. Aber die Mutter gibt sich nicht geschlagen. Nach der Familien-Saga hilft ihr ein Jude mit einem ersten Kredit für die Bäckerei. Otto und seine Brüder besuchen das Gymnasium in Lissa und lernen dann in Marienberg den Eisenhandel. In Guhrau, nicht weit von Lissa, lässt sich Otto mit einem eigenen Geschäft nieder, wozu ihm ein Bruder seiner Mutter das Kapital leiht. Die reiche und tüchtige Müllerstochter Emma Saur wird Ottos Frau und führt selbständig das Geschäft weiter, als Otto 1870/71 im Krieg ist. Emma stirbt 30-jährig, wohl von der vielen Arbeit und fünf Schwangerschaften erschöpft. Otto bricht fast zusammen, sein Bruder muss das Geschäft für ihn leiten. Eine zweite Ehe wird vermittelt und Julie Sonntag aus Patschkau macht Mann und Kinder wieder glücklich: nie wollte unser Großvater Paul dulden, dass man „die böse Stiefmutter“ im Märchen sagte, so dankbar war er ihr. Sein Vater Otto hatte inzwischen die Molkerei in Guhrau übernommen. Er war ein vermögender Mann und konnte seinen ältesten Sohn nach Breslau auf das berühmte Elisabeth-Gymnasium schicken. Anscheinend sah er es gern, dass Paul 1887 die Militärlaufbahn einschlug. So wurde unser schlesischer Großvater, der Windmüllernachkomme, preußischer Offizier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war es meistens im Frieden. Er diente in vielen Garnisonen: in Straßburg, in Metz, in Berlin, in Posen. Er heiratete spät, angeblich, weil er glaubte, er werde nicht alt werden. Mit neununddreißig Jahren entschloss er sich doch noch: die Tochter seines Chefs hatte es ihm angetan. Edith Behn war vierundzwanzig Jahre alt. Die Hochzeit fand am 14. März 1907 in Berlin statt. 1910 wurde unsere Mutter Ruth in Sablon bei Metz geboren. Wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn ihr Vater bis zu ihrer Großjährigkeit im Dienst aufgestiegen wäre, kann man nicht wissen. Es kam der Erste Weltkrieg, die Niederlage, das Ende des Kaiserreichs. Paul Liebert wurde als Mann von  49 Jahren pensioniert. Seine Ansichten wurden erschüttert. Er beschloss, seine älteste Tochter studieren zu lassen und ihr ein eigen bestimmtes Leben zu ermöglichen. Er suchte eine kleine und nicht teure Universitätsstadt. Seine Wahl fiel auf Marburg an der Lahn. Aus ganz ähnlichen Gründen hatte diese Universität ein junger Theologe aus Köln erwählt. Im Sommer 1929 lernten sich Ruth Liebert und Eberhard von Mering beim Lektor für Griechisch Dr. Wysk kennen. Es war nachhaltig. Am 17. August 1937 heirateten die beiden und wurden unsere Eltern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Stammes Liebert ist Michael Liebert, Einwohner in Jutroschin, Vater eines Sohnes Martin um 1700 (1699) und gestorben dort vor 1731. Dieser Sohn Martin ist der erste Windmüller Liebert in Kobylin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Mütterstamms Zitowski ist jünger: der Bildhauer Franz Zittowske in Lissa ist 1777 schon verstorben, als sein einziger Sohn Martin Gottlieb Zytowsky, ebenfalls Bildhauer, sich verheiratet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Liebscher-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Liebscher-Sage ist die Geschichte des Akademiker-Stamms unter meinen Vorfahren – oder bescheidener ausgedrückt: des Lehrer- und Pfarrerstamms. Doch gibt es unter den Verwandten dieser Lehrer und Pfarrer auch Ärzte und Verwaltungsjuristen. Damit hebt sich die Familie Liebscher von sechs der andern Urgroßeltern-Stämme ab: von den Windmüllern Liebert und Saur, von den Kaufleuten und Angestellten Eberhardt und Ehlert und von den Handwerkerstämmen Allendorf und Behn. Ein Arzt kommt bei den Behns im 19. Jahrhundert vor. Die von Merings weisen in unserer Vorfahrenlinie vor unserem Vater nur drei Universitätsabsolventen auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich bleibt auch beim Liebscher-Stamm die Grundlage das Handwerk. Der erste nachweisliche Vorfahr mit diesem Namen ist Sattler aus Hermsdorf/Erzgebirge, Sohn des Joel Liebscher. Er heiratet in Dippoldiswalde bei Dresden die Tochter seines Meisters namens Bercht und zieht mit ihr nach Geising am Erzgebirge. Dort hat er Arbeit genug, denn der Bergbau braucht Schurzleder, Eimer und Riemen. Er bekommt viele Kinder. Seine erste Frau Anna Elisabeth stirbt, er heiratet ein zweites Mal. Die Frau heißt Maria Schelle. Sie gehört wohl zu der Familie in Geising, aus der der Thomaskantor Johann Schelle&amp;lt;ref&amp;gt;Schelle, Johann, get. 6. 9. 1648 Geising (Erzgebirge), gest. 10. 3. 1701 Leipzig; deutscher Komponist und Kantor&amp;lt;/ref&amp;gt;  hervorgeht. Dadurch liegt nahe, dass ein Liebschersohn Kantor und Lehrer werden will. Er wird unser Vorfahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat er die erste Hürde zum Bildungssektor genommen, obwohl auch der Schuldienerberuf damals ein Handwerk ist. Die Frauen der Lehrer Liebscher sind überwiegend Lehrerstöchter. Die zweite Hürde nimmt Benjamin Liebscher 1787, als er eine Pfarrerstochter heiratet und später selber Pfarrer wird. Erst Pfarrer brauchten eine Universitätsbildung. Damit gewinnt unser Stamm über die Mutterlinie der Pfarrerstochter Ramdohr Anschluss an Familien, die schon seit mehreren Generationen Universitätsausbildung genossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechzehn Pfarrer gehören damit zu den Vorfahren unseres Vaters. Und sehr oft ist über die Pfarrerstöchter die nächste Generation zum Beruf gekommen. Neben dem Streben nach Bildung fällt am Liebscherstamm eine ausgesprochene Neigung zu Ehe und Familie auf. Die Liebschers bejahten im Glauben die Lebensordnung. Sie hatten oft zahlreiche und gesunde Kinder. Auch Langlebigkeit gibt es häufig in diesem Stamm. Weil sie zu den Honoratioren gehörten, als Pfarrer sogar selbst Einfluss auf das Kirchenbuch nehmen konnten, lassen sich die Liebschers gut erforschen. Das liegt natürlich auch an der idealen Quellenlage in Mitteldeutschland. Sehr viele Kirchenbücher sind erhalten, Stadt- und Kirchenarchive sind zugänglich und sie reichen im Land der Reformation weit zurück. Als Folge davon ist die Liste der Familiennamen am längsten von allen meinen Stämmen. Und manche dieser Namen sind schon von anderen Genealogen erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitzenahnen meiner Urgroßmutter Johanna Liebscher sind &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hans Francke, Schuster in Leipzig um 1530, geboren in Nürnberg um 1510&lt;br /&gt;
* Johann Schütz, (ca. 1519 – 1581), Pfarrer in Großottersleben und Riestedt&lt;br /&gt;
* Johannes Krause, Hofprediger beim Grafen Hans von Mansfeld in Rothenburg a.d. Saale, gest. 1558&lt;br /&gt;
* Magister Thomas Kuntzsch, Rektor in Eilenburg um 1560&lt;br /&gt;
* Magister Johannes Stam, Pfarrer an St. Annen in der Neustadt Eisleben um 1570&lt;br /&gt;
* Matthes Reichelt, Windenmacher im Prüll von Leipzig um 1575&lt;br /&gt;
* Georg Eichhorn, Hochgräflich-Mansfeldischer Rentmeister um 1590    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Eberhardt-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Eberhardts stammen aus dem Thüringer Wald. Natürlich sind sie evangelisch-lutherisch. Die erste Eheschließung, die ich nachweisen kann, hat 1692 in Großbreitenbach stattgefunden. Da heiratet ein Fenstermacher Eberhardt die Tochter eines Fenstermachers Eberhardt – das wird wohl seine Kusine gewesen sein. Das Handwerk der Fenstermacher umfasste „im Osten“ das, was im Westen Deutschlands zwei Gewerke, die Tischler und die Glaser, leisteten. Die Fenstermacher fertigten nicht nur den Holzrahmen, sondern setzten auch das Glas ein. Glas wurde im Thüringer Wald schon seit dem Mittelalter hergestellt. Und Holz gab es reichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Vorfahr Wolffgang Nicol Eberhardt, 1736 in die große Sippe Eberhardt hineingeboren, will etwas Besonderes sein, er ist „der Kunst ergeben“. So wird er weder Fenstermacher noch Handelsmann wie seine Verwandten, sondern zu guter Letzt Lehrer in Altenfeld. Reich wird er nicht, stirbt auch früh, so dass sein Sohn Nicol Wolffgang Eberhardt, unser nächster Vorfahr, keine Ausbildung bekommt. Er wird Handarbeiter, später Kastenknecht, d. h. Küster in Arnstadt etwa um 1800. Auch dessen Sohn Johann Adam Heinrich bleibt in diesem Amt: Gartenarbeiter und Kastenknecht um 1830. Arnstadt ist damals eine wachsende Stadt. Auch die Familie Weisheit, Nachkommen von Kleinbauern und Fuhrleuten im Thüringer Wald, kommt nach Arnstadt. Sie hat einen weit zurückreichenden Stammbaum von Fuhrleuten mit Namen Weisheit in Struth bei Schmalkalden. In Struth heißt heute noch jeder dritte Weisheit, erzählte mir eine freundliche Einwohnerin. Aber der Johann Otto Weisheit, der nach Arnstadt kommt, ist Brandweinbrenner. Er hat die Ehe geschlossen mit Magdalene Bücking, der Nachkommin eines schwarzburgischen gelernten Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Lehrers Urenkel, Ernst August Christian Eberhardt, kann sich wieder eine Lehrzeit leisten: er wird Zeugschmiedemeister in Arnstadt. Seinen Kindern bringt es kein Glück: der junge Meister stirbt 1857 mit 25 Jahren „an Krämpfen“, die Mutter Johanna Friederike Weisheit muss als Waschfrau Sohn und Tochter aufziehen. Unseres Urgroßvaters Heinrich Eberhardt Kindheit ist ebenso von Armut geprägt wie die von unserm Urgroßvater Peter Mering. Aber während Peter ein Handwerk lernt, geht Heinrich zur Eisenbahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der unermesslichen Menge an Literatur über die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland gibt es fast nichts über die Ausbildung der Menschen, die bei der Bahn eingestellt wurden – mit Ausnahme der Lokomotivführer. Unser Urgroßvater aber war kein Lokomotivführer, er hatte eine Art Buchhalterstelle bei der Bahn. Rechnen und schreiben muss er gut gekonnt haben. Das Rechnungswesen der stetig sich entwickelnden Reichsbahn wurde von Hand registriert. In riesigen Büros saßen die Beamten. Heinrich kam schnell voran. Mit 25 Jahren konnte er die Pastorentochter Johanna Liebscher aus Oberröblingen am See heiraten und mit ihr nach Deutz ziehen. So kamen die Eberhardts an den Rhein. Natürlich suchten sie eine evangelische Kirche und fanden sie in der neu aufstrebenden Stadt Ehrenfeld. Clara Eberhardt, die älteste Tochter von Johanna und Heinrich, lernte im Kirchenchor den jungen Bildhauer Carl von Mering kennen. So wurde Clara unsere Großmutter von Mering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Allendorf-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Allendorf–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Friederike Philippine von Mering, geb. Allendorf. Ihr Vater Karl Allendorf war zwischen 1840 und 1873 Glaser in Koblenz. Er stammte aus einer Handwerkerfamilie in Artern am Kyffhäuser. Ihre Mutter hieß Philippine Zimmermann und stammte aus einer evangelischen Handwerkerfamilie in Bacharach am Rhein. Sowohl Artern als auch Bacharach und Koblenz waren 1815 preußisch geworden. Die beiden waren also Bürger Preußens, aber ziemlich sicher hat Karl sich mehr als Sachse und Philippine sich mehr als Rheinländerin gefühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allendorfs in Artern waren hauptsächlich Glaser-, Bäcker- und Gerbermeister. Die Glaser hießen außer Allendorf überwiegend Jahn, die Meyers waren eine Bäckerfamilie, die Zeises oder Zieses sowie die Gänsehals waren Gerber. Die Allendorfs stammten eigentlich aus Apolda. Der Spitzenahn mit dem Namen Allendorf ist Andreas Allendorf, Glaser um 1747 in Apolda, gestorben vor 1779, doch können auch der Gerber Adolph Gänsehals, der Bäcker Johann Jacob Meyer und die Anspänner Anton Leucht und Johann Christoph Ziese um 1747 als Spitzenahnen benannt werden. Das Kirchenbuch von Artern ist noch nicht ausgeschöpft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handwerkermeister in Bacharach waren hauptsächlich Schlosser. Da die evangelische Diaspora eng war, kamen die Schwiegersöhne der Schlosser als wandernde Gesellen aus Hessen und Franken an den Rhein und in die Familie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn mit dem Namen Zimmermanns ist Tobias Zimmermann aus Rathsweiler, der aber kein Schlosser, sondern um 1780 ein Bäcker war in Zweibrücken. Doch der absolute Spitzenahn unter Philippines Vorfahren ist Philipp Kümpel, Bürger und Schiffsmann in Kaub, gestorben vor 1747. Er ist nicht nur im Kirchenbuch, sondern auch in den Rechnungen des Zolldirektors von Andernach Johann Friedrich von Mering bezeugt. Wie mehrmals in meiner Familiengeschichte sind sich also – diesmal am Rheinzoll in Andernach – zwei Vorfahren schon einmal begegnet, bis endlich auf großen Umwegen ihre Nachfahren ein Ehepaar wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philippine Allendorfs Handwerkervorfahren machen nach den Kirchenbucheinträgen einen sehr soliden Eindruck. Ich denke, diesen Eindruck hat auch sie selbst auf Peter von Mering gemacht. Peter hatte Grund, sich nach Solidität und Verlässlichkeit zu sehnen. Die Wirbel, die sein abenteuernder Großvater verursacht hatte, waren noch im Familien-Gedächtnis. Dass Philippine darauf bestand, in der evangelischen Konfession ihrer Eltern getraut zu werden und ihre Kinder zu erziehen, erschien ihm vielleicht als Bestätigung ihrer Verlässlichkeit. So willigte er ein. Dank Philippine Allendorfs Ernst und Konsequenz sind wir die einzigen evangelischen von Merings, die es gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Mering-Saga ===&lt;br /&gt;
So gut wie andere Familien sind die Merings allemale. Es ist der Name meines namengebenden Urgroßvaters Peter von Mering. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der früheste Mering, mit dem wir verwandt sind, stammte aus Coesfeld. Es gibt bis heute einen Hof Mehring bei Flamersheim im Kreis Coesfeld, der seit dem 12. Jahrhundert ein Meierhof des Klosters St. Mauritius in Münster war. In Coesfeld ist im 15. und 16. Jahrhundert der Familienname Merinck unter den Bürgern sehr häufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hynrich Merinck aus Coesfeld erwarb 1553 in Köln das Bürgerrecht. Natürlich war er Katholik  als Bürger einer katholischen Stadt. Nach seinem Testament von 1579 war er zuerst mit Catharina Lindlar verheiratet, der Witwe von Herman Mueträtzer oder Muetroyde. Herman Muetroyde war Kaufmann in Köln gewesen, Hynrich Merinck vermutlich sein Prokurist oder Kompagnon. Catharina war älter als Hynrich. Sie hatte schon vier halberwachsene Kinder, die Hynrich aufziehen half. Erst als Catharina starb, konnte Hynrich eine junge Frau, Christina von Monheim, heiraten, mit der er mindestens vier eigene Kinder erzielte. 1579, als er, schwer krank, sein Testament schrieb, waren diese Kinder noch klein. Hynrich aber besaß ein großes Vermögen und wollte vor Zeugen klar stellen, dass er seine Stiefkinder schon abgefunden hatte und dass sein jetziger Wohlstand allein seinen leiblichen Kindern zugute kommen sollte. Christina sollte seine Testamentsverwalterin und die Erzieherin der Kinder sein. Nach den Kölner Genealogen wurde Hynrich wieder gesund und lebte noch bis 1587. Dann starb er und kurz darauf auch Christina.  Die Waisen Merinck wurden von Vormündern großgezogen, unser nächster Vorfahr hieß wieder Hynrich und wurde wieder Kaufmann in Köln, zuerst imViertel St. Martin, dann bei St. Columba. Seine 13 Kinder von zwei Ehefrauen sind zwischen 1600 und 1631 in Köln getauft. Ein Sohn, 1620 geboren, ist der erste Domherr der Familie, Henrich Mering. Sein jüngerer Bruder, unser nächster Vorfahr, wurde Arzt, Professor für Medizin an der Kölner Universität zwischen 1662 und 1687. Dieses Professors Sohn aus erster Ehe, geboren 1667, ist der zweite Domherr der Familie, Heinrich von Mering. Ein Sohn aus zweiter Ehe, geboren 1685, ist unser nächster Vorfahr.  Er heißt Johann Friedrich von Mering, ist zuerst Hauptmann im kaiserlichen Heer, dann kurkölnischer Rheinzöllner in Andernach. Johann Friedrich hatte von seiner Frau Maria Gertrude Rübsam drei Söhne. Der älteste und der jüngste verheirateten sich in Andernach. Der älteste ist der Vorfahr der von Merings in Amerika geworden, der Stamm des jüngsten starb aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mittlere, geboren 1733, unser Vorfahr Franz Caspar von Mering, wurde wie sein Vater kaiserlicher Soldat. Er kämpfte als Offizier der Kaiserin Elisabeth 1761 bei Torgau gegen Friedrich den Großen. Aber Franz Caspar hatte kein Glück. Vielleicht wurde er schwer verletzt und kränkelte dann, vielleicht war er nicht tüchtig. Er brachte es nur bis zum Oberleutnant, erhielt früh seinen Abschied. Und er heiratete offenbar unterhalb des Rahmens seiner Brüder. Die Verbindung zu ihnen scheint abgerissen. Er starb schon 1779 in Mainz. Sein Sohn, unser Vorfahr Franz Joseph Caspar, wurde schon mit fünfzehn Jahren Vollwaise und war offenbar ohne Vermögen. Für ein armes adliges Kind waren die Zeiten schlecht. Mainz gehörte seit 1797 zur revolutionären Republik Frankreich. Vermutlich floh Franz Joseph Caspar und wurde so jung wie möglich Soldat, angeblich bei den preußischen Husaren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leben verlief abenteuerlich. 1799 ist er in der Pfalz und heiratet vor dem republikanischen Zivilbeamten in Kirchheimbolanden eine Pächterstochter lutherischer Konfession, Anna Maria Ziemer.  Franz Joseph Caspar ist der „Bürger Mering“. Das ist die erste standesamtlich geschlossene Ehe in unserer Familie und von den frommen Verwandten nie als solche anerkannt. Mit Anna Maria betreibt Franz Joseph Caspar eine Kneipe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Geburt des ersten Kindes zieht das Paar nach Dänemark, wo es sechs weitere Kinder in der katholischen Kirche der Österreichischen Gesandtschaft taufen lässt. 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, müssen alle Ausländer sofort Dänemark verlassen. Die Merings kehren zurück nach Mainz. Das Land am Rhein steht unter bayrischer Verwaltung. Arbeitslosigkeit und Hunger herrschen. 1815 findet der arme Familienvater Arbeit  als „Chaussee-Bereiter“, als berittener Verkehrspolizist. 100 Franken im Monat sind nicht viel, aber es kommen noch „Denunziantenprämien“ dazu, wenn er viele Fuhrleute anzeigt. Er wird an die Landstraße von Speyer nach Oggersheim versetzt und zieht mit seiner Familie nach Speyer um. Seine Frau erwartet das 8. Kind. Franz Joseph Caspar ist sehr eifrig als Kontrolleur der Fuhrleute, er erhält hohe Prämien, er macht sich unbeliebt. Er wird reingelegt oder wird einmal schwach: er lässt sich bestechen. Seine Frau stirbt „vor Gram“, wie er selbst schreibt, seine Kinder kommen ins Armenhaus in Frankenthal. Er sitzt seit August 1816 im Gefängnis in Speyer. Im März 1817 findet in Zweibrücken vor dem Appellationsgerichtshof sein Verfahren statt. Er wird zu 200 Franken Strafe und einer Stunde Pranger verurteilt. Am Pranger hat er jedoch nicht gestanden. Er erreicht eine Begnadigung, vielleicht mit Hilfe seines Vetters, des ehemaligen Hofgerichtspräsidenten von Köln, Fritz von Mering. Von da an verliert sich unseres Vorfahren Spur. Seine Kinder geben in ihren Urkunden an, dass sie nicht wissen, wo ihr Vater sich aufhält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste Sohn dieses Mannes, Franz Joseph Mering, tritt aus dem Armenhaus ins preußische Heer ein. Er wird Hoboist im 29. Infanterie-Regiment, das in Saarlouis stationiert ist. Dort lernt er eine arme Näherin lothringischer Abstammung kennen, Catherine Henry. Ihr Vater war napoleonischer Offizier. Auch er ist verschollen. Die beiden heiraten 1828, ziehen 1831 mit dem Regiment nach Koblenz, 1842 bekommt Franz Joseph als Abfindung die Stelle eines Grenzaufsehers in Herongen an der neuen Zollgrenze zu den Niederlanden. 1843 wird dort unser Urgroßvater Peter geboren. Catharina stirbt 1855 in Herongen, bevor endlich 1856 Franz Joseph als Steuer-Aufseher nach Koblenz zurückkehren kann. Peter macht dort eine Maurerlehre, bevor er sich zum Stuckateur qualifiziert. Weil seine Frau, die evangelische Glaserstochter Philippine Allendorf darauf besteht, werden seine Kinder alle evangelisch erzogen. Und weil er sich 1893 das Adelspatent vom Königlichen Heroldsamt in Berlin bestätigen lässt, sind wir die einzigen evangelischen von Merings aus diesem Stamm!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Sagas_und_Biografien&amp;diff=43</id>
		<title>Sagas und Biografien</title>
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		<updated>2026-09-22T16:08:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Ehlert-Saga in eigene Seite verschoben&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Wie ordne ich meine Familiengeschichte? ===&lt;br /&gt;
Eine vergnügliche Sache ist das Forschen nach den Vorfahren. Manchmal merke ich, dass ich weiter gar nichts will: wissen, wer sie waren, wo sie lebten und ihr Lebensgefühl nachempfinden, als wären sie ein Stück von mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber manchmal möchte ich über meine Entdeckungen reden. Ich möchte sogar über meine Funde schreiben. Denn Schreiben ist neben Forschen mein zweites großes Vergnügen. Und schon habe ich ein Problem: Wie ordne ich meine Familiengeschichte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Einzelbiographien habe ich angefangen. Die sind verhältnismäßig selbstordnend: von der Geburt bis zum Tod geht ein Leben. Nun ist nur noch zu entscheiden, wie weit die Eltern, wie weit die Kinder mit hineingehören. Das übrige ist Sache des Stils. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile häufen sich die Biographien an. Nun stellt sich heraus, dass sie nicht aneinander passen. Nur selten kann ich über eine Generationenfolge vom Urgroßvater bis zum Urenkel schreiben. Entweder fehlt es an Daten. Oder es wechselt der Gesichtspunkt und damit der Stil. Meine Leser fragen: Wie hängen die Geschichten zusammen? Wann entsteht das Buch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es verfängt wohl nicht, zu erklären, dass ich nie ein Buch schreiben wollte. Dass ich die Familiengeschichte als ein Puzzle ansehe, dessen sehr unterschiedliche Teile ich manchmal  zusammenlege, dann wieder durcheinander werfe, dass höchstens eine Mappe entstehen kann oder eine Homepage. Beide Medien haben den Vorteil, dass man die einzelnen Kapitel nach Lust und Laune auswechseln und miteinander mischen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurzum, ich habe mich nun doch entschlossen, eine Art Gliederung aufzustellen. Sie soll nicht verbindlich sein, aber denjenigen, die Ordnung brauchen, das Gefühl von Ordnung geben. Als Ordnungskriterien habe ich meine acht Urgroßelternstämme erwählt. Sie sind hinreichend voneinander verschieden und trotzdem als meine Vorfahren einer Generation und so ziemlich einer historischen Epoche hinreichend homogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Familiengeschichte ordnet sich also in acht Stämme. Jeder Stamm besteht aus den Vorfahren eines Urgroßvaters oder einer Urgroßmutter. Die vier Urgroßelternpaare haben in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt. Sie lebten alle im Deutschen Reich. Hier sind sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mütterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Martha Laura Ida Ehlert, geb. 9.5.1854 in Königsberg, ev., gest. 7.3.1937 in Berlin&lt;br /&gt;
# Hermann Gustav Behn, ev., geb. 12.7.1852 in Trier, gest. 21.5.1932  in Berlin&lt;br /&gt;
# Emma Saur, geb. 9.12.1850 in Guhrau/Bezirk Breslau, ev., gest. 29.10.1880 in Guhrau&lt;br /&gt;
# Otto Liebert, geb. 25.3.1839 in Lissa/Provinz Posen, ev-ref., gest. 2.1.1897 in Guhrau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Väterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Johanna  Klara Liebscher, geb. am 30.7.1856 in Kobershain, Kreis Torgau, ev., gest. am 1.5.1944 in Köln&lt;br /&gt;
# August Theodor Heinrich Eberhardt, geb. am 2.7.1855 in Arnstadt, ev., gest. am 20.1.1928 in Köln.&lt;br /&gt;
# Friederike Philippine Allendorf, geb. am 9.5.1852 in Koblenz, ev., gest. am  2.12.1926 in Köln-Rodenkirchen&lt;br /&gt;
# Peter Joseph Mering, (Adelspatent 29.5.1893) geb. am 8.1.1843 in Herongen, kath., gest. 10.2.1901 in Köln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familien-Sagas ===&lt;br /&gt;
Demgemäß ordne ich meine Biografien in diese 8 Familien-Sagas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Die Ehlert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Behn-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Saur-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebscher-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Eberhardt-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Allendorf-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Mering-Saga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Stämme sehr verschieden sind, ist ja nur gut. Dadurch bekommt meine Abstammung Farbe. Dass sie sich aber so unterschiedlich stark erforschen lassen, ist sehr bedauerlich. Die einzelnen Sagas können nicht gleich lang sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Behn-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Behns seien „Inselfriesen“ gewesen, die in Ostpreußen angesiedelt wurden. Vom Klang des Namens her ist das möglich. In Lübeck gibt es eine Kaufmannsfamilie Behn. Die Saga der Behns ist besonders versponnen, meine Großmutter Edith Behn hat an ihr gestrickt und die hatte, wie meine Mutter zu sagen pflegte, „eine blühende Phantasie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behns fühlten sich laut meiner Großmutter als Ostpreußen, aber ihr eigener Vater war in Trier geboren und der Großvater in Bromberg. Der von Felix Behn aufgefundene Urgroßvater Kasimir Behn soll am 29. 6. 1758 in Preußisch Friedland Maria Elisabeth Barthel geheiratet haben. Weiter ist über ihn nichts bekannt. Das dazu gehörige Kirchenbuch habe ich noch nicht gefunden, ein Beruf ist nicht angegeben. Ein Sohn aus dieser Ehe, Johann Gottfried Behn, hat um 1797 die Thornerin Anna Sophia Hirschberger geheiratet. Dies Paar ist in Bromberg gut bezeugt. Johann Gottfried war seit 1798 Stadtchirurg in Bromberg, er könnte vorher Feldscher gewesen sein. Sein erster Sohn starb als Kind, aber zwei weitere Söhne wurden erwachsen. Der ältere, Hermann Julius, studierte Medizin und wurde Nachfolger des Vaters, ja sogar Medizinalrat, der jüngere, 1807 geboren, ist unser Vorfahr. Er hieß Adolph Gustav Behn, ging zum Militär und wurde auch dort Arzt, sogar Königlich Preußischer Generalarzt. Er war in verschiedenen Garnisonen tätig: 1845 in Aachen, 1848 in Köln, 1852 in Trier, 1857 in Mainz, später in Posen. So kam es, dass unser Urgroßvater Hermann Behn 1852 in Trier geboren wurde. Sein Vater hatte ein Nervenleiden, vielleicht auch eine schwere Sucht, er starb 1866 in einer privaten Nervenheilanstalt in Brehna bei Halle/Saale. Bald darauf starb auch seine Frau in Potsdam. Die älteste Tochter des Generalarztes, die schöne Anna Behn, kümmerte sich um die Brüder, besonders den jüngsten, der beim Tod der Mutter erst ein Jahr alt war. Anna war mit dem Astronomen Hermann Romberg verheiratet und lebte später mit ihm in St. Petersburg. Das Leben dieses Ehepaares ist ein eigener Roman. Im ersten Weltkrieg sollen die beiden Söhne und die beiden Schwiegersöhne der schönen Anna an vier verschiedenen Fronten gekämpft haben; einer auf deutscher Seite, einer auf russischer, einer im finnischen Heer und einer im französischen. Anna und ihr Mann sind aber nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin gestorben. Meine Mutter hat wenigstens ihre Großtante Anna noch gekannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unserer Mutter Großvater, Hermann Behn, war ein sehr erfolgreicher Pionier-Offizier – er hatte das Glück, ein Offizier im Frieden zu sein und mit dieser Rolle gut zu Recht zu kommen. Er baute wohl meistens an den Fortifikationen des Deutschen Reiches: in Königsberg, Stettin und Thorn, in Köln und Deutz, in Glogau, Neiße und zuletzt in Metz. Es war ihm nicht langweilig, er war gesellig, anscheinend freundschaftsfähig. Das machte ihn beliebt. So kam er nach seiner Pensionierung 1906 als Generalmajor an den „Invalidendank“, eine Organisation zur Unterstützung von alten Soldaten. Bei seiner Reaktivierung im 1. Weltkrieg wurde er ein letztes Mal befördert. Als Generalleutnant schied er schließlich aus, durfte sich Exzellenz nennen lassen. Was er von diesem einzigen Krieg, den er erlebte, gehalten hat, weiß ich nicht. Aber seine Tochter, meine Großmutter Edith Behn, hat immer geglaubt, ihr Vater, ganz wie übrigens auch ihr Mann Paul Liebert, habe stets seine Pflicht getan. Dass und nur das war es, was man von einem Soldaten erwarten durfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Großonkel Felix Behn, der einzige Bruder meiner Großmutter, starb als Offizier im ersten Weltkrieg durch eine Fliegerbombe. Er war ein Familienforscher wie ich, allerdings hauptsächlich mit einem praktischen Ziel: er wäre so gerne adlig gewesen und hoffte immer nachweisen zu können, dass die Behns eigentlich „von Boehns“ sind. Er hatte sich sogar schon einen Siegelring mit dem Wappen der von Boehns machen lassen, den ich noch habe. Die abenteuerliche Behn-Saga, die bei seinen unsystematischen Nachforschungen entstand, hat die von Boehns sehr erbost . Mir nützt sie nichts. Hoffentlich ist wenigstens der Spitzenahn Kasimir Behn echt! Dann wäre das Heiratsdatum  29. 6. 