Das Schweigen - mein Großvater Carl von Mering

Der Familienforscher ist bemüht, jedem der Vorfahren gerecht zu werden. Grundsätzlich möchte ich niemanden ausschließen, im Gegenteil, jedem in seiner Zeit und an seinem Ort mit Respekt begegnen. Manchmal ist das ganz einfach, manchmal schwer. 

Mein Großvater, der Bildhauer und Modelleur Carl von Mering, hat schon seine Frau und seinen Sohn vor den Kopf gestoßen. Meine Großmutter und mein Vater waren erschrocken bis entsetzt, als er 1931 der NSDAP beitrat. Ich habe diesen Schritt als von Verzweiflung diktiert aufgefasst: er war seit langem arbeitslos und schrieb das der Politik des Weimarer Staates zu. Aber offenbar hat mein Vater das anders gesehen. 

Noch einmal möchte ich versuchen, meinem Großvater und seiner Haltung zum Dritten Reich nachzuspüren, anhand der überlieferten Fotos seiner Werke aus dieser Zeit. Dazu reise ich nach Rodenkirchen, dem kleinen Ort bei Köln am Rhein, wo er gelebt hat. Ich treffe mich mit Mitgliedern des Kleinen Runden Tisches von "Rodenkirchen erinnert sich" und dem Initiator dieser Gruppe Dr. Cornelius Steckner. Ich möchte von meinem Großvater erzählen und von den Rodenkirchnern hören, was sie in ihren Familien zur Kunst im Dritten Reich erinnern. Was wurde in der Schule, in der Kirche, im Ruderverein, im Karnevalsverein, in der Nachbarschaft, am Stammtisch und am Abendbrottisch der Familie dazu gesagt? Was war wichtig? Was galt als schön? 

Oder wurde geschwiegen? So wie heute geschwiegen wird? 

Ich bin gespannt.

 

 

4. Mering-Symposium in Cottbus

Zu Ehren des Diabetes-Forschers Josef von Mering, der Professor in Halle war, nennt PD Dr. Pliquett seine Symposien zur Diabetes-Forschung Mering-Symposien. 

Am 10. Mai findet das 4. Mering-Symposium in Cottbus statt. Themen sind Diabetes-Technologie und Prävention.

Organisation: Departement Nephrologie/Diabetologie des Carl-Thiem-Klinikums Cottbus, Leitung: PD Dr. Pliquett.

Alle Mering-Verwandten sind stolz auf den Nachruhm von Josef von Mering. Seine Lebensgeschichte finden Sie auf dieser Seite, wenn Sie suchen: Ein Professor von Mering in Halle.

 

Evangelische Merings

Der Merinck, der 1553 in Köln Bürgerrecht erhielt, war ganz bestimmt Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Anders hätte er sich in Köln, der katholischen Metropole, gar nicht niederlassen können. Zwei Domherren von Mering, ein Kaufmann und Bürger Hendrich Merinck, ein Medizin-Professor Theodor Meringh sind der Stolz der Familie. Und natürlich waren sie alle katholisch. Auch die Andernacher Merings sind katholisch wie ihr legitimer Nachkomme, der Professor Josef von Mering in Halle - mag er auch von sich behaupten, kein treuer Sohn seiner Kirche zu sein.

Aber wir, wir sind evangelisch. Und wie! Mein Vater und mein Bruder sind sogar evangelische Pastoren. Auch eine Nichte hat evangelische Theologie studiert. 

  Wie ist das gekommen? Es liegt an Philippine Allendorf, geboren am 02.05.1852 in Koblenz.

Sie hat die evangelische Trauung zur Bedingung ihrer Ehe mit Peter von Mering gemacht. Und offenbar wollte unser Vorfahr Peter die junge Philippine sehr gerne heiraten. 

Wo kommt Philippine Allendorf her? Ihr Vater war aus Artern in Sachsen-Anhalt und ganz selbstverständlich war er evangelisch. Ihre Mutter war aus Bacharach. Da war es weniger selbstverständlich. Aber ich halte gerade die Bacharacher evangelische Linie für eine starke Linie. Sie hatte Minderheitenerfahrung. Sie war gewohnt, sich gegen Mehrheiten durchzusetzen. Im überwiegend katholischen Koblenz, das  1873 schon viele konfessionsverschiedene Ehen aufwies, den katholischen Mann zur Trauung in der evangelischen Pfaffendorfer Kirche zu bewegen, wo keiner von den andern Merings sich blicken ließ - das war bestimmt nicht einfach. Aber Philippine wollte es so.

Nun mache ich mich auf die Suche nach Philippines mütterlicher Herkunft, meinen evangelischen Vorfahren am Rhein.   

 

Eine neue Tür!

Das Jahr 2018 war mein 80. Lebensjahr - gerade in diesem echten Hochsommer wurde ich 80. Ich habe das Jahr gefeiert und relativ wenig geforscht und geschrieben. Immerhin sind zwei meiner Familienerzählungen 2018 gedruckt worden: eine aus dem Stamm Liebscher in Halle an der Saale vom treuen EKKEHARD, eine aus dem Stamm von Mering in der Saarländischen Familienkunde - das war eine Premiere.

