Veröffentlicht in: "Kein der schlechtesten Oerter einer", Beiträge zur Geschichte der Stadt Wipperfürth, Hrg. Heimat- und Geschichtsverein Wipperfürth e.V., Red. Erich Kahl, Lindlar 2006

Am 9. Mai 1722 hatten die 24 Kapitulare des Kölner Domkapitels einstimmig einen Stellvertreter und designierten Nachfolger für den Erzbischof in Köln gewählt. Es handelte sich um den 22jährigen Clemens August von Wittelsbach. Papst, Kaiser und bayrischer Kurfürst waren erleichtert. Den Papst beruhigte, dass die Nachfolge geregelt war. Der Kaiser war zufrieden, dass der neue Kölner Kurfürst aus einem Fürstenhaus des Deutschen Reiches stammte. Und der bayrische Kurfürst Max Emanuel wusste damit seinen jüngsten Bruder gut versorgt. Dass Clemens August gar nicht Priester werden wollte, war nicht so wichtig. Seinem Onkel Joseph Clemens war es ebenso ergangen, trotzdem war er 45 Jahre lang im Amt gewesen. Nun aber schienen dessen Tage gezählt zu sein. Ein Wechsel stand bevor.

Maria Gertrude Rübsam (1699 - 1745)

Sie ist die Mutter aller heute lebenden von Merings - und auch der in Koblenz kräftig blühenden Merings ohne von. Natürlich ist sie auch Ahnfrau von Menschen, die andere Familiennamen tragen, über ihre Enkelinnen oder Urenkelinnen von ihr abstammend. Aber das lasse ich jetzt außer Be­tracht.
Sie ist unsere Ahnfrau, weil von zweien ihrer Söhne bis heute Namensträger leben. Sie hieß Maria Gertrude von Mering, geborene Rübsam. Und sie lebte von 1699 bis 1745 in Ander­nach.

Zuerst veröffentlicht in: ANDERNACHER ANNALEN 5, 2003/2004, Hrsg. v. Historischen Verein Andernach e. V., S. 64ff.

Das Testament von Tilman Theodor Mering 1717

„Im Jahr Christi tausend sieben hundert und siebenzehn in der 10.ter Römer Zinß Zahl bey Herrsch- und Regierung des Allerdurchleuchtigsten, Großmächtigst- und Unüberwindlichsten Fürsten und Herren Herrn Caroli Sexti Von Gottes gnaden erwehltem Römischen Kaysers[1]“ liegt ein junger Priester in Köln auf dem Sterbebett. Es ist Tilman Theodor Mering, geboren in Köln am 25. 9. 1689, Priester seit 1711, seit 1715 Kanonikus an St. Apo­steln[2]. Theodor Mering ist „Zwahren Bettlegerich krank“, kann „aber guten Verstandes sein Redt reden“.  „In der Tranckgassen dahier in Wohnbehausung des Hochwürdig Herrn Thumb Capitularen Herrn Henrichen Mehring[3] oben auffen newen Zimmer Straßen warths“, also in der Wohnung des älteren Halbbruders des  Kranken, haben sich Schöffen, Zeugen, Schreiber mit dem „bei Einem Ehrsahmen Hochcolnißen Rath immatriculirten Notario“ versammelt. Tilman Theodor verfügt, nachdem er für seine Seele, sein Begräbnis, seinen Beitrag zum Dombau und die Gedenkmesse in Sankt Aposteln gesorgt hat: „Zum Fünfften Legirte Seinem Brudern Herrn Friderico Mehring wöchentlich ein Reichs Thaler unfehlbar nach sein Testatoris Todt den selben pro alimentis Leblänglich auß zu Zahlen und Her zu geben“. Diese freundliche Fürsorge für den Bruder schränkt der Testator aber einige Abschnitte später erheblich ein: „welchen (wenn) aber sein Testatoris Vorhin gem. (gemeldeter) Bruder Friderich Mehring sich solcher gestalt aufführen wird, daß die familie darob unglimpff hätte od. auch dessen Creditoren dieses alimentations deputat mit arrest od. anderen Exemtions Mittel Bestricken würden, solchen pfalls solle Herrn Testatoris universal Erb ahn (an) fernere Zahlung des wöchentlichen Reichsthalers nit gebunden sein sondern zu anderwärtigem ihm Beliebig Ends Verwenden Mögen.“Die Beziehung des sterbenden Theodor zu seinem nur wenig älteren leiblichen Bruder[4] Fridericus oder Friderich Mering ist also eine sehr ambivalente. Einerseits möchte er über seinen Tod hinaus für ihn sorgen, indem er ihm eine wöchentliche Hilfe zum Lebensunterhalt aussetzt. Andrerseits fürchtet er, dass dieser Bruder der Familie „Unglimpff“, also „Schande“ machen könnte und dass seine Schulden so verzweifelt ansteigen, dass Gläubiger ihm auch den einen Reichsthaler wöchentlich würden streitig machen. Wir stellen uns nach diesem brüderlichen Zeugnis unter Friderich Mering einen Mann vor, der ein ziemlich loses Leben führt.

Die Schriftsteller, die darüber berichten, ebenso wie die Personen, denen er zustößt, halten den Abstieg für etwas Ungewolltes. Darum gerade wird über seine Gründe gerätselt. Darum wird er für den Moralisten interessant. Darum wird die "Fallhöhe" ein dramatisches Thema.

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