1758 in Preußisch Friedland das älteste Datum der Behnfamilie. Es bedeutet, dass die Behns schon im späteren Westpreußen waren, bevor es 1793 preußisch wurde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von mir durch das Kirchenbuch und das Zunftbuch erforschter Spitzenahn ist der 1685 in der Neustadt von Thorn/Torun  mit einer Anna Wachschlager verheiratete Hans Deutzschmann, ein Rotgerbermeister. Ein anderer Spitzenahn ist Peter Wentzel, der Kupferhammerschmied in Leibitz (Lubicz), Bürger von Thorn seit 1670. Er heiratet 1685 Maria Strewig, eine Fleischerstochter aus Thorn. Die Frauenfamilien Wachschlager (Waxschlager) und Strewig (Streibig) sind schon am Ende des Mittelalters (15. Jht.) in Thorn ansässig gewesen. Aus diesen alten Familien stammt Anna Sophia Hirschberger, die Frau des Kreiswundarztes Behn in Bromberg. Dieser Mutterstamm der Behns in Thorn ist ein echter Handwerkerstamm. Hammer- und Kupferschmiede sowie Rotgerber geben ihm sein Gepräge und das Zunftbuch der Rotgerber in der Thorner Neustadt, die  „Rothgerber Meisterquartale 1626 bis 1855“, gibt der Familiengeschichte spannende Kontur. Doch der Vater von Anna Sophia Hirschberger ist ein Kupferschmied aus Pirna! Und hat dort eine Handwerkerdynastie von Schmieden, Gürtlern und Nadlern hinter sich. Es lässt sich sagen, dass die Frauenstämme der Behnfamilie interessanter sind als die eigentlichen Behns. Aber das liegt vielleicht nur daran, dass wir von den Behns nichts wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Saur-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Saur-Saga ist die kürzeste und traurigste unter unseren acht Familien-Sagen. Sie heißt so nach Emma Saur, der Mutter unseres Großvaters mütterlicherseits. Wenn es schon traurig genug ist, dass diese tüchtige Frau jung starb, vermutlich in einer Erschöpfungsdepression, die mit einem chronischen Lungenleiden einherging, so ist es darüber hinaus betrüblich, dass wir ihrer Abstammung nicht mehr nachforschen können. Wir wissen nur, was mein Großvater Paul Liebert über diese seine leibliche Mutter überlieferte: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Liebert, geb. Saur, Haus- und Geschäftsfrau, geboren am 9.12.1850 in Guhrau, Bezirk Breslau, evangelischer Konfession, gestorben am 29.10.1880 in Guhrau (nach einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt, lungenkrank). Sie hatte am 23.10.1868 ebenfalls in Guhrau Otto Liebert geheiratet, einen Eisenwarenkaufmann, der später Molkereibesitzer in Guhrau war. Emmas Vater Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, war bei ihrer Hochzeit schon verstorben und hatte ihr eine große Erbschaft hinterlassen. Ihre Mutter Amalie Saur, geb. Matthie, geboren am 24.3.1825 in Guhrau, ebenfalls evangelisch, gestorben am 6.1.1886 in Guhrau, hat unser Großvater noch gut gekannt. 1847 sollen Gustav Saur und Amalie Matthie in Guhrau geheiratet haben. Emma hatte noch drei Geschwister, eine ihrer Schwestern heiratete den Bruder ihres Mannes. Dieses Geschwisterpaar Karl und Klara Liebert kümmerte sich nach Emmas frühem Tod um das Geschäft des ganz gebrochenen Witwers. Das überliefert eine Halbschwester unseres Großvaters, die berühmte Tante Meta aus der zweiten Ehe des Otto Liebert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese zweite Ehe Ottos, die nach Krankheit, Tod, Depression und wohl auch Streit wieder Sonne ins Leben der Familie Liebert brachte, diese zweite Ehe mit Julie Sonntag, hat vielleicht die Überlieferung der Saur-Saga ein bisschen verdrängt. Doch reichen auch die andern Familienerzählungen im allgemeinen nicht weiter als bis zu den Großeltern unsrer Großeltern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, der Hauptgrund für die Kürze der Saur-Saga ist die Zerstörung der kleinen Stadt Guhrau am Ende des zweiten Weltkrieges und die Vernichtung der Kirchenbücher und Standesamtsakten. Angeblich wurden die Kirchenbücher vor der Vertreibung der Deutschen in einer Truhe im Keller der evangelischen Kirche versteckt. Aber diese Kirche ließen die neuen polnischen und katholischen Bewohner Góras, wie es nun hieß, verfallen. Zu guter Letzt musste sie abgerissen werden. Der Keller ist verschüttet. Heute ist an der Stelle der Kirche ein leerer Platz mitten in der winzigen Stadt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann ich nach den Vorfahren der Saurs und den dazugehörigen Mutterstämmen nicht suchen. Der Spitzenahn für diesen Stamm ist daher Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, geboren vermutlich um 1820, gestorben schon 1866, vor Emmas Heirat mit meinem Urgroßvater. Das ist eine ungewöhnlich kurze Stammlinie. Nachtragen kann man nur, dass nach der Überlieferung die Vorfahren von Gustav Saur bis zurück zu den Zeiten des alten Fritz stolze reiche Windmüller in Guhrau gewesen sein sollen. Das hat unseres Großvaters Paul Großmutter, die Amalie Saur, geb. Matthie, ihm erzählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Liebert-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Liebert-Saga ist die Geschichte der Herkunft meines Urgroßvaters Otto Liebert. Sie führt nach Großpolen, nach Kobylin bei Lissa oder, wie es heute heißt, Leszno. Der erste Liebertvorfahre heißt Michael und ist Einwohner in Jutroschin. Als er zum ersten Mal erwähnt wird, 1731 bei der Hochzeit seines Sohnes Martin, eines Windmüllers in Kobylin, ist er schon verstorben. Michael Liebert war deutschstämmig und evangelisch-lutherisch. Er gehört in einen Personenkreis, der seit der Gegenreformation nach dem Dreißigjährigen Krieg von Schlesien ins Königreich Polen ausgewichen war. Dieses Großpolen hatte die gleiche Landschaft und das gleiche Klima wie Schlesien. Die Adeligen waren seit der Reformationszeit evangelisch und hatten immer schon Glaubensflüchtlinge bei sich aufgenommen: das Land war geräumig und die Einwanderer sollten es entwickeln helfen. Windmüller wurden gebraucht. Die Lieberts waren oder wurden Windmüller. Sie lebten als Bürger und Handwerker im winzigen Kobylin, zwischen polnischen Adelsgütern und polnischen Bauerndörfern. Sie lebten in diesen Städten zusammen mit Juden, die den Handel übernahmen, und mit polnischen katholischen Handarbeitern und Ackerbürgern. Sicher sprachen die Lieberts auch polnisch, aber in Rathaus, Zunftstube und Kirche wurde Deutsch gesprochen und geschrieben. Deshalb war auch die Schule deutsch. Die Lehrer und Pastoren kamen aus Deutschland und die Gesellen gingen nach Deutschland auf Wanderschaft. Es war ein ehrgeizig angestrengtes, sehr vielseitiges Leben. Drei Generationen Liebert sind Windmüller auf der Stadtmühle in Kobylin, in der vierten werden beide Söhne, Carl Christian und Daniel Benjamin Bäcker.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum die Stadtmühle der Familie Liebert abhanden kam, steht nicht im Kirchenbuch. Die napoleonischen Kriege mögen dabei eine Rolle gespielt haben, aber auch der frühe Tod der Mutter, der erst 23jährigen Christiana Charlotta, geb. Kammer. Der Vater heiratet schnell ein zweites Mal – aber das neugeborene vierte Kind von Charlotta stirbt trotzdem. Die zweite Frau, Susanna, geb. Pflegel, stammt wie Charlotta aus einer Müllerdynastie in Kobylin. Doch auch von ihren Kindern ist später keines Müller auf der Stadtmühle. 1822 stirbt Christian Carl, der letzte Windmüller der Familie Liebert. Der älteste Sohn ist erst 17 Jahre alt. Er kann die Mühle nicht übernehmen. Er und auch sein Bruder, mein Vorfahr Daniel Benjamin, machen eine Bäckerlehre, vielleicht, durch Patenschaften vermittelt, im nahen Lissa. Auf jeden Fall leben und arbeiten beide später dort. In Lissa verheiraten sie sich und ziehen Kinder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daniel Benjamin, lutherisch erzogen, geht 1836 die Ehe ein mit Charlotte Zytowski, einer Nachkommin der Böhmischen Brüder. Die Verbindung ist vielleicht von Anfang an spannungsreich, sie scheint eine sehr energische Frau gewesen zu sein und ihm fehlt vielleicht das freie Leben auf der Windmühle. Dazu kommt der Konfessionsgegensatz und der Schwiegervater Samuel Zytowski, der eine wichtige Rolle in Stadt und Kirchengemeinde innehat. Die Entscheidung bringt das Jahr 1848. Daniel Benjamin Liebert fühlt mit den aufständischen Polen, als Deutscher, als Handwerksmeister und Bürger setzt er auf die Revolution. Das bringt ihn in Gegensatz zu dem streng konservativen und propreußischen Bürgertum in Lissa. Er wird zum Außenseiter. Ob er sich auch strafbar macht, weiß ich nicht. 1854 zieht er die Konsequenz, verlässt seine Frau und seine fünf Kinder und wandert über den Hafen Bremen nach Amerika aus, ohne seine Schulden zu bezahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Urgroßvater Otto Liebert, Daniel Benjamins ältester Sohn, hat also Erfahrung mit Armut. Aber die Mutter gibt sich nicht geschlagen. Nach der Familien-Saga hilft ihr ein Jude mit einem ersten Kredit für die Bäckerei. Otto und seine Brüder besuchen das Gymnasium in Lissa und lernen dann in Marienberg den Eisenhandel. In Guhrau, nicht weit von Lissa, lässt sich Otto mit einem eigenen Geschäft nieder, wozu ihm ein Bruder seiner Mutter das Kapital leiht. Die reiche und tüchtige Müllerstochter Emma Saur wird Ottos Frau und führt selbständig das Geschäft weiter, als Otto 1870/71 im Krieg ist. Emma stirbt 30-jährig, wohl von der vielen Arbeit und fünf Schwangerschaften erschöpft. Otto bricht fast zusammen, sein Bruder muss das Geschäft für ihn leiten. Eine zweite Ehe wird vermittelt und Julie Sonntag aus Patschkau macht Mann und Kinder wieder glücklich: nie wollte unser Großvater Paul dulden, dass man „die böse Stiefmutter“ im Märchen sagte, so dankbar war er ihr. Sein Vater Otto hatte inzwischen die Molkerei in Guhrau übernommen. Er war ein vermögender Mann und konnte seinen ältesten Sohn nach Breslau auf das berühmte Elisabeth-Gymnasium schicken. Anscheinend sah er es gern, dass Paul 1887 die Militärlaufbahn einschlug. So wurde unser schlesischer Großvater, der Windmüllernachkomme, preußischer Offizier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war es meistens im Frieden. Er diente in vielen Garnisonen: in Straßburg, in Metz, in Berlin, in Posen. Er heiratete spät, angeblich, weil er glaubte, er werde nicht alt werden. Mit neununddreißig Jahren entschloss er sich doch noch: die Tochter seines Chefs hatte es ihm angetan. Edith Behn war vierundzwanzig Jahre alt. Die Hochzeit fand am 14. März 1907 in Berlin statt. 1910 wurde unsere Mutter Ruth in Sablon bei Metz geboren. Wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn ihr Vater bis zu ihrer Großjährigkeit im Dienst aufgestiegen wäre, kann man nicht wissen. Es kam der Erste Weltkrieg, die Niederlage, das Ende des Kaiserreichs. Paul Liebert wurde als Mann von  49 Jahren pensioniert. Seine Ansichten wurden erschüttert. Er beschloss, seine älteste Tochter studieren zu lassen und ihr ein eigen bestimmtes Leben zu ermöglichen. Er suchte eine kleine und nicht teure Universitätsstadt. Seine Wahl fiel auf Marburg an der Lahn. Aus ganz ähnlichen Gründen hatte diese Universität ein junger Theologe aus Köln erwählt. Im Sommer 1929 lernten sich Ruth Liebert und Eberhard von Mering beim Lektor für Griechisch Dr. Wysk kennen. Es war nachhaltig. Am 17. August 1937 heirateten die beiden und wurden unsere Eltern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Stammes Liebert ist Michael Liebert, Einwohner in Jutroschin, Vater eines Sohnes Martin um 1700 (1699) und gestorben dort vor 1731. Dieser Sohn Martin ist der erste Windmüller Liebert in Kobylin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Mütterstamms Zitowski ist jünger: der Bildhauer Franz Zittowske in Lissa ist 1777 schon verstorben, als sein einziger Sohn Martin Gottlieb Zytowsky, ebenfalls Bildhauer, sich verheiratet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Liebscher-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Liebscher-Sage ist die Geschichte des Akademiker-Stamms unter meinen Vorfahren – oder bescheidener ausgedrückt: des Lehrer- und Pfarrerstamms. Doch gibt es unter den Verwandten dieser Lehrer und Pfarrer auch Ärzte und Verwaltungsjuristen. Damit hebt sich die Familie Liebscher von sechs der andern Urgroßeltern-Stämme ab: von den Windmüllern Liebert und Saur, von den Kaufleuten und Angestellten Eberhardt und Ehlert und von den Handwerkerstämmen Allendorf und Behn. Ein Arzt kommt bei den Behns im 19. Jahrhundert vor. Die von Merings weisen in unserer Vorfahrenlinie vor unserem Vater nur drei Universitätsabsolventen auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich bleibt auch beim Liebscher-Stamm die Grundlage das Handwerk. Der erste nachweisliche Vorfahr mit diesem Namen ist Sattler aus Hermsdorf/Erzgebirge, Sohn des Joel Liebscher. Er heiratet in Dippoldiswalde bei Dresden die Tochter seines Meisters namens Bercht und zieht mit ihr nach Geising am Erzgebirge. Dort hat er Arbeit genug, denn der Bergbau braucht Schurzleder, Eimer und Riemen. Er bekommt viele Kinder. Seine erste Frau Anna Elisabeth stirbt, er heiratet ein zweites Mal. Die Frau heißt Maria Schelle. Sie gehört wohl zu der Familie in Geising, aus der der Thomaskantor Johann Schelle&amp;lt;ref&amp;gt;Schelle, Johann, get. 6. 9. 1648 Geising (Erzgebirge), gest. 10. 3. 1701 Leipzig; deutscher Komponist und Kantor&amp;lt;/ref&amp;gt;  hervorgeht. Dadurch liegt nahe, dass ein Liebschersohn Kantor und Lehrer werden will. Er wird unser Vorfahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat er die erste Hürde zum Bildungssektor genommen, obwohl auch der Schuldienerberuf damals ein Handwerk ist. Die Frauen der Lehrer Liebscher sind überwiegend Lehrerstöchter. Die zweite Hürde nimmt Benjamin Liebscher 1787, als er eine Pfarrerstochter heiratet und später selber Pfarrer wird. Erst Pfarrer brauchten eine Universitätsbildung. Damit gewinnt unser Stamm über die Mutterlinie der Pfarrerstochter Ramdohr Anschluss an Familien, die schon seit mehreren Generationen Universitätsausbildung genossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechzehn Pfarrer gehören damit zu den Vorfahren unseres Vaters. Und sehr oft ist über die Pfarrerstöchter die nächste Generation zum Beruf gekommen. Neben dem Streben nach Bildung fällt am Liebscherstamm eine ausgesprochene Neigung zu Ehe und Familie auf. Die Liebschers bejahten im Glauben die Lebensordnung. Sie hatten oft zahlreiche und gesunde Kinder. Auch Langlebigkeit gibt es häufig in diesem Stamm. Weil sie zu den Honoratioren gehörten, als Pfarrer sogar selbst Einfluss auf das Kirchenbuch nehmen konnten, lassen sich die Liebschers gut erforschen. Das liegt natürlich auch an der idealen Quellenlage in Mitteldeutschland. Sehr viele Kirchenbücher sind erhalten, Stadt- und Kirchenarchive sind zugänglich und sie reichen im Land der Reformation weit zurück. Als Folge davon ist die Liste der Familiennamen am längsten von allen meinen Stämmen. Und manche dieser Namen sind schon von anderen Genealogen erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitzenahnen meiner Urgroßmutter Johanna Liebscher sind &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hans Francke, Schuster in Leipzig um 1530, geboren in Nürnberg um 1510&lt;br /&gt;
* Johann Schütz, (ca. 1519 – 1581), Pfarrer in Großottersleben und Riestedt&lt;br /&gt;
* Johannes Krause, Hofprediger beim Grafen Hans von Mansfeld in Rothenburg a.d. Saale, gest. 1558&lt;br /&gt;
* Magister Thomas Kuntzsch, Rektor in Eilenburg um 1560&lt;br /&gt;
* Magister Johannes Stam, Pfarrer an St. Annen in der Neustadt Eisleben um 1570&lt;br /&gt;
* Matthes Reichelt, Windenmacher im Prüll von Leipzig um 1575&lt;br /&gt;
* Georg Eichhorn, Hochgräflich-Mansfeldischer Rentmeister um 1590    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Eberhardt-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Eberhardts stammen aus dem Thüringer Wald. Natürlich sind sie evangelisch-lutherisch. Die erste Eheschließung, die ich nachweisen kann, hat 1692 in Großbreitenbach stattgefunden. Da heiratet ein Fenstermacher Eberhardt die Tochter eines Fenstermachers Eberhardt – das wird wohl seine Kusine gewesen sein. Das Handwerk der Fenstermacher umfasste „im Osten“ das, was im Westen Deutschlands zwei Gewerke, die Tischler und die Glaser, leisteten. Die Fenstermacher fertigten nicht nur den Holzrahmen, sondern setzten auch das Glas ein. Glas wurde im Thüringer Wald schon seit dem Mittelalter hergestellt. Und Holz gab es reichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Vorfahr Wolffgang Nicol Eberhardt, 1736 in die große Sippe Eberhardt hineingeboren, will etwas Besonderes sein, er ist „der Kunst ergeben“. So wird er weder Fenstermacher noch Handelsmann wie seine Verwandten, sondern zu guter Letzt Lehrer in Altenfeld. Reich wird er nicht, stirbt auch früh, so dass sein Sohn Nicol Wolffgang Eberhardt, unser nächster Vorfahr, keine Ausbildung bekommt. Er wird Handarbeiter, später Kastenknecht, d. h. Küster in Arnstadt etwa um 1800. Auch dessen Sohn Johann Adam Heinrich bleibt in diesem Amt: Gartenarbeiter und Kastenknecht um 1830. Arnstadt ist damals eine wachsende Stadt. Auch die Familie Weisheit, Nachkommen von Kleinbauern und Fuhrleuten im Thüringer Wald, kommt nach Arnstadt. Sie hat einen weit zurückreichenden Stammbaum von Fuhrleuten mit Namen Weisheit in Struth bei Schmalkalden. In Struth heißt heute noch jeder dritte Weisheit, erzählte mir eine freundliche Einwohnerin. Aber der Johann Otto Weisheit, der nach Arnstadt kommt, ist Brandweinbrenner. Er hat die Ehe geschlossen mit Magdalene Bücking, der Nachkommin eines schwarzburgischen gelernten Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Lehrers Urenkel, Ernst August Christian Eberhardt, kann sich wieder eine Lehrzeit leisten: er wird Zeugschmiedemeister in Arnstadt. Seinen Kindern bringt es kein Glück: der junge Meister stirbt 1857 mit 25 Jahren „an Krämpfen“, die Mutter Johanna Friederike Weisheit muss als Waschfrau Sohn und Tochter aufziehen. Unseres Urgroßvaters Heinrich Eberhardt Kindheit ist ebenso von Armut geprägt wie die von unserm Urgroßvater Peter Mering. Aber während Peter ein Handwerk lernt, geht Heinrich zur Eisenbahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der unermesslichen Menge an Literatur über die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland gibt es fast nichts über die Ausbildung der Menschen, die bei der Bahn eingestellt wurden – mit Ausnahme der Lokomotivführer. Unser Urgroßvater aber war kein Lokomotivführer, er hatte eine Art Buchhalterstelle bei der Bahn. Rechnen und schreiben muss er gut gekonnt haben. Das Rechnungswesen der stetig sich entwickelnden Reichsbahn wurde von Hand registriert. In riesigen Büros saßen die Beamten. Heinrich kam schnell voran. Mit 25 Jahren konnte er die Pastorentochter Johanna Liebscher aus Oberröblingen am See heiraten und mit ihr nach Deutz ziehen. So kamen die Eberhardts an den Rhein. Natürlich suchten sie eine evangelische Kirche und fanden sie in der neu aufstrebenden Stadt Ehrenfeld. Clara Eberhardt, die älteste Tochter von Johanna und Heinrich, lernte im Kirchenchor den jungen Bildhauer Carl von Mering kennen. So wurde Clara unsere Großmutter von Mering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Allendorf-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Allendorf–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Friederike Philippine von Mering, geb. Allendorf. Ihr Vater Karl Allendorf war zwischen 1840 und 1873 Glaser in Koblenz. Er stammte aus einer Handwerkerfamilie in Artern am Kyffhäuser. Ihre Mutter hieß Philippine Zimmermann und stammte aus einer evangelischen Handwerkerfamilie in Bacharach am Rhein. Sowohl Artern als auch Bacharach und Koblenz waren 1815 preußisch geworden. Die beiden waren also Bürger Preußens, aber ziemlich sicher hat Karl sich mehr als Sachse und Philippine sich mehr als Rheinländerin gefühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allendorfs in Artern waren hauptsächlich Glaser-, Bäcker- und Gerbermeister. Die Glaser hießen außer Allendorf überwiegend Jahn, die Meyers waren eine Bäckerfamilie, die Zeises oder Zieses sowie die Gänsehals waren Gerber. Die Allendorfs stammten eigentlich aus Apolda. Der Spitzenahn mit dem Namen Allendorf ist Andreas Allendorf, Glaser um 1747 in Apolda, gestorben vor 1779, doch können auch der Gerber Adolph Gänsehals, der Bäcker Johann Jacob Meyer und die Anspänner Anton Leucht und Johann Christoph Ziese um 1747 als Spitzenahnen benannt werden. Das Kirchenbuch von Artern ist noch nicht ausgeschöpft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handwerkermeister in Bacharach waren hauptsächlich Schlosser. Da die evangelische Diaspora eng war, kamen die Schwiegersöhne der Schlosser als wandernde Gesellen aus Hessen und Franken an den Rhein und in die Familie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn mit dem Namen Zimmermanns ist Tobias Zimmermann aus Rathsweiler, der aber kein Schlosser, sondern um 1780 ein Bäcker war in Zweibrücken. Doch der absolute Spitzenahn unter Philippines Vorfahren ist Philipp Kümpel, Bürger und Schiffsmann in Kaub, gestorben vor 1747. Er ist nicht nur im Kirchenbuch, sondern auch in den Rechnungen des Zolldirektors von Andernach Johann Friedrich von Mering bezeugt. Wie mehrmals in meiner Familiengeschichte sind sich also – diesmal am Rheinzoll in Andernach – zwei Vorfahren schon einmal begegnet, bis endlich auf großen Umwegen ihre Nachfahren ein Ehepaar wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philippine Allendorfs Handwerkervorfahren machen nach den Kirchenbucheinträgen einen sehr soliden Eindruck. Ich denke, diesen Eindruck hat auch sie selbst auf Peter von Mering gemacht. Peter hatte Grund, sich nach Solidität und Verlässlichkeit zu sehnen. Die Wirbel, die sein abenteuernder Großvater verursacht hatte, waren noch im Familien-Gedächtnis. Dass Philippine darauf bestand, in der evangelischen Konfession ihrer Eltern getraut zu werden und ihre Kinder zu erziehen, erschien ihm vielleicht als Bestätigung ihrer Verlässlichkeit. So willigte er ein. Dank Philippine Allendorfs Ernst und Konsequenz sind wir die einzigen evangelischen von Merings, die es gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Mering-Saga ===&lt;br /&gt;
So gut wie andere Familien sind die Merings allemale. Es ist der Name meines namengebenden Urgroßvaters Peter von Mering. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der früheste Mering, mit dem wir verwandt sind, stammte aus Coesfeld. Es gibt bis heute einen Hof Mehring bei Flamersheim im Kreis Coesfeld, der seit dem 12. Jahrhundert ein Meierhof des Klosters St. Mauritius in Münster war. In Coesfeld ist im 15. und 16. Jahrhundert der Familienname Merinck unter den Bürgern sehr häufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hynrich Merinck aus Coesfeld erwarb 1553 in Köln das Bürgerrecht. Natürlich war er Katholik  als Bürger einer katholischen Stadt. Nach seinem Testament von 1579 war er zuerst mit Catharina Lindlar verheiratet, der Witwe von Herman Mueträtzer oder Muetroyde. Herman Muetroyde war Kaufmann in Köln gewesen, Hynrich Merinck vermutlich sein Prokurist oder Kompagnon. Catharina war älter als Hynrich. Sie hatte schon vier halberwachsene Kinder, die Hynrich aufziehen half. Erst als Catharina starb, konnte Hynrich eine junge Frau, Christina von Monheim, heiraten, mit der er mindestens vier eigene Kinder erzielte. 1579, als er, schwer krank, sein Testament schrieb, waren diese Kinder noch klein. Hynrich aber besaß ein großes Vermögen und wollte vor Zeugen klar stellen, dass er seine Stiefkinder schon abgefunden hatte und dass sein jetziger Wohlstand allein seinen leiblichen Kindern zugute kommen sollte. Christina sollte seine Testamentsverwalterin und die Erzieherin der Kinder sein. Nach den Kölner Genealogen wurde Hynrich wieder gesund und lebte noch bis 1587. Dann starb er und kurz darauf auch Christina.  Die Waisen Merinck wurden von Vormündern großgezogen, unser nächster Vorfahr hieß wieder Hynrich und wurde wieder Kaufmann in Köln, zuerst imViertel St. Martin, dann bei St. Columba. Seine 13 Kinder von zwei Ehefrauen sind zwischen 1600 und 1631 in Köln getauft. Ein Sohn, 1620 geboren, ist der erste Domherr der Familie, Henrich Mering. Sein jüngerer Bruder, unser nächster Vorfahr, wurde Arzt, Professor für Medizin an der Kölner Universität zwischen 1662 und 1687. Dieses Professors Sohn aus erster Ehe, geboren 1667, ist der zweite Domherr der Familie, Heinrich von Mering. Ein Sohn aus zweiter Ehe, geboren 1685, ist unser nächster Vorfahr.  Er heißt Johann Friedrich von Mering, ist zuerst Hauptmann im kaiserlichen Heer, dann kurkölnischer Rheinzöllner in Andernach. Johann Friedrich hatte von seiner Frau Maria Gertrude Rübsam drei Söhne. Der älteste und der jüngste verheirateten sich in Andernach. Der älteste ist der Vorfahr der von Merings in Amerika geworden, der Stamm des jüngsten starb aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mittlere, geboren 1733, unser Vorfahr Franz Caspar von Mering, wurde wie sein Vater kaiserlicher Soldat. Er kämpfte als Offizier der Kaiserin Elisabeth 1761 bei Torgau gegen Friedrich den Großen. Aber Franz Caspar hatte kein Glück. Vielleicht wurde er schwer verletzt und kränkelte dann, vielleicht war er nicht tüchtig. Er brachte es nur bis zum Oberleutnant, erhielt früh seinen Abschied. Und er heiratete offenbar unterhalb des Rahmens seiner Brüder. Die Verbindung zu ihnen scheint abgerissen. Er starb schon 1779 in Mainz. Sein Sohn, unser Vorfahr Franz Joseph Caspar, wurde schon mit fünfzehn Jahren Vollwaise und war offenbar ohne Vermögen. Für ein armes adliges Kind waren die Zeiten schlecht. Mainz gehörte seit 1797 zur revolutionären Republik Frankreich. Vermutlich floh Franz Joseph Caspar und wurde so jung wie möglich Soldat, angeblich bei den preußischen Husaren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leben verlief abenteuerlich. 1799 ist er in der Pfalz und heiratet vor dem republikanischen Zivilbeamten in Kirchheimbolanden eine Pächterstochter lutherischer Konfession, Anna Maria Ziemer.  Franz Joseph Caspar ist der „Bürger Mering“. Das ist die erste standesamtlich geschlossene Ehe in unserer Familie und von den frommen Verwandten nie als solche anerkannt. Mit Anna Maria betreibt Franz Joseph Caspar eine Kneipe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Geburt des ersten Kindes zieht das Paar nach Dänemark, wo es sechs weitere Kinder in der katholischen Kirche der Österreichischen Gesandtschaft taufen lässt. 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, müssen alle Ausländer sofort Dänemark verlassen. Die Merings kehren zurück nach Mainz. Das Land am Rhein steht unter bayrischer Verwaltung. Arbeitslosigkeit und Hunger herrschen. 1815 findet der arme Familienvater Arbeit  als „Chaussee-Bereiter“, als berittener Verkehrspolizist. 100 Franken im Monat sind nicht viel, aber es kommen noch „Denunziantenprämien“ dazu, wenn er viele Fuhrleute anzeigt. Er wird an die Landstraße von Speyer nach Oggersheim versetzt und zieht mit seiner Familie nach Speyer um. Seine Frau erwartet das 8. Kind. Franz Joseph Caspar ist sehr eifrig als Kontrolleur der Fuhrleute, er erhält hohe Prämien, er macht sich unbeliebt. Er wird reingelegt oder wird einmal schwach: er lässt sich bestechen. Seine Frau stirbt „vor Gram“, wie er selbst schreibt, seine Kinder kommen ins Armenhaus in Frankenthal. Er sitzt seit August 1816 im Gefängnis in Speyer. Im März 1817 findet in Zweibrücken vor dem Appellationsgerichtshof sein Verfahren statt. Er wird zu 200 Franken Strafe und einer Stunde Pranger verurteilt. Am Pranger hat er jedoch nicht gestanden. Er erreicht eine Begnadigung, vielleicht mit Hilfe seines Vetters, des ehemaligen Hofgerichtspräsidenten von Köln, Fritz von Mering. Von da an verliert sich unseres Vorfahren Spur. Seine Kinder geben in ihren Urkunden an, dass sie nicht wissen, wo ihr Vater sich aufhält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste Sohn dieses Mannes, Franz Joseph Mering, tritt aus dem Armenhaus ins preußische Heer ein. Er wird Hoboist im 29. Infanterie-Regiment, das in Saarlouis stationiert ist. Dort lernt er eine arme Näherin lothringischer Abstammung kennen, Catherine Henry. Ihr Vater war napoleonischer Offizier. Auch er ist verschollen. Die beiden heiraten 1828, ziehen 1831 mit dem Regiment nach Koblenz, 1842 bekommt Franz Joseph als Abfindung die Stelle eines Grenzaufsehers in Herongen an der neuen Zollgrenze zu den Niederlanden. 1843 wird dort unser Urgroßvater Peter geboren. Catharina stirbt 1855 in Herongen, bevor endlich 1856 Franz Joseph als Steuer-Aufseher nach Koblenz zurückkehren kann. Peter macht dort eine Maurerlehre, bevor er sich zum Stuckateur qualifiziert. Weil seine Frau, die evangelische Glaserstochter Philippine Allendorf darauf besteht, werden seine Kinder alle evangelisch erzogen. Und weil er sich 1893 das Adelspatent vom Königlichen Heroldsamt in Berlin bestätigen lässt, sind wir die einzigen evangelischen von Merings aus diesem Stamm!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Sagas_der_Herkunftsfamilien&amp;diff=42</id>
		<title>Sagas der Herkunftsfamilien</title>
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		<updated>2026-09-22T16:07:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Jens verschob die Seite Sagas der Herkunftsfamilien nach Sagas und Biografien: Umorganisation&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Sagas und Biografien]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Sagas und Biografien</title>
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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Wie ordne ich meine Familiengeschichte? ===&lt;br /&gt;