2019 nun will ich eigentlich wieder etwas fleißiger sein. Zu den guten Vorsätzen zählt, wie nun schon so manches Jahr, die Geschichte des sogenannten "Obdachlosen", die Lebensgeschichte des unglücklichen Franz Joseph Caspar von Mering. Dazu möchte ich nach Kopenhagen ins Rijksarchivet, obwohl damit nicht das Hauptproblem gelöst wird: Franz von Merings spurloses Verschwinden nach der Begnadigung durch den bayrischen König 1818.

Aber auch meine beiden Großmütter stehen auf dem Plan. Die Großmutter mütterlicherseits, Edith Behn, geboren am 18.01.1884 in Berlin,und die Großmutter väterlicherseits, Klara Eberhardt, geboren am 09.04.1881 in Deutz bei Köln.Immerhin habe ich noch Erinnerungen an die beiden und bin nicht nur auf Dokumente angewiesen. Andererseits sind sie auch die Großmütter meiner Geschwister - jeder Familienforscher weiß, dass das Rücksichten erfordert.

Die Kurzbiografie über den Großvater Paul Liebert möchte ich ausbauen oder ergänzen um sein Erlebnis der Revolution von 1918/19 - ein Ereignis, das 2018/19 viel öffentliche Beachtung fand. Für Paul muss es ein traumatisches Erlebnis gewesen sein. 

Ein echtes Desiderat ist die Lutherstadt Eisleben zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg. Sie ist ein wahres Familiennest. Schon lange suche ich nach einer Form, in der ich diese Verflechtungen zwischen Vorfahren darstellen kann. Mir fehlt ein Ereignis oder ein Gegenstand als Mittelpunkt. 

In diese eigenen Pläne hinein trifft nun der Plan einer kleinen polnischen Regionalforschergruppe aus dem früheren Kreis Neidenburg. Nachdem sie zwei heimatkundliche Bücher schon zustande gebracht haben, die die Geschichte von Narzym und Ilowo und Osada erzählen, planen sie einen dritten Band. Soviel ich weiß, soll er viel alte Fotografien enthalten, auch Urkunden und andere Texte. Bei ihren Recherchen sind sie auf meine Erzählung über meine Vorfahren Guthzeit auf Gut Bialutten gestoßen, wie sie auf meiner Homepage steht. Und sie wollen sie drucken, womöglich sogar zweisprachig, polnisch und deutsch!

Das bewegt mich sehr. Es war immer mein Ziel, die Erzählungen über meine Vorfahren möglichst in der Gegend drucken zu lassen, in der sie spielen. Deshalb habe ich den Kontakt zu Regionalforschern und Genealogen am Niederrhein, am Mittelrhein, in Sachsen-Anhalt, in Thüringen und im Saarland gesucht. Und immer habe ich bedauert, dass die Geschichten von den Vorfahren, die im heutigen Polen gelebt haben, nicht gedruckt werden können, weil ich Deutsch schreibe und die Menschen, die heute dort leben, Polnisch sprechen und lesen. Und nun tut sich diese Tür auf! Ich habe die Erzählung gekürzt, bin sehr gespannt und wünsche dem Herausgeber-Team viel Glück und Erfolg. 

 

Kirn

In dieser kleinen Stadt soll 1643 ein Mann geboren sein, der im fernen Sachsen, in der kleinen Stadt Dippoldiswalde, der Stiefvater meiner Vorfahrin wurde. Hans Barthol Zeiser hieß er. Sein Vater war Feldtrompeter im Rheingräflichen Regiment. 

Das war die Zeit des 30jährigen Krieges. Viele Menschen waren unterwegs: als Soldaten mit ihren Regimentern oder auf der Flucht, auf der Suche nach einem sicheren Plätzchen. Ob der Feldtrompeter als Soldat unterwegs war und seine Familie mitnahm - ob der Sohn als Sattlergeselle erst nach dem Krieg auf Wanderschaft ging - das bleibt im Dunkel. Jedenfalls wurde der Junge aus Kirn in Sachsen sesshaft, wurde dort Vater von 5 Kindern und führte die Sattlerwerkstatt seines Schwiegervaters Caspar Bercht. Wie er zu seiner Stieftochter Anna Elisabeth Bercht stand, ist nicht überliefert. 

Solche Fragen kann auch das Seminar "Vertiefende Familienforschung" nicht lösen. Aber bei vielen anderen ist es sehr behilflich. Es findet nun wieder statt am 27. und 28. Oktober auf Schloss Dhaun bei Kirn, wohl organisiert von dem Genealogen Roland Geiger. Die Vorträge sind bunt und anregend, die Stimmung gut, der Ort ansprechend. Man lernt und gibt weiter, was man weiß, man diskutiert, aber man erzählt sich auch aus dem langen Forscherleben. Und man bietet sich gegenseitig tatkräftige Hilfe an. 

Im vorigen Jahr war ich zum ersten Mal dort und habe gleich sehr profitiert. Und ich freue mich auf dies Wochenende!