Das Schweigen - mein Großvater Carl von Mering
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- Veröffentlicht: Freitag, 31. Mai 2019 14:39
- Geschrieben von Christa Lippold
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Der Familienforscher ist bemüht, jedem der Vorfahren gerecht zu werden. Grundsätzlich möchte ich niemanden ausschließen, im Gegenteil, jedem in seiner Zeit und an seinem Ort mit Respekt begegnen. Manchmal ist das ganz einfach, manchmal schwer.
Mein Großvater, der Bildhauer und Modelleur Carl von Mering, hat schon seine Frau und seinen Sohn vor den Kopf gestoßen. Meine Großmutter und mein Vater waren erschrocken bis entsetzt, als er 1931 der NSDAP beitrat. Ich habe diesen Schritt als von Verzweiflung diktiert aufgefasst: er war seit langem arbeitslos und schrieb das der Politik des Weimarer Staates zu. Aber offenbar hat mein Vater das anders gesehen.
Noch einmal möchte ich versuchen, meinem Großvater und seiner Haltung zum Dritten Reich nachzuspüren, anhand der überlieferten Fotos seiner Werke aus dieser Zeit. Dazu reise ich nach Rodenkirchen, dem kleinen Ort bei Köln am Rhein, wo er gelebt hat. Ich treffe mich mit Mitgliedern des Kleinen Runden Tisches von "Rodenkirchen erinnert sich" und dem Initiator dieser Gruppe Dr. Cornelius Steckner. Ich möchte von meinem Großvater erzählen und von den Rodenkirchnern hören, was sie in ihren Familien zur Kunst im Dritten Reich erinnern. Was wurde in der Schule, in der Kirche, im Ruderverein, im Karnevalsverein, in der Nachbarschaft, am Stammtisch und am Abendbrottisch der Familie dazu gesagt? Was war wichtig? Was galt als schön?
Oder wurde geschwiegen? So wie heute geschwiegen wird?
Ich bin gespannt.
Wie ist das gekommen? Es liegt an Philippine Allendorf, geboren am 02.05.1852 in Koblenz.
und die Großmutter väterlicherseits, Klara Eberhardt, geboren am 09.04.1881 in Deutz bei Köln.
Immerhin habe ich noch Erinnerungen an die beiden und bin nicht nur auf Dokumente angewiesen. Andererseits sind sie auch die Großmütter meiner Geschwister - jeder Familienforscher weiß, dass das Rücksichten erfordert.
zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg. Sie ist ein wahres Familiennest. Schon lange suche ich nach einer Form, in der ich diese Verflechtungen zwischen Vorfahren darstellen kann. Mir fehlt ein Ereignis oder ein Gegenstand als Mittelpunkt.
Und sie wollen sie drucken, womöglich sogar zweisprachig, polnisch und deutsch!