Eine vergnügliche Sache ist das Forschen nach den Vorfahren. Manchmal merke ich, dass ich weiter gar nichts will: wissen, wer sie waren, wo sie lebten und ihr Lebensgefühl nachempfinden, als wären sie ein Stück von mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber manchmal möchte ich über meine Entdeckungen reden. Ich möchte sogar über meine Funde schreiben. Denn Schreiben ist neben Forschen mein zweites großes Vergnügen. Und schon habe ich ein Problem: Wie ordne ich meine Familiengeschichte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Einzelbiographien habe ich angefangen. Die sind verhältnismäßig selbstordnend: von der Geburt bis zum Tod geht ein Leben. Nun ist nur noch zu entscheiden, wie weit die Eltern, wie weit die Kinder mit hineingehören. Das übrige ist Sache des Stils. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile häufen sich die Biographien an. Nun stellt sich heraus, dass sie nicht aneinander passen. Nur selten kann ich über eine Generationenfolge vom Urgroßvater bis zum Urenkel schreiben. Entweder fehlt es an Daten. Oder es wechselt der Gesichtspunkt und damit der Stil. Meine Leser fragen: Wie hängen die Geschichten zusammen? Wann entsteht das Buch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es verfängt wohl nicht, zu erklären, dass ich nie ein Buch schreiben wollte. Dass ich die Familiengeschichte als ein Puzzle ansehe, dessen sehr unterschiedliche Teile ich manchmal  zusammenlege, dann wieder durcheinander werfe, dass höchstens eine Mappe entstehen kann oder eine Homepage. Beide Medien haben den Vorteil, dass man die einzelnen Kapitel nach Lust und Laune auswechseln und miteinander mischen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurzum, ich habe mich nun doch entschlossen, eine Art Gliederung aufzustellen. Sie soll nicht verbindlich sein, aber denjenigen, die Ordnung brauchen, das Gefühl von Ordnung geben. Als Ordnungskriterien habe ich meine acht Urgroßelternstämme erwählt. Sie sind hinreichend voneinander verschieden und trotzdem als meine Vorfahren einer Generation und so ziemlich einer historischen Epoche hinreichend homogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Familiengeschichte ordnet sich also in acht Stämme. Jeder Stamm besteht aus den Vorfahren eines Urgroßvaters oder einer Urgroßmutter. Die vier Urgroßelternpaare haben in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt. Sie lebten alle im Deutschen Reich. Hier sind sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mütterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Martha Laura Ida Ehlert, geb. 9.5.1854 in Königsberg, ev., gest. 7.3.1937 in Berlin&lt;br /&gt;
# Hermann Gustav Behn, ev., geb. 12.7.1852 in Trier, gest. 21.5.1932  in Berlin&lt;br /&gt;
# Emma Saur, geb. 9.12.1850 in Guhrau/Bezirk Breslau, ev., gest. 29.10.1880 in Guhrau&lt;br /&gt;
# Otto Liebert, geb. 25.3.1839 in Lissa/Provinz Posen, ev-ref., gest. 2.1.1897 in Guhrau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Väterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Johanna  Klara Liebscher, geb. am 30.7.1856 in Kobershain, Kreis Torgau, ev., gest. am 1.5.1944 in Köln&lt;br /&gt;
# August Theodor Heinrich Eberhardt, geb. am 2.7.1855 in Arnstadt, ev., gest. am 20.1.1928 in Köln.&lt;br /&gt;
# Friederike Philippine Allendorf, geb. am 9.5.1852 in Koblenz, ev., gest. am  2.12.1926 in Köln-Rodenkirchen&lt;br /&gt;
# Peter Joseph Mering, (Adelspatent 29.5.1893) geb. am 8.1.1843 in Herongen, kath., gest. 10.2.1901 in Köln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familien-Sagas ===&lt;br /&gt;
Demgemäß ordne ich meine Biografien in diese 8 Familien-Sagas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Die Ehlert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Behn-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Saur-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebscher-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Eberhardt-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Allendorf-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Mering-Saga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Stämme sehr verschieden sind, ist ja nur gut. Dadurch bekommt meine Abstammung Farbe. Dass sie sich aber so unterschiedlich stark erforschen lassen, ist sehr bedauerlich. Die einzelnen Sagas können nicht gleich lang sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Ehlert-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Ehlert–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Kaufmannstochter und Offiziersfrau Martha Ehlert, verheiratete Behn. Es ist die Saga von Leuten ohne Berufstradition, ohne Ortstradition. Die Ehlerts, ihre Verwandten und Nachkommen waren anscheinend Menschen, die eine sich bietende Gelegenheit zu ergreifen wussten – es scheint mir aber auch, dass sie jede sich bietende Gelegenheit ergreifen mussten, weil sie selten eine sichere Ausbildung erhielten. Ehlert soll in Ostpreußen ein sehr häufiger Name sein. Meine Ehlerts sind anscheinend nach der zweiten Polnischen Teilung erst nach Westpreußen eingewandert, möglicherweise als preußische Soldaten oder kleine Händler. Es hat etwas Verwunderliches, dass ausgerechnet Martha Ehlert, die Nachkommin dieser bescheidenen Familien, die reichste meiner vier Urgroßmütter gewesen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel weiß ich nicht über diesen Stamm. Der Spitzenahn ist Joseph Ehlert, geboren etwa um 1780, wahrscheinlich in Pommern oder Brandenburg. Nach seinem Beruf, Stadt-Chirurgus in Rastenburg/Ostpreußen von 1808 bis 1819, vermute ich, dass er als junger Mann Feldscher im preußischen Heer gewesen ist. Schon vor 1808 hat er sich an unbekanntem Ort mit Marie Reimann verheiratet. In Rastenburg lässt das junge Paar mehrere Kinder taufen. Nach dem Tod von Marie heiratet Joseph 1813 die junge Dorothea Amalie Eggert, eine Gutsbesitzerstochter. So ist es jedenfalls überliefert, aber ich habe ihre Eltern nicht finden können, weil der Traueintrag im Kirchenbuch fehlt. Von ihr hat er drei lebende Kinder, eins davon ist unser Ururgroßvater Otto Konrad Ehlert, der Getreidekaufmann in Königsberg, geboren am 28. 1. 1819 in Rastenburg, gestorben am 14. 9. 1888 in Königsberg. Des Getreidekaufmanns Frau wurde Helene Ottilie Guthzeit, eine Offizierstochter, deren Vater in Königsberg lebte als „Particulier“. Sie soll am 19. 12. 1833 in Bialutten, Krs. Sensburg geboren sein. Ihre Mutter soll Johanna Krause geheißen haben und die zweite Frau des Karl Guthzeit gewesen sein, der in erster Ehe, man höre und staune! geschieden war. Auch die Mutterstämme der Ehlerts reichen nicht weit. Aber das kann auch daran liegen, dass die Kirchenbücher von Ostpreußen nur mühsam gerettet wurden und oft lückenhaft sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Guthzeit wurde immerhin zweiundsiebzig Jahre alt. Seine Tochter Helene Ottilie, die den reichen Getreidekaufmann geheiratet hatte, wurde zweiundachtzig Jahre alt. Das schwere Unglück, dass ihr Mann 1887 Konkurs anmelden musste und sich 1888 im Gefängnis das Leben nahm, hat sie wohl hauptsächlich durch die Treue ihrer älteren Schwester überlebt. Diese Schwester Laura Guthzeit hatte, ebenfalls in Königsberg, den jungen Ludwig Friedländer geheiratet. Er war Jude. Um 1880 war er ein bekannter Professor für Kunstgeschichte an der Universität Freiburg/Br. Zusammen mit ihrer hässlichen, aber klugen und tüchtigen Tochter Klara Ehlert zog Helene in die Nähe von Schwester und Schwager. Dort konnten die beiden Frauen als Erzieherinnen von Mädchen eine kleine „Pension“ aufmachen. Helene wies in die Feinheiten des bürgerlichen Haushalts ein, Klara unterrichtete. Klaras Vetter Paul Friedländer wurde Professor für Chemie und die Kusine Charlotte Friedländer heiratete Georg Dehio, der ein noch bekannterer Kunstgeschichtler wurde als ihr Vater. Nur beim jüngsten Kind Friedländer kam die Neigung zu Leichtsinn, die dem Guthzeit-Stamm anhaftet, wieder zum Tragen: Konrad Friedländer brannte mit einem Londoner Ladenmädchen durch! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Nachkommen der Ehlerts erzählte meine Großmutter mit Kopfschütteln: in ihren Augen waren die meisten „verkrachte Existenzen“. Wie weit das daran lag, dass Großmutter ihre Mutter nicht leiden konnte, den Vater dagegen liebte, weiß ich nicht. Die schönen alten Haushaltsgegenstände, die ich geerbt habe, stammen jedenfalls sämtlich aus der Mitgift meiner Urgroßmutter Martha Behn. Und diese Mitgift hat schließlich der Getreidekaufmann Otto Ehlert in Königsberg verdient und ihr 1880 mit in die Ehe gegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Behn-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Behns seien „Inselfriesen“ gewesen, die in Ostpreußen angesiedelt wurden. Vom Klang des Namens her ist das möglich. In Lübeck gibt es eine Kaufmannsfamilie Behn. Die Saga der Behns ist besonders versponnen, meine Großmutter Edith Behn hat an ihr gestrickt und die hatte, wie meine Mutter zu sagen pflegte, „eine blühende Phantasie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behns fühlten sich laut meiner Großmutter als Ostpreußen, aber ihr eigener Vater war in Trier geboren und der Großvater in Bromberg. Der von Felix Behn aufgefundene Urgroßvater Kasimir Behn soll am 29. 6. 1758 in Preußisch Friedland Maria Elisabeth Barthel geheiratet haben. Weiter ist über ihn nichts bekannt. Das dazu gehörige Kirchenbuch habe ich noch nicht gefunden, ein Beruf ist nicht angegeben. Ein Sohn aus dieser Ehe, Johann Gottfried Behn, hat um 1797 die Thornerin Anna Sophia Hirschberger geheiratet. Dies Paar ist in Bromberg gut bezeugt. Johann Gottfried war seit 1798 Stadtchirurg in Bromberg, er könnte vorher Feldscher gewesen sein. Sein erster Sohn starb als Kind, aber zwei weitere Söhne wurden erwachsen. Der ältere, Hermann Julius, studierte Medizin und wurde Nachfolger des Vaters, ja sogar Medizinalrat, der jüngere, 1807 geboren, ist unser Vorfahr. Er hieß Adolph Gustav Behn, ging zum Militär und wurde auch dort Arzt, sogar Königlich Preußischer Generalarzt. Er war in verschiedenen Garnisonen tätig: 1845 in Aachen, 1848 in Köln, 1852 in Trier, 1857 in Mainz, später in Posen. So kam es, dass unser Urgroßvater Hermann Behn 1852 in Trier geboren wurde. Sein Vater hatte ein Nervenleiden, vielleicht auch eine schwere Sucht, er starb 1866 in einer privaten Nervenheilanstalt in Brehna bei Halle/Saale. Bald darauf starb auch seine Frau in Potsdam. Die älteste Tochter des Generalarztes, die schöne Anna Behn, kümmerte sich um die Brüder, besonders den jüngsten, der beim Tod der Mutter erst ein Jahr alt war. Anna war mit dem Astronomen Hermann Romberg verheiratet und lebte später mit ihm in St. Petersburg. Das Leben dieses Ehepaares ist ein eigener Roman. Im ersten Weltkrieg sollen die beiden Söhne und die beiden Schwiegersöhne der schönen Anna an vier verschiedenen Fronten gekämpft haben; einer auf deutscher Seite, einer auf russischer, einer im finnischen Heer und einer im französischen. Anna und ihr Mann sind aber nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin gestorben. Meine Mutter hat wenigstens ihre Großtante Anna noch gekannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unserer Mutter Großvater, Hermann Behn, war ein sehr erfolgreicher Pionier-Offizier – er hatte das Glück, ein Offizier im Frieden zu sein und mit dieser Rolle gut zu Recht zu kommen. Er baute wohl meistens an den Fortifikationen des Deutschen Reiches: in Königsberg, Stettin und Thorn, in Köln und Deutz, in Glogau, Neiße und zuletzt in Metz. Es war ihm nicht langweilig, er war gesellig, anscheinend freundschaftsfähig. Das machte ihn beliebt. So kam er nach seiner Pensionierung 1906 als Generalmajor an den „Invalidendank“, eine Organisation zur Unterstützung von alten Soldaten. Bei seiner Reaktivierung im 1. Weltkrieg wurde er ein letztes Mal befördert. Als Generalleutnant schied er schließlich aus, durfte sich Exzellenz nennen lassen. Was er von diesem einzigen Krieg, den er erlebte, gehalten hat, weiß ich nicht. Aber seine Tochter, meine Großmutter Edith Behn, hat immer geglaubt, ihr Vater, ganz wie übrigens auch ihr Mann Paul Liebert, habe stets seine Pflicht getan. Dass und nur das war es, was man von einem Soldaten erwarten durfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Großonkel Felix Behn, der einzige Bruder meiner Großmutter, starb als Offizier im ersten Weltkrieg durch eine Fliegerbombe. Er war ein Familienforscher wie ich, allerdings hauptsächlich mit einem praktischen Ziel: er wäre so gerne adlig gewesen und hoffte immer nachweisen zu können, dass die Behns eigentlich „von Boehns“ sind. Er hatte sich sogar schon einen Siegelring mit dem Wappen der von Boehns machen lassen, den ich noch habe. Die abenteuerliche Behn-Saga, die bei seinen unsystematischen Nachforschungen entstand, hat die von Boehns sehr erbost . Mir nützt sie nichts. Hoffentlich ist wenigstens der Spitzenahn Kasimir Behn echt! Dann wäre das Heiratsdatum  29. 6. 1758 in Preußisch Friedland das älteste Datum der Behnfamilie. Es bedeutet, dass die Behns schon im späteren Westpreußen waren, bevor es 1793 preußisch wurde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von mir durch das Kirchenbuch und das Zunftbuch erforschter Spitzenahn ist der 1685 in der Neustadt von Thorn/Torun  mit einer Anna Wachschlager verheiratete Hans Deutzschmann, ein Rotgerbermeister. Ein anderer Spitzenahn ist Peter Wentzel, der Kupferhammerschmied in Leibitz (Lubicz), Bürger von Thorn seit 1670. Er heiratet 1685 Maria Strewig, eine Fleischerstochter aus Thorn. Die Frauenfamilien Wachschlager (Waxschlager) und Strewig (Streibig) sind schon am Ende des Mittelalters (15. Jht.) in Thorn ansässig gewesen. Aus diesen alten Familien stammt Anna Sophia Hirschberger, die Frau des Kreiswundarztes Behn in Bromberg. Dieser Mutterstamm der Behns in Thorn ist ein echter Handwerkerstamm. Hammer- und Kupferschmiede sowie Rotgerber geben ihm sein Gepräge und das Zunftbuch der Rotgerber in der Thorner Neustadt, die  „Rothgerber Meisterquartale 1626 bis 1855“, gibt der Familiengeschichte spannende Kontur. Doch der Vater von Anna Sophia Hirschberger ist ein Kupferschmied aus Pirna! Und hat dort eine Handwerkerdynastie von Schmieden, Gürtlern und Nadlern hinter sich. Es lässt sich sagen, dass die Frauenstämme der Behnfamilie interessanter sind als die eigentlichen Behns. Aber das liegt vielleicht nur daran, dass wir von den Behns nichts wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Saur-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Saur-Saga ist die kürzeste und traurigste unter unseren acht Familien-Sagen. Sie heißt so nach Emma Saur, der Mutter unseres Großvaters mütterlicherseits. Wenn es schon traurig genug ist, dass diese tüchtige Frau jung starb, vermutlich in einer Erschöpfungsdepression, die mit einem chronischen Lungenleiden einherging, so ist es darüber hinaus betrüblich, dass wir ihrer Abstammung nicht mehr nachforschen können. Wir wissen nur, was mein Großvater Paul Liebert über diese seine leibliche Mutter überlieferte: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Liebert, geb. Saur, Haus- und Geschäftsfrau, geboren am 9.12.1850 in Guhrau, Bezirk Breslau, evangelischer Konfession, gestorben am 29.10.1880 in Guhrau (nach einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt, lungenkrank). Sie hatte am 23.10.1868 ebenfalls in Guhrau Otto Liebert geheiratet, einen Eisenwarenkaufmann, der später Molkereibesitzer in Guhrau war. Emmas Vater Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, war bei ihrer Hochzeit schon verstorben und hatte ihr eine große Erbschaft hinterlassen. Ihre Mutter Amalie Saur, geb. Matthie, geboren am 24.3.1825 in Guhrau, ebenfalls evangelisch, gestorben am 6.1.1886 in Guhrau, hat unser Großvater noch gut gekannt. 1847 sollen Gustav Saur und Amalie Matthie in Guhrau geheiratet haben. Emma hatte noch drei Geschwister, eine ihrer Schwestern heiratete den Bruder ihres Mannes. Dieses Geschwisterpaar Karl und Klara Liebert kümmerte sich nach Emmas frühem Tod um das Geschäft des ganz gebrochenen Witwers. Das überliefert eine Halbschwester unseres Großvaters, die berühmte Tante Meta aus der zweiten Ehe des Otto Liebert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese zweite Ehe Ottos, die nach Krankheit, Tod, Depression und wohl auch Streit wieder Sonne ins Leben der Familie Liebert brachte, diese zweite Ehe mit Julie Sonntag, hat vielleicht die Überlieferung der Saur-Saga ein bisschen verdrängt. Doch reichen auch die andern Familienerzählungen im allgemeinen nicht weiter als bis zu den Großeltern unsrer Großeltern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, der Hauptgrund für die Kürze der Saur-Saga ist die Zerstörung der kleinen Stadt Guhrau am Ende des zweiten Weltkrieges und die Vernichtung der Kirchenbücher und Standesamtsakten. Angeblich wurden die Kirchenbücher vor der Vertreibung der Deutschen in einer Truhe im Keller der evangelischen Kirche versteckt. Aber diese Kirche ließen die neuen polnischen und katholischen Bewohner Góras, wie es nun hieß, verfallen. Zu guter Letzt musste sie abgerissen werden. Der Keller ist verschüttet. Heute ist an der Stelle der Kirche ein leerer Platz mitten in der winzigen Stadt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann ich nach den Vorfahren der Saurs und den dazugehörigen Mutterstämmen nicht suchen. Der Spitzenahn für diesen Stamm ist daher Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, geboren vermutlich um 1820, gestorben schon 1866, vor Emmas Heirat mit meinem Urgroßvater. Das ist eine ungewöhnlich kurze Stammlinie. Nachtragen kann man nur, dass nach der Überlieferung die Vorfahren von Gustav Saur bis zurück zu den Zeiten des alten Fritz stolze reiche Windmüller in Guhrau gewesen sein sollen. Das hat unseres Großvaters Paul Großmutter, die Amalie Saur, geb. Matthie, ihm erzählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Liebert-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Liebert-Saga ist die Geschichte der Herkunft meines Urgroßvaters Otto Liebert. Sie führt nach Großpolen, nach Kobylin bei Lissa oder, wie es heute heißt, Leszno. Der erste Liebertvorfahre heißt Michael und ist Einwohner in Jutroschin. Als er zum ersten Mal erwähnt wird, 1731 bei der Hochzeit seines Sohnes Martin, eines Windmüllers in Kobylin, ist er schon verstorben. Michael Liebert war deutschstämmig und evangelisch-lutherisch. Er gehört in einen Personenkreis, der seit der Gegenreformation nach dem Dreißigjährigen Krieg von Schlesien ins Königreich Polen ausgewichen war. Dieses Großpolen hatte die gleiche Landschaft und das gleiche Klima wie Schlesien. Die Adeligen waren seit der Reformationszeit evangelisch und hatten immer schon Glaubensflüchtlinge bei sich aufgenommen: das Land war geräumig und die Einwanderer sollten es entwickeln helfen. Windmüller wurden gebraucht. Die Lieberts waren oder wurden Windmüller. Sie lebten als Bürger und Handwerker im winzigen Kobylin, zwischen polnischen Adelsgütern und polnischen Bauerndörfern. Sie lebten in diesen Städten zusammen mit Juden, die den Handel übernahmen, und mit polnischen katholischen Handarbeitern und Ackerbürgern. Sicher sprachen die Lieberts auch polnisch, aber in Rathaus, Zunftstube und Kirche wurde Deutsch gesprochen und geschrieben. Deshalb war auch die Schule deutsch. Die Lehrer und Pastoren kamen aus Deutschland und die Gesellen gingen nach Deutschland auf Wanderschaft. Es war ein ehrgeizig angestrengtes, sehr vielseitiges Leben. Drei Generationen Liebert sind Windmüller auf der Stadtmühle in Kobylin, in der vierten werden beide Söhne, Carl Christian und Daniel Benjamin Bäcker.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum die Stadtmühle der Familie Liebert abhanden kam, steht nicht im Kirchenbuch. Die napoleonischen Kriege mögen dabei eine Rolle gespielt haben, aber auch der frühe Tod der Mutter, der erst 23jährigen Christiana Charlotta, geb. Kammer. Der Vater heiratet schnell ein zweites Mal – aber das neugeborene vierte Kind von Charlotta stirbt trotzdem. Die zweite Frau, Susanna, geb. Pflegel, stammt wie Charlotta aus einer Müllerdynastie in Kobylin. Doch auch von ihren Kindern ist später keines Müller auf der Stadtmühle. 1822 stirbt Christian Carl, der letzte Windmüller der Familie Liebert. Der älteste Sohn ist erst 17 Jahre alt. Er kann die Mühle nicht übernehmen. Er und auch sein Bruder, mein Vorfahr Daniel Benjamin, machen eine Bäckerlehre, vielleicht, durch Patenschaften vermittelt, im nahen Lissa. Auf jeden Fall leben und arbeiten beide später dort. In Lissa verheiraten sie sich und ziehen Kinder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daniel Benjamin, lutherisch erzogen, geht 1836 die Ehe ein mit Charlotte Zytowski, einer Nachkommin der Böhmischen Brüder. Die Verbindung ist vielleicht von Anfang an spannungsreich, sie scheint eine sehr energische Frau gewesen zu sein und ihm fehlt vielleicht das freie Leben auf der Windmühle. Dazu kommt der Konfessionsgegensatz und der Schwiegervater Samuel Zytowski, der eine wichtige Rolle in Stadt und Kirchengemeinde innehat. Die Entscheidung bringt das Jahr 1848. Daniel Benjamin Liebert fühlt mit den aufständischen Polen, als Deutscher, als Handwerksmeister und Bürger setzt er auf die Revolution. Das bringt ihn in Gegensatz zu dem streng konservativen und propreußischen Bürgertum in Lissa. Er wird zum Außenseiter. Ob er sich auch strafbar macht, weiß ich nicht. 1854 zieht er die Konsequenz, verlässt seine Frau und seine fünf Kinder und wandert über den Hafen Bremen nach Amerika aus, ohne seine Schulden zu bezahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Urgroßvater Otto Liebert, Daniel Benjamins ältester Sohn, hat also Erfahrung mit Armut. Aber die Mutter gibt sich nicht geschlagen. Nach der Familien-Saga hilft ihr ein Jude mit einem ersten Kredit für die Bäckerei. Otto und seine Brüder besuchen das Gymnasium in Lissa und lernen dann in Marienberg den Eisenhandel. In Guhrau, nicht weit von Lissa, lässt sich Otto mit einem eigenen Geschäft nieder, wozu ihm ein Bruder seiner Mutter das Kapital leiht. Die reiche und tüchtige Müllerstochter Emma Saur wird Ottos Frau und führt selbständig das Geschäft weiter, als Otto 1870/71 im Krieg ist. Emma stirbt 30-jährig, wohl von der vielen Arbeit und fünf Schwangerschaften erschöpft. Otto bricht fast zusammen, sein Bruder muss das Geschäft für ihn leiten. Eine zweite Ehe wird vermittelt und Julie Sonntag aus Patschkau macht Mann und Kinder wieder glücklich: nie wollte unser Großvater Paul dulden, dass man „die böse Stiefmutter“ im Märchen sagte, so dankbar war er ihr. Sein Vater Otto hatte inzwischen die Molkerei in Guhrau übernommen. Er war ein vermögender Mann und konnte seinen ältesten Sohn nach Breslau auf das berühmte Elisabeth-Gymnasium schicken. Anscheinend sah er es gern, dass Paul 1887 die Militärlaufbahn einschlug. So wurde unser schlesischer Großvater, der Windmüllernachkomme, preußischer Offizier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war es meistens im Frieden. Er diente in vielen Garnisonen: in Straßburg, in Metz, in Berlin, in Posen. Er heiratete spät, angeblich, weil er glaubte, er werde nicht alt werden. Mit neununddreißig Jahren entschloss er sich doch noch: die Tochter seines Chefs hatte es ihm angetan. Edith Behn war vierundzwanzig Jahre alt. Die Hochzeit fand am 14. März 1907 in Berlin statt. 1910 wurde unsere Mutter Ruth in Sablon bei Metz geboren. Wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn ihr Vater bis zu ihrer Großjährigkeit im Dienst aufgestiegen wäre, kann man nicht wissen. Es kam der Erste Weltkrieg, die Niederlage, das Ende des Kaiserreichs. Paul Liebert wurde als Mann von  49 Jahren pensioniert. Seine Ansichten wurden erschüttert. Er beschloss, seine älteste Tochter studieren zu lassen und ihr ein eigen bestimmtes Leben zu ermöglichen. Er suchte eine kleine und nicht teure Universitätsstadt. Seine Wahl fiel auf Marburg an der Lahn. Aus ganz ähnlichen Gründen hatte diese Universität ein junger Theologe aus Köln erwählt. Im Sommer 1929 lernten sich Ruth Liebert und Eberhard von Mering beim Lektor für Griechisch Dr. Wysk kennen. Es war nachhaltig. Am 17. August 1937 heirateten die beiden und wurden unsere Eltern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Stammes Liebert ist Michael Liebert, Einwohner in Jutroschin, Vater eines Sohnes Martin um 1700 (1699) und gestorben dort vor 1731. Dieser Sohn Martin ist der erste Windmüller Liebert in Kobylin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Mütterstamms Zitowski ist jünger: der Bildhauer Franz Zittowske in Lissa ist 1777 schon verstorben, als sein einziger Sohn Martin Gottlieb Zytowsky, ebenfalls Bildhauer, sich verheiratet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Liebscher-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Liebscher-Sage ist die Geschichte des Akademiker-Stamms unter meinen Vorfahren – oder bescheidener ausgedrückt: des Lehrer- und Pfarrerstamms. Doch gibt es unter den Verwandten dieser Lehrer und Pfarrer auch Ärzte und Verwaltungsjuristen. Damit hebt sich die Familie Liebscher von sechs der andern Urgroßeltern-Stämme ab: von den Windmüllern Liebert und Saur, von den Kaufleuten und Angestellten Eberhardt und Ehlert und von den Handwerkerstämmen Allendorf und Behn. Ein Arzt kommt bei den Behns im 19. Jahrhundert vor. Die von Merings weisen in unserer Vorfahrenlinie vor unserem Vater nur drei Universitätsabsolventen auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich bleibt auch beim Liebscher-Stamm die Grundlage das Handwerk. Der erste nachweisliche Vorfahr mit diesem Namen ist Sattler aus Hermsdorf/Erzgebirge, Sohn des Joel Liebscher. Er heiratet in Dippoldiswalde bei Dresden die Tochter seines Meisters namens Bercht und zieht mit ihr nach Geising am Erzgebirge. Dort hat er Arbeit genug, denn der Bergbau braucht Schurzleder, Eimer und Riemen. Er bekommt viele Kinder. Seine erste Frau Anna Elisabeth stirbt, er heiratet ein zweites Mal. Die Frau heißt Maria Schelle. Sie gehört wohl zu der Familie in Geising, aus der der Thomaskantor Johann Schelle&amp;lt;ref&amp;gt;Schelle, Johann, get. 6. 9. 1648 Geising (Erzgebirge), gest. 10. 3. 1701 Leipzig; deutscher Komponist und Kantor&amp;lt;/ref&amp;gt;  hervorgeht. Dadurch liegt nahe, dass ein Liebschersohn Kantor und Lehrer werden will. Er wird unser Vorfahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat er die erste Hürde zum Bildungssektor genommen, obwohl auch der Schuldienerberuf damals ein Handwerk ist. Die Frauen der Lehrer Liebscher sind überwiegend Lehrerstöchter. Die zweite Hürde nimmt Benjamin Liebscher 1787, als er eine Pfarrerstochter heiratet und später selber Pfarrer wird. Erst Pfarrer brauchten eine Universitätsbildung. Damit gewinnt unser Stamm über die Mutterlinie der Pfarrerstochter Ramdohr Anschluss an Familien, die schon seit mehreren Generationen Universitätsausbildung genossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechzehn Pfarrer gehören damit zu den Vorfahren unseres Vaters. Und sehr oft ist über die Pfarrerstöchter die nächste Generation zum Beruf gekommen. Neben dem Streben nach Bildung fällt am Liebscherstamm eine ausgesprochene Neigung zu Ehe und Familie auf. Die Liebschers bejahten im Glauben die Lebensordnung. Sie hatten oft zahlreiche und gesunde Kinder. Auch Langlebigkeit gibt es häufig in diesem Stamm. Weil sie zu den Honoratioren gehörten, als Pfarrer sogar selbst Einfluss auf das Kirchenbuch nehmen konnten, lassen sich die Liebschers gut erforschen. Das liegt natürlich auch an der idealen Quellenlage in Mitteldeutschland. Sehr viele Kirchenbücher sind erhalten, Stadt- und Kirchenarchive sind zugänglich und sie reichen im Land der Reformation weit zurück. Als Folge davon ist die Liste der Familiennamen am längsten von allen meinen Stämmen. Und manche dieser Namen sind schon von anderen Genealogen erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitzenahnen meiner Urgroßmutter Johanna Liebscher sind &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hans Francke, Schuster in Leipzig um 1530, geboren in Nürnberg um 1510&lt;br /&gt;
* Johann Schütz, (ca. 1519 – 1581), Pfarrer in Großottersleben und Riestedt&lt;br /&gt;
* Johannes Krause, Hofprediger beim Grafen Hans von Mansfeld in Rothenburg a.d. Saale, gest. 1558&lt;br /&gt;
* Magister Thomas Kuntzsch, Rektor in Eilenburg um 1560&lt;br /&gt;
* Magister Johannes Stam, Pfarrer an St. Annen in der Neustadt Eisleben um 1570&lt;br /&gt;
* Matthes Reichelt, Windenmacher im Prüll von Leipzig um 1575&lt;br /&gt;
* Georg Eichhorn, Hochgräflich-Mansfeldischer Rentmeister um 1590    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Eberhardt-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Eberhardts stammen aus dem Thüringer Wald. Natürlich sind sie evangelisch-lutherisch. Die erste Eheschließung, die ich nachweisen kann, hat 1692 in Großbreitenbach stattgefunden. Da heiratet ein Fenstermacher Eberhardt die Tochter eines Fenstermachers Eberhardt – das wird wohl seine Kusine gewesen sein. Das Handwerk der Fenstermacher umfasste „im Osten“ das, was im Westen Deutschlands zwei Gewerke, die Tischler und die Glaser, leisteten. Die Fenstermacher fertigten nicht nur den Holzrahmen, sondern setzten auch das Glas ein. Glas wurde im Thüringer Wald schon seit dem Mittelalter hergestellt. Und Holz gab es reichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Vorfahr Wolffgang Nicol Eberhardt, 1736 in die große Sippe Eberhardt hineingeboren, will etwas Besonderes sein, er ist „der Kunst ergeben“. So wird er weder Fenstermacher noch Handelsmann wie seine Verwandten, sondern zu guter Letzt Lehrer in Altenfeld. Reich wird er nicht, stirbt auch früh, so dass sein Sohn Nicol Wolffgang Eberhardt, unser nächster Vorfahr, keine Ausbildung bekommt. Er wird Handarbeiter, später Kastenknecht, d. h. Küster in Arnstadt etwa um 1800. Auch dessen Sohn Johann Adam Heinrich bleibt in diesem Amt: Gartenarbeiter und Kastenknecht um 1830. Arnstadt ist damals eine wachsende Stadt. Auch die Familie Weisheit, Nachkommen von Kleinbauern und Fuhrleuten im Thüringer Wald, kommt nach Arnstadt. Sie hat einen weit zurückreichenden Stammbaum von Fuhrleuten mit Namen Weisheit in Struth bei Schmalkalden. In Struth heißt heute noch jeder dritte Weisheit, erzählte mir eine freundliche Einwohnerin. Aber der Johann Otto Weisheit, der nach Arnstadt kommt, ist Brandweinbrenner. Er hat die Ehe geschlossen mit Magdalene Bücking, der Nachkommin eines schwarzburgischen gelernten Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Lehrers Urenkel, Ernst August Christian Eberhardt, kann sich wieder eine Lehrzeit leisten: er wird Zeugschmiedemeister in Arnstadt. Seinen Kindern bringt es kein Glück: der junge Meister stirbt 1857 mit 25 Jahren „an Krämpfen“, die Mutter Johanna Friederike Weisheit muss als Waschfrau Sohn und Tochter aufziehen. Unseres Urgroßvaters Heinrich Eberhardt Kindheit ist ebenso von Armut geprägt wie die von unserm Urgroßvater Peter Mering. Aber während Peter ein Handwerk lernt, geht Heinrich zur Eisenbahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der unermesslichen Menge an Literatur über die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland gibt es fast nichts über die Ausbildung der Menschen, die bei der Bahn eingestellt wurden – mit Ausnahme der Lokomotivführer. Unser Urgroßvater aber war kein Lokomotivführer, er hatte eine Art Buchhalterstelle bei der Bahn. Rechnen und schreiben muss er gut gekonnt haben. Das Rechnungswesen der stetig sich entwickelnden Reichsbahn wurde von Hand registriert. In riesigen Büros saßen die Beamten. Heinrich kam schnell voran. Mit 25 Jahren konnte er die Pastorentochter Johanna Liebscher aus Oberröblingen am See heiraten und mit ihr nach Deutz ziehen. So kamen die Eberhardts an den Rhein. Natürlich suchten sie eine evangelische Kirche und fanden sie in der neu aufstrebenden Stadt Ehrenfeld. Clara Eberhardt, die älteste Tochter von Johanna und Heinrich, lernte im Kirchenchor den jungen Bildhauer Carl von Mering kennen. So wurde Clara unsere Großmutter von Mering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Allendorf-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Allendorf–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Friederike Philippine von Mering, geb. Allendorf. Ihr Vater Karl Allendorf war zwischen 1840 und 1873 Glaser in Koblenz. Er stammte aus einer Handwerkerfamilie in Artern am Kyffhäuser. Ihre Mutter hieß Philippine Zimmermann und stammte aus einer evangelischen Handwerkerfamilie in Bacharach am Rhein. Sowohl Artern als auch Bacharach und Koblenz waren 1815 preußisch geworden. Die beiden waren also Bürger Preußens, aber ziemlich sicher hat Karl sich mehr als Sachse und Philippine sich mehr als Rheinländerin gefühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allendorfs in Artern waren hauptsächlich Glaser-, Bäcker- und Gerbermeister. Die Glaser hießen außer Allendorf überwiegend Jahn, die Meyers waren eine Bäckerfamilie, die Zeises oder Zieses sowie die Gänsehals waren Gerber. Die Allendorfs stammten eigentlich aus Apolda. Der Spitzenahn mit dem Namen Allendorf ist Andreas Allendorf, Glaser um 1747 in Apolda, gestorben vor 1779, doch können auch der Gerber Adolph Gänsehals, der Bäcker Johann Jacob Meyer und die Anspänner Anton Leucht und Johann Christoph Ziese um 1747 als Spitzenahnen benannt werden. Das Kirchenbuch von Artern ist noch nicht ausgeschöpft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handwerkermeister in Bacharach waren hauptsächlich Schlosser. Da die evangelische Diaspora eng war, kamen die Schwiegersöhne der Schlosser als wandernde Gesellen aus Hessen und Franken an den Rhein und in die Familie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn mit dem Namen Zimmermanns ist Tobias Zimmermann aus Rathsweiler, der aber kein Schlosser, sondern um 1780 ein Bäcker war in Zweibrücken. Doch der absolute Spitzenahn unter Philippines Vorfahren ist Philipp Kümpel, Bürger und Schiffsmann in Kaub, gestorben vor 1747. Er ist nicht nur im Kirchenbuch, sondern auch in den Rechnungen des Zolldirektors von Andernach Johann Friedrich von Mering bezeugt. Wie mehrmals in meiner Familiengeschichte sind sich also – diesmal am Rheinzoll in Andernach – zwei Vorfahren schon einmal begegnet, bis endlich auf großen Umwegen ihre Nachfahren ein Ehepaar wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philippine Allendorfs Handwerkervorfahren machen nach den Kirchenbucheinträgen einen sehr soliden Eindruck. Ich denke, diesen Eindruck hat auch sie selbst auf Peter von Mering gemacht. Peter hatte Grund, sich nach Solidität und Verlässlichkeit zu sehnen. Die Wirbel, die sein abenteuernder Großvater verursacht hatte, waren noch im Familien-Gedächtnis. Dass Philippine darauf bestand, in der evangelischen Konfession ihrer Eltern getraut zu werden und ihre Kinder zu erziehen, erschien ihm vielleicht als Bestätigung ihrer Verlässlichkeit. So willigte er ein. Dank Philippine Allendorfs Ernst und Konsequenz sind wir die einzigen evangelischen von Merings, die es gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Mering-Saga ===&lt;br /&gt;
So gut wie andere Familien sind die Merings allemale. Es ist der Name meines namengebenden Urgroßvaters Peter von Mering. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der früheste Mering, mit dem wir verwandt sind, stammte aus Coesfeld. Es gibt bis heute einen Hof Mehring bei Flamersheim im Kreis Coesfeld, der seit dem 12. Jahrhundert ein Meierhof des Klosters St. Mauritius in Münster war. In Coesfeld ist im 15. und 16. Jahrhundert der Familienname Merinck unter den Bürgern sehr häufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hynrich Merinck aus Coesfeld erwarb 1553 in Köln das Bürgerrecht. Natürlich war er Katholik  als Bürger einer katholischen Stadt. Nach seinem Testament von 1579 war er zuerst mit Catharina Lindlar verheiratet, der Witwe von Herman Mueträtzer oder Muetroyde. Herman Muetroyde war Kaufmann in Köln gewesen, Hynrich Merinck vermutlich sein Prokurist oder Kompagnon. Catharina war älter als Hynrich. Sie hatte schon vier halberwachsene Kinder, die Hynrich aufziehen half. Erst als Catharina starb, konnte Hynrich eine junge Frau, Christina von Monheim, heiraten, mit der er mindestens vier eigene Kinder erzielte. 1579, als er, schwer krank, sein Testament schrieb, waren diese Kinder noch klein. Hynrich aber besaß ein großes Vermögen und wollte vor Zeugen klar stellen, dass er seine Stiefkinder schon abgefunden hatte und dass sein jetziger Wohlstand allein seinen leiblichen Kindern zugute kommen sollte. Christina sollte seine Testamentsverwalterin und die Erzieherin der Kinder sein. Nach den Kölner Genealogen wurde Hynrich wieder gesund und lebte noch bis 1587. Dann starb er und kurz darauf auch Christina.  Die Waisen Merinck wurden von Vormündern großgezogen, unser nächster Vorfahr hieß wieder Hynrich und wurde wieder Kaufmann in Köln, zuerst imViertel St. Martin, dann bei St. Columba. Seine 13 Kinder von zwei Ehefrauen sind zwischen 1600 und 1631 in Köln getauft. Ein Sohn, 1620 geboren, ist der erste Domherr der Familie, Henrich Mering. Sein jüngerer Bruder, unser nächster Vorfahr, wurde Arzt, Professor für Medizin an der Kölner Universität zwischen 1662 und 1687. Dieses Professors Sohn aus erster Ehe, geboren 1667, ist der zweite Domherr der Familie, Heinrich von Mering. Ein Sohn aus zweiter Ehe, geboren 1685, ist unser nächster Vorfahr.  Er heißt Johann Friedrich von Mering, ist zuerst Hauptmann im kaiserlichen Heer, dann kurkölnischer Rheinzöllner in Andernach. Johann Friedrich hatte von seiner Frau Maria Gertrude Rübsam drei Söhne. Der älteste und der jüngste verheirateten sich in Andernach. Der älteste ist der Vorfahr der von Merings in Amerika geworden, der Stamm des jüngsten starb aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mittlere, geboren 1733, unser Vorfahr Franz Caspar von Mering, wurde wie sein Vater kaiserlicher Soldat. Er kämpfte als Offizier der Kaiserin Elisabeth 1761 bei Torgau gegen Friedrich den Großen. Aber Franz Caspar hatte kein Glück. Vielleicht wurde er schwer verletzt und kränkelte dann, vielleicht war er nicht tüchtig. Er brachte es nur bis zum Oberleutnant, erhielt früh seinen Abschied. Und er heiratete offenbar unterhalb des Rahmens seiner Brüder. Die Verbindung zu ihnen scheint abgerissen. Er starb schon 1779 in Mainz. Sein Sohn, unser Vorfahr Franz Joseph Caspar, wurde schon mit fünfzehn Jahren Vollwaise und war offenbar ohne Vermögen. Für ein armes adliges Kind waren die Zeiten schlecht. Mainz gehörte seit 1797 zur revolutionären Republik Frankreich. Vermutlich floh Franz Joseph Caspar und wurde so jung wie möglich Soldat, angeblich bei den preußischen Husaren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leben verlief abenteuerlich. 1799 ist er in der Pfalz und heiratet vor dem republikanischen Zivilbeamten in Kirchheimbolanden eine Pächterstochter lutherischer Konfession, Anna Maria Ziemer.  Franz Joseph Caspar ist der „Bürger Mering“. Das ist die erste standesamtlich geschlossene Ehe in unserer Familie und von den frommen Verwandten nie als solche anerkannt. Mit Anna Maria betreibt Franz Joseph Caspar eine Kneipe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Geburt des ersten Kindes zieht das Paar nach Dänemark, wo es sechs weitere Kinder in der katholischen Kirche der Österreichischen Gesandtschaft taufen lässt. 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, müssen alle Ausländer sofort Dänemark verlassen. Die Merings kehren zurück nach Mainz. Das Land am Rhein steht unter bayrischer Verwaltung. Arbeitslosigkeit und Hunger herrschen. 1815 findet der arme Familienvater Arbeit  als „Chaussee-Bereiter“, als berittener Verkehrspolizist. 100 Franken im Monat sind nicht viel, aber es kommen noch „Denunziantenprämien“ dazu, wenn er viele Fuhrleute anzeigt. Er wird an die Landstraße von Speyer nach Oggersheim versetzt und zieht mit seiner Familie nach Speyer um. Seine Frau erwartet das 8. Kind. Franz Joseph Caspar ist sehr eifrig als Kontrolleur der Fuhrleute, er erhält hohe Prämien, er macht sich unbeliebt. Er wird reingelegt oder wird einmal schwach: er lässt sich bestechen. Seine Frau stirbt „vor Gram“, wie er selbst schreibt, seine Kinder kommen ins Armenhaus in Frankenthal. Er sitzt seit August 1816 im Gefängnis in Speyer. Im März 1817 findet in Zweibrücken vor dem Appellationsgerichtshof sein Verfahren statt. Er wird zu 200 Franken Strafe und einer Stunde Pranger verurteilt. Am Pranger hat er jedoch nicht gestanden. Er erreicht eine Begnadigung, vielleicht mit Hilfe seines Vetters, des ehemaligen Hofgerichtspräsidenten von Köln, Fritz von Mering. Von da an verliert sich unseres Vorfahren Spur. Seine Kinder geben in ihren Urkunden an, dass sie nicht wissen, wo ihr Vater sich aufhält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste Sohn dieses Mannes, Franz Joseph Mering, tritt aus dem Armenhaus ins preußische Heer ein. Er wird Hoboist im 29. Infanterie-Regiment, das in Saarlouis stationiert ist. Dort lernt er eine arme Näherin lothringischer Abstammung kennen, Catherine Henry. Ihr Vater war napoleonischer Offizier. Auch er ist verschollen. Die beiden heiraten 1828, ziehen 1831 mit dem Regiment nach Koblenz, 1842 bekommt Franz Joseph als Abfindung die Stelle eines Grenzaufsehers in Herongen an der neuen Zollgrenze zu den Niederlanden. 1843 wird dort unser Urgroßvater Peter geboren. Catharina stirbt 1855 in Herongen, bevor endlich 1856 Franz Joseph als Steuer-Aufseher nach Koblenz zurückkehren kann. Peter macht dort eine Maurerlehre, bevor er sich zum Stuckateur qualifiziert. Weil seine Frau, die evangelische Glaserstochter Philippine Allendorf darauf besteht, werden seine Kinder alle evangelisch erzogen. Und weil er sich 1893 das Adelspatent vom Königlichen Heroldsamt in Berlin bestätigen lässt, sind wir die einzigen evangelischen von Merings aus diesem Stamm!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<updated>2026-09-22T16:06:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;Zurück zu [[Sagas und Biografien]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ehlert–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Kaufmannstochter und Offiziersfrau Martha Ehlert, verheiratete Behn. Es ist die Saga von Leuten ohne Berufstradition, ohne Ortstradition. Die Ehlerts, ihre Verwandten und Nachkommen waren anscheinend Menschen, die eine sich bietende Gelegenheit zu ergreifen wussten – es scheint mir aber auch, dass sie jede sich bietende Gelegenheit ergreifen mussten, weil sie selten eine sichere Ausbildung erhielten. Ehlert soll in Ostpreußen ein sehr häufiger Name sein. Meine Ehlerts sind anscheinend nach der zweiten Polnischen Teilung erst nach Westpreußen eingewandert, möglicherweise als preußische Soldaten oder kleine Händler. Es hat etwas Verwunderliches, dass ausgerechnet Martha Ehlert, die Nachkommin dieser bescheidenen Familien, die reichste meiner vier Urgroßmütter gewesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel weiß ich nicht über diesen Stamm. Der Spitzenahn ist Joseph Ehlert, geboren etwa um 1780, wahrscheinlich in Pommern oder Brandenburg. Nach seinem Beruf, Stadt-Chirurgus in Rastenburg/Ostpreußen von 1808 bis 1819, vermute ich, dass er als junger Mann Feldscher im preußischen Heer gewesen ist. Schon vor 1808 hat er sich an unbekanntem Ort mit Marie Reimann verheiratet. In Rastenburg lässt das junge Paar mehrere Kinder taufen. Nach dem Tod von Marie heiratet Joseph 1813 die junge Dorothea Amalie Eggert, eine Gutsbesitzerstochter. So ist es jedenfalls überliefert, aber ich habe ihre Eltern nicht finden können, weil der Traueintrag im Kirchenbuch fehlt. Von ihr hat er drei lebende Kinder, eins davon ist unser Ururgroßvater Otto Konrad Ehlert, der Getreidekaufmann in Königsberg, geboren am 28. 1. 1819 in Rastenburg, gestorben am 14. 9. 1888 in Königsberg. Des Getreidekaufmanns Frau wurde Helene Ottilie Guthzeit, eine Offizierstochter, deren Vater in Königsberg lebte als „Particulier“. Sie soll am 19. 12. 1833 in Bialutten, Krs. Sensburg geboren sein. Ihre Mutter soll Johanna Krause geheißen haben und die zweite Frau des Karl Guthzeit gewesen sein, der in erster Ehe, man höre und staune! geschieden war. Auch die Mutterstämme der Ehlerts reichen nicht weit. Aber das kann auch daran liegen, dass die Kirchenbücher von Ostpreußen nur mühsam gerettet wurden und oft lückenhaft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Guthzeit wurde immerhin zweiundsiebzig Jahre alt. Seine Tochter Helene Ottilie, die den reichen Getreidekaufmann geheiratet hatte, wurde zweiundachtzig Jahre alt. Das schwere Unglück, dass ihr Mann 1887 Konkurs anmelden musste und sich 1888 im Gefängnis das Leben nahm, hat sie wohl hauptsächlich durch die Treue ihrer älteren Schwester überlebt. Diese Schwester Laura Guthzeit hatte, ebenfalls in Königsberg, den jungen Ludwig Friedländer geheiratet. Er war Jude. Um 1880 war er ein bekannter Professor für Kunstgeschichte an der Universität Freiburg/Br. Zusammen mit ihrer hässlichen, aber klugen und tüchtigen Tochter Klara Ehlert zog Helene in die Nähe von Schwester und Schwager. Dort konnten die beiden Frauen als Erzieherinnen von Mädchen eine kleine „Pension“ aufmachen. Helene wies in die Feinheiten des bürgerlichen Haushalts ein, Klara unterrichtete. Klaras Vetter Paul Friedländer wurde Professor für Chemie und die Kusine Charlotte Friedländer heiratete Georg Dehio, der ein noch bekannterer Kunstgeschichtler wurde als ihr Vater. Nur beim jüngsten Kind Friedländer kam die Neigung zu Leichtsinn, die dem Guthzeit-Stamm anhaftet, wieder zum Tragen: Konrad Friedländer brannte mit einem Londoner Ladenmädchen durch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Nachkommen der Ehlerts erzählte meine Großmutter mit Kopfschütteln: in ihren Augen waren die meisten „verkrachte Existenzen“. Wie weit das daran lag, dass Großmutter ihre Mutter nicht leiden konnte, den Vater dagegen liebte, weiß ich nicht. Die schönen alten Haushaltsgegenstände, die ich geerbt habe, stammen jedenfalls sämtlich aus der Mitgift meiner Urgroßmutter Martha Behn. Und diese Mitgift hat schließlich der Getreidekaufmann Otto Ehlert in Königsberg verdient und ihr 1880 mit in die Ehe gegeben.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Die Ehlert-Saga</title>
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		<updated>2026-09-22T16:05:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Neu ausgelagert&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Ehlert–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Kaufmannstochter und Offiziersfrau Martha Ehlert, verheiratete Behn. Es ist die Saga von Leuten ohne Berufstradition, ohne Ortstradition. Die Ehlerts, ihre Verwandten und Nachkommen waren anscheinend Menschen, die eine sich bietende Gelegenheit zu ergreifen wussten – es scheint mir aber auch, dass sie jede sich bietende Gelegenheit ergreifen mussten, weil sie selten eine sichere Ausbildung erhielten. Ehlert soll in Ostpreußen ein sehr häufiger Name sein. Meine Ehlerts sind anscheinend nach der zweiten Polnischen Teilung erst nach Westpreußen eingewandert, möglicherweise als preußische Soldaten oder kleine Händler. Es hat etwas Verwunderliches, dass ausgerechnet Martha Ehlert, die Nachkommin dieser bescheidenen Familien, die reichste meiner vier Urgroßmütter gewesen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel weiß ich nicht über diesen Stamm. Der Spitzenahn ist Joseph Ehlert, geboren etwa um 1780, wahrscheinlich in Pommern oder Brandenburg. Nach seinem Beruf, Stadt-Chirurgus in Rastenburg/Ostpreußen von 1808 bis 1819, vermute ich, dass er als junger Mann Feldscher im preußischen Heer gewesen ist. Schon vor 1808 hat er sich an unbekanntem Ort mit Marie Reimann verheiratet. In Rastenburg lässt das junge Paar mehrere Kinder taufen. Nach dem Tod von Marie heiratet Joseph 1813 die junge Dorothea Amalie Eggert, eine Gutsbesitzerstochter. So ist es jedenfalls überliefert, aber ich habe ihre Eltern nicht finden können, weil der Traueintrag im Kirchenbuch fehlt. Von ihr hat er drei lebende Kinder, eins davon ist unser Ururgroßvater Otto Konrad Ehlert, der Getreidekaufmann in Königsberg, geboren am 28. 1. 1819 in Rastenburg, gestorben am 14. 9. 1888 in Königsberg. Des Getreidekaufmanns Frau wurde Helene Ottilie Guthzeit, eine Offizierstochter, deren Vater in Königsberg lebte als „Particulier“. Sie soll am 19. 12. 1833 in Bialutten, Krs. Sensburg geboren sein. Ihre Mutter soll Johanna Krause geheißen haben und die zweite Frau des Karl Guthzeit gewesen sein, der in erster Ehe, man höre und staune! geschieden war. Auch die Mutterstämme der Ehlerts reichen nicht weit. Aber das kann auch daran liegen, dass die Kirchenbücher von Ostpreußen nur mühsam gerettet wurden und oft lückenhaft sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Guthzeit wurde immerhin zweiundsiebzig Jahre alt. Seine Tochter Helene Ottilie, die den reichen Getreidekaufmann geheiratet hatte, wurde zweiundachtzig Jahre alt. Das schwere Unglück, dass ihr Mann 1887 Konkurs anmelden musste und sich 1888 im Gefängnis das Leben nahm, hat sie wohl hauptsächlich durch die Treue ihrer älteren Schwester überlebt. Diese Schwester Laura Guthzeit hatte, ebenfalls in Königsberg, den jungen Ludwig Friedländer geheiratet. Er war Jude. Um 1880 war er ein bekannter Professor für Kunstgeschichte an der Universität Freiburg/Br. Zusammen mit ihrer hässlichen, aber klugen und tüchtigen Tochter Klara Ehlert zog Helene in die Nähe von Schwester und Schwager. Dort konnten die beiden Frauen als Erzieherinnen von Mädchen eine kleine „Pension“ aufmachen. Helene wies in die Feinheiten des bürgerlichen Haushalts ein, Klara unterrichtete. Klaras Vetter Paul Friedländer wurde Professor für Chemie und die Kusine Charlotte Friedländer heiratete Georg Dehio, der ein noch bekannterer Kunstgeschichtler wurde als ihr Vater. Nur beim jüngsten Kind Friedländer kam die Neigung zu Leichtsinn, die dem Guthzeit-Stamm anhaftet, wieder zum Tragen: Konrad Friedländer brannte mit einem Londoner Ladenmädchen durch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Nachkommen der Ehlerts erzählte meine Großmutter mit Kopfschütteln: in ihren Augen waren die meisten „verkrachte Existenzen“. Wie weit das daran lag, dass Großmutter ihre Mutter nicht leiden konnte, den Vater dagegen liebte, weiß ich nicht. Die schönen alten Haushaltsgegenstände, die ich geerbt habe, stammen jedenfalls sämtlich aus der Mitgift meiner Urgroßmutter Martha Behn. Und diese Mitgift hat schließlich der Getreidekaufmann Otto Ehlert in Königsberg verdient und ihr 1880 mit in die Ehe gegeben.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Sagas_und_Biografien&amp;diff=38</id>
		<title>Sagas und Biografien</title>
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		<updated>2026-09-22T16:04:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Sagas in Unterseiten auslagern&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Wie ordne ich meine Familiengeschichte? ===&lt;br /&gt;
Eine vergnügliche Sache ist das Forschen nach den Vorfahren. Manchmal merke ich, dass ich weiter gar nichts will: wissen, wer sie waren, wo sie lebten und ihr Lebensgefühl nachempfinden, als wären sie ein Stück von mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber manchmal möchte ich über meine Entdeckungen reden. Ich möchte sogar über meine Funde schreiben. Denn Schreiben ist neben Forschen mein zweites großes Vergnügen. Und schon habe ich ein Problem: Wie ordne ich meine Familiengeschichte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Einzelbiographien habe ich angefangen. Die sind verhältnismäßig selbstordnend: von der Geburt bis zum Tod geht ein Leben. Nun ist nur noch zu entscheiden, wie weit die Eltern, wie weit die Kinder mit hineingehören. Das übrige ist Sache des Stils. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einer Weile häufen sich die Biographien an. Nun stellt sich heraus, dass sie nicht aneinander passen. Nur selten kann ich über eine Generationenfolge vom Urgroßvater bis zum Urenkel schreiben. Entweder fehlt es an Daten. Oder es wechselt der Gesichtspunkt und damit der Stil. Meine Leser fragen: Wie hängen die Geschichten zusammen? Wann entsteht das Buch?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es verfängt wohl nicht, zu erklären, dass ich nie ein Buch schreiben wollte. Dass ich die Familiengeschichte als ein Puzzle ansehe, dessen sehr unterschiedliche Teile ich manchmal  zusammenlege, dann wieder durcheinander werfe, dass höchstens eine Mappe entstehen kann oder eine Homepage. Beide Medien haben den Vorteil, dass man die einzelnen Kapitel nach Lust und Laune auswechseln und miteinander mischen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurzum, ich habe mich nun doch entschlossen, eine Art Gliederung aufzustellen. Sie soll nicht verbindlich sein, aber denjenigen, die Ordnung brauchen, das Gefühl von Ordnung geben. Als Ordnungskriterien habe ich meine acht Urgroßelternstämme erwählt. Sie sind hinreichend voneinander verschieden und trotzdem als meine Vorfahren einer Generation und so ziemlich einer historischen Epoche hinreichend homogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Familiengeschichte ordnet sich also in acht Stämme. Jeder Stamm besteht aus den Vorfahren eines Urgroßvaters oder einer Urgroßmutter. Die vier Urgroßelternpaare haben in der Mitte des 19. Jahrhunderts gelebt. Sie lebten alle im Deutschen Reich. Hier sind sie:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mütterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Martha Laura Ida Ehlert, geb. 9.5.1854 in Königsberg, ev., gest. 7.3.1937 in Berlin&lt;br /&gt;
# Hermann Gustav Behn, ev., geb. 12.7.1852 in Trier, gest. 21.5.1932  in Berlin&lt;br /&gt;
# Emma Saur, geb. 9.12.1850 in Guhrau/Bezirk Breslau, ev., gest. 29.10.1880 in Guhrau&lt;br /&gt;
# Otto Liebert, geb. 25.3.1839 in Lissa/Provinz Posen, ev-ref., gest. 2.1.1897 in Guhrau&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Väterlicherseits: ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Johanna  Klara Liebscher, geb. am 30.7.1856 in Kobershain, Kreis Torgau, ev., gest. am 1.5.1944 in Köln&lt;br /&gt;
# August Theodor Heinrich Eberhardt, geb. am 2.7.1855 in Arnstadt, ev., gest. am 20.1.1928 in Köln.&lt;br /&gt;
# Friederike Philippine Allendorf, geb. am 9.5.1852 in Koblenz, ev., gest. am  2.12.1926 in Köln-Rodenkirchen&lt;br /&gt;
# Peter Joseph Mering, (Adelspatent 29.5.1893) geb. am 8.1.1843 in Herongen, kath., gest. 10.2.1901 in Köln&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familien-Sagas ===&lt;br /&gt;
Demgemäß ordne ich meine Biografien in diese 8 Familien-Sagas:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[Die Ehlert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Behn-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Saur-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebert-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Liebscher-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Eberhardt-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Allendorf-Saga]]&lt;br /&gt;
# [[Die Mering-Saga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Stämme sehr verschieden sind, ist ja nur gut. Dadurch bekommt meine Abstammung Farbe. Dass sie sich aber so unterschiedlich stark erforschen lassen, ist sehr bedauerlich. Die einzelnen Sagas können nicht gleich lang sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Ehlert-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Ehlert–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Kaufmannstochter und Offiziersfrau Martha Ehlert, verheiratete Behn. Es ist die Saga von Leuten ohne Berufstradition, ohne Ortstradition. Die Ehlerts, ihre Verwandten und Nachkommen waren anscheinend Menschen, die eine sich bietende Gelegenheit zu ergreifen wussten – es scheint mir aber auch, dass sie jede sich bietende Gelegenheit ergreifen mussten, weil sie selten eine sichere Ausbildung erhielten. Ehlert soll in Ostpreußen ein sehr häufiger Name sein. Meine Ehlerts sind anscheinend nach der zweiten Polnischen Teilung erst nach Westpreußen eingewandert, möglicherweise als preußische Soldaten oder kleine Händler. Es hat etwas Verwunderliches, dass ausgerechnet Martha Ehlert, die Nachkommin dieser bescheidenen Familien, die reichste meiner vier Urgroßmütter gewesen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel weiß ich nicht über diesen Stamm. Der Spitzenahn ist Joseph Ehlert, geboren etwa um 1780, wahrscheinlich in Pommern oder Brandenburg. Nach seinem Beruf, Stadt-Chirurgus in Rastenburg/Ostpreußen von 1808 bis 1819, vermute ich, dass er als junger Mann Feldscher im preußischen Heer gewesen ist. Schon vor 1808 hat er sich an unbekanntem Ort mit Marie Reimann verheiratet. In Rastenburg lässt das junge Paar mehrere Kinder taufen. Nach dem Tod von Marie heiratet Joseph 1813 die junge Dorothea Amalie Eggert, eine Gutsbesitzerstochter. So ist es jedenfalls überliefert, aber ich habe ihre Eltern nicht finden können, weil der Traueintrag im Kirchenbuch fehlt. Von ihr hat er drei lebende Kinder, eins davon ist unser Ururgroßvater Otto Konrad Ehlert, der Getreidekaufmann in Königsberg, geboren am 28. 1. 1819 in Rastenburg, gestorben am 14. 9. 1888 in Königsberg. Des Getreidekaufmanns Frau wurde Helene Ottilie Guthzeit, eine Offizierstochter, deren Vater in Königsberg lebte als „Particulier“. Sie soll am 19. 12. 1833 in Bialutten, Krs. Sensburg geboren sein. Ihre Mutter soll Johanna Krause geheißen haben und die zweite Frau des Karl Guthzeit gewesen sein, der in erster Ehe, man höre und staune! geschieden war. Auch die Mutterstämme der Ehlerts reichen nicht weit. Aber das kann auch daran liegen, dass die Kirchenbücher von Ostpreußen nur mühsam gerettet wurden und oft lückenhaft sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Karl Guthzeit wurde immerhin zweiundsiebzig Jahre alt. Seine Tochter Helene Ottilie, die den reichen Getreidekaufmann geheiratet hatte, wurde zweiundachtzig Jahre alt. Das schwere Unglück, dass ihr Mann 1887 Konkurs anmelden musste und sich 1888 im Gefängnis das Leben nahm, hat sie wohl hauptsächlich durch die Treue ihrer älteren Schwester überlebt. Diese Schwester Laura Guthzeit hatte, ebenfalls in Königsberg, den jungen Ludwig Friedländer geheiratet. Er war Jude. Um 1880 war er ein bekannter Professor für Kunstgeschichte an der Universität Freiburg/Br. Zusammen mit ihrer hässlichen, aber klugen und tüchtigen Tochter Klara Ehlert zog Helene in die Nähe von Schwester und Schwager. Dort konnten die beiden Frauen als Erzieherinnen von Mädchen eine kleine „Pension“ aufmachen. Helene wies in die Feinheiten des bürgerlichen Haushalts ein, Klara unterrichtete. Klaras Vetter Paul Friedländer wurde Professor für Chemie und die Kusine Charlotte Friedländer heiratete Georg Dehio, der ein noch bekannterer Kunstgeschichtler wurde als ihr Vater. Nur beim jüngsten Kind Friedländer kam die Neigung zu Leichtsinn, die dem Guthzeit-Stamm anhaftet, wieder zum Tragen: Konrad Friedländer brannte mit einem Londoner Ladenmädchen durch! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von den Nachkommen der Ehlerts erzählte meine Großmutter mit Kopfschütteln: in ihren Augen waren die meisten „verkrachte Existenzen“. Wie weit das daran lag, dass Großmutter ihre Mutter nicht leiden konnte, den Vater dagegen liebte, weiß ich nicht. Die schönen alten Haushaltsgegenstände, die ich geerbt habe, stammen jedenfalls sämtlich aus der Mitgift meiner Urgroßmutter Martha Behn. Und diese Mitgift hat schließlich der Getreidekaufmann Otto Ehlert in Königsberg verdient und ihr 1880 mit in die Ehe gegeben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Behn-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Behns seien „Inselfriesen“ gewesen, die in Ostpreußen angesiedelt wurden. Vom Klang des Namens her ist das möglich. In Lübeck gibt es eine Kaufmannsfamilie Behn. Die Saga der Behns ist besonders versponnen, meine Großmutter Edith Behn hat an ihr gestrickt und die hatte, wie meine Mutter zu sagen pflegte, „eine blühende Phantasie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behns fühlten sich laut meiner Großmutter als Ostpreußen, aber ihr eigener Vater war in Trier geboren und der Großvater in Bromberg. Der von Felix Behn aufgefundene Urgroßvater Kasimir Behn soll am 29. 6. 1758 in Preußisch Friedland Maria Elisabeth Barthel geheiratet haben. Weiter ist über ihn nichts bekannt. Das dazu gehörige Kirchenbuch habe ich noch nicht gefunden, ein Beruf ist nicht angegeben. Ein Sohn aus dieser Ehe, Johann Gottfried Behn, hat um 1797 die Thornerin Anna Sophia Hirschberger geheiratet. Dies Paar ist in Bromberg gut bezeugt. Johann Gottfried war seit 1798 Stadtchirurg in Bromberg, er könnte vorher Feldscher gewesen sein. Sein erster Sohn starb als Kind, aber zwei weitere Söhne wurden erwachsen. Der ältere, Hermann Julius, studierte Medizin und wurde Nachfolger des Vaters, ja sogar Medizinalrat, der jüngere, 1807 geboren, ist unser Vorfahr. Er hieß Adolph Gustav Behn, ging zum Militär und wurde auch dort Arzt, sogar Königlich Preußischer Generalarzt. Er war in verschiedenen Garnisonen tätig: 1845 in Aachen, 1848 in Köln, 1852 in Trier, 1857 in Mainz, später in Posen. So kam es, dass unser Urgroßvater Hermann Behn 1852 in Trier geboren wurde. Sein Vater hatte ein Nervenleiden, vielleicht auch eine schwere Sucht, er starb 1866 in einer privaten Nervenheilanstalt in Brehna bei Halle/Saale. Bald darauf starb auch seine Frau in Potsdam. Die älteste Tochter des Generalarztes, die schöne Anna Behn, kümmerte sich um die Brüder, besonders den jüngsten, der beim Tod der Mutter erst ein Jahr alt war. Anna war mit dem Astronomen Hermann Romberg verheiratet und lebte später mit ihm in St. Petersburg. Das Leben dieses Ehepaares ist ein eigener Roman. Im ersten Weltkrieg sollen die beiden Söhne und die beiden Schwiegersöhne der schönen Anna an vier verschiedenen Fronten gekämpft haben; einer auf deutscher Seite, einer auf russischer, einer im finnischen Heer und einer im französischen. Anna und ihr Mann sind aber nach dem Ersten Weltkrieg in Berlin gestorben. Meine Mutter hat wenigstens ihre Großtante Anna noch gekannt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unserer Mutter Großvater, Hermann Behn, war ein sehr erfolgreicher Pionier-Offizier – er hatte das Glück, ein Offizier im Frieden zu sein und mit dieser Rolle gut zu Recht zu kommen. Er baute wohl meistens an den Fortifikationen des Deutschen Reiches: in Königsberg, Stettin und Thorn, in Köln und Deutz, in Glogau, Neiße und zuletzt in Metz. Es war ihm nicht langweilig, er war gesellig, anscheinend freundschaftsfähig. Das machte ihn beliebt. So kam er nach seiner Pensionierung 1906 als Generalmajor an den „Invalidendank“, eine Organisation zur Unterstützung von alten Soldaten. Bei seiner Reaktivierung im 1. Weltkrieg wurde er ein letztes Mal befördert. Als Generalleutnant schied er schließlich aus, durfte sich Exzellenz nennen lassen. Was er von diesem einzigen Krieg, den er erlebte, gehalten hat, weiß ich nicht. Aber seine Tochter, meine Großmutter Edith Behn, hat immer geglaubt, ihr Vater, ganz wie übrigens auch ihr Mann Paul Liebert, habe stets seine Pflicht getan. Dass und nur das war es, was man von einem Soldaten erwarten durfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Großonkel Felix Behn, der einzige Bruder meiner Großmutter, starb als Offizier im ersten Weltkrieg durch eine Fliegerbombe. Er war ein Familienforscher wie ich, allerdings hauptsächlich mit einem praktischen Ziel: er wäre so gerne adlig gewesen und hoffte immer nachweisen zu können, dass die Behns eigentlich „von Boehns“ sind. Er hatte sich sogar schon einen Siegelring mit dem Wappen der von Boehns machen lassen, den ich noch habe. Die abenteuerliche Behn-Saga, die bei seinen unsystematischen Nachforschungen entstand, hat die von Boehns sehr erbost . Mir nützt sie nichts. Hoffentlich ist wenigstens der Spitzenahn Kasimir Behn echt! Dann wäre das Heiratsdatum  29. 6. 1758 in Preußisch Friedland das älteste Datum der Behnfamilie. Es bedeutet, dass die Behns schon im späteren Westpreußen waren, bevor es 1793 preußisch wurde!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein von mir durch das Kirchenbuch und das Zunftbuch erforschter Spitzenahn ist der 1685 in der Neustadt von Thorn/Torun  mit einer Anna Wachschlager verheiratete Hans Deutzschmann, ein Rotgerbermeister. Ein anderer Spitzenahn ist Peter Wentzel, der Kupferhammerschmied in Leibitz (Lubicz), Bürger von Thorn seit 1670. Er heiratet 1685 Maria Strewig, eine Fleischerstochter aus Thorn. Die Frauenfamilien Wachschlager (Waxschlager) und Strewig (Streibig) sind schon am Ende des Mittelalters (15. Jht.) in Thorn ansässig gewesen. Aus diesen alten Familien stammt Anna Sophia Hirschberger, die Frau des Kreiswundarztes Behn in Bromberg. Dieser Mutterstamm der Behns in Thorn ist ein echter Handwerkerstamm. Hammer- und Kupferschmiede sowie Rotgerber geben ihm sein Gepräge und das Zunftbuch der Rotgerber in der Thorner Neustadt, die  „Rothgerber Meisterquartale 1626 bis 1855“, gibt der Familiengeschichte spannende Kontur. Doch der Vater von Anna Sophia Hirschberger ist ein Kupferschmied aus Pirna! Und hat dort eine Handwerkerdynastie von Schmieden, Gürtlern und Nadlern hinter sich. Es lässt sich sagen, dass die Frauenstämme der Behnfamilie interessanter sind als die eigentlichen Behns. Aber das liegt vielleicht nur daran, dass wir von den Behns nichts wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Saur-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Saur-Saga ist die kürzeste und traurigste unter unseren acht Familien-Sagen. Sie heißt so nach Emma Saur, der Mutter unseres Großvaters mütterlicherseits. Wenn es schon traurig genug ist, dass diese tüchtige Frau jung starb, vermutlich in einer Erschöpfungsdepression, die mit einem chronischen Lungenleiden einherging, so ist es darüber hinaus betrüblich, dass wir ihrer Abstammung nicht mehr nachforschen können. Wir wissen nur, was mein Großvater Paul Liebert über diese seine leibliche Mutter überlieferte: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Emma Liebert, geb. Saur, Haus- und Geschäftsfrau, geboren am 9.12.1850 in Guhrau, Bezirk Breslau, evangelischer Konfession, gestorben am 29.10.1880 in Guhrau (nach einem Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt, lungenkrank). Sie hatte am 23.10.1868 ebenfalls in Guhrau Otto Liebert geheiratet, einen Eisenwarenkaufmann, der später Molkereibesitzer in Guhrau war. Emmas Vater Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, war bei ihrer Hochzeit schon verstorben und hatte ihr eine große Erbschaft hinterlassen. Ihre Mutter Amalie Saur, geb. Matthie, geboren am 24.3.1825 in Guhrau, ebenfalls evangelisch, gestorben am 6.1.1886 in Guhrau, hat unser Großvater noch gut gekannt. 1847 sollen Gustav Saur und Amalie Matthie in Guhrau geheiratet haben. Emma hatte noch drei Geschwister, eine ihrer Schwestern heiratete den Bruder ihres Mannes. Dieses Geschwisterpaar Karl und Klara Liebert kümmerte sich nach Emmas frühem Tod um das Geschäft des ganz gebrochenen Witwers. Das überliefert eine Halbschwester unseres Großvaters, die berühmte Tante Meta aus der zweiten Ehe des Otto Liebert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese zweite Ehe Ottos, die nach Krankheit, Tod, Depression und wohl auch Streit wieder Sonne ins Leben der Familie Liebert brachte, diese zweite Ehe mit Julie Sonntag, hat vielleicht die Überlieferung der Saur-Saga ein bisschen verdrängt. Doch reichen auch die andern Familienerzählungen im allgemeinen nicht weiter als bis zu den Großeltern unsrer Großeltern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, der Hauptgrund für die Kürze der Saur-Saga ist die Zerstörung der kleinen Stadt Guhrau am Ende des zweiten Weltkrieges und die Vernichtung der Kirchenbücher und Standesamtsakten. Angeblich wurden die Kirchenbücher vor der Vertreibung der Deutschen in einer Truhe im Keller der evangelischen Kirche versteckt. Aber diese Kirche ließen die neuen polnischen und katholischen Bewohner Góras, wie es nun hieß, verfallen. Zu guter Letzt musste sie abgerissen werden. Der Keller ist verschüttet. Heute ist an der Stelle der Kirche ein leerer Platz mitten in der winzigen Stadt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann ich nach den Vorfahren der Saurs und den dazugehörigen Mutterstämmen nicht suchen. Der Spitzenahn für diesen Stamm ist daher Gustav Saur, Mühlenbesitzer in Guhrau, geboren vermutlich um 1820, gestorben schon 1866, vor Emmas Heirat mit meinem Urgroßvater. Das ist eine ungewöhnlich kurze Stammlinie. Nachtragen kann man nur, dass nach der Überlieferung die Vorfahren von Gustav Saur bis zurück zu den Zeiten des alten Fritz stolze reiche Windmüller in Guhrau gewesen sein sollen. Das hat unseres Großvaters Paul Großmutter, die Amalie Saur, geb. Matthie, ihm erzählt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Liebert-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Liebert-Saga ist die Geschichte der Herkunft meines Urgroßvaters Otto Liebert. Sie führt nach Großpolen, nach Kobylin bei Lissa oder, wie es heute heißt, Leszno. Der erste Liebertvorfahre heißt Michael und ist Einwohner in Jutroschin. Als er zum ersten Mal erwähnt wird, 1731 bei der Hochzeit seines Sohnes Martin, eines Windmüllers in Kobylin, ist er schon verstorben. Michael Liebert war deutschstämmig und evangelisch-lutherisch. Er gehört in einen Personenkreis, der seit der Gegenreformation nach dem Dreißigjährigen Krieg von Schlesien ins Königreich Polen ausgewichen war. Dieses Großpolen hatte die gleiche Landschaft und das gleiche Klima wie Schlesien. Die Adeligen waren seit der Reformationszeit evangelisch und hatten immer schon Glaubensflüchtlinge bei sich aufgenommen: das Land war geräumig und die Einwanderer sollten es entwickeln helfen. Windmüller wurden gebraucht. Die Lieberts waren oder wurden Windmüller. Sie lebten als Bürger und Handwerker im winzigen Kobylin, zwischen polnischen Adelsgütern und polnischen Bauerndörfern. Sie lebten in diesen Städten zusammen mit Juden, die den Handel übernahmen, und mit polnischen katholischen Handarbeitern und Ackerbürgern. Sicher sprachen die Lieberts auch polnisch, aber in Rathaus, Zunftstube und Kirche wurde Deutsch gesprochen und geschrieben. Deshalb war auch die Schule deutsch. Die Lehrer und Pastoren kamen aus Deutschland und die Gesellen gingen nach Deutschland auf Wanderschaft. Es war ein ehrgeizig angestrengtes, sehr vielseitiges Leben. Drei Generationen Liebert sind Windmüller auf der Stadtmühle in Kobylin, in der vierten werden beide Söhne, Carl Christian und Daniel Benjamin Bäcker.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum die Stadtmühle der Familie Liebert abhanden kam, steht nicht im Kirchenbuch. Die napoleonischen Kriege mögen dabei eine Rolle gespielt haben, aber auch der frühe Tod der Mutter, der erst 23jährigen Christiana Charlotta, geb. Kammer. Der Vater heiratet schnell ein zweites Mal – aber das neugeborene vierte Kind von Charlotta stirbt trotzdem. Die zweite Frau, Susanna, geb. Pflegel, stammt wie Charlotta aus einer Müllerdynastie in Kobylin. Doch auch von ihren Kindern ist später keines Müller auf der Stadtmühle. 1822 stirbt Christian Carl, der letzte Windmüller der Familie Liebert. Der älteste Sohn ist erst 17 Jahre alt. Er kann die Mühle nicht übernehmen. Er und auch sein Bruder, mein Vorfahr Daniel Benjamin, machen eine Bäckerlehre, vielleicht, durch Patenschaften vermittelt, im nahen Lissa. Auf jeden Fall leben und arbeiten beide später dort. In Lissa verheiraten sie sich und ziehen Kinder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daniel Benjamin, lutherisch erzogen, geht 1836 die Ehe ein mit Charlotte Zytowski, einer Nachkommin der Böhmischen Brüder. Die Verbindung ist vielleicht von Anfang an spannungsreich, sie scheint eine sehr energische Frau gewesen zu sein und ihm fehlt vielleicht das freie Leben auf der Windmühle. Dazu kommt der Konfessionsgegensatz und der Schwiegervater Samuel Zytowski, der eine wichtige Rolle in Stadt und Kirchengemeinde innehat. Die Entscheidung bringt das Jahr 1848. Daniel Benjamin Liebert fühlt mit den aufständischen Polen, als Deutscher, als Handwerksmeister und Bürger setzt er auf die Revolution. Das bringt ihn in Gegensatz zu dem streng konservativen und propreußischen Bürgertum in Lissa. Er wird zum Außenseiter. Ob er sich auch strafbar macht, weiß ich nicht. 1854 zieht er die Konsequenz, verlässt seine Frau und seine fünf Kinder und wandert über den Hafen Bremen nach Amerika aus, ohne seine Schulden zu bezahlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Urgroßvater Otto Liebert, Daniel Benjamins ältester Sohn, hat also Erfahrung mit Armut. Aber die Mutter gibt sich nicht geschlagen. Nach der Familien-Saga hilft ihr ein Jude mit einem ersten Kredit für die Bäckerei. Otto und seine Brüder besuchen das Gymnasium in Lissa und lernen dann in Marienberg den Eisenhandel. In Guhrau, nicht weit von Lissa, lässt sich Otto mit einem eigenen Geschäft nieder, wozu ihm ein Bruder seiner Mutter das Kapital leiht. Die reiche und tüchtige Müllerstochter Emma Saur wird Ottos Frau und führt selbständig das Geschäft weiter, als Otto 1870/71 im Krieg ist. Emma stirbt 30-jährig, wohl von der vielen Arbeit und fünf Schwangerschaften erschöpft. Otto bricht fast zusammen, sein Bruder muss das Geschäft für ihn leiten. Eine zweite Ehe wird vermittelt und Julie Sonntag aus Patschkau macht Mann und Kinder wieder glücklich: nie wollte unser Großvater Paul dulden, dass man „die böse Stiefmutter“ im Märchen sagte, so dankbar war er ihr. Sein Vater Otto hatte inzwischen die Molkerei in Guhrau übernommen. Er war ein vermögender Mann und konnte seinen ältesten Sohn nach Breslau auf das berühmte Elisabeth-Gymnasium schicken. Anscheinend sah er es gern, dass Paul 1887 die Militärlaufbahn einschlug. So wurde unser schlesischer Großvater, der Windmüllernachkomme, preußischer Offizier. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er war es meistens im Frieden. Er diente in vielen Garnisonen: in Straßburg, in Metz, in Berlin, in Posen. Er heiratete spät, angeblich, weil er glaubte, er werde nicht alt werden. Mit neununddreißig Jahren entschloss er sich doch noch: die Tochter seines Chefs hatte es ihm angetan. Edith Behn war vierundzwanzig Jahre alt. Die Hochzeit fand am 14. März 1907 in Berlin statt. 1910 wurde unsere Mutter Ruth in Sablon bei Metz geboren. Wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn ihr Vater bis zu ihrer Großjährigkeit im Dienst aufgestiegen wäre, kann man nicht wissen. Es kam der Erste Weltkrieg, die Niederlage, das Ende des Kaiserreichs. Paul Liebert wurde als Mann von  49 Jahren pensioniert. Seine Ansichten wurden erschüttert. Er beschloss, seine älteste Tochter studieren zu lassen und ihr ein eigen bestimmtes Leben zu ermöglichen. Er suchte eine kleine und nicht teure Universitätsstadt. Seine Wahl fiel auf Marburg an der Lahn. Aus ganz ähnlichen Gründen hatte diese Universität ein junger Theologe aus Köln erwählt. Im Sommer 1929 lernten sich Ruth Liebert und Eberhard von Mering beim Lektor für Griechisch Dr. Wysk kennen. Es war nachhaltig. Am 17. August 1937 heirateten die beiden und wurden unsere Eltern. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Stammes Liebert ist Michael Liebert, Einwohner in Jutroschin, Vater eines Sohnes Martin um 1700 (1699) und gestorben dort vor 1731. Dieser Sohn Martin ist der erste Windmüller Liebert in Kobylin. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn des Mütterstamms Zitowski ist jünger: der Bildhauer Franz Zittowske in Lissa ist 1777 schon verstorben, als sein einziger Sohn Martin Gottlieb Zytowsky, ebenfalls Bildhauer, sich verheiratet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Liebscher-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Liebscher-Sage ist die Geschichte des Akademiker-Stamms unter meinen Vorfahren – oder bescheidener ausgedrückt: des Lehrer- und Pfarrerstamms. Doch gibt es unter den Verwandten dieser Lehrer und Pfarrer auch Ärzte und Verwaltungsjuristen. Damit hebt sich die Familie Liebscher von sechs der andern Urgroßeltern-Stämme ab: von den Windmüllern Liebert und Saur, von den Kaufleuten und Angestellten Eberhardt und Ehlert und von den Handwerkerstämmen Allendorf und Behn. Ein Arzt kommt bei den Behns im 19. Jahrhundert vor. Die von Merings weisen in unserer Vorfahrenlinie vor unserem Vater nur drei Universitätsabsolventen auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbstverständlich bleibt auch beim Liebscher-Stamm die Grundlage das Handwerk. Der erste nachweisliche Vorfahr mit diesem Namen ist Sattler aus Hermsdorf/Erzgebirge, Sohn des Joel Liebscher. Er heiratet in Dippoldiswalde bei Dresden die Tochter seines Meisters namens Bercht und zieht mit ihr nach Geising am Erzgebirge. Dort hat er Arbeit genug, denn der Bergbau braucht Schurzleder, Eimer und Riemen. Er bekommt viele Kinder. Seine erste Frau Anna Elisabeth stirbt, er heiratet ein zweites Mal. Die Frau heißt Maria Schelle. Sie gehört wohl zu der Familie in Geising, aus der der Thomaskantor Johann Schelle&amp;lt;ref&amp;gt;Schelle, Johann, get. 6. 9. 1648 Geising (Erzgebirge), gest. 10. 3. 1701 Leipzig; deutscher Komponist und Kantor&amp;lt;/ref&amp;gt;  hervorgeht. Dadurch liegt nahe, dass ein Liebschersohn Kantor und Lehrer werden will. Er wird unser Vorfahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hat er die erste Hürde zum Bildungssektor genommen, obwohl auch der Schuldienerberuf damals ein Handwerk ist. Die Frauen der Lehrer Liebscher sind überwiegend Lehrerstöchter. Die zweite Hürde nimmt Benjamin Liebscher 1787, als er eine Pfarrerstochter heiratet und später selber Pfarrer wird. Erst Pfarrer brauchten eine Universitätsbildung. Damit gewinnt unser Stamm über die Mutterlinie der Pfarrerstochter Ramdohr Anschluss an Familien, die schon seit mehreren Generationen Universitätsausbildung genossen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sechzehn Pfarrer gehören damit zu den Vorfahren unseres Vaters. Und sehr oft ist über die Pfarrerstöchter die nächste Generation zum Beruf gekommen. Neben dem Streben nach Bildung fällt am Liebscherstamm eine ausgesprochene Neigung zu Ehe und Familie auf. Die Liebschers bejahten im Glauben die Lebensordnung. Sie hatten oft zahlreiche und gesunde Kinder. Auch Langlebigkeit gibt es häufig in diesem Stamm. Weil sie zu den Honoratioren gehörten, als Pfarrer sogar selbst Einfluss auf das Kirchenbuch nehmen konnten, lassen sich die Liebschers gut erforschen. Das liegt natürlich auch an der idealen Quellenlage in Mitteldeutschland. Sehr viele Kirchenbücher sind erhalten, Stadt- und Kirchenarchive sind zugänglich und sie reichen im Land der Reformation weit zurück. Als Folge davon ist die Liste der Familiennamen am längsten von allen meinen Stämmen. Und manche dieser Namen sind schon von anderen Genealogen erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spitzenahnen meiner Urgroßmutter Johanna Liebscher sind &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Hans Francke, Schuster in Leipzig um 1530, geboren in Nürnberg um 1510&lt;br /&gt;
* Johann Schütz, (ca. 1519 – 1581), Pfarrer in Großottersleben und Riestedt&lt;br /&gt;
* Johannes Krause, Hofprediger beim Grafen Hans von Mansfeld in Rothenburg a.d. Saale, gest. 1558&lt;br /&gt;
* Magister Thomas Kuntzsch, Rektor in Eilenburg um 1560&lt;br /&gt;
* Magister Johannes Stam, Pfarrer an St. Annen in der Neustadt Eisleben um 1570&lt;br /&gt;
* Matthes Reichelt, Windenmacher im Prüll von Leipzig um 1575&lt;br /&gt;
* Georg Eichhorn, Hochgräflich-Mansfeldischer Rentmeister um 1590    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Eberhardt-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Eberhardts stammen aus dem Thüringer Wald. Natürlich sind sie evangelisch-lutherisch. Die erste Eheschließung, die ich nachweisen kann, hat 1692 in Großbreitenbach stattgefunden. Da heiratet ein Fenstermacher Eberhardt die Tochter eines Fenstermachers Eberhardt – das wird wohl seine Kusine gewesen sein. Das Handwerk der Fenstermacher umfasste „im Osten“ das, was im Westen Deutschlands zwei Gewerke, die Tischler und die Glaser, leisteten. Die Fenstermacher fertigten nicht nur den Holzrahmen, sondern setzten auch das Glas ein. Glas wurde im Thüringer Wald schon seit dem Mittelalter hergestellt. Und Holz gab es reichlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Vorfahr Wolffgang Nicol Eberhardt, 1736 in die große Sippe Eberhardt hineingeboren, will etwas Besonderes sein, er ist „der Kunst ergeben“. So wird er weder Fenstermacher noch Handelsmann wie seine Verwandten, sondern zu guter Letzt Lehrer in Altenfeld. Reich wird er nicht, stirbt auch früh, so dass sein Sohn Nicol Wolffgang Eberhardt, unser nächster Vorfahr, keine Ausbildung bekommt. Er wird Handarbeiter, später Kastenknecht, d. h. Küster in Arnstadt etwa um 1800. Auch dessen Sohn Johann Adam Heinrich bleibt in diesem Amt: Gartenarbeiter und Kastenknecht um 1830. Arnstadt ist damals eine wachsende Stadt. Auch die Familie Weisheit, Nachkommen von Kleinbauern und Fuhrleuten im Thüringer Wald, kommt nach Arnstadt. Sie hat einen weit zurückreichenden Stammbaum von Fuhrleuten mit Namen Weisheit in Struth bei Schmalkalden. In Struth heißt heute noch jeder dritte Weisheit, erzählte mir eine freundliche Einwohnerin. Aber der Johann Otto Weisheit, der nach Arnstadt kommt, ist Brandweinbrenner. Er hat die Ehe geschlossen mit Magdalene Bücking, der Nachkommin eines schwarzburgischen gelernten Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Lehrers Urenkel, Ernst August Christian Eberhardt, kann sich wieder eine Lehrzeit leisten: er wird Zeugschmiedemeister in Arnstadt. Seinen Kindern bringt es kein Glück: der junge Meister stirbt 1857 mit 25 Jahren „an Krämpfen“, die Mutter Johanna Friederike Weisheit muss als Waschfrau Sohn und Tochter aufziehen. Unseres Urgroßvaters Heinrich Eberhardt Kindheit ist ebenso von Armut geprägt wie die von unserm Urgroßvater Peter Mering. Aber während Peter ein Handwerk lernt, geht Heinrich zur Eisenbahn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der unermesslichen Menge an Literatur über die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland gibt es fast nichts über die Ausbildung der Menschen, die bei der Bahn eingestellt wurden – mit Ausnahme der Lokomotivführer. Unser Urgroßvater aber war kein Lokomotivführer, er hatte eine Art Buchhalterstelle bei der Bahn. Rechnen und schreiben muss er gut gekonnt haben. Das Rechnungswesen der stetig sich entwickelnden Reichsbahn wurde von Hand registriert. In riesigen Büros saßen die Beamten. Heinrich kam schnell voran. Mit 25 Jahren konnte er die Pastorentochter Johanna Liebscher aus Oberröblingen am See heiraten und mit ihr nach Deutz ziehen. So kamen die Eberhardts an den Rhein. Natürlich suchten sie eine evangelische Kirche und fanden sie in der neu aufstrebenden Stadt Ehrenfeld. Clara Eberhardt, die älteste Tochter von Johanna und Heinrich, lernte im Kirchenchor den jungen Bildhauer Carl von Mering kennen. So wurde Clara unsere Großmutter von Mering.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Allendorf-Saga ===&lt;br /&gt;
Die Allendorf–Saga erzählt die Herkunft einer meiner Urgroßmütter, der Friederike Philippine von Mering, geb. Allendorf. Ihr Vater Karl Allendorf war zwischen 1840 und 1873 Glaser in Koblenz. Er stammte aus einer Handwerkerfamilie in Artern am Kyffhäuser. Ihre Mutter hieß Philippine Zimmermann und stammte aus einer evangelischen Handwerkerfamilie in Bacharach am Rhein. Sowohl Artern als auch Bacharach und Koblenz waren 1815 preußisch geworden. Die beiden waren also Bürger Preußens, aber ziemlich sicher hat Karl sich mehr als Sachse und Philippine sich mehr als Rheinländerin gefühlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Allendorfs in Artern waren hauptsächlich Glaser-, Bäcker- und Gerbermeister. Die Glaser hießen außer Allendorf überwiegend Jahn, die Meyers waren eine Bäckerfamilie, die Zeises oder Zieses sowie die Gänsehals waren Gerber. Die Allendorfs stammten eigentlich aus Apolda. Der Spitzenahn mit dem Namen Allendorf ist Andreas Allendorf, Glaser um 1747 in Apolda, gestorben vor 1779, doch können auch der Gerber Adolph Gänsehals, der Bäcker Johann Jacob Meyer und die Anspänner Anton Leucht und Johann Christoph Ziese um 1747 als Spitzenahnen benannt werden. Das Kirchenbuch von Artern ist noch nicht ausgeschöpft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Handwerkermeister in Bacharach waren hauptsächlich Schlosser. Da die evangelische Diaspora eng war, kamen die Schwiegersöhne der Schlosser als wandernde Gesellen aus Hessen und Franken an den Rhein und in die Familie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Spitzenahn mit dem Namen Zimmermanns ist Tobias Zimmermann aus Rathsweiler, der aber kein Schlosser, sondern um 1780 ein Bäcker war in Zweibrücken. Doch der absolute Spitzenahn unter Philippines Vorfahren ist Philipp Kümpel, Bürger und Schiffsmann in Kaub, gestorben vor 1747. Er ist nicht nur im Kirchenbuch, sondern auch in den Rechnungen des Zolldirektors von Andernach Johann Friedrich von Mering bezeugt. Wie mehrmals in meiner Familiengeschichte sind sich also – diesmal am Rheinzoll in Andernach – zwei Vorfahren schon einmal begegnet, bis endlich auf großen Umwegen ihre Nachfahren ein Ehepaar wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philippine Allendorfs Handwerkervorfahren machen nach den Kirchenbucheinträgen einen sehr soliden Eindruck. Ich denke, diesen Eindruck hat auch sie selbst auf Peter von Mering gemacht. Peter hatte Grund, sich nach Solidität und Verlässlichkeit zu sehnen. Die Wirbel, die sein abenteuernder Großvater verursacht hatte, waren noch im Familien-Gedächtnis. Dass Philippine darauf bestand, in der evangelischen Konfession ihrer Eltern getraut zu werden und ihre Kinder zu erziehen, erschien ihm vielleicht als Bestätigung ihrer Verlässlichkeit. So willigte er ein. Dank Philippine Allendorfs Ernst und Konsequenz sind wir die einzigen evangelischen von Merings, die es gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Mering-Saga ===&lt;br /&gt;
So gut wie andere Familien sind die Merings allemale. Es ist der Name meines namengebenden Urgroßvaters Peter von Mering. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der früheste Mering, mit dem wir verwandt sind, stammte aus Coesfeld. Es gibt bis heute einen Hof Mehring bei Flamersheim im Kreis Coesfeld, der seit dem 12. Jahrhundert ein Meierhof des Klosters St. Mauritius in Münster war. In Coesfeld ist im 15. und 16. Jahrhundert der Familienname Merinck unter den Bürgern sehr häufig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hynrich Merinck aus Coesfeld erwarb 1553 in Köln das Bürgerrecht. Natürlich war er Katholik  als Bürger einer katholischen Stadt. Nach seinem Testament von 1579 war er zuerst mit Catharina Lindlar verheiratet, der Witwe von Herman Mueträtzer oder Muetroyde. Herman Muetroyde war Kaufmann in Köln gewesen, Hynrich Merinck vermutlich sein Prokurist oder Kompagnon. Catharina war älter als Hynrich. Sie hatte schon vier halberwachsene Kinder, die Hynrich aufziehen half. Erst als Catharina starb, konnte Hynrich eine junge Frau, Christina von Monheim, heiraten, mit der er mindestens vier eigene Kinder erzielte. 1579, als er, schwer krank, sein Testament schrieb, waren diese Kinder noch klein. Hynrich aber besaß ein großes Vermögen und wollte vor Zeugen klar stellen, dass er seine Stiefkinder schon abgefunden hatte und dass sein jetziger Wohlstand allein seinen leiblichen Kindern zugute kommen sollte. Christina sollte seine Testamentsverwalterin und die Erzieherin der Kinder sein. Nach den Kölner Genealogen wurde Hynrich wieder gesund und lebte noch bis 1587. Dann starb er und kurz darauf auch Christina.  Die Waisen Merinck wurden von Vormündern großgezogen, unser nächster Vorfahr hieß wieder Hynrich und wurde wieder Kaufmann in Köln, zuerst imViertel St. Martin, dann bei St. Columba. Seine 13 Kinder von zwei Ehefrauen sind zwischen 1600 und 1631 in Köln getauft. Ein Sohn, 1620 geboren, ist der erste Domherr der Familie, Henrich Mering. Sein jüngerer Bruder, unser nächster Vorfahr, wurde Arzt, Professor für Medizin an der Kölner Universität zwischen 1662 und 1687. Dieses Professors Sohn aus erster Ehe, geboren 1667, ist der zweite Domherr der Familie, Heinrich von Mering. Ein Sohn aus zweiter Ehe, geboren 1685, ist unser nächster Vorfahr.  Er heißt Johann Friedrich von Mering, ist zuerst Hauptmann im kaiserlichen Heer, dann kurkölnischer Rheinzöllner in Andernach. Johann Friedrich hatte von seiner Frau Maria Gertrude Rübsam drei Söhne. Der älteste und der jüngste verheirateten sich in Andernach. Der älteste ist der Vorfahr der von Merings in Amerika geworden, der Stamm des jüngsten starb aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der mittlere, geboren 1733, unser Vorfahr Franz Caspar von Mering, wurde wie sein Vater kaiserlicher Soldat. Er kämpfte als Offizier der Kaiserin Elisabeth 1761 bei Torgau gegen Friedrich den Großen. Aber Franz Caspar hatte kein Glück. Vielleicht wurde er schwer verletzt und kränkelte dann, vielleicht war er nicht tüchtig. Er brachte es nur bis zum Oberleutnant, erhielt früh seinen Abschied. Und er heiratete offenbar unterhalb des Rahmens seiner Brüder. Die Verbindung zu ihnen scheint abgerissen. Er starb schon 1779 in Mainz. Sein Sohn, unser Vorfahr Franz Joseph Caspar, wurde schon mit fünfzehn Jahren Vollwaise und war offenbar ohne Vermögen. Für ein armes adliges Kind waren die Zeiten schlecht. Mainz gehörte seit 1797 zur revolutionären Republik Frankreich. Vermutlich floh Franz Joseph Caspar und wurde so jung wie möglich Soldat, angeblich bei den preußischen Husaren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leben verlief abenteuerlich. 1799 ist er in der Pfalz und heiratet vor dem republikanischen Zivilbeamten in Kirchheimbolanden eine Pächterstochter lutherischer Konfession, Anna Maria Ziemer.  Franz Joseph Caspar ist der „Bürger Mering“. Das ist die erste standesamtlich geschlossene Ehe in unserer Familie und von den frommen Verwandten nie als solche anerkannt. Mit Anna Maria betreibt Franz Joseph Caspar eine Kneipe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der Geburt des ersten Kindes zieht das Paar nach Dänemark, wo es sechs weitere Kinder in der katholischen Kirche der Österreichischen Gesandtschaft taufen lässt. 1813, nach der Völkerschlacht bei Leipzig, müssen alle Ausländer sofort Dänemark verlassen. Die Merings kehren zurück nach Mainz. Das Land am Rhein steht unter bayrischer Verwaltung. Arbeitslosigkeit und Hunger herrschen. 1815 findet der arme Familienvater Arbeit  als „Chaussee-Bereiter“, als berittener Verkehrspolizist. 100 Franken im Monat sind nicht viel, aber es kommen noch „Denunziantenprämien“ dazu, wenn er viele Fuhrleute anzeigt. Er wird an die Landstraße von Speyer nach Oggersheim versetzt und zieht mit seiner Familie nach Speyer um. Seine Frau erwartet das 8. Kind. Franz Joseph Caspar ist sehr eifrig als Kontrolleur der Fuhrleute, er erhält hohe Prämien, er macht sich unbeliebt. Er wird reingelegt oder wird einmal schwach: er lässt sich bestechen. Seine Frau stirbt „vor Gram“, wie er selbst schreibt, seine Kinder kommen ins Armenhaus in Frankenthal. Er sitzt seit August 1816 im Gefängnis in Speyer. Im März 1817 findet in Zweibrücken vor dem Appellationsgerichtshof sein Verfahren statt. Er wird zu 200 Franken Strafe und einer Stunde Pranger verurteilt. Am Pranger hat er jedoch nicht gestanden. Er erreicht eine Begnadigung, vielleicht mit Hilfe seines Vetters, des ehemaligen Hofgerichtspräsidenten von Köln, Fritz von Mering. Von da an verliert sich unseres Vorfahren Spur. Seine Kinder geben in ihren Urkunden an, dass sie nicht wissen, wo ihr Vater sich aufhält. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der älteste Sohn dieses Mannes, Franz Joseph Mering, tritt aus dem Armenhaus ins preußische Heer ein. Er wird Hoboist im 29. Infanterie-Regiment, das in Saarlouis stationiert ist. Dort lernt er eine arme Näherin lothringischer Abstammung kennen, Catherine Henry. Ihr Vater war napoleonischer Offizier. Auch er ist verschollen. Die beiden heiraten 1828, ziehen 1831 mit dem Regiment nach Koblenz, 1842 bekommt Franz Joseph als Abfindung die Stelle eines Grenzaufsehers in Herongen an der neuen Zollgrenze zu den Niederlanden. 1843 wird dort unser Urgroßvater Peter geboren. Catharina stirbt 1855 in Herongen, bevor endlich 1856 Franz Joseph als Steuer-Aufseher nach Koblenz zurückkehren kann. Peter macht dort eine Maurerlehre, bevor er sich zum Stuckateur qualifiziert. Weil seine Frau, die evangelische Glaserstochter Philippine Allendorf darauf besteht, werden seine Kinder alle evangelisch erzogen. Und weil er sich 1893 das Adelspatent vom Königlichen Heroldsamt in Berlin bestätigen lässt, sind wir die einzigen evangelischen von Merings aus diesem Stamm!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Vorfahrenstämme</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Jens verschob die Seite Vorfahrenstämme nach Generationen: Neuorganisation&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Generationen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Generationen</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Jens verschob die Seite Vorfahrenstämme nach Generationen: Neuorganisation&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Ausgangsgeneration ===&lt;br /&gt;
Die Vorfahren auf dieser Website sind die Vorfahren von Christa Lippold, geb. von Mering und ihren Brüdern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Nahe Vorfahren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Unsere Eltern]]&lt;br /&gt;
* [[Unsere Großeltern]]&lt;br /&gt;
* [[Unsere Urgroßeltern]]&lt;br /&gt;
* [[Unsere Ur-Urgroßeltern]]&lt;br /&gt;
* [[Unsere Urur-Urgroßeltern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Vorfahren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Christas 8xUr-Mütter]]&lt;br /&gt;
* [[Christas 9xUr-Mütter]]&lt;br /&gt;
* [[Christas 10xUr-Mütter]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=35</id>
		<title>Hauptseite</title>
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		<updated>2026-09-22T15:25:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: /* Familiengeschichte */ und /* Deutungen */ nach Gedanken verschoben&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{SEITENTITEL:Einstieg}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lieber Leser! ===&lt;br /&gt;
Bedenke, dass du dich freiwillig daran begibst, in dieser Mappe der Familie von Mering zu blättern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Theorem Nr. 1 des chilenischen Neurophysiologen Humberto Maturana, so wie es  der Kyber­netiker Heinz von Foerster zitiert, lautet: &amp;quot;Alles Gesagte wird &#039;&#039;von&#039;&#039; einem Beobachter gesagt.&amp;quot; Das heißt im Falle dieser vor dir liegenden Mappe: Alles, was du hier liest, ist von mir, Christa von Mering, verheiratete Lippold, gesammelt, geordnet und kommentiert worden. Du begegnest auch in den alten, getreu zitierten Quellen immer nur mir: meinem Spürsinn, meiner Auswahl, meinem Humor und meinem Drang nach Wirklichkeit. Vor allem andern aber be­gegnest du meiner Lust zu lesen und zu schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Texte sind nicht unbedingt für dich verfasst. Diese Texte sind nicht alle für dich verfaßt. Diese Texte sind überhaupt nicht für dich verfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz von Foersters Folgesatz Nr. 1 zu Humberto Maturanas Theorem Nr. 1 heißt: &amp;quot;Alles Gesagte wird zu einem Beobachter gesagt.&amp;quot; Vielleicht bist du dieser Beobachter? Oder du bist es nicht. Schreiben heißt im Unterschied zum Reden, dass man den, zu dem alles gesagt wird, sich erfin­det. Deshalb bin auch der zweite Beobachter vielleicht nur ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Mappe ist kein Buch. Die Anordnung der Texte, der Urkunden, der Zitate ist zwar nicht zufäl­lig, aber beliebig. Mir beliebte sie. Du kannst sie anders ordnen. Es ist wie ein Patience-Spiel. Die Karten sind gemischt. Jede Karte hat ihren Wert. Keine Karte hat einen festen Platz. Du bestimmst die Regeln, wann das Spiel gewonnen ist. Oder du schiebst die Karten zusammen und entscheidest, dass das Spiel verloren ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du kannst es auch als Suchbild betrachten. Oder als Puzzle. Auf keinen Fall wirst du hier an die Hand genommen. Niemals wird dir der Weg gezeigt. Missverständnisse gehören dazu. Undeutliches ist Absicht. Und dass es nicht aufgeht, ist der Familiengeschichte immanent. So ist es ja auch in Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wohin? ==&lt;br /&gt;
Familiengeschichte ist nicht eindimensional. Diese Mappe bietet dir den Zugang über zwei Dimensionen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Du kannst die [[Generationen]] vor mir erkunden oder&lt;br /&gt;
# du kannst den [[Sagas und Biografien]] der Vorfahren folgen, oder&lt;br /&gt;
# du kannst meinen [[Gedanken]] zur Ahnenforschung und Erstellung der Stammbäume, Sagas und Biografien folgen.&lt;br /&gt;
* [[Vorfahrenstämme]]&lt;br /&gt;
* [[Sagas der Herkunftsfamilien]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Gedanken&amp;diff=34</id>
		<title>Gedanken</title>
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		<updated>2026-09-22T15:24:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Die Seite wurde neu angelegt: „=== 1996 - der Anfang ===  ==== Familiengeschichte ==== Wer sich an eine Familiengeschichte heranmacht, hat Vorgänger. Es sind, soweit ich bis jetzt weiß, meist Männer, meist Dilettanten, meist Menschen, die die Familie als Statussymbol betrachten. Familiengeschichte wird im Hinblick auf Große Menschen geschrieben, das Besondere und wo­möglich Außerordentliche ist Motiv und Ziel zugleich. Bei den Genealogen, die dann über ihre eigene Familie hinau…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== 1996 - der Anfang ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Familiengeschichte ====&lt;br /&gt;
Wer sich an eine Familiengeschichte heranmacht, hat Vorgänger. Es sind, soweit ich bis jetzt weiß, meist Männer, meist Dilettanten, meist Menschen, die die Familie als Statussymbol betrachten. Familiengeschichte wird im Hinblick auf Große Menschen geschrieben, das Besondere und wo­möglich Außerordentliche ist Motiv und Ziel zugleich. Bei den Genealogen, die dann über ihre eigene Familie hinaus noch forschen oder Hilfsmittel zur Forschung bereitstellen, kommt ein Jagdtrieb da­zu. Wie finde ich schwer zu ermittelnde Daten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der schwache, fehlbare Vorfahr wie die Lücke im Stammbaum (&amp;quot;der tote Punkt&amp;quot;) sind die Feinde des Familienforschers. Damit reiht sich die Genealogie in den Trend unserer Zeit ein: immer besser, immer höher! Mit moderner Technik läßt sich dieser Trend noch verstärken. Aus diesem Grund ist die Genealogie heute ein beliebtes Hobby. Überall begegnet man Familienforschern, die über dieses Hobby klagen wie über eine Sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während ich mich der Familiengeschichte widme, möchte ich dem Trend doch ausweichen. Ich muss die Mittel der Moderne nutzen, ohne ihnen zu verfallen. Mit dem &amp;quot;toten Punkt&amp;quot;, der meine Ge­sprächspartner meistens in Form einer Grenzmarke interessiert, möchte ich souverän umgehen, in­dem ich darauf hinweise, wie hinter gesicherter schriftlicher Tradition auch noch Geschichte ist: le­bendige, undokumentierte Geschichte, so wirklich wie unser Alltag heute. Und wenn ich meiner Vor­fahren gedenke, als Familien, als Einwohner bestimmter Städte, als Einzelner, so möchte ich sie in ihrer Gewöhnlichkeit zeigen, so unspektakulär wie möglich, auch wenn ich ihre Besonderheiten würdige, damit Erzählung entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgeben von der Jagd nach der Sensation, der die Werbung ebenso huldigt wie das Gespräch unter Freunden, suche ich nach dem stillen Fließen der Wirklichkeit. Und ich suche mich seiner zu versi­chern in der Genauigkeit der Daten und der Würdigung der Widersprüche, die zwischen diesen Daten entstehen. Ich weiß, dass ich nichts weiß -- auch wenn ich alle Daten zusammengetragen und alle ver­fügbaren Bücher und Akten zur Orts- und Zeitgeschichte studiert habe. Aber ich fühle, dass ich mich annähere, wie der Mathematiker seiner gesuchten Kurve. Und dieses Annähern ist etwas wie Fröm­migkeit im Gegensatz zur Zerstreuung und zum Verbreiten von vorgeformten Lügen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Deutungen ====&lt;br /&gt;
Wir leben von Deutungen. Schon meine neugeborenen Enkel und Urenkel deuteten Berührungen, Lichteindrücke, Töne. Und von Anfang an kämpfen wir mit Fehldeutungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir scheint, als habe mich dies Problem immer beschäftigt. Und als habe es mich mehr be­schäftigt als die Menschen, die mich umgeben: Habe ich das richtig verstanden? Diese Miene, diese Geste, dieses Wort? Kann ich mich auf meine Deutung verlassen? Ist sie sachgerecht, wird sie meinem Gegenüber gerecht? Oder täusche ich mich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe beobachtet, wie andere sich getäuscht haben. Manchmal habe ich feststellen kön­nen, daß sie sich in mir täuschten. Manchmal habe ich feststellen müssen, daß ich sie ent­täuscht habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine eigenen Täuschungen zu beobachten, ist viel schwerer. Der Punkt, von dem aus ich beobachte und deute, liegt tief in meinem Charakter. Er hängt ab von den Anlagen, die ich mit auf die Welt brachte, von den Erfahrungen, die ich zum Teil noch in unbewusstem Zu­stand gemacht habe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich Texte und Dokumente deute, spielt auch meine Kultur eine Rolle. Die Einordnung von Merkmalen, die dann zu einer Deutung dienen, läuft über meine Bildung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich Texte über meine Vorfahren lese, bin ich mir der Gefahr der Fehldeutung sehr bewusst. Fast jedes Zeichen ruft mehrere Deutungsmöglichkeiten in mir auf. Ich muß mich für eine entscheiden. Ich prüfe mich. Ich prüfe meine Erfahrungen. Ich prüfe den Zusam­menhang. Aber den kann ich nur prüfen, soweit mir begleitende Texte zugänglich sind. Neue Quellen verändern mein Bild oft vollständig. Ich sehe, dass ich mich getäuscht habe. Das enttäuscht mich. Es macht meine Arbeit fragwürdig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem kehre ich bis jetzt immer wieder gern an meine Arbeit zurück. Warum eigentlich? Wo liegt der Reiz dieser Anstrengung, die nie fehlerfreie Ergebnisse liefern wird?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlüssel liegt vielleicht bei den Erfahrungen. Nach einem langen, bewußt gelebten Le­ben hat man so viele davon. Aber sie lassen sich nicht halten. Es heißt, sie ließen sich nicht weitergeben. Jedenfalls habe ich große Schwierigkeiten von ihnen zu sprechen, nicht nur aus Scheu, sondern auch, weil sie amorph sind. Manchmal bewegen sie sich in mir wie ein ungeborenes Kind, manchmal habe ich die Empfindung, von ihnen wie von Wellen ge­tragen zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erfahrungen wandern durch meine Träume: all die Menschen, die mir so bekannt vor­kommen und die mir beim Erwachen ganz fremd sind, die Räume, die mir vertraut sind und von denen ich beim Erwachen sagen möchte, ich habe sie noch nie gesehen. Es gibt Dörfer und Landschaften, in die ich in meinen Träumen zurückkehre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es auch mit den Lieblingsgedanken. In ganz verschiedenen Situationen gehen sie mir durch den Kopf. Ich wundere mich darüber. Und ich versuche, in meiner Familiengeschichte etwas daraus zu machen.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=33</id>
		<title>Hauptseite</title>
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		<updated>2026-09-22T15:21:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: /* Wohin? */ Neue Struktur mit Generationen, Sagas und Biografien, und Gedanken&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{SEITENTITEL:Einstieg}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lieber Leser! ===&lt;br /&gt;
Bedenke, dass du dich freiwillig daran begibst, in dieser Mappe der Familie von Mering zu blättern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Theorem Nr. 1 des chilenischen Neurophysiologen Humberto Maturana, so wie es  der Kyber­netiker Heinz von Foerster zitiert, lautet: &amp;quot;Alles Gesagte wird &#039;&#039;von&#039;&#039; einem Beobachter gesagt.&amp;quot; Das heißt im Falle dieser vor dir liegenden Mappe: Alles, was du hier liest, ist von mir, Christa von Mering, verheiratete Lippold, gesammelt, geordnet und kommentiert worden. Du begegnest auch in den alten, getreu zitierten Quellen immer nur mir: meinem Spürsinn, meiner Auswahl, meinem Humor und meinem Drang nach Wirklichkeit. Vor allem andern aber be­gegnest du meiner Lust zu lesen und zu schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Texte sind nicht unbedingt für dich verfasst. Diese Texte sind nicht alle für dich verfaßt. Diese Texte sind überhaupt nicht für dich verfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz von Foersters Folgesatz Nr. 1 zu Humberto Maturanas Theorem Nr. 1 heißt: &amp;quot;Alles Gesagte wird zu einem Beobachter gesagt.&amp;quot; Vielleicht bist du dieser Beobachter? Oder du bist es nicht. Schreiben heißt im Unterschied zum Reden, dass man den, zu dem alles gesagt wird, sich erfin­det. Deshalb bin auch der zweite Beobachter vielleicht nur ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Mappe ist kein Buch. Die Anordnung der Texte, der Urkunden, der Zitate ist zwar nicht zufäl­lig, aber beliebig. Mir beliebte sie. Du kannst sie anders ordnen. Es ist wie ein Patience-Spiel. Die Karten sind gemischt. Jede Karte hat ihren Wert. Keine Karte hat einen festen Platz. Du bestimmst die Regeln, wann das Spiel gewonnen ist. Oder du schiebst die Karten zusammen und entscheidest, dass das Spiel verloren ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du kannst es auch als Suchbild betrachten. Oder als Puzzle. Auf keinen Fall wirst du hier an die Hand genommen. Niemals wird dir der Weg gezeigt. Missverständnisse gehören dazu. Undeutliches ist Absicht. Und dass es nicht aufgeht, ist der Familiengeschichte immanent. So ist es ja auch in Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familiengeschichte ===&lt;br /&gt;
Wer sich an eine [[Familiengeschichte]] heranmacht, hat Vorgänger. Es sind, soweit ich bis jetzt weiß, meist Männer, meist Dilettanten, meist Menschen, die die Familie als Statussymbol betrachten. [[Familiengeschichte]] wird im Hinblick auf Große Menschen geschrieben, das Besondere und wo­möglich Außerordentliche ist Motiv und Ziel zugleich. Bei den Genealogen, die dann über ihre eigene Familie hinaus noch forschen oder Hilfsmittel zur Forschung bereitstellen, kommt ein Jagdtrieb da­zu. Wie finde ich schwer zu ermittelnde Daten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der schwache, fehlbare Vorfahr wie die Lücke im Stammbaum (&amp;quot;der tote Punkt&amp;quot;) sind die Feinde des Familienforschers. Damit reiht sich die Genealogie in den Trend unserer Zeit ein: immer besser, immer höher! Mit moderner Technik läßt sich dieser Trend noch verstärken. Aus diesem Grund ist die Genealogie heute ein beliebtes Hobby. Überall begegnet man Familienforschern, die über dieses Hobby klagen wie über eine Sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während ich mich der [[Familiengeschichte]] widme, möchte ich dem Trend doch ausweichen. Ich muss die Mittel der Moderne nutzen, ohne ihnen zu verfallen. Mit dem &amp;quot;toten Punkt&amp;quot;, der meine Ge­sprächspartner meistens in Form einer Grenzmarke interessiert, möchte ich souverän umgehen, in­dem ich darauf hinweise, wie hinter gesicherter schriftlicher Tradition auch noch Geschichte ist: le­bendige, undokumentierte Geschichte, so wirklich wie unser Alltag heute. Und wenn ich meiner Vor­fahren gedenke, als Familien, als Einwohner bestimmter Städte, als Einzelner, so möchte ich sie in ihrer Gewöhnlichkeit zeigen, so unspektakulär wie möglich, auch wenn ich ihre Besonderheiten würdige, damit Erzählung entsteht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgeben von der Jagd nach der Sensation, der die Werbung ebenso huldigt wie das Gespräch unter Freunden, suche ich nach dem stillen Fließen der Wirklichkeit. Und ich suche mich seiner zu versi­chern in der Genauigkeit der Daten und der Würdigung der Widersprüche, die zwischen diesen Daten entstehen. Ich weiß, dass ich nichts weiß -- auch wenn ich alle Daten zusammengetragen und alle ver­fügbaren Bücher und Akten zur Orts- und Zeitgeschichte studiert habe. Aber ich fühle, dass ich mich annähere, wie der Mathematiker seiner gesuchten Kurve. Und dieses Annähern ist etwas wie Fröm­migkeit im Gegensatz zur Zerstreuung und zum Verbreiten von vorgeformten Lügen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Deutungen ===&lt;br /&gt;
Wir leben von Deutungen. Schon meine neugeborenen Enkel und Urenkel deuteten Berührungen, Lichteindrücke, Töne. Und von Anfang an kämpfen wir mit Fehldeutungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir scheint, als habe mich dies Problem immer beschäftigt. Und als habe es mich mehr be­schäftigt als die Menschen, die mich umgeben: Habe ich das richtig verstanden? Diese Miene, diese Geste, dieses Wort? Kann ich mich auf meine Deutung verlassen? Ist sie sachgerecht, wird sie meinem Gegenüber gerecht? Oder täusche ich mich? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe beobachtet, wie andere sich getäuscht haben. Manchmal habe ich feststellen kön­nen, daß sie sich in mir täuschten. Manchmal habe ich feststellen müssen, daß ich sie ent­täuscht habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine eigenen Täuschungen zu beobachten, ist viel schwerer. Der Punkt, von dem aus ich beobachte und deute, liegt tief in meinem Charakter. Er hängt ab von den Anlagen, die ich mit auf die Welt brachte, von den Erfahrungen, die ich zum Teil noch in unbewusstem Zu­stand gemacht habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich Texte und Dokumente deute, spielt auch meine Kultur eine Rolle. Die Einordnung von Merkmalen, die dann zu einer Deutung dienen, läuft über meine Bildung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich Texte über meine Vorfahren lese, bin ich mir der Gefahr der Fehldeutung sehr bewusst. Fast jedes Zeichen ruft mehrere Deutungsmöglichkeiten in mir auf. Ich muß mich für eine entscheiden. Ich prüfe mich. Ich prüfe meine Erfahrungen. Ich prüfe den Zusam­menhang. Aber den kann ich nur prüfen, soweit mir begleitende Texte zugänglich sind. Neue Quellen verändern mein Bild oft vollständig. Ich sehe, dass ich mich getäuscht habe. Das enttäuscht mich. Es macht meine Arbeit fragwürdig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem kehre ich bis jetzt immer wieder gern an meine Arbeit zurück. Warum eigentlich? Wo liegt der Reiz dieser Anstrengung, die nie fehlerfreie Ergebnisse liefern wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlüssel liegt vielleicht bei den Erfahrungen. Nach einem langen, bewußt gelebten Le­ben hat man so viele davon. Aber sie lassen sich nicht halten. Es heißt, sie ließen sich nicht weitergeben. Jedenfalls habe ich große Schwierigkeiten von ihnen zu sprechen, nicht nur aus Scheu, sondern auch, weil sie amorph sind. Manchmal bewegen sie sich in mir wie ein ungeborenes Kind, manchmal habe ich die Empfindung, von ihnen wie von Wellen ge­tragen zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erfahrungen wandern durch meine Träume: all die Menschen, die mir so bekannt vor­kommen und die mir beim Erwachen ganz fremd sind, die Räume, die mir vertraut sind und von denen ich beim Erwachen sagen möchte, ich habe sie noch nie gesehen. Es gibt Dörfer und Landschaften, in die ich in meinen Träumen zurückkehre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es auch mit den Lieblingsgedanken. In ganz verschiedenen Situationen gehen sie mir durch den Kopf. Ich wundere mich darüber. Und ich versuche, in meiner Familiengeschichte etwas daraus zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wohin? ==&lt;br /&gt;
Familiengeschichte ist nicht eindimensional. Diese Mappe bietet dir den Zugang über zwei Dimensionen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Du kannst die [[Generationen]] vor mir erkunden oder&lt;br /&gt;
# du kannst den [[Sagas und Biografien]] der Vorfahren folgen, oder&lt;br /&gt;
# du kannst meinen [[Gedanken]] zur Ahnenforschung und Erstellung der Stammbäume, Sagas und Biografien folgen.&lt;br /&gt;
* [[Vorfahrenstämme]]&lt;br /&gt;
* [[Sagas der Herkunftsfamilien]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=MediaWiki_Anpassungen_f%C3%BCr_von_Mering&amp;diff=31</id>
		<title>MediaWiki Anpassungen für von Mering</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.von-mering.de/index.php?title=MediaWiki_Anpassungen_f%C3%BCr_von_Mering&amp;diff=31"/>
		<updated>2026-09-22T07:54:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Floating Menus ===&lt;br /&gt;
Die Standardmenüs, die MediaWiki auf Seiten mit 4 oder mehr Abschnitten automatisch erstellt, wurden über &amp;lt;code&amp;gt;MediaWiki:Common.css&amp;lt;/code&amp;gt; so modifiziert, dass sie beim Scrollen am rechten Seitenrand gleiten und dadurch immer sichtbar sind. Dazu wurde folgender Code in das .css eingefügt:&lt;br /&gt;
&amp;lt;syntaxhighlight lang=&amp;quot;css&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
/* Floating Table of Contents */&lt;br /&gt;
#toc {&lt;br /&gt;
    position: fixed;&lt;br /&gt;
    right: 0;&lt;br /&gt;
    top: 7em; /* 5em is height of header, 6em brings just under */&lt;br /&gt;
    /* bottom: 5em; /* 5em puts us above the footer; not bad but too low when TOC is collapsed */&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    z-index: 10000; /* Ensure we float above the header, etc. */&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
    /* Add opacity (translucency) */&lt;br /&gt;
    background-color: rgb(249, 249, 249);&lt;br /&gt;
    background-color: rgba(249, 249, 249, 0.9); /* Higher opacity (last arg) means less transparency */&lt;br /&gt;
}&lt;br /&gt;
/* Ensure the TOC height doesn&#039;t take over the screen; percentages may be higher than view port, so we use pixels */&lt;br /&gt;
#toc &amp;gt; ul {&lt;br /&gt;
    max-height: 350px;&lt;br /&gt;
    overflow: auto;	&lt;br /&gt;
}&lt;br /&gt;
.toctoggle {&lt;br /&gt;
    float: right;&lt;br /&gt;
}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/syntaxhighlight&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=MediaWiki_Anpassungen_f%C3%BCr_von_Mering&amp;diff=30</id>
		<title>MediaWiki Anpassungen für von Mering</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.von-mering.de/index.php?title=MediaWiki_Anpassungen_f%C3%BCr_von_Mering&amp;diff=30"/>
		<updated>2026-09-22T07:23:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Floating Menus erklärt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;=== Floating Menus ===&lt;br /&gt;
Die Standardmenüs, die MediaWiki auf Seiten mit 4 oder mehr Abschnitten automatisch erstellt, wurden über &amp;lt;code&amp;gt;MediaWiki:Common.css&amp;lt;/code&amp;gt; so modifiziert, dass sie beim Scrollen am rechten Seitenrand gleiten und dadurch immer sichtbar sind. Dazu wurde folgender Code in das .css eingefügt:&lt;br /&gt;
 /* Floating Table of Contents */&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 #toc {&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     position: fixed;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     right: 0;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     top: 7em; /* 5em is height of header, 6em brings just under */&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     /* bottom: 5em; /* 5em puts us above the footer; not bad but too low when TOC is collapsed */&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     z-index: 10000; /* Ensure we float above the header, etc. */&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     /* Add opacity (translucency) */&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     background-color: rgb(249, 249, 249);&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     background-color: rgba(249, 249, 249, 0.9); /* Higher opacity (last arg) means less transparency */&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 }&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 /* Ensure the TOC height doesn&#039;t take over the screen; percentages may be higher than view port, so we use pixels */&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 #toc &amp;gt; ul {&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     max-height: 350px;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     overflow: auto;	&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 }&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 .toctoggle {&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
     float: right;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 }&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Von_Mering:%C3%9Cber_von_Mering&amp;diff=29</id>
		<title>Von Mering:Über von Mering</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.von-mering.de/index.php?title=Von_Mering:%C3%9Cber_von_Mering&amp;diff=29"/>
		<updated>2026-09-22T07:14:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Technische Hinweise ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Familie von Mering in Vergangenheit und Gegenwart - entdecke auf diesen Seiten unsere Herkunft und Verbindungen anschaulich eingebettet in geschichtliche Ereignisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Website wurde im September 2026 neu aufgesetzt: Nach 30 Jahren mit Joomla! haben wir auf MediaWiki umgestellt. Wenn du noch Links (URLs) hast, die auf einzelne Seiten der Joomla!-Version verweisen, werden diese nicht mehr funktionieren - du wirst eine Meldung sehen, die besagt, dass diese Seite noch nicht angelegt wurde. Bitte geh dann zurück zum Hauptmenü oder starte eine Suche und aktualisiere deine Links.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
MediaWiki wurde für von Mering nur leicht angepasst. Hier sind die [[MediaWiki Anpassungen für von Mering]] dokumentiert.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=28</id>
		<title>Hauptseite</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.von-mering.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=28"/>
		<updated>2026-09-21T17:51:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: /* Wohin? */ Aufzählung um Gedanken ergänzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{SEITENTITEL:Einstieg}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lieber Leser! ===&lt;br /&gt;
Bedenke, dass du dich freiwillig daran begibst, in dieser Mappe der Familie von Mering zu blättern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Theorem Nr. 1 des chilenischen Neurophysiologen Humberto Maturana, so wie es  der Kyber­netiker Heinz von Foerster zitiert, lautet: &amp;quot;Alles Gesagte wird &#039;&#039;von&#039;&#039; einem Beobachter gesagt.&amp;quot; Das heißt im Falle dieser vor dir liegenden Mappe: Alles, was du hier liest, ist von mir, Christa von Mering, verheiratete Lippold, gesammelt, geordnet und kommentiert worden. Du begegnest auch in den alten, getreu zitierten Quellen immer nur mir: meinem Spürsinn, meiner Auswahl, meinem Humor und meinem Drang nach Wirklichkeit. Vor allem andern aber be­gegnest du meiner Lust zu lesen und zu schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Texte sind nicht unbedingt für dich verfasst. Diese Texte sind nicht alle für dich verfaßt. Diese Texte sind überhaupt nicht für dich verfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz von Foersters Folgesatz Nr. 1 zu Humberto Maturanas Theorem Nr. 1 heißt: &amp;quot;Alles Gesagte wird zu einem Beobachter gesagt.&amp;quot; Vielleicht bist du dieser Beobachter? Oder du bist es nicht. Schreiben heißt im Unterschied zum Reden, dass man den, zu dem alles gesagt wird, sich erfin­det. Deshalb bin auch der zweite Beobachter vielleicht nur ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Mappe ist kein Buch. Die Anordnung der Texte, der Urkunden, der Zitate ist zwar nicht zufäl­lig, aber beliebig. Mir beliebte sie. Du kannst sie anders ordnen. Es ist wie ein Patience-Spiel. Die Karten sind gemischt. Jede Karte hat ihren Wert. Keine Karte hat einen festen Platz. Du bestimmst die Regeln, wann das Spiel gewonnen ist. Oder du schiebst die Karten zusammen und entscheidest, dass das Spiel verloren ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du kannst es auch als Suchbild betrachten. Oder als Puzzle. Auf keinen Fall wirst du hier an die Hand genommen. Niemals wird dir der Weg gezeigt. Missverständnisse gehören dazu. Undeutliches ist Absicht. Und dass es nicht aufgeht, ist der Familiengeschichte immanent. So ist es ja auch in Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familiengeschichte ===&lt;br /&gt;
Wer sich an eine [[Familiengeschichte]] heranmacht, hat Vorgänger. Es sind, soweit ich bis jetzt weiß, meist Männer, meist Dilettanten, meist Menschen, die die Familie als Statussymbol betrachten. [[Familiengeschichte]] wird im Hinblick auf Große Menschen geschrieben, das Besondere und wo­möglich Außerordentliche ist Motiv und Ziel zugleich. Bei den Genealogen, die dann über ihre eigene Familie hinaus noch forschen oder Hilfsmittel zur Forschung bereitstellen, kommt ein Jagdtrieb da­zu. Wie finde ich schwer zu ermittelnde Daten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der schwache, fehlbare Vorfahr wie die Lücke im Stammbaum (&amp;quot;der tote Punkt&amp;quot;) sind die Feinde des Familienforschers. Damit reiht sich die Genealogie in den Trend unserer Zeit ein: immer besser, immer höher! Mit moderner Technik läßt sich dieser Trend noch verstärken. Aus diesem Grund ist die Genealogie heute ein beliebtes Hobby. Überall begegnet man Familienforschern, die über dieses Hobby klagen wie über eine Sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während ich mich der [[Familiengeschichte]] widme, möchte ich dem Trend doch ausweichen. Ich muss die Mittel der Moderne nutzen, ohne ihnen zu verfallen. Mit dem &amp;quot;toten Punkt&amp;quot;, der meine Ge­sprächspartner meistens in Form einer Grenzmarke interessiert, möchte ich souverän umgehen, in­dem ich darauf hinweise, wie hinter gesicherter schriftlicher Tradition auch noch Geschichte ist: le­bendige, undokumentierte Geschichte, so wirklich wie unser Alltag heute. Und wenn ich meiner Vor­fahren gedenke, als Familien, als Einwohner bestimmter Städte, als Einzelner, so möchte ich sie in ihrer Gewöhnlichkeit zeigen, so unspektakulär wie möglich, auch wenn ich ihre Besonderheiten würdige, damit Erzählung entsteht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgeben von der Jagd nach der Sensation, der die Werbung ebenso huldigt wie das Gespräch unter Freunden, suche ich nach dem stillen Fließen der Wirklichkeit. Und ich suche mich seiner zu versi­chern in der Genauigkeit der Daten und der Würdigung der Widersprüche, die zwischen diesen Daten entstehen. Ich weiß, dass ich nichts weiß -- auch wenn ich alle Daten zusammengetragen und alle ver­fügbaren Bücher und Akten zur Orts- und Zeitgeschichte studiert habe. Aber ich fühle, dass ich mich annähere, wie der Mathematiker seiner gesuchten Kurve. Und dieses Annähern ist etwas wie Fröm­migkeit im Gegensatz zur Zerstreuung und zum Verbreiten von vorgeformten Lügen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Deutungen ===&lt;br /&gt;
Wir leben von Deutungen. Schon meine neugeborenen Enkel und Urenkel deuteten Berührungen, Lichteindrücke, Töne. Und von Anfang an kämpfen wir mit Fehldeutungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir scheint, als habe mich dies Problem immer beschäftigt. Und als habe es mich mehr be­schäftigt als die Menschen, die mich umgeben: Habe ich das richtig verstanden? Diese Miene, diese Geste, dieses Wort? Kann ich mich auf meine Deutung verlassen? Ist sie sachgerecht, wird sie meinem Gegenüber gerecht? Oder täusche ich mich? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe beobachtet, wie andere sich getäuscht haben. Manchmal habe ich feststellen kön­nen, daß sie sich in mir täuschten. Manchmal habe ich feststellen müssen, daß ich sie ent­täuscht habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine eigenen Täuschungen zu beobachten, ist viel schwerer. Der Punkt, von dem aus ich beobachte und deute, liegt tief in meinem Charakter. Er hängt ab von den Anlagen, die ich mit auf die Welt brachte, von den Erfahrungen, die ich zum Teil noch in unbewusstem Zu­stand gemacht habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich Texte und Dokumente deute, spielt auch meine Kultur eine Rolle. Die Einordnung von Merkmalen, die dann zu einer Deutung dienen, läuft über meine Bildung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich Texte über meine Vorfahren lese, bin ich mir der Gefahr der Fehldeutung sehr bewusst. Fast jedes Zeichen ruft mehrere Deutungsmöglichkeiten in mir auf. Ich muß mich für eine entscheiden. Ich prüfe mich. Ich prüfe meine Erfahrungen. Ich prüfe den Zusam­menhang. Aber den kann ich nur prüfen, soweit mir begleitende Texte zugänglich sind. Neue Quellen verändern mein Bild oft vollständig. Ich sehe, dass ich mich getäuscht habe. Das enttäuscht mich. Es macht meine Arbeit fragwürdig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem kehre ich bis jetzt immer wieder gern an meine Arbeit zurück. Warum eigentlich? Wo liegt der Reiz dieser Anstrengung, die nie fehlerfreie Ergebnisse liefern wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlüssel liegt vielleicht bei den Erfahrungen. Nach einem langen, bewußt gelebten Le­ben hat man so viele davon. Aber sie lassen sich nicht halten. Es heißt, sie ließen sich nicht weitergeben. Jedenfalls habe ich große Schwierigkeiten von ihnen zu sprechen, nicht nur aus Scheu, sondern auch, weil sie amorph sind. Manchmal bewegen sie sich in mir wie ein ungeborenes Kind, manchmal habe ich die Empfindung, von ihnen wie von Wellen ge­tragen zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erfahrungen wandern durch meine Träume: all die Menschen, die mir so bekannt vor­kommen und die mir beim Erwachen ganz fremd sind, die Räume, die mir vertraut sind und von denen ich beim Erwachen sagen möchte, ich habe sie noch nie gesehen. Es gibt Dörfer und Landschaften, in die ich in meinen Träumen zurückkehre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es auch mit den Lieblingsgedanken. In ganz verschiedenen Situationen gehen sie mir durch den Kopf. Ich wundere mich darüber. Und ich versuche, in meiner Familiengeschichte etwas daraus zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wohin? ==&lt;br /&gt;
Familiengeschichte ist nicht eindimensional. Diese Mappe bietet dir den Zugang über zwei Dimensionen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Du kannst die Generationen vor mir erkunden oder&lt;br /&gt;
# du kannst den Sagas und Biografien der Vorfahren folgen.&lt;br /&gt;
# Und hier kannst du meinen [[Gedanken]] zur Ahnenforschung und Erstellung der Sagas und Biografien folgen.&lt;br /&gt;
* [[Vorfahrenstämme]]&lt;br /&gt;
* [[Sagas der Herkunftsfamilien]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=27</id>
		<title>Hauptseite</title>
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		<updated>2026-09-17T14:20:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: /* Deutungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{SEITENTITEL:Einstieg}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lieber Leser! ===&lt;br /&gt;
Bedenke, dass du dich freiwillig daran begibst, in dieser Mappe der Familie von Mering zu blättern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Theorem Nr. 1 des chilenischen Neurophysiologen Humberto Maturana, so wie es  der Kyber­netiker Heinz von Foerster zitiert, lautet: &amp;quot;Alles Gesagte wird &#039;&#039;von&#039;&#039; einem Beobachter gesagt.&amp;quot; Das heißt im Falle dieser vor dir liegenden Mappe: Alles, was du hier liest, ist von mir, Christa von Mering, verheiratete Lippold, gesammelt, geordnet und kommentiert worden. Du begegnest auch in den alten, getreu zitierten Quellen immer nur mir: meinem Spürsinn, meiner Auswahl, meinem Humor und meinem Drang nach Wirklichkeit. Vor allem andern aber be­gegnest du meiner Lust zu lesen und zu schreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Texte sind nicht unbedingt für dich verfasst. Diese Texte sind nicht alle für dich verfaßt. Diese Texte sind überhaupt nicht für dich verfasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz von Foersters Folgesatz Nr. 1 zu Humberto Maturanas Theorem Nr. 1 heißt: &amp;quot;Alles Gesagte wird zu einem Beobachter gesagt.&amp;quot; Vielleicht bist du dieser Beobachter? Oder du bist es nicht. Schreiben heißt im Unterschied zum Reden, dass man den, zu dem alles gesagt wird, sich erfin­det. Deshalb bin auch der zweite Beobachter vielleicht nur ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Mappe ist kein Buch. Die Anordnung der Texte, der Urkunden, der Zitate ist zwar nicht zufäl­lig, aber beliebig. Mir beliebte sie. Du kannst sie anders ordnen. Es ist wie ein Patience-Spiel. Die Karten sind gemischt. Jede Karte hat ihren Wert. Keine Karte hat einen festen Platz. Du bestimmst die Regeln, wann das Spiel gewonnen ist. Oder du schiebst die Karten zusammen und entscheidest, dass das Spiel verloren ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du kannst es auch als Suchbild betrachten. Oder als Puzzle. Auf keinen Fall wirst du hier an die Hand genommen. Niemals wird dir der Weg gezeigt. Missverständnisse gehören dazu. Undeutliches ist Absicht. Und dass es nicht aufgeht, ist der Familiengeschichte immanent. So ist es ja auch in Wirklichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familiengeschichte ===&lt;br /&gt;
Wer sich an eine [[Familiengeschichte]] heranmacht, hat Vorgänger. Es sind, soweit ich bis jetzt weiß, meist Männer, meist Dilettanten, meist Menschen, die die Familie als Statussymbol betrachten. [[Familiengeschichte]] wird im Hinblick auf Große Menschen geschrieben, das Besondere und wo­möglich Außerordentliche ist Motiv und Ziel zugleich. Bei den Genealogen, die dann über ihre eigene Familie hinaus noch forschen oder Hilfsmittel zur Forschung bereitstellen, kommt ein Jagdtrieb da­zu. Wie finde ich schwer zu ermittelnde Daten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der schwache, fehlbare Vorfahr wie die Lücke im Stammbaum (&amp;quot;der tote Punkt&amp;quot;) sind die Feinde des Familienforschers. Damit reiht sich die Genealogie in den Trend unserer Zeit ein: immer besser, immer höher! Mit moderner Technik läßt sich dieser Trend noch verstärken. Aus diesem Grund ist die Genealogie heute ein beliebtes Hobby. Überall begegnet man Familienforschern, die über dieses Hobby klagen wie über eine Sucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während ich mich der [[Familiengeschichte]] widme, möchte ich dem Trend doch ausweichen. Ich muss die Mittel der Moderne nutzen, ohne ihnen zu verfallen. Mit dem &amp;quot;toten Punkt&amp;quot;, der meine Ge­sprächspartner meistens in Form einer Grenzmarke interessiert, möchte ich souverän umgehen, in­dem ich darauf hinweise, wie hinter gesicherter schriftlicher Tradition auch noch Geschichte ist: le­bendige, undokumentierte Geschichte, so wirklich wie unser Alltag heute. Und wenn ich meiner Vor­fahren gedenke, als Familien, als Einwohner bestimmter Städte, als Einzelner, so möchte ich sie in ihrer Gewöhnlichkeit zeigen, so unspektakulär wie möglich, auch wenn ich ihre Besonderheiten würdige, damit Erzählung entsteht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umgeben von der Jagd nach der Sensation, der die Werbung ebenso huldigt wie das Gespräch unter Freunden, suche ich nach dem stillen Fließen der Wirklichkeit. Und ich suche mich seiner zu versi­chern in der Genauigkeit der Daten und der Würdigung der Widersprüche, die zwischen diesen Daten entstehen. Ich weiß, dass ich nichts weiß -- auch wenn ich alle Daten zusammengetragen und alle ver­fügbaren Bücher und Akten zur Orts- und Zeitgeschichte studiert habe. Aber ich fühle, dass ich mich annähere, wie der Mathematiker seiner gesuchten Kurve. Und dieses Annähern ist etwas wie Fröm­migkeit im Gegensatz zur Zerstreuung und zum Verbreiten von vorgeformten Lügen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Deutungen ===&lt;br /&gt;
Wir leben von Deutungen. Schon meine neugeborenen Enkel und Urenkel deuteten Berührungen, Lichteindrücke, Töne. Und von Anfang an kämpfen wir mit Fehldeutungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir scheint, als habe mich dies Problem immer beschäftigt. Und als habe es mich mehr be­schäftigt als die Menschen, die mich umgeben: Habe ich das richtig verstanden? Diese Miene, diese Geste, dieses Wort? Kann ich mich auf meine Deutung verlassen? Ist sie sachgerecht, wird sie meinem Gegenüber gerecht? Oder täusche ich mich? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe beobachtet, wie andere sich getäuscht haben. Manchmal habe ich feststellen kön­nen, daß sie sich in mir täuschten. Manchmal habe ich feststellen müssen, daß ich sie ent­täuscht habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine eigenen Täuschungen zu beobachten, ist viel schwerer. Der Punkt, von dem aus ich beobachte und deute, liegt tief in meinem Charakter. Er hängt ab von den Anlagen, die ich mit auf die Welt brachte, von den Erfahrungen, die ich zum Teil noch in unbewusstem Zu­stand gemacht habe. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich Texte und Dokumente deute, spielt auch meine Kultur eine Rolle. Die Einordnung von Merkmalen, die dann zu einer Deutung dienen, läuft über meine Bildung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ich Texte über meine Vorfahren lese, bin ich mir der Gefahr der Fehldeutung sehr bewusst. Fast jedes Zeichen ruft mehrere Deutungsmöglichkeiten in mir auf. Ich muß mich für eine entscheiden. Ich prüfe mich. Ich prüfe meine Erfahrungen. Ich prüfe den Zusam­menhang. Aber den kann ich nur prüfen, soweit mir begleitende Texte zugänglich sind. Neue Quellen verändern mein Bild oft vollständig. Ich sehe, dass ich mich getäuscht habe. Das enttäuscht mich. Es macht meine Arbeit fragwürdig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotzdem kehre ich bis jetzt immer wieder gern an meine Arbeit zurück. Warum eigentlich? Wo liegt der Reiz dieser Anstrengung, die nie fehlerfreie Ergebnisse liefern wird? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlüssel liegt vielleicht bei den Erfahrungen. Nach einem langen, bewußt gelebten Le­ben hat man so viele davon. Aber sie lassen sich nicht halten. Es heißt, sie ließen sich nicht weitergeben. Jedenfalls habe ich große Schwierigkeiten von ihnen zu sprechen, nicht nur aus Scheu, sondern auch, weil sie amorph sind. Manchmal bewegen sie sich in mir wie ein ungeborenes Kind, manchmal habe ich die Empfindung, von ihnen wie von Wellen ge­tragen zu werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erfahrungen wandern durch meine Träume: all die Menschen, die mir so bekannt vor­kommen und die mir beim Erwachen ganz fremd sind, die Räume, die mir vertraut sind und von denen ich beim Erwachen sagen möchte, ich habe sie noch nie gesehen. Es gibt Dörfer und Landschaften, in die ich in meinen Träumen zurückkehre. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es auch mit den Lieblingsgedanken. In ganz verschiedenen Situationen gehen sie mir durch den Kopf. Ich wundere mich darüber. Und ich versuche, in meiner Familiengeschichte etwas daraus zu machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wohin? ==&lt;br /&gt;
Familiengeschichte ist nicht eindimensional. Diese Mappe bietet dir den Zugang über zwei Dimensionen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Du kannst die Generationen vor mir erkunden oder&lt;br /&gt;
# du kannst den Sagas und Biografien der Vorfahren folgen.&lt;br /&gt;
* [[Vorfahrenstämme]]&lt;br /&gt;
* [[Sagas der Herkunftsfamilien]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Generation_III:_Unsere_Urgro%C3%9Feltern&amp;diff=26</id>
		<title>Generation III: Unsere Urgroßeltern</title>
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		<updated>2026-09-16T17:18:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Neu erstellt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Unsere Großeltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Ur-Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Merkwürdigerweise hätten zwei Paare unserer Urgroßeltern sich beim Nachmittagsspaziergang in den Straßen von Berlin-Wilmersdorf zwischen 1915 und 1920 durchaus begegnen können. Wahrscheinlich hätten die einen, der Generalleutnant Hermann Behn und seine Frau Martha, die andern, den Eisenbahn-Hauptkassenrendanten Heinrich Eberhardt mit seiner Frau Johanna, nicht standesgemäß gefunden. Aber beide Paare wohnten in geräumigen Mietwohnungen, die Behns in der Nassauischen Str. 5 und die Eberhardts in der Weimarischen Str. 20. Ihre Gewohnheiten waren bürgerlich und beiden war im Krieg ein geliebter Sohn gefallen. Beide hatten insgesamt mit dem Kaiserreich viel Geld verloren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Behns fühlten sich als Berliner, sie hatten seit der Pensionierung von Hermann im April 1906 immer dort gelebt. Sie waren Preußen durch und durch. Doch war Martha in Königsberg und Hermann in Trier geboren. Die Eberhardts hingegen zog es von Berlin zurück an den Rhein, wo sie ihre ersten Ehejahre verbracht hatten, wo die meisten ihrer Kinder lebten: unsere Großmutter von Mering mit Mann Carl, Tante Else Eberhardt, Tante Hanna Wentzel mit Mann Otto und Tante Hede Eberhardt. Dass Tante Trude mit ihrem Mann Otto Schumann in Berlin lebte, zählte anscheinend nicht so viel. Sohn Otto Eberhardt lebte mit seiner Frau Clara in Detmold – das zählte erst recht nicht. Dass die Urgroßeltern Eberhardt so rheinisch fühlten, ist eigentlich erstaunlich. Denn beide stammten aus Mitteldeutschland, Heinrich aus Arnstadt in Thüringen, Johanna aus Oberröblingen am See im Mansfelder Land. Aber soweit ich weiß, fühlten sich beide als Kölner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die andern beiden Urgroßelternpaare hatten keinerlei Verbindung zu diesen beiden. Auch waren sie bis auf die Urgroßmutter Philippine von Mering in den Jahren 1915 bis 1920 nicht mehr am Leben. Urgroßvater Peter von Mering, Figurist, der sich Fabrikant nannte, weil er Stuckornamente vorfertigte und nach Katalog verkaufte, war 1901 in Köln-Ehrenfeld verstorben. Philippine lebte seither als Witwe bei ihrer verheirateten Tochter Grete, seit 1911 bei ihrem Sohn Carl, unserm Großvater väterlicherseits.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Urgroßvater Otto Liebert war schon 1897 verstorben, in Guhrau, einer kleinen Stadt in Niederschlesien, in der er sich 1868 so glücklich verheiratet hatte. Er war als mittelloser junger Kaufmann aus Lissa/Posen an die reiche und tüchtige Emma Saur, eine Müllerstochter in Guhrau, geraten. Als sie ihm 1880 starb, war er tief verzweifelt. Aber er konnte drei Jahre später noch einmal Glück erleben. Julie Sonntag, ebenfalls tüchtig und wohlhabend, heiratete den Witwer mit seinen drei lebenden Kindern und gebar ihm noch drei weitere. Diese Stiefmutter unseres Großvaters bildete noch lange den geliebten Mittelpunkt der Familie Liebert in Schlesien. Unsere Mutter und unsere Tante zogen diese Stiefgroßmutter bei weitem ihrer echten Großmutter Behn in Berlin vor. Unser Vater wiederum schätzte seine wohlhabende und praktische Großmutter Eberhardt, die Pfarrerstochter, mehr als die leidende und verarmte Großmutter von Mering, Tochter eines Glasers. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unserer Eltern Großeltern sind bis auf den Fabrikanten von Mering zeitweilig recht wohlhabende Leute gewesen. Den Behns, den Eberhardts und den Lieberts hatten die Gründerjahre genutzt, den Behns sogar in gewisser Hinsicht der Erste Weltkrieg. Hermann Behn war im Krieg als Inspekteur „wieder verwendet“ worden und wurde 1917 nicht mehr nur als Generalmajor, sondern als Generalleutnant pensioniert. Heinrich Eberhardt starb 1928 in Köln, Hermann Behn 1932 in Berlin. Martha Behn folgte ihrem Mann 1937, Johanna Eberhardt lebte noch bis 1944. Die Großmütter Behn und Eberhard, die Stiefgroßmutter Liebert erfuhren noch, dass unsere Eltern Ruth und Eberhard sich liebten. Philippine von Mering hingegen war schon 1926 gestorben. Die Großmütter Eberhardt und Liebert nahmen an der Liebe ihrer Enkel sogar innigen Anteil. Unsere Mutter erzählt, dass Eberhard und sie, wenn sie als Braut in Köln zu Besuch war, jedes Mal im Zugweg 12 zu einem schönen Essen eingeladen wurden und oft anschließend zwei Theaterkarten erhielten. Und auf ihrer immer wieder erzählten Verlobungsreise nach Schlesien waren sie zwar zu Gast bei Ruths reicher Tante Meta, aber auch bei Julie Liebert hochwillkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Urgroßmutter väterlicherseits Johanna Eberhardt, geborene Liebscher, habe sogar ich noch gesehen, als ich 1942 vierjährig zusammen mit meinem Vater meine Großeltern in Köln besuchte. Sie machte als Hochbetagte keinen  besonderen Eindruck auf das Kind. Im Gegenteil, dass sie den Samt bezogenen Schemel, den ich als Sitzplatz schätzte, unter ihre Füße geschoben bekam, erregte mein Missfallen. Um sie kennen zu lernen, war ich noch zu klein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Einfluss der Großeltern Eberhardt auf die beiden Enkel Clara und Eberhard von Mering war größer als der Einfluss der von Merings. Die Herzen der Enkeltöchter Ruth und Ursula Liebert neigten zu den Lieberts in Schlesien mehr als zu den Behns in Berlin. Das ist wichtig. Es wird nicht nur um die Weitergabe von Genen gekämpft, wie wir wissen: auch die Weitergabe der Einstellung zum Leben liegt dem Menschen am Herzen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach meinen Urgroßeltern benenne ich die Familienstämme. Deshalb sind es acht: die Merings, die Allendorfs, die Eberhardts, die Liebschers, die Lieberts, die Saurs, die Behns, die Ehlerts. Die ersten vier, die Vorfahren meines Vaters, finden sich von Lothringen bis Sachsen, die zweiten vier, die Vorfahren meiner Mutter, sind zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert östlich der Oder zu Hause: Leszno/Polen, Kobylin/Polen, Guhrau/Schlesien, Bromberg/Westpreußen, Torun/Polen, Rastenburg/Ostpreußen, Königsberg/Ostpreußen. Das ist ein großer Unterschied für die Erforschung. Die Archive zur Genealogie meines Vaters liegen bis auf Metz und Bouchporn auf heute deutschem Gebiet und sind zugänglich, in deutscher Sprache erschlossen. Heimatvereine und Genealogen unterhalten deutschsprachige Zeitschriften, in denen ich publizieren kann. Die Archive zur Genealogie meiner Mutter liegen im heutigen Polen, sie werden jetzt allmählich für mich zugänglich. Aber die Regionalforscher, die sie erschließen, schreiben polnisch. Meine auf Deutsch erzählten Geschichten können in der Region nicht veröffentlicht werden. Für sie hauptsächlich muss ich eine Internetseite eröffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[[Unsere Großeltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Ur-Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Generation_II:_Unsere_Gro%C3%9Feltern&amp;diff=25</id>
		<title>Generation II: Unsere Großeltern</title>
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		<updated>2026-09-16T17:12:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Unsere Eltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als 1907 sowohl unsere Großeltern Liebert in Berlin als auch unsere Großeltern von Mering in Köln heirateten, wurden diese Hochzeiten beide nach bürgerlicher Manier würdig begangen. Ich nehme an, dass die Berliner Hochzeit etwas eleganter war – Offizierskreise; dafür war die Kölner Hochzeit lustiger – Künstlerfreunde. Verbürgt ist, dass unsere Großväter beide in ihre Frauen verliebt waren. Von Paul Liebert erzählte es Edith selbst, aber auch ihre Töchter waren davon überzeugt. Von Carl von Mering sind zum Teil übermütige, zum Teil sentimentale Liebesgedichte erhalten. Die Großmütter verhielten sich zögerlicher. Edith Behn machte als alte Frau kein Hehl daraus, dass es sich von ihrer Seite um eine Vernunftehe gehandelt hatte, auch wenn sie Achtung und Wohlwollen für ihren fünfzehn Jahre älteren Mann empfand. Großmutter Clara hatte sowieso immer große Mühe sich zu freuen, sich zu öffnen, sie war vermutlich depressiv veranlagt. Sie verstand sich besser darauf, sich nach Carl zu sehnen, wenn er nicht da war, als freudig seine Liebe zu erwidern. Trotzdem hielten beide Ehen, bis ein natürlicher Tod sie schied. Sie überstanden den Ersten Weltkrieg, die Inflation, die Armut, verschiedene schwere Krankheiten und die Wechseljahre der Frauen. 1944 starb Carl von Mering in Köln an Arteriosklerose, 1948 Paul Liebert in Marburg am Schlag. Aber vorher noch wurden wir drei Kinder von Mering, ihre gemeinsamen Enkel, geboren. Zumindest an unsere Großmütter können wir uns gut erinnern. Clara von Mering starb am 6. 11. 1961 in Köln-Rodenkirchen, Edith Liebert am 21. 12. 1972 in Oldenburg (Oldb).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern Liebert lernten sich Anfang 1906 in einem Treppenhaus in Metz kennen. Edith Behn, hoch gewachsen und vollbusig, hatte gerade die Wohnung ihrer Eltern verlassen, um einzukaufen. Sie ging die Treppe hinunter. Paul Liebert, mit der Figur eines Jockeys, Hauptmann des Ingenieur- und Pionierkorps, ging die Treppe hinauf, um seinen Antrittsbesuch bei Ediths Vater zu machen, der Oberst, Kommandeur der Pioniere des XVI. Armeekorps und Pauls Chef war. Das Mädchen und der Mann begegneten sich nur kurz. Aber Paul drehte sich im Hinaufsteigen nach ihr um. Er war achtunddreißig Jahre alt und ledig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edith war im Januar vierundzwanzig Jahre alt geworden. Sie hatte gerade beschlossen, keinen weiteren Winter mehr zu „tanzen“, sondern Krankenschwester zu werden, ganz gegen den Willen ihrer Mutter. Das regelmäßige Tanzen während der Wintersaison war der einzig erlaubte Weg junger Mädchen der Garnison, sich angemessen zu verheiraten. Edith war nun fünf Winter lang erfolglos gewesen. Und sie glaubte zu wissen warum. Ihre Eltern hatten schon zweimal unter Aufbietung ihres gesamten Kredits die Spielschulden von Ediths Bruder Felix bezahlt. Die jungen Offiziere, ihre Tanzpartner, kannten ihn und wussten das. Sie wussten auch, dass Edith nur eine bescheidene Aussteuer zu erwarten hatte, und sie mussten befürchten, bei der nächsten Schuldentilgung für Felix Behn mitzuhaften, falls sie sein Schwager würden. Das aber konnten sie sich nicht leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul Liebert erfuhr wohl auch bald, was es mit der Tochter des Kommandeurs auf sich hatte. Aber erstens war er nicht mehr jung wie ihre Tanzpartner, sondern schon Hauptmann, und zweitens besaß er Vermögen. Er wagte es, um ihre Hand anzuhalten. Am 13. 3. 1906 verlobten sie sich. Bis zu ihrer Heirat am 14. März 1907 erhielt Edith am 13. jeden Monats ein liebevoll ausgewähltes kostbares Geschenk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern von Mering lernten sich im evangelischen Kirchenchor von Ehrenfeld bei Köln kennen. Beide wohnten in der Nähe der neu erbauten Kirche. Die kleine Diasporagemeinde pflegte die Geselligkeit. Carl von Mering und seine Brüder, Clara Eberhardt und ihre Schwestern trafen sich in dem Gasthaussaal, der als Gemeindehaus diente. Die evangelische Gemeinde im katholischen Ehrenfeld war ebenso eine geschlossene Gesellschaft wie die preußische Garnison im französischsprachigen Metz. Man wusste alles über einander und man war besorgt, dass die Jugend möglichst im bekannten Rahmen heiratete. So hatten wohl die Eltern Eberhardt grundsätzlich nichts dagegen, dass ihre Älteste, Clara, sich mit dem jungen Bildhauer Carl von Mering 1903 verlobte. Aber Carl musste noch vier Jahre auf die Heirat warten, ich nehme an, weil er erst Geld zusammensparen sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern Liebert und von Mering lernten sich erst durch unsere Eltern gegenseitig kennen. Unser Vater, der als hungriger Student in Marburg seine Schwiegermutter gleich gut leiden konnte und seinen Schwiegervater allmählich schätzen lernte, erzählte während der Semesterferien seinen Eltern in Rodenkirchen von dem Oberstleutnant Liebert in Marburg und dessen Familie, das heißt, er erzählte von Ruth, immer wieder von Ruth, ihrer kleinen Schwester Ursula und den guten Eltern der beiden. Welchen Augenblick er dazu wählte, wie er es anfing, weiß ich nicht. Später hat er einmal in einem Brief an unsere Großmutter mütterlicherseits geklagt, er habe nie wirklich offen seiner Mutter gegenüber sein dürfen. Dass es erst recht schwierig war, dem Großvater Carl von Mering als Sohn von einer großen Liebe zu sprechen, darf man annehmen. Carl war Rheinländer und zum Spott stets aufgelegt, auch soll ihm sein Sohn als weichlich gegolten haben. Trotzdem fand unser Vater den Mut, vielleicht bei einem Besuch seiner Großmutter Eberhardt und seiner ledigen Tante Else, die beide den Jungen sehr liebten und ihm beistanden. Denn als der Theologiestudent Eberhard an die Universität Bonn gewechselt hatte, kam es zum Besuch der Familie Liebert aus der Schäferbuche 11 in Marburg/Lahn bei der Familie von Mering in der Bismarckstraße 3 in Rodenkirchen/Rhein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Besuch darf man sich recht förmlich vorstellen. Der Oberstleutnant wollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als habe er es nötig, seine Tochter zu verheiraten. Die sollte ja Studienrätin werden und für sich selbst aufkommen. Und der Bildhauer vermied alles, was etwa als ein Interesse seinerseits an der Verbindung der beiden jungen Leute hätte gedeutet werden können. Aber die natürliche Wohlerzogenheit und Gewandtheit unsrer Großmutter Edith, die Munterkeit unsrer Mutter sowie der Charme der „kleinen Ulli“ machten doch einen erfreulichen Eindruck auf den begeisterungsfähigen Künstler Carl und Großmutter Clara, immer leidend und schüchtern, ließ es sich gefallen, dass Ruth ihr als „Mutter ihres geliebten Eberhard“ schmeichelte. Außerdem war Clara grundsätzlich eine zufriedene, wenn auch immer seufzende Gastgeberin, weil sie nur ungern selbst das Haus verließ. Ob unsere schwierige Tante Clara, Vatis einzige Schwester, bei diesem nur kurzen Besuch überhaupt im Hause war, weiß ich nicht. Vielleicht war sie damals in ihrer Ausbildung zur Kinderschwester. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedenfalls war diese erste Begegnung ihrer Eltern ein „Erfolg“ für Ruth und Eberhard. Sie trachteten danach, derlei zu wiederholen, schon um einander wieder zu sehen. Aber ich meine, es blieb bei diesem einmaligen Treffen unsrer Großeltern Mering und Liebert in Rodenkirchen während der ganzen sieben Jahre, die unsere Eltern „aufeinander warteten“. Nie kamen die Merings nach Marburg. Erstens fehlte es an Geld und zweitens konnte Clara wegen ihrer „Ohnmachten“ nicht reisen. Und die Lieberts kamen nicht ein zweites Mal durch Köln. Aber es gab einen freundlich-höflichen Briefwechsel der Familien zu den Festen. Der Bildhauer hatte Respekt vor dem Offizier, der Offizier bewunderte den Künstler in seinem Atelier am eigenen Haus. Dass Carl von Mering schon 1931 in die NSDAP eingetreten war, hatte er Paul Liebert gegenüber vielleicht gar nicht erwähnt. Ruth wusste es, weil sie wusste, wie sehr es „ihren Eberhard“ wurmte, zu welchen Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn es Anlass gab. Aber sie wird es ihrem Vater vielleicht nicht erzählt haben. Die Zeit, als sie sich gegen die monarchistische Haltung ihres Vaters lautstark empört hatte, war schon vorbei. Jetzt musste sie froh sein, dass er nur traditionell konservativ war, antidemokratisch und standesbewusst. Gerade das bewahrte ihn davor, zu den ihr verhassten Nazis überzulaufen. Sie arbeitete zielstrebig auf ihre Hochzeit mit Eberhard hin, unterstützt von ihrer Mutter, die ihr eine Liebesheirat gönnte. Darüber kam es sogar ein einziges Mal zu einem schweren Zerwürfnis zwischen unsern Großeltern Liebert. Edith, die sich sonst geschickt in die Eigenheiten ihres Mannes fand, drohte mit Scheidung, falls Paul die Heirat der jungen Leute hintertreiben sollte. Das wirkte. Ruth bekam Weihnachten 1933 die Erlaubnis, sich mit dem Vikar Eberhard von Mering zu verloben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Großeltern von Mering sind nur einmal im Pfarrhaus in Heusweiler/Saar zu Besuch gewesen, die Großeltern Liebert kamen jedes Jahr zur Beerenernte. So nahm der Großvater Liebert als alter Soldat 1944 die Nachricht vom Tod unseres Vaters entgegen. Der Bürgermeister von Heusweiler soll sehr froh gewesen sein, dass er es nicht selbst unserer Mutter beibringen musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Großmutter von Mering besuchten wir in Köln, so oft es unsere Finanzen zuließen. Die Großmutter Liebert lebte bei uns im Hause in Goldenstedt und hat uns helfen aufziehen. Besonders ich bewahre ihr ein zärtliches Andenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[[Unsere Eltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Urgroßeltern]]&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Generation II: Unsere Großeltern</title>
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		<updated>2026-09-16T17:11:00Z</updated>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Unsere Eltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Urgroßeltern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als 1907 sowohl unsere Großeltern Liebert in Berlin als auch unsere Großeltern von Mering in Köln heirateten, wurden diese Hochzeiten beide nach bürgerlicher Manier würdig begangen. Ich nehme an, dass die Berliner Hochzeit etwas eleganter war – Offizierskreise; dafür war die Kölner Hochzeit lustiger – Künstlerfreunde. Verbürgt ist, dass unsere Großväter beide in ihre Frauen verliebt waren. Von Paul Liebert erzählte es Edith selbst, aber auch ihre Töchter waren davon überzeugt. Von Carl von Mering sind zum Teil übermütige, zum Teil sentimentale Liebesgedichte erhalten. Die Großmütter verhielten sich zögerlicher. Edith Behn machte als alte Frau kein Hehl daraus, dass es sich von ihrer Seite um eine Vernunftehe gehandelt hatte, auch wenn sie Achtung und Wohlwollen für ihren fünfzehn Jahre älteren Mann empfand. Großmutter Clara hatte sowieso immer große Mühe sich zu freuen, sich zu öffnen, sie war vermutlich depressiv veranlagt. Sie verstand sich besser darauf, sich nach Carl zu sehnen, wenn er nicht da war, als freudig seine Liebe zu erwidern. Trotzdem hielten beide Ehen, bis ein natürlicher Tod sie schied. Sie überstanden den Ersten Weltkrieg, die Inflation, die Armut, verschiedene schwere Krankheiten und die Wechseljahre der Frauen. 1944 starb Carl von Mering in Köln an Arteriosklerose, 1948 Paul Liebert in Marburg am Schlag. Aber vorher noch wurden wir drei Kinder von Mering, ihre gemeinsamen Enkel, geboren. Zumindest an unsere Großmütter können wir uns gut erinnern. Clara von Mering starb am 6. 11. 1961 in Köln-Rodenkirchen, Edith Liebert am 21. 12. 1972 in Oldenburg (Oldb).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern Liebert lernten sich Anfang 1906 in einem Treppenhaus in Metz kennen. Edith Behn, hoch gewachsen und vollbusig, hatte gerade die Wohnung ihrer Eltern verlassen, um einzukaufen. Sie ging die Treppe hinunter. Paul Liebert, mit der Figur eines Jockeys, Hauptmann des Ingenieur- und Pionierkorps, ging die Treppe hinauf, um seinen Antrittsbesuch bei Ediths Vater zu machen, der Oberst, Kommandeur der Pioniere des XVI. Armeekorps und Pauls Chef war. Das Mädchen und der Mann begegneten sich nur kurz. Aber Paul drehte sich im Hinaufsteigen nach ihr um. Er war achtunddreißig Jahre alt und ledig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Edith war im Januar vierundzwanzig Jahre alt geworden. Sie hatte gerade beschlossen, keinen weiteren Winter mehr zu „tanzen“, sondern Krankenschwester zu werden, ganz gegen den Willen ihrer Mutter. Das regelmäßige Tanzen während der Wintersaison war der einzig erlaubte Weg junger Mädchen der Garnison, sich angemessen zu verheiraten. Edith war nun fünf Winter lang erfolglos gewesen. Und sie glaubte zu wissen warum. Ihre Eltern hatten schon zweimal unter Aufbietung ihres gesamten Kredits die Spielschulden von Ediths Bruder Felix bezahlt. Die jungen Offiziere, ihre Tanzpartner, kannten ihn und wussten das. Sie wussten auch, dass Edith nur eine bescheidene Aussteuer zu erwarten hatte, und sie mussten befürchten, bei der nächsten Schuldentilgung für Felix Behn mitzuhaften, falls sie sein Schwager würden. Das aber konnten sie sich nicht leisten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Paul Liebert erfuhr wohl auch bald, was es mit der Tochter des Kommandeurs auf sich hatte. Aber erstens war er nicht mehr jung wie ihre Tanzpartner, sondern schon Hauptmann, und zweitens besaß er Vermögen. Er wagte es, um ihre Hand anzuhalten. Am 13. 3. 1906 verlobten sie sich. Bis zu ihrer Heirat am 14. März 1907 erhielt Edith am 13. jeden Monats ein liebevoll ausgewähltes kostbares Geschenk. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern von Mering lernten sich im evangelischen Kirchenchor von Ehrenfeld bei Köln kennen. Beide wohnten in der Nähe der neu erbauten Kirche. Die kleine Diasporagemeinde pflegte die Geselligkeit. Carl von Mering und seine Brüder, Clara Eberhardt und ihre Schwestern trafen sich in dem Gasthaussaal, der als Gemeindehaus diente. Die evangelische Gemeinde im katholischen Ehrenfeld war ebenso eine geschlossene Gesellschaft wie die preußische Garnison im französischsprachigen Metz. Man wusste alles über einander und man war besorgt, dass die Jugend möglichst im bekannten Rahmen heiratete. So hatten wohl die Eltern Eberhardt grundsätzlich nichts dagegen, dass ihre Älteste, Clara, sich mit dem jungen Bildhauer Carl von Mering 1903 verlobte. Aber Carl musste noch vier Jahre auf die Heirat warten, ich nehme an, weil er erst Geld zusammensparen sollte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Großeltern Liebert und von Mering lernten sich erst durch unsere Eltern gegenseitig kennen. Unser Vater, der als hungriger Student in Marburg seine Schwiegermutter gleich gut leiden konnte und seinen Schwiegervater allmählich schätzen lernte, erzählte während der Semesterferien seinen Eltern in Rodenkirchen von dem Oberstleutnant Liebert in Marburg und dessen Familie, das heißt, er erzählte von Ruth, immer wieder von Ruth, ihrer kleinen Schwester Ursula und den guten Eltern der beiden. Welchen Augenblick er dazu wählte, wie er es anfing, weiß ich nicht. Später hat er einmal in einem Brief an unsere Großmutter mütterlicherseits geklagt, er habe nie wirklich offen seiner Mutter gegenüber sein dürfen. Dass es erst recht schwierig war, dem Großvater Carl von Mering als Sohn von einer großen Liebe zu sprechen, darf man annehmen. Carl war Rheinländer und zum Spott stets aufgelegt, auch soll ihm sein Sohn als weichlich gegolten haben. Trotzdem fand unser Vater den Mut, vielleicht bei einem Besuch seiner Großmutter Eberhardt und seiner ledigen Tante Else, die beide den Jungen sehr liebten und ihm beistanden. Denn als der Theologiestudent Eberhard an die Universität Bonn gewechselt hatte, kam es zum Besuch der Familie Liebert aus der Schäferbuche 11 in Marburg/Lahn bei der Familie von Mering in der Bismarckstraße 3 in Rodenkirchen/Rhein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diesen Besuch darf man sich recht förmlich vorstellen. Der Oberstleutnant wollte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als habe er es nötig, seine Tochter zu verheiraten. Die sollte ja Studienrätin werden und für sich selbst aufkommen. Und der Bildhauer vermied alles, was etwa als ein Interesse seinerseits an der Verbindung der beiden jungen Leute hätte gedeutet werden können. Aber die natürliche Wohlerzogenheit und Gewandtheit unsrer Großmutter Edith, die Munterkeit unsrer Mutter sowie der Charme der „kleinen Ulli“ machten doch einen erfreulichen Eindruck auf den begeisterungsfähigen Künstler Carl und Großmutter Clara, immer leidend und schüchtern, ließ es sich gefallen, dass Ruth ihr als „Mutter ihres geliebten Eberhard“ schmeichelte. Außerdem war Clara grundsätzlich eine zufriedene, wenn auch immer seufzende Gastgeberin, weil sie nur ungern selbst das Haus verließ. Ob unsere schwierige Tante Clara, Vatis einzige Schwester, bei diesem nur kurzen Besuch überhaupt im Hause war, weiß ich nicht. Vielleicht war sie damals in ihrer Ausbildung zur Kinderschwester. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedenfalls war diese erste Begegnung ihrer Eltern ein „Erfolg“ für Ruth und Eberhard. Sie trachteten danach, derlei zu wiederholen, schon um einander wieder zu sehen. Aber ich meine, es blieb bei diesem einmaligen Treffen unsrer Großeltern Mering und Liebert in Rodenkirchen während der ganzen sieben Jahre, die unsere Eltern „aufeinander warteten“. Nie kamen die Merings nach Marburg. Erstens fehlte es an Geld und zweitens konnte Clara wegen ihrer „Ohnmachten“ nicht reisen. Und die Lieberts kamen nicht ein zweites Mal durch Köln. Aber es gab einen freundlich-höflichen Briefwechsel der Familien zu den Festen. Der Bildhauer hatte Respekt vor dem Offizier, der Offizier bewunderte den Künstler in seinem Atelier am eigenen Haus. Dass Carl von Mering schon 1931 in die NSDAP eingetreten war, hatte er Paul Liebert gegenüber vielleicht gar nicht erwähnt. Ruth wusste es, weil sie wusste, wie sehr es „ihren Eberhard“ wurmte, zu welchen Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn es Anlass gab. Aber sie wird es ihrem Vater vielleicht nicht erzählt haben. Die Zeit, als sie sich gegen die monarchistische Haltung ihres Vaters lautstark empört hatte, war schon vorbei. Jetzt musste sie froh sein, dass er nur traditionell konservativ war, antidemokratisch und standesbewusst. Gerade das bewahrte ihn davor, zu den ihr verhassten Nazis überzulaufen. Sie arbeitete zielstrebig auf ihre Hochzeit mit Eberhard hin, unterstützt von ihrer Mutter, die ihr eine Liebesheirat gönnte. Darüber kam es sogar ein einziges Mal zu einem schweren Zerwürfnis zwischen unsern Großeltern Liebert. Edith, die sich sonst geschickt in die Eigenheiten ihres Mannes fand, drohte mit Scheidung, falls Paul die Heirat der jungen Leute hintertreiben sollte. Das wirkte. Ruth bekam Weihnachten 1933 die Erlaubnis, sich mit dem Vikar Eberhard von Mering zu verloben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Großeltern von Mering sind nur einmal im Pfarrhaus in Heusweiler/Saar zu Besuch gewesen, die Großeltern Liebert kamen jedes Jahr zur Beerenernte. So nahm der Großvater Liebert als alter Soldat 1944 die Nachricht vom Tod unseres Vaters entgegen. Der Bürgermeister von Heusweiler soll sehr froh gewesen sein, dass er es nicht selbst unserer Mutter beibringen musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Großmutter von Mering besuchten wir in Köln, so oft es unsere Finanzen zuließen. Die Großmutter Liebert lebte bei uns im Hause in Goldenstedt und hat uns helfen aufziehen. Besonders ich bewahre ihr ein zärtliches Andenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Unsere Eltern]] ⇐ ⇒ [[Unsere Urgroßeltern]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Generation_I:_Unsere_Eltern&amp;diff=23</id>
		<title>Generation I: Unsere Eltern</title>
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		<updated>2026-09-16T17:07:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;[[Vorfahrenstämme]] ⇐ ⇒ [[Unsere Großeltern]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Raupe war es. An einem Sommertag im Jahr des Herrn 1930 entdeckten ein Kölner Theologiestudent und eine schlesische Philologiestudentin im Garten des Griechisch-Dozenten Dr. Wysk an der Schwanenallee in Marburg eine Raupe. Die Wirkung war nachhaltig. Unser zukünftiger Vater Eberhard von Mering, mit seinen einundzwanzig Jahren an Naivität fast noch ein Kind, erheiterte sich, in für ihn zunächst unbegreiflicher Weise, daran, wie das „Fräulein Liebert“, das er, wie doch schon oft, im Garten getroffen hatte, sich vor der harmlosen Raupe grauste, die bei ihm nichts weiter als das Interesse des Hobby-Biologen auslöste. Damals, erzählte er ihr später, habe er sie zum ersten Mal entzückend gefunden. Unsere Mutter hat das Grausen vor Raupen in Zukunft als ihren Schlüssel zum Liebesglück sorgfältig gepflegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eberhard von Mering war nach Marburg gekommen, weil er sich entschlossen hatte, Pfarrer zu werden. Seinen Traum vom Landwirtsberuf hatte er wegen fehlender Güter aufgeben müssen. Eine Dorfpfarre erschien ihm als möglicher Ersatz. In der damals berühmten theologischen Fakultät bei Bultmann und von Soden wollte er Theologie studieren. Dabei spielte auch eine Rolle, dass Dr. Wysk, sein Kölner Griechischlehrer, als Dozent nach Marburg gezogen war und ihm bei der Vermittlung des Wohnstipendiums im Duisberg-Haus behilflich sein konnte. Eberhard war sehr arm. Sein Vater, Carl von Mering, ein Bildhauer, hatte in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fast kein Einkommen. Großmutter und Tante trugen die Studienkosten des jungen Mannes, das übrige musste Eberhard sich durch Nachhilfestunden in Latein und Griechisch verdienen. So war er in den Garten des Dr. Wysk gelangt, dessen Söhne wegen des Schulwechsels von Köln nach Marburg Hilfe brauchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruth Liebert war in den Garten des Dr. Wysk gekommen, weil sie Lehrerin für Evangelische Religion werden wollte und ihr dazu das Graecum fehlte. Sie nahm bei dem jungen Dozenten Privatstunden. Nach Marburg war sie umgezogen, weil ihr Vater nach dem harten Winter 1928/29 aus Schlesien wegstrebte, obwohl er doch von beiden Eltern her echter Schlesier war. Aber Paul Liebert hatte als junger Offizier in Straßburg und Metz das milde Klima des Westens schätzen gelernt. Dazu kam auch ein ökonomischer Gesichtspunkt – ja, der war vielleicht doch die Hauptsache. Marburg galt als billig. Paul Liebert war seit 1920 Oberstleutnant a. D. und hatte zur Ernährung von Frau und zwei Töchtern nur eine schmale Pension. Seine ältere energische Tochter sollte sich zur Studienrätin bilden und später die zarte jüngere ernähren, die zur Haushaltsführung erzogen wurde. Eine Heirat der Töchter war im Plan des Vaters nicht vorgesehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Eltern verliebten sich ineinander, ohne Vorbereitung, ohne Aussichten. Sie waren fast gleichaltrig. Sie waren gute gehorsame Kinder, fromme Studenten der Theologie. Sie lebten sieben Jahre enthaltsam, meistens getrennt, bis sie am 17. August 1937 endlich heiraten konnten. Mein Vater soll gesagt haben, er hätte nicht gedacht, dass Sex so schön sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lange Wartezeit machten Briefe erträglich. Vom Herbst 1931 bis zum Januar 1937 schrieb jeder von ihnen zweimal die Woche: Am Mittwoch einen Brief, am Samstag eine Karte. Eine Ausnahme bildeten nur die kurzen Zeiten gegenseitiger Besuche. Die Briefe belegen die Sehnsucht, das Auf und Ab der Gefühle, die Bedingungen ihrer beider Ausbildung, die Beziehungen zu anderen Menschen und das Erwachsenwerden der Liebenden. Sie sind für uns ein erstaunliches Dokument. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruth Liebert legte, nachdem sie Ende 1933 ihre Verlobung bei ihrem Vater durchgesetzt hatte, im März 1934 ein Realschulexamen als Externe vor dem Schulamt in Kassel ab. Damit ersparte sie ihren Eltern weitere Ausbildungskosten, die in einer Ehe doch umsonst sein würden. Von 1934 bis 1935 blieb sie zu Hause. Von März 1935 bis zum September 1936 verdingte sie sich als Hauslehrerin in einer Pfarrersfamilie bei Nordhausen, weil sie den Eid auf den „Führer“ Hitler aus Gewissensgründen ablehnte. Gleichzeitig wollte sie sich dadurch auf ihren Beruf als Pfarrfrau vorbereiten. Ungeduldig wartete sie darauf, dass Eberhard sein Zweites Examen bestand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kölner gehörte Eberhard der Rheinischen Kirche an. Deshalb verbrachte er die letzten Semester in Bonn. Im März 1933 machte er in Koblenz sein Erstes Theologisches Examen. Die Vikarszeit von 1933 bis 1936 verbrachte er im  Westerwald. Dort fand er über die Gemeinschaftschristen zur Bekennenden Kirche. Auf Grund seiner theologischen Überzeugungen musste er den Ausbilder wechseln. Sein Zweites Examen legte er vor dem „Bruderrat“, dem Leitungsorgan der Bekennenden Kirche in Barmen ab. Beide Verlobten fragten sich bangend, ob Eberhard unter diesen Umständen je eine Pfarrstelle erhalten würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Rückkehr des Saarlandes zum Deutschen Reich hatte die Rheinische Kirche neuen Bedarf an Pfarrstellen. Zuerst waren die beiden Verlobten enttäuscht, dass Eberhard nach Saarbrücken in eine überregionale Stadttpfarrei der BK, das sogenannte „Büro Bleek“, versetzt wurde. Aber Ruth konnte bald nachkommen. Im November 1936 machte sie eine Zusatzausbildung bei der Frauenhilfe der Bekennenden Kirche in Essen. Von Januar 1937 bis zum Juli dieses Jahres wurde sie in Saarbrücken als Kursleiterin bei der Frauenhilfe eingestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juni 1937 wählte der tapfere Kirchenvorstand der Bekennenden Dorfgemeinde Heusweiler/Saar Eberhard von Mering zum Pfarrer. Zwar versagte die Rheinische Kirchenleitung ihre Zustimmung zur Wahl und sperrte das Pfarrhaus, aber die Gemeinde fand eine Mietwohnung im „Maurerhäuschen“. Unsere Eltern konnten heiraten, und wir drei Kinder konnten nach und nach geboren werden, das jüngste sogar im wieder eroberten Pfarrhaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zweiten Weltkrieg wurde unser Vater eingezogen, einmal 1940, wonach er noch einmal freigestellt wurde, dann 1943 im April. Er fiel am 21. August 1944 bei Tartu, damals Dorpat genannt, in Estland. Die Ausbildung unserer Mutter erwies sich nun als keineswegs überflüssig. Bei der Suche nach einer Anstellung half ihr der Mann ihrer Schwester Ursula, der als Friese Pfarrer im Südoldenburger Land war. 1946 fing sie als Grundschullehrerin in Varenesch bei Goldenstedt an zu unterrichten. Als berufstätige Hausfrau hat sie uns aufgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;[[Vorfahrenstämme]] ⇐ ⇒ [[Unsere Großeltern]]&#039;&#039;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<title>Generation I: Unsere Eltern</title>
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		<summary type="html">&lt;p&gt;Jens: Neu erstellt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
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&lt;br /&gt;
Eine Raupe war es. An einem Sommertag im Jahr des Herrn 1930 entdeckten ein Kölner Theologiestudent und eine schlesische Philologiestudentin im Garten des Griechisch-Dozenten Dr. Wysk an der Schwanenallee in Marburg eine Raupe. Die Wirkung war nachhaltig. Unser zukünftiger Vater Eberhard von Mering, mit seinen einundzwanzig Jahren an Naivität fast noch ein Kind, erheiterte sich, in für ihn zunächst unbegreiflicher Weise, daran, wie das „Fräulein Liebert“, das er, wie doch schon oft, im Garten getroffen hatte, sich vor der harmlosen Raupe grauste, die bei ihm nichts weiter als das Interesse des Hobby-Biologen auslöste. Damals, erzählte er ihr später, habe er sie zum ersten Mal entzückend gefunden. Unsere Mutter hat das Grausen vor Raupen in Zukunft als ihren Schlüssel zum Liebesglück sorgfältig gepflegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eberhard von Mering war nach Marburg gekommen, weil er sich entschlossen hatte, Pfarrer zu werden. Seinen Traum vom Landwirtsberuf hatte er wegen fehlender Güter aufgeben müssen. Eine Dorfpfarre erschien ihm als möglicher Ersatz. In der damals berühmten theologischen Fakultät bei Bultmann und von Soden wollte er Theologie studieren. Dabei spielte auch eine Rolle, dass Dr. Wysk, sein Kölner Griechischlehrer, als Dozent nach Marburg gezogen war und ihm bei der Vermittlung des Wohnstipendiums im Duisberg-Haus behilflich sein konnte. Eberhard war sehr arm. Sein Vater, Carl von Mering, ein Bildhauer, hatte in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts fast kein Einkommen. Großmutter und Tante trugen die Studienkosten des jungen Mannes, das übrige musste Eberhard sich durch Nachhilfestunden in Latein und Griechisch verdienen. So war er in den Garten des Dr. Wysk gelangt, dessen Söhne wegen des Schulwechsels von Köln nach Marburg Hilfe brauchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruth Liebert war in den Garten des Dr. Wysk gekommen, weil sie Lehrerin für Evangelische Religion werden wollte und ihr dazu das Graecum fehlte. Sie nahm bei dem jungen Dozenten Privatstunden. Nach Marburg war sie umgezogen, weil ihr Vater nach dem harten Winter 1928/29 aus Schlesien wegstrebte, obwohl er doch von beiden Eltern her echter Schlesier war. Aber Paul Liebert hatte als junger Offizier in Straßburg und Metz das milde Klima des Westens schätzen gelernt. Dazu kam auch ein ökonomischer Gesichtspunkt – ja, der war vielleicht doch die Hauptsache. Marburg galt als billig. Paul Liebert war seit 1920 Oberstleutnant a. D. und hatte zur Ernährung von Frau und zwei Töchtern nur eine schmale Pension. Seine ältere energische Tochter sollte sich zur Studienrätin bilden und später die zarte jüngere ernähren, die zur Haushaltsführung erzogen wurde. Eine Heirat der Töchter war im Plan des Vaters nicht vorgesehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unsere Eltern verliebten sich ineinander, ohne Vorbereitung, ohne Aussichten. Sie waren fast gleichaltrig. Sie waren gute gehorsame Kinder, fromme Studenten der Theologie. Sie lebten sieben Jahre enthaltsam, meistens getrennt, bis sie am 17. August 1937 endlich heiraten konnten. Mein Vater soll gesagt haben, er hätte nicht gedacht, dass Sex so schön sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die lange Wartezeit machten Briefe erträglich. Vom Herbst 1931 bis zum Januar 1937 schrieb jeder von ihnen zweimal die Woche: Am Mittwoch einen Brief, am Samstag eine Karte. Eine Ausnahme bildeten nur die kurzen Zeiten gegenseitiger Besuche. Die Briefe belegen die Sehnsucht, das Auf und Ab der Gefühle, die Bedingungen ihrer beider Ausbildung, die Beziehungen zu anderen Menschen und das Erwachsenwerden der Liebenden. Sie sind für uns ein erstaunliches Dokument. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruth Liebert legte, nachdem sie Ende 1933 ihre Verlobung bei ihrem Vater durchgesetzt hatte, im März 1934 ein Realschulexamen als Externe vor dem Schulamt in Kassel ab. Damit ersparte sie ihren Eltern weitere Ausbildungskosten, die in einer Ehe doch umsonst sein würden. Von 1934 bis 1935 blieb sie zu Hause. Von März 1935 bis zum September 1936 verdingte sie sich als Hauslehrerin in einer Pfarrersfamilie bei Nordhausen, weil sie den Eid auf den „Führer“ Hitler aus Gewissensgründen ablehnte. Gleichzeitig wollte sie sich dadurch auf ihren Beruf als Pfarrfrau vorbereiten. Ungeduldig wartete sie darauf, dass Eberhard sein Zweites Examen bestand. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Kölner gehörte Eberhard der Rheinischen Kirche an. Deshalb verbrachte er die letzten Semester in Bonn. Im März 1933 machte er in Koblenz sein Erstes Theologisches Examen. Die Vikarszeit von 1933 bis 1936 verbrachte er im  Westerwald. Dort fand er über die Gemeinschaftschristen zur Bekennenden Kirche. Auf Grund seiner theologischen Überzeugungen musste er den Ausbilder wechseln. Sein Zweites Examen legte er vor dem „Bruderrat“, dem Leitungsorgan der Bekennenden Kirche in Barmen ab. Beide Verlobten fragten sich bangend, ob Eberhard unter diesen Umständen je eine Pfarrstelle erhalten würde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Rückkehr des Saarlandes zum Deutschen Reich hatte die Rheinische Kirche neuen Bedarf an Pfarrstellen. Zuerst waren die beiden Verlobten enttäuscht, dass Eberhard nach Saarbrücken in eine überregionale Stadttpfarrei der BK, das sogenannte „Büro Bleek“, versetzt wurde. Aber Ruth konnte bald nachkommen. Im November 1936 machte sie eine Zusatzausbildung bei der Frauenhilfe der Bekennenden Kirche in Essen. Von Januar 1937 bis zum Juli dieses Jahres wurde sie in Saarbrücken als Kursleiterin bei der Frauenhilfe eingestellt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juni 1937 wählte der tapfere Kirchenvorstand der Bekennenden Dorfgemeinde Heusweiler/Saar Eberhard von Mering zum Pfarrer. Zwar versagte die Rheinische Kirchenleitung ihre Zustimmung zur Wahl und sperrte das Pfarrhaus, aber die Gemeinde fand eine Mietwohnung im „Maurerhäuschen“. Unsere Eltern konnten heiraten, und wir drei Kinder konnten nach und nach geboren werden, das jüngste sogar im wieder eroberten Pfarrhaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zweiten Weltkrieg wurde unser Vater eingezogen, einmal 1940, wonach er noch einmal freigestellt wurde, dann 1943 im April. Er fiel am 21. August 1944 bei Tartu, damals Dorpat genannt, in Estland. Die Ausbildung unserer Mutter erwies sich nun als keineswegs überflüssig. Bei der Suche nach einer Anstellung half ihr der Mann ihrer Schwester Ursula, der als Friese Pfarrer im Südoldenburger Land war. 1946 fing sie als Grundschullehrerin in Varenesch bei Goldenstedt an zu unterrichten. Als berufstätige Hausfrau hat sie uns aufgezogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter zu: [[Unsere Großeltern]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jens</name></author>
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		<id>https://www.von-mering.de/index.php?title=Generationen&amp;diff=21</id>
		<title>Generationen</title>
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		<updated>2026-09-16T17:01:17Z</updated>

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&lt;div&gt;=== Ausgangsgeneration ===&lt;br /&gt;
Die Vorfahren auf dieser Website sind die Vorfahren von Christa Lippold, geb. von Mering und ihren Brüdern.&lt;br /&gt;
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